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tvärts in den lang gezogenen endlosen deutschen Schützengräben &m Uhein-Manre-Kanal jählings Schnellfeuer auf- st-ürnren ließ, der Artilleriestellungen und mit Geschützen bewehrte Positionen zu feuerspeiender Hölle machte, sobald es in den strategischen und taktischen Plan paßte. Hier svohnte der Geist, der den deutsche Sturmangriff oft unwiderstehlich vorwärts trieb, her markiges Hutra den englischen und französischen Schützengräben entgegengelten ließ.
Im Archeitsziplmer tzes Oberkourmandierenden standen riesige Tische, auf deren Platten Karten festgenagelt waren: stapelten sich an den Wänden Bücherhaufen; saßen der Chef des Stabes mit seinen Lenken über Befehlskarten und Meldungen n i ugt; jagten Federn übers Papier; flirrten Offiziers ordr »uzen aus und ein.
lsnd jeden Mittag versammelten sich im großen Banketd- äal des Schlosses nur die Taftzl die Herren des General--- tabes, soweit sie nicht dienstlich nn.ter.wegs' wären oder in wn Schützengraben gemeinsam mit den Leuten das frugale Essen aus der Goulaschkanone verzehrten ^Fortsetzung folgt.)
Zu seinem
Julius Sturm.
100. Geburtstage, 21. Juli.
Wenn die Lyrik eines Volkes in ihrer Enttvicklung durch die führenden Dichter der Gatt,mg bestimmt wird, so verdankt sie die Fülle pnd- Mannigfaltigkeit ihrer Töne und Individualitäten den bescheideneren Sängern,. Mancher von diesen steuert nur ein D'ützend Gedichte oder zwei bei, aber durch diese Beiträge bauen sie alle mit an jenem Schatze nationaler Lyrik, der als lebendiger Gesang in der Seele Und der Erinnerung eines Volkes sich he- Haupt ei. Die Zahl solcher Gedichte von dauerhaftem L^ben, die Inlins Sturm unserer Lyrik geschenkt hat, rst keineswegs gering. Gleich die erste Sammlung, die seinen Dichter vuhm begründete, die „Frowinen Lieder" von 1852, eröffnete' jene lyrische Perle „Gott Küße dichm der dieser innige, in Süddeutschland ja noch« heuje allgemein gebräuchliche Gruß so zart und sinnvoll ged/utet und besungen wurde. Die feine Parabel vom Bauern und seinem Sohne, von denen jener das Unkraut al^ Tenfelswerk anklagt, dieser Mer über die von, Herrgott geinächte Pracht jubelt, w.ird durch die Hahrheit und Feinheit ihres Motivs in,wer anziehen, und in eines ganzeil Reihe von Gedichten ist Sturm jene tMe Konzen-
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tration des lyrischen Gedankens gelungen, die ein Merkmal der Meisterschaft auf diesem Gebiete bildet. Dazu gehört „Das höchste Glück hat keine Lieber", und mehr noch vielleicht das Gedichts O Liebe, deine Gedanken sind höher als HiinMelshöh! O Liebe,
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deine Gedanken sind tiefer als die
Liebe, deine Gedanken sind
schneller als der- Wind und.leuchtender viel tausendmal als Sonnenstrahlen sind."
