Die handschuhknöpfe.

Erzählung von R. Tefsi.

' \ (Nacl)drnck verboten.)

Doime der Zug sick^ in Besorgung setzte, nafyni Käte beii Hut ab Und ries plötzlich ans:

O wie schade, sieh nur, ich lauste soeben diese Rcisehand- schiube, und kaum zog ich sie an. so sind die Knöpse schon weg?"

Trunek, Käthes Gälte, schüttelte verständnisinnig den Kopf, Mid da er erst m<ci Monate verheiratet war, so sagte er nichit etwa:

Liebes Krnd, du hast selbst schuld, denn die Knöpse solltest erst fest genäht rverden" oder dergleichen andere weise Worte mehr, sondern er küßte ihr die Hand, gerade an der Stelle, ivo die Knöpse fehlten, und bemerkte noch heiter:

So, jetzt habe ich den Schaden geheilt!"

Käte ging aber ans den Scherz nicht ein, sondern murmelte:

Einfach albern, euch Männern ist cs natürlich ganz gleich, vb die Frau wie eine Köchin angezogen ist!"

Aber- Täubchen, was hat denn das mit einer Köchin zu tun? Drei) die Hand um, dann kann überhaupt niemand sehen, ob Knöpse vorhailden sind oder nicht."

Andere merken es schon, deim gerade in Kleinigkeiten unter­scheidet sich die elegante Dame voll der einfachen Frau."

Nimm ein paar andere Handschuhe, und dann ist die Sxlche erledigt."

Ich baute für den Rat, aber die Reisehandschnhe fiub doch für einen bestimmten Zweck gekauft, für den andere Handschuhe eben nicht passen."

Trunek schwieg rmd wurde traurch. Er dachte:Das kommt davon, iveiltl inan eine Auge Frau nrmmt! Einem getvvhnlichen. Wesen hätte man leicht die lieberzeugung beibringen können, svie belanglos die Angelegenheit ist, aber Käte erdriickl mich mit ihrer eisernen Logik."

Er sah nach ihr hin, wie sie ein Buch nahnr icnd hin ein stierte, ohne zu lesen, und er sagte sich:Woran mag sie nur denken? Sicherlich, daß ich ein Dumiiftiostf biil, uttd daß sie sehr Unvor­sichtig eine Ehe mtt mir geschlossen hat."

Schade, sehr schade!" rief Käte aus.

Was bedauerst du denn so, inein Herz?"

Daß ivir nicht nach Wien reisen. Dort hätte ich nämlich die passenden Knöpfe findeil Tonnen, beim die Berkäuf-erin sagte mir, es wären Wiener Handschuhe. Ich begreife auch gar nicht, warum wir über Berlin fahren und nicht über Wien, svie Olga Poppe es machte."

Ja, mein Kind, Olga reiste doch nach Italien, und wiv geh>eu nach München."

So viel ich weiß, ging sie nicht nach Jtalieii, aber wiv Wollen darüber nicht streiten. Ich muß nun zusehen, daß ich in Berlin solche Knöpse finde."

Wer könnte denn an dergleichen deicken . . ."

Käte warf einen kalten Blick nach ihm hin, der beini Gatten, wieder den Verdacht auslöste :Sie hält, niich sicher für einen. Dummköpf. Gott, wie wird das werden!"

II.

Truneks Zeit war kurz bemessen. Er reiste im Aufträge seines Ch>ess nach München, um eine geschäftliche Angelegenheit zu er­ledigen, und selbstverständlich'TlalM er seine junge Frau mit. Zwei Men.de hindurch tvnrden Pläne gemacht, ivas in Berlin alles be­sichtigt werden sollte. Auf dem Prvgramm stand: Das Aquarium, Kempiuskt und Wertheim, wo Käte sich eine neue Jacke, kaufen sollte.

Man kam spät abends an. Tie Läden lvaren schon geschlossen, Und die Handschnhknöpse konnten demnach nicht mehr gesucht werden. Käte sclstmpfte auf Berlin, und der gehorsame Gatte stimmte ihr bei.

Am folgenden Morgen begann die Jagd nach den Handschuß- knöpfen, aber vergebens, bald sparen sie zu Aein, bald zu groß NUd nicht in der entsprechenden Farbe. Tpimek bekain Hunger Und schlug vor, ins Restaurant zu gehen. Stumm verzehrten beide das Mahl. Dann fragte er munter:

Nun, wollen mir jetzt ins Aquarium?"

Bitte, verschone mich damit!"

Oder vielleicht zu Wertheim, du brauchst ja eine gute Jacke!"

Freilich war das auch ihr Wünsch gewesen, aber jetzt, nackp- dem eine geivisse Spannung zsvischen ihnen eingetreten war, Aopfte sie leis! mit dem Fuß und erwiderte:Ich kann jetzt nicht an die dumine Jacke denken, >venn ich die Handschuhknöpse int Kopf habe."

Man ging nach der Leipziger Straße, die im Bädeker als die lebhafteste Handelsstraße angegeben ist. Alle Läden wurden abge­sucht und in einen traten die Reisenden, die sich allmählich ver­irrten, zuin zweitenmal ein, wo der Verkäüfer sie lachend Mit den Worten begrüßte:

Wir haben noch immer nicht die passenden Handschuhknöpse."

Käte war sehr ärgerlich ans ihiren Mann, daß er nicht besser Bescheid svußte in Berlin, und gab fürs erste die Einkäufe auf. Als! sie müde nach dem Hotel zurückkaln, legte sie sich schlafen und wachte kaum bis!, znm Abgang des Zuges auf.

