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dem 1618 erschienenen Wörterbuch Schönleders findet sich daS Wort Schurnnuri mit der Erklärung »jäh' auffahrender, stürmischer Mensch. Sprudetköpschen". Die schwäbische Mundart weist einen Ausdruck .Schuri" in der Bedeutung »Brausekopfs und die schweizerische Mundart das Zeitwort »schüren" aut, das soviel wie »sprudeln- besagt. Aus dem 16. und 17. Jahrhundert wird uns außerdem über eine mit seltsamen Schnaken und Possen verbundene studentische Zeremonie beim Zutrinken berichtet, die »Curie Murle Vii oder »Eurly Mnrlu Buff* gertannt wurde. Es scheint, daß and) der Ausdruck »Kuddelmuddel*, der unS erst im 19. Jahr­hundert, und zwar in der jedem bekannten Bedeutung »Misch» masch- begegnet, aus Eurle Murle, das sicher lautmalenden Ur» svrungs ist, hervorgegangen ist. Jur sechsten Bande der Gesauiinelten Werke Fritz Reuters sind unter dem Titel »Schurr-Murr* fünf kleinere Geschichten des Dichters vereinigt. voii benen drei platt- beutfci' geschrrebeii siird, während eine (5lbcnbteuer des Entspeklor Bräng) mimuasch lind die andere (Meine Vaterstadt Stavenhagen) t'ochdeiilsch abgesaßt ist. Reuter stellt der Sanimlung folgenden plattdeutschen Vers voratrs:

Wa: tau^ameTi is schrapl ut de hochdülfche Schottel (Schüssel),

Ut den plattdütscheu Pott (Topf) un ben missingschen Ketel (Kessel).

Der vlattdeutsche Ausdruck »Schurr-Mürr*, dessen Zusainmen-

?, Nil! der BezeichnungSchorlemorle* jedern klar ist, bedeutet also so viel wie »Mischmasch* oder »buntes Allerlei*. AuS einem nu Jahre 1740 abgefaßten Reiselagebuch des Abtes Marian Busch voll Niederaltaich, das 1399 in der Zeitschrift »Das Bayerland* Zinn Abdruck gelangt ist, geht hervor, daß schon damals in Franken der Ausdruck »Schurleniiirle* in der Bedeiltung verbreitet war, die wir heute mit dein Worte »Schorlemorle" verbinden.

* »ES ist die höchste Eisenbahn.* Was diese beliebte Redensart besagen will, >veiß eilt jeder. Die wenigsteri aber können darüber Allskilnst erteilen, lvoher sie stammt. Ihr Schöpfer ist der iin Jahre 1810 geborene wohlbekannte Humorist und Satiriker Adolf G l a ß b r e n n e r, der eine gewisse Berliner Volksliteratur begründet hat. DaS betreffende Scherzwort fiiidet sich in einer dramatischen Szene, die sich »Ein Heiratsantrag in der Nieder- wallslraße" betitelt. ES hält da der Briefträger Börnicke beim Stubenmaler Kleisich um dessen Tochter an. Weil dem wackeren Briefträger »feine Silberjroschens sor die Briefe immer durch den Kopf jeden,* ist er in der Regel etrvas zerstreut. Kein Wilnder, daß ihm manchmal Wortverivechslungen beim Sprechen unter- Iaufcn. So jagt er z B., nachdein ihn der Schwiegervater über die Mitgift seiner Tochter an'geklürt hat, zufriederi:Diese Dochter is ianz hinreichend. Ich heirate Ihre Mitgift." Und als ihm beim Abfchiednehmeu plötzlich einfällt<>dab die Leipziger Post schon ein- gegangen ist und die Briefe der Austragung harren, platzt er berauä. ^ES ist die allerhöchste Eisenbahn! Die Zeit ist schon vor drei Stunden angekommeii.* Nach Ferdinand Dieters Angabe wurde von einer älteren Berliner Generation das Scherzwort lisch in voller Kenntnis seines Ursprungs angewandt. Das Mittel der Worttnnstellung ist übrigens von Glaßbrenner öfters benutzt worden. »Saure Herren, meine Jurkenl* ruft bei ihm z. B. der Gurken­händler, wenn das Umgekehrte keinen Käufer mehr herbeilockt. Wirkungsvoll angewandt finden wir dasselbe Witz,nittel besonders in unserer älteren Literatur, z. B. in den »Lügenliedern*, von denen eins behauptet: »Ein Dorf in einem Bauern faß, der gerne Milch und Löffel mit einem großen Wecke. Vier Wagen spannt' er vor sein Pferd, sein Küch' stund mitten in dem Herd, vier Häuser bat sein' Ecke.-