Julius Sturm gehört zu jener Gruppe von Dichtern, deren schassen ein Rückschlag gegen den Rationalismus Und Radikal lrsnlus der Jnngdcntichen anzusehen ist. Vor falscher Freiheit und ihren Gefahren l-at er sein Volk manchesmal gemahnt, aber, fern lag es ihm darum doch, ins alte romäntische Land zuruck- zukchrcn: „Ihr könnt nur Dichter heißen'als Söhne eurer Zeit": so hat er den Romantikern warnend zugernfen. ^en Grundton seiner ^Yrik bildet eine tiefe und echjhe Religiosität, der jedoch alle Frömmelei fern liegt. Sie kommt nicht nur in Sturms zum Teil lehr wohlgelungenen geistlichen Liedern znin Ausdrucke, sondern schwingt in all seinen Gedichten als Unterklang niit. aber
blickt er mit Hellen Augen in die Welt, gemaßt und preist ihive> Güter, lebt und webt in der Natur. Die Töne, über die seine Lyrik gebot, waren mannigsaltig. Er hat sich auf dem. Gebiet der Fabel und der Ballade mit Glück versucht und seine prächtige Erzählung aus dem Siebenjährigen Kriege „Wie schön lencht't uns der Morgeu- stern" erfreut noch jetzt nicht nur die Kleinen in ihren Lesebüchern, sondern in nachdenklichen Stunden der Sammlung auch die Großen. Stark war Sturms vaterländisches Gefüht. „Deutschland für tmw-er! heißt niein Lied": so l-at er ausgernfen und die deutschen Einigungskriege von 1864 und 1870 hat er mit Liedern 'begleitet, die sich in der patriotischen Dichtung dieser Zeit mit allen Ehren! behaupten. Durchweg hat seine Lyrik den Vorzug des Natürlichen, Gesunden: und zuweilen, in seinen besten Schöpfungen, ist ein Klang in ihnen, der an Meister Mörike erinnert — nicht Umsonst ist Sturm in seiner jüngeren Hauslehrerzeit mit der- schwäbischen Dichterschiule in Fühlung getreten. Zur Kennzeichnung dieser Seite seiner Lyrik sei ein loenig bekanntes Lied von ihm hierher gesetzt, in dem die M'nfik seines Erlebens und Dichtens besonders schön zum Ausdrucke gekommen ist: „Ter Mütenbaum durchhaucht mit Tu fr die Linde, weiche Abendlust, der ich die Brust erschlossen; mein Herz wie eine Knospe liegt in Blüteuträume cingewiegt. von Blütenduft Umflossen. Ta blickt der Mvnd ins stille Das, und kaum hat sich ein milder Strahl in ineinc Brust ergossen, als auch mein Herz vom Traum Mvacht, in heiligstillcr Mondscheinnacht als Blüte sich erschlossen.^
Julius Sturnr ist von Abstammung eines fürstlich renßi schien Rates zu Köstr
Ausbildung in Gera und Jena, wo er Theologie studierte. >5s folgten nach altem Theologiebrauch« die Hauslehreriahre, die ihn zunächst nach Heilbronu führten, wo er mit JUftinus Kerner, Lenau und anderen in Beziehung treten konnte. Späterhin ward er Erzieher eines reußischen Erbprinzen, um dann seit 1850 in die Pfarrlaufbahn überzugehen, die ihn wieder nach seinem Geburtsorte Köstritz führte. Kurz vor dcr Vollendung seines 80. Lebeuchahres ist er am 2. Mai 1896 als Geheimer Kirchenrat verstorb n. Seine dichterische Laufbahn reicht von 1852 bis zu seinem Leben-?. ,,be; noch nach seinem Tode ist aus seinenr Nachlasse ein Bändä-eni Gedichte „IN Freud und Leid" herausgegeben worden.
Gesottene Eier.
Turchhalten, auch durch wirtschaftliche Schwierigkeiten, bis zum siegreichen Ende! Tie Hausfrauen fage»t srch's von ^ag zu Tag und stehen wie Soldaten in ihren Küchen zwischen Pfannen und Kochlöffeln, uin durch tanfenb Künste den wirtschaftlichen Feldzug zum Siege zu führen. Das Brechen ohne Fstt, das Kochen ohne Kohle, das Hinmachcn ohne Zucker rst ihnen längst kein Geheimnis mehr, mtb bie anfangs so verwirr eichen Zeichen der Mi^ch-, Prot-, Fett-, Flejsch- upd Znaerkärten haben sich mit der Zert in ihrem Hirn zu nnnrjüch^n, Kochrc^etz^en zusammen ge fügt.
Auch wir ru unserem eliägischen Staocheu hatten uns ip alles gesunden und zuguterletzt noch in rmseren Herzen mit dein Eiev- gcnnß abgeschlossen, als es eineß Tages streng gemessene Eier- Tarten gegeben hatte. Seither lebten die Eierkuchen, Ereranfläuse, Eiercretnes mit den ungezählten Eiern luir noch in Erinnerung, und es galt auch in den: Reich der Hühner hauszuhalten.
