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Schicksale.
Roman von Heinrich Kornseld (Nachdruck verboten.)
Amerikanisches Copyright by Carl Duncker 1914 )
(Fortsetzung.)
Und itint hielt unten im Schloßhof ein deutscher Reiteroffizier mit seinen Leuten und begehrte Einlaß bet der Herrin des Schlosses St. Charnant.
Wie ein Gespenst aus der Nacht war er ausgetaucht; wie ein Phantom; lvie menschg-ewordene Drohung künftiger gewaltiger Ereignisse. .
Ein deutscher Reiteroffizier hielt mit seinen Leuten int 'Schloßhof von St. Charnant?
Jetzt auf einmal wußte die schöne junge Frau sich das brausende Dröhnen jenseits der Marne zu deuten. Jetzt aus einmal aber fühlte sie auch, wie tief auf dem Grunde der Seele Gedanken und Einpstndungen zum Licht rangen, die Unter der Liebe des Gatten, unter der Trauer um den dahnn egangenen Rene drei lange Jahre verschüttet geschlafen hatten.
Deutsche Truppen standen an der Marne — deutsche Schützengräben klüfteteu in wirrem Zickzack das Land ^ deutsche Offiziere hoben im blikendeu Sonnenlicht, unterm tuilchig blauphosphoreszierenden Schimmer des Mondes den Pallasch zum Sturm — deutsche Flügelhörner gellten schneidend zur Attacke! ^
Sie aber war eine Deutsche sie, Jutta, Margutse de St. Chantant! _ , , ^
Und klingend tönte ihre Stimme durch den .Raum, als sie sich erhob und dem Diener befahl: 1
„Ich werde den deutschen Offizier im kleinen Salon sprechen Laß ihn dort eintreteu"
*
der kosigen üppigen Pracht des kleinen Salons bildete der Rittmeister Bruuuow von den 4. schweren bapert-
scheu Reitern einen grellen Kontrast.
Schmutzüberkrustet die langen Stiefel, verstaubt die Uniform, im jungen, seit Tagen nicht mehr rasterteil Gesicht tiefliegende Augen und leise scharfe Lullen, die eigentlich gar nicht zu den jugendlich frischen Fügen paßten und von Tagen, von Wochen'angespanntester Aufmerksamkett, ^elbst- mtfopfernng, Selbstverlengnnng nur zu deutlich erzählten.
llnd doch gattz anders diese in den Husden schlanke -veckenhaste aufgestraffte Gestalt des jungen Reiterosftzters so ganz anders, als das, was die junge Marquise seit fünf Jahren an Osfizierserscheinuttgen in ihrem neuen Baderlande gewöhnt war.
So daß sie — obwohl dieser jnnge Mensch ihr noch me int Leben begegnet und vollkomnten gleichgültig war — unwillkürlich eine Sektutde zwischen den Portieren stehen blieb «mrd ihit mit einem langen Blick untfaßte.
Heimat — deutsche Heimat! .
Der da drüben kam aus dem Lande, wo sie einft urn? Jugend verlebt — kam aus dem Lande, zu dem sich von hier aus keine Fäden mehr hinüberzogen, das ihr nichts mehr zu bieten hatte, seit ihr vor drei Fahren der Bater gestorben, seit sie eine Waise geworden.
Wehte von diesem jungen Hünen da drüben ntcht etwas zu ihr her, das sie nicht verstand — eine Mahnung, ettte Forderung, ein frohes Verheißen?
Doch schon war ihr, als sie die Portieren hinter Uch zusammenfallen ließ, der juttge -Offizier rasch einige Schritts näheraetreten, nahm die Hacken zusammen und verbeugte sich respektvoll. . .
„Gestatten, Frau Marquise — Brünttow. llttd tch bitte gnädigste Marquise gehorsantst um Verzeihung, loenn ich alß ein Uitbemfeiter und iln erwünschter in den Frieden dieses Hauses eindringe."
Er sagte das in entern schülerhaften, wenn auch fehler- freien Französisch und besaß Selbstbeherrschung genug, titcht mit der leisesten Bewegung seine Ueberraschung zu verraten, als die Dame des .Hauses attf einen Sessel wies und ihtn tu seiner Muttersprache antwortete:
„Meitt Herr — ich weiß die Person von ihrem Aust trage ztt trennen. Seiett Sie mit* willkommen aus Schloß St. Chantant ttnb scheuen Sie sich nicht, mir Ihren Atistrag zu n,ennen Denn um einen solchen handelt es sich doch vermutlich." „ . .
Der Rittmeister Brüuuow hatte stumm getvartet, bis die junge Frau Platz aenontuten; dann ließ er sich gletchi- salls nieder. Ihr gegenüber. Er halte den Helm neben fernen Sessel auf den Teppich gestellt und hielt Den Säbel zwischen den Knien. Er saß ein wenig vorgebeuat; das helle Licht des Kronleuchters ließ die Konturen seines Gesichtes scharf hervorspringen. f , .... .
Die angeborene und anerzogene gesellsck-aftltche sicher l)eit des deutschen Offiziers ließ ihit tticht eine Sekunde zögert!, als er gedämpft versetzte :
„Gnädigste Marquise versprachen, die Person von ihrem Aufträge zu trennen. Und trotzdem fürchte ich, nur Ihren Unwillen zuzuziehen, meint ich diesem Aufträge jetzt Worte
verleihe." ' _ .. , , v .
„SclMten Sie sich nicht, mein Herr Ich wetg,daß dre deutschert Truppen bereits-bis in die Nähe dieses Schlosses vorgedruugeu sind und vermute, Ihr Auftrag steht damit tu .Verbind trug."
Da erklärte der Rittmeister gerade heraus:
„Frau Marquise — ich habe den Auftrag, mit Ihnen darüber Rücksprache zu nehmen, wieviel Offizieren nebst der nötigen Begleitmannschaft Schloß St. Charnant Unterkunft
gewähren würde." ... - . ~ ^
„Bezieht sich dieser Aufenthalt nur auf lveutge Tage
oder'aus längere Zeit, mein Herr?"
Ein leises Lächeln überflog das männlich schone tzrestchC des Offiziers.


