Mittwoch, den 28. Juni

Die arme Prinzessin.

Spontan von F e dor von ZobeltiA

(Nachdruck verboten.^

(Fortsetzung.)

15. Kapitel.

Der irische.Zaun füllt, es fallen auch Aiauern. döoch schneit es,

aber die fruchtbare Erde duftet schon nach dem Frühling.

Die Flocken flogen; es schneite nicht stark, es wirbelten nur vereinzelte, glitzernde Kristalle durch die Helle Luft, <uni> dabei strahlte der Himmel in frohem Blau und die Sonne leuchtete über der Landschaft.

Der Zaun muß satten," sagte Graf Ariern;dieser Zaun ist von einer Scheusäligkeit ohnegleichen. Weshalb so rot wie ein kannibalischer Gedanke? Und weshalb diess Fratzen über den Pfählen?"

Es sind irische Gebilde," bemerkte der Burgmülter schmunzelnd:Grete hat mit dem Architekten' dickleibige Bücher durchblättert, ehe sie diese geschmackvolle Fürchter­lichbeit sand. Es kann auch keltisch fein, Fürbringer weiß es genauer. Jedenfalls sind es naturgetreue Kopien irgend-' welcher alter Götzenbilder,, e^s liegt also Historie darin."

Und eine ausgesprochene Verrücktheit," setzte Artern hinzu.

Grete lachte, imb die Schiteeslöckchen auf ihrer Pelzjacke stäubten umher.

Glaubt nicht," sagte sie,daß mich die Häufung eurer Beleidigungen aus nretner vornehmen Gelassenheit bringen wird. Der Architekt hat in Berlin Paläste erbaut und ist eilt feiner Kopf. Was ihr unschön findet, ist wahre Kunst. Doch davon versteht ihr nichts."

Der Zaun muß fallen," erklärte Artern noch einmal.

' Sie machten einen Spaziergang: Graf Gideon mit feiner Braut und den: im Glücke schwelgenden Schwiegervater. Sie sondierten das Terrain, denn allerlei Neneks wurde geplant, und vor dem roten Zaun, der die Bnrgmühle um­gab, machten sie halt.

Er nluß schon, fallen," fuhr Artern fort,um den Leuten gewissermaßen durch eine symbolische Handlung zu zeigen, daß wiederum alles anders wird. Schwiegervater, du bleibst naturgemäß der alte Burgmülter, aber ich werde der n e u e. Das Wasser soll wieder zu u n s e r n Gunsten die Näder treiben, und /für uns sollen die Sägen arbeiten."s

Bravo!" rief Reschke:es ist eilt Unsinn, die Mühlen in fremden Händen zu lassen, wo sie die eigene Familie er­nähren können."

Sehr richtig, Schwiegervater. Ebenso werden wir die Nnspektorenwirtschaft ans das richtige Maß beschränken."

.,Ich war ja immer dafür, Gideon, aber Grete erklärte, ich hätte unbedingt gewisse Rücksichten z(u nehmen"

Kennst du die Geschichte vom Krempeltier, Schwieger­vater? Es ist ein sagenhaftes Vieh, das sich eigentümlich be­

nehmen soll Es krempelt sich von Zeit zu Zeit vollständig um und wird dann ein ganz neues Wesen. So wird es mit Grete geschehen. ,Sie befindet sich bereits in der Krempel­periode."

Was du mir andichtest, Gideon," sagte Grete,ist! un- eheuerlich und sollte mich eigentlich tief schmerzen, denn es elveist mir, daß ich iit oir einen abscheulichen Tyrannen heirate, der mit roher Gewalt in mein zartes Seelenleben eingreift. Aber ich bin zum Dulden geschaffen, und so leide ich schweigend. Neugierig bin ich aber doch, wie sich der Herr Graf von Artern als Müllermeister ausnehmen wird. Wirst du die berühmte Mehljacke tragen und die Lederschürze über den Beinen?"

Es könnte mich reizen, Gretelein warum nicht? Wär's schon, nur zu sehen, ob mir die Grafenkrone auf dem Kopfe wackelt, wenn die Hände so plebejisch ihr Brot verdienen. Scherzhaftes Kind, was bin ich denn? Ich bin ein armer Teufel, heute noch. Ich habe um des schnöden Verdienstes willen überall die Nase hineingesteckt, habe das Wassenhaudwerk erlernt uub hierauf höfische Grandezza, Pferdezucht und Landwirtschast, den Bergbau und die Top- serei, habe mich mannigfach mit Rindvieh beschäftigt und mit künstlicher Düngung alles nur um des lieben Lebens willen"

Mer doch auch der Arbeit zuliebe," sagte der Burg­müller.

Gut auch das Verdienst setzt Arbeit voraus, sie kann aber auch Selbstzweck sein, dann ist die Freude um so größer. Jedenfalls bleibe ich der arme Teufel, auch wenn ich dich heirate, Gretuleiu, die das Schicksal langsam in Ueppigkeit uub Wohlleben Hineiuwachsen ließ. Ich werde also weiterhiil au das Verdienen beitfeit müssen. Sind Mehljacke und Lederschürze dabei vonnöten, mich soll das lischt stören; ich werde sie tragen, wie ich Frack und Smoking trug. und wem das nicht paßt, der soll mir gewogen bleiben."

Das ist ein gutes Mort," warf der alte Reschke ein, und es lachte über sein Gesicht.Gideon, ich freue mich, daß ich dich als Schwiegersohn bekonlme, wenll du auch ein Graf bist uub es mir Mühe kosten wird, mich an deinen Vornamen zu gewöhnen, der eigentticT) mehr nach Palästina gehört, als in das Nuthetal. Ich freue lnich schon deshalb, weil ich die Hoffnung habe, bu wirst ans der Grete wieder allgemach ein brauchbares menschliches Geschöpf machell"

"Vater," rief Grete, den Alten unterbrechend, ich habe Vater gesagt, llicht Papa, um wuchtigere Dramatik in ineine Worte zu legen: wenn auch du dich von mir wendest und künstighin diesern Grasen mehr anhängst als deinem leiblichen Blute, so stürze ich mich eines Tages tu dies rau­schende Wasser und wenn ihr niich dann herausfischt und mir in das bleiche Alltlitz schaut, so werdet ihr zngestehen müssen: sie war doch erheblich besser, als wir dachten und glaubten, sie war doch eine Reschke. . . ."

Als Grete dies mit Gefühl und Lustigkeit sprach, waren die drei aerade bei der Sclileuse angelanat. Sie hatten eine