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Robert prutz, ein Vorkämpfer k>er Deutschtums.
(Zu seinem 100. Geburtstage am 30. Mai 1916.)
Bon Jp eins .91 nt e I lt n g.
Ein mächtiger Trieb zur nationalen Einheit schien sich 1840 im deutschen Volke kundzugeben, als der französische Minister Thiers kriegerische Töne gegen die deutschen Staaten anschlug, lveil die vier Großmächte den Sultan in Schutz nahmen gegen den von Frankreich begünstigten Vizekönig von Aegypten. Damals brauste, Wit Begeisterung ausgenommen, Max Schneckenburgers Ruf wie D-onncrhall durch die deutschen Saitbe: „Fest steht und treu die Wacht am Rhein!'' .Ernst Moritz Arndt erhob noch einmal seine kräftige Stimme zu den: Kriegslied gegen die Welschen mit der Losung: „All-Deutschland in Frankreich hinein!" Und Nikolaus Kecker entzündete alle deutschen Herzen mit seinem Rheinlied; alle schwuren mit ihm: „Sie sollen ihn nicht haben, dm freien deutschen Rhein, ob sie wie gier'ge Raben sich heiser danach schrein!" >vch mit der Kriegsgefahr verflüchtigte sich mehr und mehr auch wieder die nationale Stimmung: der große Moment fand noch ein kleines Geschlecht, die deutschen Stämme blieben noch für ein Menschenalter gespalten. Da ließ ein junger Dichter, dessen Verse schon vorher hatten aufhorchen lassen, die Mahnung erschallen:
Euch 'gilt, mein Ruf, ihr Fürsten und Vasallen,
In deren Händen unfer Schicksal liegt!
Euch Deutschen gilt er, nah und fern, euch allen,
Soweit ein Hauch von deutschem Munde fliegt:
Mit euch zuerst müßt ihr den Kam pf^b eg innen! . . .
Sei deutsch, mein Volk! Verlern' den krummen Rücken, An den du selbst Unwürdig dich gewöhnt!
^ Mit freier-Stirn, grad aufwärts mußt du blicken,
Bom eignen Mut gesittigt und verschönt.
So wirds erreicht! Und wenn in küust'gen Tagen, '
Das stolze Fßankreich unfern Rhein begehrt,
Mir werden es mit Lächeln dann ertragen,
Dann ohne Lieder, doch die Hand am Schwert.
Ms es drei Jahrzehnte später wirklich galt, den deutschen Strom gegen die Begehrlichkeit der Franzosen mit der Hand am Schwert zu verteidigen, da erwachten auch jene Lieder von Becker und Schneckenburger zu neuem, kräftigen: Leben unb halfen mit, die deutsche Freiheit und Einheit zu begründen; gehört doch nach Bismarcks Urteil „des deutschen Liedes Klang zu den Imponderabilien, die den Erfolg unserer Einigkeitsbestrebungen verbreitet und erleichtert haben". Ter Dichter aber, der eben wicdergegebenen Verse, der sich schon seit seinen Jünglingsjahren kraftvoll eingesetzt hatte, für die Erweckung und Stärkung des Deutschtums, für Freiheit Und Wahrheit, sah noch das Ziel seiner patriotischen Wünsche erreicht, zu dessen Erlangen er an seinen! Teil mit beigetragen hatte; er konnte sich noch der Waffenerfolge der verbündeten deutschen Heere und der Errichtung des deutschen Kaiserreichs freuen, bevor er dm 21. Juni 1872 in seiner Heimatstadt Stettin die spitze Feder niederlegte und die redegewandten Lippen für immer schloß.
Bei jeder für das deutsche Volk bedeutungsvollen Gelegenheit ist Robert Prutz in Schrift oder Wort öffentlich hervorgetreten, ratend, wegweisend, inahncnd oder tvarneud; stets hat er'leidenschaftlich Partei ergriffen, denn Kamps war ihm Lebensbedürfnis, War ihn: Lcbcnselenient.
Gebt Raum, ihr Herrn, ich bitte!
Laßt ü: des Lebens Mitte Mick stürmen siegesfroh:
Mich will's zu Tatei: treiben,
Ihr mögt sie dann besckweiben,
Das paßt uns beidei: so!