* K r i e g 5 p r e i s e in Rumänien. Wie sehr die lange Dauer des Krieges die Lebenshaltung nicht nur bei den Krieg- führenden selbst, sondern auch bei den Neutralen erschwert und verteuert, geht von neuem aus einem Stimmungsbild hervor, da? der rumännche Berichterstatter des »Figar^ seinem Blatte auS Bukarest sendet: »Da das Thermometer in Bukarest nicht weniger als 36 Grad im Schatten zeigte, mußte ich mich trotz der bisher in den Geschäften gemachten, nicht gerade erfreulichen Erfahrungen aus den Weg machen, um einen der Jahreszeit entsprechenden An­zug zu erstehen. Der Schneider, den ich aufsuchte, zeigte mir einen höchst einfachen dünnen Stoff und wandte alle Künste der Bered­samkeit auf, um mir dessen Vorzüge zu rühmen. Als ich mich endlich entschlossen baue und beherzt nach dem Preis fragte, ent- qegnete er. »390 Frcs. !* Ich erlaubte mir die Bemerkung, daß diese Summe mir etwas übertrieben schiene. Aber da erhielt ich zur Antwort, daß ich anscheinend ein Fremder sei, da ich sonst wissen müßte, welches Glück mir durch dieses billige Angebot wider- ' ihre und daß schon am nächsten Tage die heutigen Preise für die .cione wieder erhöht werden würden. Tatsächlich kostete dieselbe Meuge dessettien Stoffes 24 Stunden sväter bereits 325 Frcs. Aber'da ich zu dem Sommeranzug auch einen Etrohhut brauchte, ging ich ir ciu Hutgeschäft: »Wie viel kostet dieser Hut?" »30 Frcs., mein Herr/ Ich kann versichern, daß ich niemals als Geizkragen be­zeichnet wurde ^Trotzdem aber fand ich es sehr hart, für Einen höchn einfachen Strohhut bare 30 Frcs. hiulegeu zu muffen. Ein Paar ganz gewöhnlicher Handschuhe kostet 12 Frcs. Ein Paar Herreuichube 80 Frcs., ein gewöhnlicher schwarzer Schlips 6 FrcS es mit allen', mit dein Panier, mit Toilettearttkelu und mit Fleisch. Was selten ist, ist auch teuer und hier ist heute bereits fast alles als selten zu bezeichnen."

'Ein Kattun-Edikt im 1 3. I a h r h u n d e r t. Die einschneidenden Maßregeln, die für die Bekleidungsmaterialten usw. bevorstehen, erinnern an Maßnahmen, wie sie in früheren Zeilen gar nicht selten vorkamen. Auch damals schon wurde der Stoff­verbrauch eingeschränkt, bestimmte Stoffartsn wurden ganz ver­boten, andere nur für einzelne Kreise erlaubt, und zwar aus ganz verschiedenen Ursachen. So hatte Friedrich Wilhelm I. einbe­drucktes Kattun- oder Zitz-Edikt* erlassen, nach dem niemand in Preußen dergleichen Stoffe tragen burfte. Das Edikt war in der löblichen Absicht erlaffen, dadurch die heimische Wolllabrikation zu heben. DaS Verbot wurde anfangs streng befolgt, geriet aber dann in Vergessenheit, und als im Jahre 1732 zum General-FiSkal Tobias Wagner ernannt wurde, bemühte sich dieser neue Beamte, dem daran lag, seinem sparsamen Monarchen recht viel Gelder in bte Staatskassen zu bringen, auS der Nichtachtung des Verbotes Kapital zu schlagen. Er ordnete sofort durch die Steuerbeamten eine General- Visitation im ganzen Lande an, alle Kisten, Kasten. Kommoden und Spinde sollten geöffnet werden Darüber erhob sich nun von Berlin aus durch ganz Preußen ein Wehegesckrei, das auch zu den Ohren de? Königs kam, und dieser ließ alsbald seinen General- Fiskalinsinuieren, er möchte mit dieser General-Visitation vor­läufig innehallen, alleweile die Lenthe nicht chikaniret, sondern nur u einer regelmäßigen Steuer-Extraction angehalten werden sollten." luch die jetzigen Verordnungen sollen ja nicht chikanös, sondern, weil verständig, zur Anwendung gelangen.

vücherrisch.

