Montag, den 1 . August

Schicksale.

Roman von Heinrich Kornfeld.

(Nachdruck verboten:.)

(Amerikanisches Copyright by dort Duncker 1914.)

(Fortsetzung.)

Da hob -er den Kops und starrte wie erwachend aus wüsten Fieberträumen um sich. Und erhob sich mühsam. Und tastete mi-t flatternden Händen nach seinem goldenen Etui, dem er eine Zigarette entnahm und diese anzündete.

Ein halbdntzend hastiger Züge der Nikotin peitschte die Nerven wieder auf.

Ein Zusammenstraffen - ein Aufeinanderknirschen der iZähne ein jähes Zurückwerfen des Kopfes ... Alphonse de Marsillargues chatte seine KreatnrensckMäche überwunden.

Mochte Plan und Anschlag auch von dieser Stund« an sinnlos geworden fein(er gab sie Nicht auf! Nun gerade Nicht! Ans Haß aus... dem Instinkt, der Gier jener Verbrechernatur heraus, die in ihm geschlummert, die jetzt erwacht war und ihr Opfer suchte.

Wenn alles um ihn znsammenbrach, wenn er stürzte im Fall riß er noch einen Menschen mit sich.

Eine Frau die er nicht liebte, die ihm aber hätte Rettung bringen können u:rd die doch kühl lächelnd seinen Antrag abgelehnt.

Eure Deutsche.

Jutta Marquise de St. Chamant.

Die riß er mit sich.

Und ter jetzt vor den Spiegel trat, da erschrak er ,incht eimnal vor seinem Gesicht, das einen neuen Menschen zeigte!

Keinen Menschen ein Raubtier.

*

Sit war ihm entgegengeeilt; sie hatte bald die Arme gehoben, als wolle sie sich ihm an die Brust werfen in .Sehnsucht und Glück, ihn wiederzusehen... und verhielt jetzt doch den Schritt und stand betreten da und murmelte: Du tvünschteft mich zu sprechen, Alphonse?"

Fa."

Halber weshalb hier draußen in dem verstecktesten Winkel des Parkes, weshalb nicht auf der Diele? Es ist doch kein Geheimnis, daß wir uns kennen! Ich bin doch erst durch deine Vermittlung hierher gekommen nach St. Cha- mant. Weshalb also tust du so geheimnisvoll?"

Weil ich meine Gründe dazu habe."

Ich verstehe dich nicht."

Ich wünsche nicht, daß man irnser Gespräch belauscht das ist alles."

Die scheuen Augen Marguerite Varrels folgten ihm iunablässig, wie er rnheloS vor ihr auf- urtd abwanderto. Dann ließ sie sich nieder. Es inar da eine kleine kosige Rasen- bank, hinter der aus blühenden Gyringensträuchern der Torso einer marmornen Venus Herauslug te.

Uird im Schatten dieser Syringen saß die lleine Mar- gnerite Varrel und hielt die Hände im Schoß gefaltet und wartete.

Mußte lange warten, bis ihr Herzliebster endlich vor ihr stehen blieb.

Und dann sah sie ein Lächeln über sein Gesicht gleiten

doch es war ein Lächeln, das sie noch nie an ihm bemerkt hatte und das ihr das Herz schwer machte.

Mit soviel guten Vorsätzen hatte sie seiner all die Zeit gedacht. Mit soviel Treue hatte sie ihren unfreüoillig^über­nommenen Pflichten nachgelebt; mit soviel glückseliger Sehw sucht war sie ihm entgegengeeilt... und mm lächelte er so!

Sie sagte leis und hilflos:

Seltsam siehst du mich an, Alphonse."

Jetzt lachte er kurz auf.

Tu ich das. Kleine?"

Weißt dn.es gar nicht, Alphonse?"

,^Jch vermute, Marguerite, deine Augen sind zu scharf, du bist überempfindlich geworden..Vielleicht macht das die Zeit der Trennung."

Du bist ein Andrer, Alphonse."

Das willst du in diesen roenigen Minuten bemerkt haben?"

Ich fühle das, Mphonse."

Er hob halb die Hand in lässiger Abwehr.

Ab bah Marguerite, jetzt bist du eine richtige kleine Pariserin mit überempfindlichen Nerven. Sei nicht töricht

ich bin derselbe Alphonse de Marsillargues, den du in Paris verließest. Vielleicht, daß mich die sckwrfe Autotour des gestrigen Tages und das Leichenbegängnis elloas mit­genommen haben. Eine gewisse Abspannung das gebe ich zu. Alles Andre aber ist törichte Einbildung."

In ihren Augen glomm ein scheues Lichtlein auf. Wie 1 viedererwa chende Ho ffn un g.

Wenn du es sagst, Alphonse ich wäre ja so glück - lich. Ich habe Tag und Nacht au dich denken müssen. Hub immer wenn ich an dich dachte, dann sah ich dich so, wie du oft ^u mir lieb und zärtlich und rücksichtsvoll gewesen bist; wie du dich unr mich sorgtest, wie du mir gut zufprachst und mir von unserer Zukunft erzähltest. Das ist lange her, Alphonse und es war doch so schön immer!"

Alphonse de Marsillargues schien das Letzte überhört zu haben. Er lieh sich neben ihr nieder. Er ergriff ihre Haiä>; er versetzte behutsam und durch seine Stimm« drängte sich wieder etwas wie die Erinnerrtng an gemeim sanre Pariser Stunden des Glückes:

Die Entscheidung über unsere Zukunft liegt fortan bei dir, meine lleine Marguerite. Einzig bei dir."

Bei mir, Alphonse?"

Das sagte ich eben."

Ch6ri ich bin ein hilfloses arnres kleines Mädelck)«n. Ich besitze nicht so vornehme Verwandte wie du. Ich Hab nicht deine Energie und deine Klugheit und dein Miss.