Zu Taten freilich hatte das Schicksal ihn nicht ausersehen, nur im Kampf der Geister konnte er sich in die vorderste Reihe stellen. ITiesem Streit ist er nie ausgewichen, in ihm hat er ausgeharrt bis z un: .Ende.
So sei's denn Krieg! Nicht zwischen mir und ihnen Soll Friede sein, die abgehgrmt und bleich,
Beximntei: Auges, kranken Mägdlein gleich Dem falsche:: Ruhm der Aftermuse dienen!
Dieser „Aufforderung" ist er treu geblieben; allem Schlechten und Ungesunden in der Literatur ging er rücksichtslos zu Leibe. In der Literatur — denn auf diesem Gebiete konnte er seiner Veranlagung Und seiner Vorbildung nach die größte Wirkung erreichen. Seine,: Standpunkt, den er bei der Betrachtung der Entwicklung unserer Literatur gewonnen hatte, sprach er kuez im Schlußwort semer 1859 erschienenen Schrift über die deutsche Literatur der Gegenwart dahm aus, daß eine erneute Blüte iunserer Literatur nicht möglich sei ohne eine Erneuerung unseres gesamten volkstümlichen Daseins. Literatur und Leben gehören also seiner Ueber- zeugUiig nach zusammen. Danach richtete er sich in seinen eigenen dichtenschen Arbeiten auch insofern, als er die Stoffe zu seinen Romanen (Das Engelche:!, Die Schwägerin, Felix, Der Musikanten-, türm, Helene, Oberndorf) größtenteils deni sozialen Leben entnahm; vor Gustav Freytag noch dem er in vielem wesensverwandt war, suchte er das deutsche Volk bei seiner Arbeit auf Daneben; nahm aber auch die lyrische Dichtung einen beträchtlichen Rauni in seinem Schaffenswerk ern. Seine erste Gcdickstssamnilung erschien 1841 MS reifer Mann erlebte er iwch eine zweite Periode lyrischen .Schaffens; wie em von den Entzückungen der ersten Liebe ergriffe
ner Jüngling sang er die Lieder, die er 1858 in dem Bande „Ander Heimat" vereinigte. Und dem wiedererschlossenen Quell entströmten weiter die in den SamUtlungen „Aus goldenen ^agen" (1861), „Hcrbstroseu" (1864), „Buch der Liebe" (1869) z::- sammengefaßten Gedichte. Manches davon ist heute noch lebendig, so die Liebeslieder „Warum duften doch die Rosen so viel schöner bei der Nacht?" und das andere „Was die Liebe kann begehren, Liebe darf es frei gewähren", oder die Frühlingslieder „O Herz, du mußt dich fassen", sowie das vielgesungene „Studentenherz, was macht dich trüb?" Nicht unerwähnt bleiben dürfen bei diesem Ueberblick die Dramen Karl von Bourbon, Moritz von Sachsen, (H'ich XIV. der Bauernkönig. Den größter: Erfolg aber gewann stiobert Prutz 1845 mit seiner satirischen und witzigen Komödie „Die politische Wochenstube", die in ihrer Art ein unübertroffenes Meisterstück ist. Für die Stimmung, die infolge der Enttäuschung der Hoff n un ge. l in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts herrschte und immer weiter um sich griff, gibt es kaum ein bezeichnenderes Literaturdenkmal als diese mit Anspielungen auf tausenderlei Tinge Und Verhältnisse vollgepfropfte Komödie. Uebcr alles, was dem Dichter in der Politik uiü> Verwaltung, im öffentlichen und bürgerliche:: Leben, in der Literatur unb in den Wissenschaften schädlich oder veraltet, zopfig und erneuerungsbedürftig zu sein schien, schwang er mit aristophanischer Ausgelassenheit, aber mit deutlich durchfühlbarem Ernst die Peitsche.