Ta wollte es eines Morgens, ein gütiger Zufall, daß eine Freundin mir ins Ohr rannte, daß in einem Geschäft infolge einer ffeinnt Feuersbrunst 1000 durch den Rauch leicht schw ärzte Eier ohne Karten erhältlich seien. Aber ich müsse mich beeilen; denn die wenigen Eingeweihten hätlen schon tüchtig eingekauft,
und wenn es erst in weiteren Kreisen bekannt wurde, dann-Sie
zuckte die Achseln, und tdi verstand. Ja, daun gab es vor dem Ladest wieder die lange Polonaise, und nach z>vei ständigem harten würhx von innen eine wohlwollende Stimme erschallen: „Mdaure — es gibt keine Ejer mehr!" Und dann würde wieder das weiße Schild mit dem „Eier ausoerkanft" hexansg^hängt wsrdew! Das trat alles ganz deutlich im Bruchteil einer Seknüde vok meine Augen.
Die gute Fre'undin lieh mir das Geld. Schirm und Marktkorb ließ ich in einem Geschäft stehen, um, durch! nichts behindert, zstr kostbaren Eierfundstätte zu lausen. Ja, zU laufen; denn die Angst, es könnten mir andere zuvorkomwen, saß mir in den Schuhsohlen. Endlich wart ber Spezerei laden erreicht. Und sieh?, in einem großen Korb, auf Stroh hübsch nebeneinander gebettet, lagep noch etwa 200 Eier, die, trotz der vcrrUßteü Gesichter, freundlich und verheißungsvoll blickten. Andere Käufer drängten mir nach. Allen bestätigte das Fräulein, daß die Eier gut seien. Ich aber legte die Hand aus den ^orb und bat um 7t) Eier. Aus Oie mürrischen Gesichter und entrüsteten Worten der Umstehenden achtete ich nicht. Mit einem Gefühl von D^onne vernahm ich nur das Zählen des Ladenfräuleins: Zwei - vier — sechs — und so weiter bis siebzig! Das würde aus lange, lange Zeit Rühr-, Spiegel- und weiche Eier geben! Inzwischen war das Gedränge gewachsen, und ich hatte Mühe, an der Kasse an zu komm cm und meinen köstlichen Schatz zu zahlen. Jetzt freilich brauchte keine Angst mehr meine Schritte zu beflügeln. In meinem Herzen stimmte ich ein Loblied aus die Freundschaft an, dcr ich diese Eier verdankte, und schlenkerte langsam nach Haus.
Unterlvegs kehrte ich beim Metzger ciu. Dort aber »nachte ich die unliebsame Entdeckung, daß ich in dem Menschientrubel in der Eierhandlnng meine Fteischkartc verloren l^rtte. Erne telephonische Anfrage führte zu keinem Ergebnis. Tie Kärte war spurlos ve- schlvundeu, und lO Tage laug lvürde ich keinen Bissen Fleisch kaufen können. Ueber dieses Mißgeschick half nur mir dcr Gedanke an meine siebzig Eier hinweg, die nur ja für den Verlust Ersatz bieten würden.
Siebzig frische Eier! Wir standen zu Tritt in der Küche, mein Mann, die erfahrene Kochperle Lina und ich und staunten die negerschivarzen Hühnerkinder an. Die Koch,perle wagte einen leisen Einwand.^ Ob die Eier auch glle roh seien? Roh? Daran lwtte ick) gar nicht gedacht. Das mußte gleich erprobt worden. Das erste Er wurde aufgeschlagen. Es war steinhart. Das zweite elw'nso. Das dritte desgleichen. Völlig bestürzt sah ick dem grausamen Spiel zu. Die Hitze der Feuersbrunst hatte ohne menschliches Zutun die Onrc hart gesotten. -
Ich habe mich nur langsam von dern Dckckag erholt. Natürlich hat sich die Flcischkarte nicht wicdergefnndRi. und wir waren zehn Tage lang ganz äuf unseee siebzig harten Eier ange-oiesen Schließlich, als wir sic auf unserem Tisch fast nicht mehr sehen konnten. haben nur sie zur Abivechselung rot, blawstnd gelb gefärbt. Da-.- sollte uns an die Kindheit und den Osterhasen erinnern und uns von dem Eiereinerlei ablenken. Es Krals aber nicht viel, und als Oio ncnen Fleischkarten kamen, halten wir uns die Eier so >v. und- lich übergegessen, daß wir die Eiuschränknngeii hurck, die Eier- karten nicht mehr als Entbehruna, sondern als Wohltat empfanden. Und ich meine, das stmr von der ganzen G'icknÄe de, gioßko Nutzen ... H Schede.