- Emil Marriot, Der abgesetzte Mann. Roman aus der Zeit vor dem Kriege. 453 Seiten 8°. Geheftet 4 Mk>, geb. 5.50 Mk. Berlin, G. Grote Emil Marriot, die Wiener Dichterin, die jüngst ihren sechzigsten Geburtstag beging, führt auch in ihrem neuen Roman den Kampf gegen das übertriebene Frauenrechtleriuneutum, daS den Manu am liebsten absetzte, aus ihre seffelnde Art fort. Nicht teiidenziös, sondern mit dichterischer Kraft durch geschloffeiie Charaktere imd Lebensvorgänge aus der Wienel Welt. Die Jugelidentrvicklungen dreier verwaister Schwestern, in denen das ruhig-unruhige Bliit der Eltern unb LlHnen wallt, werden von einer Frau, die sich vollkomnien an die Sache", die Frauenbewegung, hingegeben hat, beeinflußt und ge­leitet. Es ist nun von höherem Lebenswert zu seheii, wie die drei Schwestern sich je nach Temperament und Arilagen zu der Theorieu- welt der Tante stellen und wie jede schließlich doch ben durch ihre Natur vorbestimmten Weg geht: ins verstaudestolle Frauenrecht lerinnentum, in den leichtgeschürzteil Sängerinlienberils, in eine glückvolle Liebesehe. Mit dieser Haupthaiidliiiig hat die Dichterin voll reifer Kunst die Geschichte einer zugrunde gebeuben Ehe und einer unglücklichen Liebe verknüpft, immer als Verkünderin des Evangeliums vom reiiren Frauenwesen, das zuerst der Liebe und der Güte gehört.

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Hochland. Inhalt des Jtiliheftes: Mitteleilropa Von Privatdozeut Dr. Goetz Briefs. Eriuiieruugen Lilise Heusels au Katharina Emmerich. Bm, Dr. H. Eardauns. Judith. Roman von Peter Dörfler. Italienische Diffonali-en und Akkorde. Voii Hochschulprofessor Dr. A. Dürrwächter. Kleine Bausteiiie: 9teue Wirtschafts- und Gesellschaftsprinzipieu und der Geist von 1914 Don Uuiv. Professor Dr. Jakob Strieder. - Einige kunsthistorische Eindrücke in Polen. Bon Johann Georg Herzog zu Sachsen Franendienslosticht. Vorbedingungen Von Beriiarda von Nell. Kritik: Clemens Brentano. Forschiingen und Ausgaben, gewür­digt von Direktor Dr. Wilhelm Schellberg Rundschau: Kriegs- betrachtilng. Jean Jatires. Friedrich Wilhelui Foerster. Berliner Theater. Friedrich Wasmcmn über seinen Verkehr mit Clemens Brentano. NeiieS vom Büchermarkt. Unsere Kunst- beilagen.

- Als Kriegs- lind Friede »iSkalender 1917 ist der P o l i t i s ch e V o l k S k a l e n d e r soeben in der Verlagsbuch­handlung »Uuitas", Bühl (Baden) erschienen und soivoh'. direkt vom Verlag selbst, als auch durch alle Buchhandlungen imd Buch­bindereien elegant geheftet, 144 Seiten stark, zum Preise von 50 Pfg. zu beziehen Dieser Kriegskaleuder bietet gerade in diesem Jahre eine Fülle intereffanten Lesestoffes, lieber 190 Bilder ver­anschaulichen den Text. _

Logogriph

Zähne Hab' ich genug, doch Hab' ich noch niemals gebissen,

Tausche mein51* gegen »L*, sagt man, ich wäre gar fromm.

-Hast dii einD* mir besti'nmt als Zierde des ragenden Hauptes Bin ich ein künstlicher Bau, der dich vor Unglück bewahrt.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer:

Wer seine Wünsche nicht beherrscht,

Der gleicht dem Schiffe,

Das ohne Steuer treibet aus den Wellen.

Um au dem ersten besten. Felsenriffe Hilflos und unerwartet zu zerschellen

Schnftteituna: Aug Goetz. Rotationsdruck und Vertag der Brühl'schen Umversitäts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lange, Gießen.