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Frühherbststitte unb die Welt war die strahlende Verkörperung des ewig! unvergänglichen Stirb und Werde.- 1
Alphonse de Marsillargues war nach Paris zurück- gekehrt. Die nächsten Tag!? füllte eine fieberhafte Geschastig? keit. Das Erste war, daß er seinen Ktafttvagen verkaufte. Danach folgte eine öffentliche Versteigerung seiner kostbar eingerichteten Junggesellenwohnnng, deren erlesen geschmackvolle Möbel im Verein mit alten Fayencen, Stahle stichen, historischen Waffen ein bedeutendes pekuniäres Ergebnis zeitigten. Uni) als dies erledigt, als Mphonse de Marsillargues in ein kleines Hotel auf dem Boulevard Haußmann überae siedelt war, machte er es möglich, die in seinem Portefeuille befindlichen Wertpapiere unter der Hand losznschlagen. Ergab solch Verkauf a tollt prix auch nur ein unverhältnismäßig bescheidenes Resultat — a£8' er vierundzlvauzig Stunden später Paris verließ, besaß er in seinem Portefeuille dock immerhin den Betrag von 30000 Frauken. Das Letzte, oas'Allerletzte, was' er aus dem großen Niederbruch an sich gerissen. Diese 30000 Franken bildeten eine säst lächerliche Folie zu oem Alphonse de Marsillargues der Friede ns zelten — zlu dein eleganten Pariser Flaneur, *u dem Helden der Überkullivierten Lebeweltlokale, zu dem unbestrittenen ehemaligen Führer der tollen übermütigen Montmartre-Mächte.
Mochten sie — Mphonse de Marsillargues besaß für die nächsten Monate immerhin noch genügen 0 Geldmittel, sich lcher Wasser zu halten. Daran ließ er sich geniigen. In der Zukunft lag die Entscheidung: und diese Entscheidung nach seinem Willen, nach seinem Plan zu lenken und Herbeizuführen — das war einzig Sache der Energie, der Rücksicht^ losigkeit, der Gei stesige<)en wart.
Achtundvierzig Stunden später tauchte in Vatry — einem verschlafenen winzigen LandstMtchen, zwei Weg? stunden vom Schloß St. Ehamant entfernt — ein bescheiden aussehender Fremdling ans, nahm im Fentral-Hotel, dem
a en Gasthofe des Städtchens, zwei Zimmer' des dritten ! zur Wohnung, legte der Polizei seine Papiere vor Und begann tagtäglich in die ziemlich reizvolle Umgebung ausgedehnte Ausflüge Und Spaziergänge zu unternehmen.
„Ein Pariser, der wie so Tausende seiner Mitbürger der Verödung des Seiue-Babels entflohen ist, der in der Einsamkeit und Weltabgesckiedenheit dieses Städtchens Erholung sucht; einer der zahllosen Pariser' kleinen Rentner, der sich vor den Gräueln des Krieges, vor den Schrecken der über Paris fliegenden Zeppeline in die ländliche Eirr- jamkeit zurückgezogen hat!"... so urteilten die guten Einwohner von Vatry, wenn sie den Fremdling langsamen Schrittes rntb den rechten Fuß ein wenig nachziehend durch die Hauptstraße wandern, wenn sie ihn in den Wald ein- vteaen sahen. Nnd keine acht Tage waren vergangen, da hatte man sich an die Erscheinung des Fremdlings, an seine zurückgezogene Lebensart, an seine regelmäßigen Spaziergänge gewöhnt, ö
Niutch der Wirt und Besitzer des Zentralhotels.
Dieser Monsietrr de Marsillargues bezahlte pünktlich ferne Hotelrechnung, siel niemandem zur Last, hatte keinerlei ertravaganke Manieren, wünschte offenbar in absoluter Zur ilckgezogen heit zu leben... eh bien — der Monsieur stÄ^arn'höchs^'der des Zentral-Hotels, schätzte solche Gäste
großer war seine Ueb'erraschung^ als chn eines Mittags dieser Monsreur de Märsillaraues zum kleinen Fenstert,sch lManbat, an den, er stets sein Men nehmen pflegte. "
Au
„Wollen Sie mir nickt das Vergnügen machen, Monsreur, einmal ent Glas Wein mit mir zu trinken?"
Monsieur Bourdin beeilte sich, sein gesticktes kleines Käppchen vom Kopf zu rerßen und einen Kratzfuß zu sckMeu wisse hU ^rsicheru, daß er diese Ehre wohl zu
So iJattt es, daß die beiden Männer sich eine Minute Vater friedlich an dem kleinen Tisch gegeuübtzrsaßen, daß sie mit den Gläsern aneinander klinkten und sich aeaew fettig h,e hervorragendste Gesundheit wünschten, die man sich in dieser Zeit des Schreckens nur irgend denken konnte ^^n^iaens war dieser Pariser Herr garuicht so zuge- knöpst und reserviert, wie er sich den Anschein gegebE.