In München wurde ihre Stimmung auch nicht besser. Er mußte seinen Gescl-äften nachgehen. Sie nahm einen Wagen und fuhr von einem Laden zum andern, aber in hm: einen vergaß

sie plötzlich, wie Knöpfe, im anderen, wie Handschuhe und im dritten, wie beide zusammen rm 'Deutschen heißen.

Sie kehrte ins Hotel zurück und begann zu weinen.

Käum bemerkte der Gatte, als er zurückkam, ihr betrübtes Gesicht, so sagte er entschlossen:Liebe Käte, ich Pfeife auf meinen Chef, wir reisen über Wien nach Hause."

Sie lächelte mit gekrünrmten Lippen und antwortete:

Wenn du es ivünschest mir ist's gleich, am liebsten möchte ich nach Hause fahren!"

Ich denke gar nicht daran! Jetzt, wo es sich nur um einige Stunden Reise handelt und wir Wien sehen können, das wir beide so sehr lieben!"

Gr fühlte sich sehr wohl in dem Aufschwung seiner Energie, hißte Kate die Hand und lief nach dem Bahnhof, um Billette zu lösen. Sie flüsterte noch ettoas, was er nicht nlehr hörte, und am nächsten Morgen stiegen sie schon in Wien auf dem Bahnhof aus.

Mit wiästiger Miene fragte Trunek den Gepäckträger:

Sagen Sie, mein Lieber, ivie heißt denn hier die Haupt­handelsstraße?"

Vielleicht besehen wir zuerst die Stadt!" bemerkte Käte.

Ihr Gatte sagte aber entschieden:Nein, mein Kind, erst das Geschäft, dann das Vergnügen!" und innerlich meinte eri ,Lch bin doch kein Tölpel, oho!" Er lief voran, trat eiligst in ver­schiedene Läden ein und fragte laut!"

Haben Sie Küöpse für Handschuhe, solch runde, mehr flache, große mit zioei Löcberchcn?"

Die Kaufvcrsucye wurden durch das Frühstück, dauu durch das Mittagessen und die Besichtigung des Prater und der Donaubrücke unterbrochen.

Käte schien das Schicksal ihrer Knöpfe gänzlich in die Hände ihres energischen Gatten gelegt zu haben. Er lvar in der Tat uner­müdlich und fahndete immer weirnr nach den Knöpfen. Schon war es Zeit, nach dem Bahnhof zu. gehen, als er in einem Aeinie«tz Spezialgeschäft den ersehntein Schatz zu entdecken glaubte.

Sieh nur, Käte, das sind meiner Airsicht nach genau dieselben Knöpse." Er zitterte förmlich vor Freirde. Sie aber sagte gleich­mütig:Nein, sie sind kleiner."

Gib nur den Handschuh her, ivir wollen mal sehen."

Ich sage Dir, sie sind zu klein I"

Mer so laß doch sehen, aoir durchqueren ganz Europa wegen der Möpse, und nun sie gefunden sind, gibst Du nicht die Hand­schuhe her."

Ich kann nicht."

Warum nicht?"

Stotternd erwiderte sie:Weil ich sie in Berlin verloren habe . .

HI.

Am Empfangstage bei Andow's trafen Trimek's mit mehreren Künstlern zUsamüien, die folgende Fragen an sie stellten:

Wie gefiel Ihnen der Glaspalast in München, und welchen Eindruck machten Berlin Und Wien auf Sie?" Der Gatte kam seiner Käte zuvor und sagte:

In München möchte meine Frau nicht sein, mid Berlin ist eine sonderbare Stadt. Dort sind z. B. keine mittelgroßen Knöpfe aufzutreiben, sondern, nur sehr große oder sehr kleine, und in Wim sind wiederum nur lauter gewölbte zu haben.

- Ach, Sie Glücklichen konnten das Neblige Warschau verlassen ünd durch das sonnige Europa streifen. Solch eine Reise ist doch erfrischend!" rief die Hausfrau seufzend aus.

Ja, solch eine Reise erfrischt und ertveitert den Gesichtskreis," ergänzte Trunek im Tone der Neberzeuguug, ohne zu fürchten, daß Käte ihm widersprechen könnte!

vermochte».

* Wann wird der Krieg ans sein? Diese wohl schon tausendmal ohne Resultat erörterte Frage beantwortet die humoristische französische SchntzengrabenzeitungBochofage" wie folgt:Der Krieg wird aufhören sowie die Feindseligkeiten ein­gestellt werden. Dieses Ereignis wiederum wird sich durch das Aushören der Kämpfe an allen Fronten kundtnn. 48 Stunden vor­dem Kriegsende werden wir noch keinen Frieden haben, aber dann wird es ganz bestimmt nur noch zwei Tage dauern. Das Ende des Krieges wird sich eine bestimmte Anzahl von Jahren vor dem Tode eines Politikers einstellen, dessen Name mit einem Buchstaben ansängt, der im Alphabet gefunden werden kann."

* Versalzene M a h l z e i t. Nach der Schlacht bei Hanau zogen Napoleonische Truppen durch Sachsenhansen am Main und glaubten, den Bürgern durch besoitders forsches Auftreten Erfüllung ihrer oft ungerechtfertigten Wünsche abnötigen zu können. In einem Sachsenhäuser Quartier schmetterte eine solche Rothose zunächst einmal ihren blanken Säbel ans den Tisch und verlangte Essen. DerMatn-barbare" verschwand und erschien nach geraumer Zeit mit einer Mlst;wbel wieder, die er neben des Franzosen blankem Säbel aus den Tisch legte. Was das bedeuten soll, herrschte ihn der Franzmann an - ,Ei, wo c groß' Messer leiht, gehört auch e groß'Gabel hin!" antwortete seelenruhig der Sachsenhäuser dein Großmäuligen. Nacherzählt von Lt. FicuS (Zeitung der 10. Armee).