IM Nr. 75

Die arme Prinzessin.

Noirian von Fedor von Zobeltitz.

(Nachdruck verboten.^

' (Fortsetzung.)

Ich mein es, Baker," entgegnete Otto cruft;du l)«st nüch schon früher einmal über unsere Verhältnisse orien­tiert. Aber du vergißt. das; sich auch Reichtum erschöpfen kann und' das; durch die Verpachtung der Mühlen und die Jnspektonvirtschast sich die Erträgnisse bedeutend ver­ringert haben Oder irre ich rnich darin?"

Reschke rourde ein »venig verlegenNein, bu irrst dich nicht," gab er jtu.Früher nrnftte das, ivas wir im Hause brauchten, die Wirtschaft bringen, und >oas darüber war, das timrbe aus die hohe .nanie gelegt. 3 >a lvaren wir eben anspnick-sloser und lebten kaum besser als wie ein wohl' lebenderer Bauer. Nun geht die Muh len Pacht ja piinktlich ein: sie ist niedrig, der Pachter schindet das Vierfache heraus. Aber die Va 11b iu ivlfd>aft in nicht metjv die gleiche wie da­mals, wo ich selber nach dem Rechten sah, über die Felder rackerte und die Bestellung leibete? Zivei Inspektoren habe ich schon hi na usge fenstert: sie mausten mir gar zu toll. Mit dem drittelt geht es: aber es ist das alte Lied unb das alte Leid: n>eun der Herr nicht in eigener Person hinterher ist und die Augen überall hat und dos Ganze überwacht, dann sind die Unregelmäßigkeiten unb Dummheiten und Betrüge­reien bald nicht mehr zlt zälsten."

Ja. Vater, verzeihe aber warmn hast du dich so ganz ans dein Altenteil zurückgezogen? Fühlst du dich nicht mehr jung und frisch dazu, der Wirtsckwft vorzustel-en?"

..Oho das wohl, Otto. Ich könnte schließlich immer noch arbeiten lvie der beste Knecht. Aber das ist eben das Verdammtige. Kiunmre ich mich um den Rnnnnel, dann greis' ich auch z,i. Verstehst du mich? Bloh daneben stehen und Direktiven geben lind großschnäuzig tun, das kann ich nicht. Wenn ich Mitarbeiten soll, dann lverd' ich lvieder der Bauer; dann drückt inich der Rock, dann ttcfrm ich selber Hacke imb Forke, schirre die Pferde auf unb geh' hinterm Pfluge her. Und das ist eben nicht möglich Das verträgt sich nicht mit der Bügelfalte in meinen Hosen uub dem ga^ louierten Mdienten »uld vor allem nicht mit der Grete."

Bor allem mit, ihr nicht," sagte Otto.Wut, Vater. Es kommt keiner aus seiner Haut. So Herr sein, lvie sie vielleicht möchte, kannst du nicht. Aber wie soll es in der Zukunft werden? Du weißt, lvie sehr ich an meinem Berufe l-änge und lvie mir schon früher zniveilen in Erwägung ge­zogen l>aben, das; es das Beste sein würde, dos Burglehn, mürde zu Gretes Erbe geschlagen uub sie heiratete einen tüchtigen Landlvirt, der sich auf die Verwaltung des Gllts verstände und vielleicht auch die Mühlen mit Übernahme. Dann verbleibt der alte Besitz doch weiligstens in weibllcher

Linie den Reschkes. Es toürde mir sckmierzlich sein, tvcmt er in frembc Hand überginge. ."

Reschke erschrak fast.Red' nicht davon," erwiderte er knurrig:das will ich nicht, das haben Vater und Groß­vater erst recht nicht gewollt. Otto, es überkommen mich so manchmal meine Gedanken. Meist lvehre ich ihnen, denn ich bin träge geworden aber sie kommen immer lvieder. llnd da wird mir dann oft reckt bitter zu Mute, das; ich dich nicht neben mir habe. Heiliges Donnerlvetter. was bin ich für ein Kerl geworden! Ich weiß dock, lvie frisch und energisch ich früher lvar aber seit der Mutter Tode ist alles wie ausgepustet in mir. Woher kommt das bloß? Ick grüble zuweilen darüber und sage mir, die Mutter ist uns allen vielleicht doch mehr gelvesen, als mir selber geglaubt haben die Mutter »var vielleicht unbewußt das treibende Rad bei uns und war's in erster Linie bei mir und nun sie unter der Erde liegt, steht das Rad stille.... Magst ja recht haben, Otto: ich hätte der Grete nicht so in allen Dingen llachgeben müssen. Es war' sicher auch nicht geschehen, hätte ich dich all meiner Seite gehabt Aber du warst in Berlin, und da kam denn die Grete mit Bitten und Scklneicheln und klugen Reden und . .

Er unterbrach sich, schnellte die Asche seiner Zigarre ab. rückte sich auf seinem Platze zurecht und fragte:Was sagst du zu dein Grafen Ariern?"

Zu Ariern?" wiederholte Otto erstaunt.Was ist mit dem? Was soll ich zu deul sagen?"

Der BurginüIler nahm eine geheimnisvolle Miene an. lächelte unb wisperte:Der ist höllisch binter der Grete her. . . ."

Otto wurde blutrot. Er sprang aufVater," rief er. ich stehe wirklich wie vor einem Rätsel! Herrgott im Him mel, ist dir denn dein alter Bauernstolz gänzlich abhanden gekommen? Du erzählst mir mit fröhlichen! Gesicht, daß dieser verbummelte Aristokrat höllisch hinter der Grete her sei! Willst du vielleicht auch noch deinen Segen dazu geben? Sagt dir denn nickt dein Gefühl, wie diese ungleiche Ehe. ausschlageu würde? Schau doch einmal drüben nach dem Schloß hinüber! Das war auch eine Geldheirat! Nun sitzt die Fürstin mutterseelenallein in Gotternegg. und ihr Herr Gemahl treib! sich in der Welt umher! Was ist denn dieser Gras Artern? Ein netter, liebenswürdiger Kavalier da- sind sie alle. Und watz sonst noch? Ein Leichtfuß und ein Höfling. Der paßt gerade hierher! Das hätte die Mutter wissen sollen! ..."

' Ottös Augen blitzten noch. Er wandte sich ab und trat in die Fensternische. Sein Blut stürmte. Was war an- der Heimat geworden! Rührte sich nicht der Geist jenes alten Reschke, der oben auf der Göyenburg den höhnenden Herrn erschlagen hatte? Reckte er nicht warnend ans dein Grabe heraus die knöcherne Hand?

Der BnrgmüUer saß mic zusammengesunken in dei Sosaecke. Er duckte sich förmlich. Jetzt hätte man den Manu nicht wiedererkannt, der noch vor wenigen Jahren