Das Werk erregte bei seinem Erscheinen außerordentliches Aufsehen, hatte für Brutz aber auch die unangenehme Folge, daß ihm der Prozeß wegen Majestätsbeleidigung gemacht wurde. Da wandte sich der Dichter mit würdigen Worten unmittelbar an den König, der großherzig genug empfand, das Verfahren niederzuschlagen, ja sogar die Erlaubnis zu literarhistorische!: Vorlesungen in Berlin erteilte. Das Ivar ein großes'Entgegenkommen gegen einen Mann, der wegen seiner ungescheuten politischen Betätigung den Behörden stark verdächtig war. Aus Jena, wo Prutz eine Professur zu erlangen hoffte auf Grund einer vortrefflichen Untersuchung über den „Göttinger Dichterbund", hatte man ihn sogar ausgewiesen. Rasch bekannt gemacht hatte er sich schon vorher als eifriger Mitarbeiter der .Halleschen Jahrbücher: damals schon, seit 1839, suchte er dahin zu wirken, daß sich die Literatur dem nattonalen Gedanken annäherte und ihn in sich anfnahm. Die Poesie —. so forderte er später — solle aufhören, nur inimJer zu jubeln und zu drohen, zu jauchzen und zu klagen, sie solle mit Hand anlegen zum Aufbau unseres Vaterlandes, nur dann werde sie aus einer Poesie der Jünglinge und Weiber zi: einer Poesie der Männer werden. In diesem Sinne schrieb er selbst seine politischen Gedichte.
Drum, was die Neunmalweisen Auch predigen und preisen.
Wir dulden ihren Spott.
Wir streuen doch zu Taten,
Zu künftigen, die Saaten —
Nun mag die Frucht beraten Der allerhöchste Gott!
Wie alle die politischen Dichter jener Zeit, dje Herlvegh, Hoff- mam: von Fallersleben, Kinkel, Dingelstedt, Gottschall, so beherrschte auch Prutz die Ucberzeugung, daß sein Wirken in Poesie und Prosa ein ivahrer Dienst am Vaterlande sei, ein Bauen am Freiheits- und Einigungs.ver? Deutschlands, ein Fördern dec nationalen Erziehung unseres Volkes. Biele Samenkörner, die damals ausgestreut wurden, sind erst in unserer Zeit aufgegangen: die Bedeutung so mancher Frucht, die damals gepflanzt worden, haben voir jetzt erstr-echt erkannt. Robert Prutz war einer der eifrigsten JWegebereiter der deutschen Zukiinft. Das Ziel hatte er stets un- verrückt im Auge; uneigennützig strebte er ihm zu. Eine Anerkennung tour de ihm zuteil, als ihn die deutsche Schillerstiftung unter ihre lebenslänglichen Pensionäre anfnahm. Wahre Triuniphe feierte er auf seinen Vortragsreisen. Als öffentlicher Redner übte er ja eine unvergleichlich größere Wirkung aus, als sie ihm als akademischer Zehrer beschieden sein konnte. Nur wenige Jahre bekleidete er das Amt eines' außerordentliche!: Professors für Literatnrge- schichte in Halle. Noch wichtiger und nachhalttger als durch seine Reden wivkde er aber durch seine höchst fruchtbare Tätigkeit als Schrisftteller :tnb Journalist. Das „Deutsche Museum", das er 18o1 in Verbindung mit Wolfsohn begründete, machte er rasch zu einer der angesehendsten und beachtetsten Zeitschriften. Seine vielseitige Bildung, sein Unabhängigkeits- und Freiheitsgefühl, sein festes Vertrauen auf die deutsche Zukunft, sein regsamer, schnell auffassender Geist — all das befähigte Prutz wie wenige andere, in lener uebergangszeit ein Führer und Berater zu sein.
vermischtes.
, * Rationelle Hühnerzucht. Die Hühnerzucht wird
:n sehr vielen Fällen immer noch nicht so betrieben, daß die bestmögliche Ausnutzung des Eier- uiü) Fleisch er träges erzielt würde, Und das ist in der jetzigen Zeit um so mehr zu bedauern, als auf der einen Seite durch den Russeneinfall in Ostpreußen und durch die Futtermittelknappheit ein nicht unbedeutender Rückgang des deutschen Geflügelbestandes eingetrelen ist, auf bcc andern aber die Einfuhr aus dem Auslande, die fttiher stattfand, größtend-iks in