^'gbnteij — er nahm bald keinen Anstand, das Gespräch gus persönliches Gebiet hinüberzulenken; indem
er aus eine vorsichtig informierende Frage des Wirtes freimütig erklärte:
„Ich habe Vatry keineswegs ausgesucht, Monsieur Bourdin, um dem! dolce sar niente zu fröhnen. — mich ver- aulaßteu vielntehr hierzu sehr reale Tatsachen."
„Monsieur haben wohl drüben in unseren Schntzcw gräben am Rhein-Maruc-Kanal irgendeinen lieben Bcr- loandten, den Sie besuchen »vollen?"
„Dies nicht, Monsieur Bourdin; vielmehr handelt cs sich um rein kaufmännische Fragen."
„Und darf man indiskret sein. . ."
Alphonse de Marsillargues fuhr mit der Hand glättend! übler das Tischtuch.
„Weshalb' nicht? Zur Gegenteil es wäre mir recht lieb, wenn ich mit einem in dieser Gegend Ansässigen einmal vertraulich unter vier Augen sprechen könnte."
Monsieur Bourdin beeilte sich zu versichern,, daß er gerade hierfür die geeignetste Persönlichkeit wäre: denn er sei seit seiner Fügend nicht von Vatry lveggewmmen und kenne sozusagen jedes Mauseloch auf hundert Meilen in der Umgegend. Worauf Alphonse de Marsillargues eine neue Flasche bestellte, mit dem Stuhl näher zum Tisch heranrückte und gedämpft zu sprechen begann.
Kurz und gut — es handelte sich darum- daß Monsieur de Marsillargues — wie tatsächlich in ganz Vatry vermutet
ein Pariser Rentner sei. Infolge des seit Monaten stagnierenden riesigen Froutalkampscs. der sich, von der Küste bis herab zur schweizerischen Grenze zog, feierten: die um Vatry hernmliegenden Steinbrüche, waren von ihrer Belegmannschaft, von ihren Verwaltungsorganen verlassen, waren zum Teil sogar ersoffen. Zweifelhaft, ob nach Beendigung des Krieges all diese Gruben wieder in Betrieb genommen werden würden. Sicher war, daß sie gegenwärtig zu lächerlich billigen Preisen zu verkaufen standen, wer also äföut und Initiative genug besah, einen derartigen Steinbruck) in diesen Zeiten zu kaufen, besaß immerhin Aussicht, später erheblichen Nutzen daraus zu ziehen. Und Monsieur de.Marsillargues trat nun als Käufer auf. Merdings, allzuviel flüssige Mittel standen ihm im Augenblick nicht zur Verfügung, immerhin wäre er kapitalkräftig genug, erforderlichenfalls auf einen kleineren Steinbruch die entsprechende Anzahlung zu leisten. Nun handelte es sich darum, ob Monsieur Bourdin in der Lage war, ihm ein derartiges nicht zu umfangreiches Objekt, das zUm Verkauf stand, uainhaft zu machen.
Das ungefähr war der Inhalt des Vortrages, den Alphonse de Marsillargues gedämpften Toues deur Wirt des Zentral-Hotels hielt.
Monsieur Bourdin wiederUnt hatte schon längst ein eiliges breites Lächeln um die Lippen, und käum, daß sein Gast zu (Sitbe gesprochen, erklärte er sich unter betäubendem Wortschwall sofort — sofort bereit, Monsieur de Mar- slllargues aus dem Handgelenk gleich ein Dutzend derartiger Objekte zu nennen.
Und zum schlagenden Beweise, daß der Monsieur de Marsillarau.es nicht an einen Charlatan, soudern tatsächi- lich an einen Sachkenner geraten sei, begann Monsieur Bourdin aufzu^ählen:
Ein Steinbruck) bei Clamanges. Ein anderer bei Verttls> ein dritter und vierter und! fünfter bei Mally, bet Huiron ber Eooyes, — letzterer allerdings schon in bedenklicher Nahe der Kampfronten am Rhein-Märne-Kanal. Eben daselbst ein weiterer, der hinsichtlich Größe und Ergiebigkeit dem Monsieur de Marsillargues allerdings wohl am meisten Zusagen würde — der Steinbruch „Bon espoir", eine halbe Wegstunde abseits eines gewissen .Schlosses St. Ehämant.
^ ^MVl>nse de Marsillaraues war gewiß ein Mansch von Selbstbeherrschung; war ständig igewöhUt, jede Muskel, jeden Nerv zu kontrollieren. Und doch — als Monsieur Bourdin von dem Steinbruch „Bon espoir" spracht zackte die Hand des Gastes, die schon um den Fuß des Weinglases lag, str den Bruchteil einer Sekunde zurckkck.
lleibtigens hatte Alphonse de MarsÄargurs sofort wieder seine Beherrschung zurückgewonnen. Nicht das leiseste SAwanken, nicht die schatten^sitest^ Färbung lag tn ferner
Stimme, <üs er sein , sichtlich dieses Steinbru
bat.
Angaben Jjtlifr
(Fortsetzung folgt.)


