ftaae'b'en Darüber ging Buß aber mit ein paar Andeutungen hinweg. Soviel merkte ich aber, daß in dreitausend Meter^Höl-e, daran man hier auf dem Erdboden mehr als eine halbe stunde -zu laufen hat, zwischen Lutz und Jürgens ein fürchterlich Ringen stattgefunden haben nrußte. Der tolle Kerl habe mtt eimnat geschrren: Nim wird abgerechnet! und habe den Apparat genau über der feindlichen Front zum Gleitflug eingestellt. wy> scheinend habe er zusammen mit seinem Widersacher entweder in den Tod oder in die Gefangenschaft gewollt. Lutz. meinte gelassen, er habe ihn nicht gefragt, denn sie feien iefet wieder ein ioecj und eine Seele. ^ ^,
„Na, schliestlich hatte ich ihn fest. War bei dem Geschaukel nicht so einfach. Gesessen haben wir auch ein bißchen aufeinander, da trifft der Unglücksmensch nicht mich, sondern den Benzinbehälter. Das Ende vom Liede war, daß wir schüeßlrch lueit hinter der feindlichen Front verhältnismäßig wohlbehalten! ans einer Weide I>criiuterfantat. Ich tat, als ob nichts vorgefullen sei, ließ Freund Jürgens, den ich vorsorglich an weiteren Dumnr- heiten verhindert lullte, los und machte m!ir an dem Apparat zu tun. Das machte ihn zuerst stutzig. Dann schnappte er rtach memer Hand und heulte los wie ein Schloßhnnd. Dann schoben Mr m der schönsten Eintracht unsere lecke Maschine auf das Schlößchen zu, das weiß und zierlich ans dem Wald lugte. Voll emem F-emde war weit und breit nichts zu sehen." , _ ,. , .
Ueber die Teufelsfahrt war nichts weiter aus Lutz heraus zu bekommen.
Ec atmete tief auf. Leise sprach er weiter.
„Daun sah ich das Mädchen. Sie kam die Freitreppe herunter und sah uns mit großen, bangen Augen an. Wie das kam, weiß ich dir nickist mlehr zu sagen: Ich stand v-or ihr, hielt ihre .Hand, sah ihr in die Augen — wir sprachen kein Wort. Ich Muß in dem dkngseniblick wie ein Schulhüb ausgeschn haben. Ob die Geschichte inlit Jürgens meine Nerven etwas mitgenonrmen hatte — mag sein. Jedenfalls war mir vorerst wie im Träumt. Ich hörte Jürgens sagen, in zwei Stunden wurde er den Apparat wieder in Stand setzen können. Ich solle mach nur ausruhen. Ta sagte Lutz Plötzlich heftig. „Sieh dir dies Bild an. Und dann sag imir, ob ich Unrecht tat, wenn ich nicht daran dachte, daß ent deutscher Offizier jetzt andres zu tun hat, als einem Mädchen den Hof zu machen. , ... . .,
Mit einer Weichheit, wie ich sie nie an ihm' geiehn, reichte mir Lutz eine Photographie. Ich sah ein unendlich süßes Gesicht Ntit tiefen schuldlosen Äugelt, die einen merkwürdigen träumerischen Zwang selbst auf dem Bilde ausübten. Ich konnte nicht anders. Ich sagte: „Ich verstehe dich."
Lutz sah regungslos ins Feuer. .
„Tann sind rvir langsam, als ob das so sein müßte, m den alten Park gegangen. Saßen zusammen unter einer himmelhohen Blutbuche, erzählten uns. Sie ist durch einen totkranken Vater an das Schloß gefesselt. Tn lveißt, was es heißt, zehn Kilometer hinter der Front zu warten, was die Schlachten bringen. Dann haben wir uns geküßt. Du Lieber, du Starker, hat sie gesagt, ich vertrau' auf dich? Gleich als ich dich sah, Hab ich denken müssen, daß der Himmel uns dennoch nicht ganz verlassen will. Ob du uns helfen kannst, weiß ich nicht, aber ich Hab keine, Furcht in deiner Nähe. Und sie hing mir am Halse und weinte und zitterte trotzdem. Darüber, daß wir durch eine Welt getrennt seien, wurde feilt Wort gesprochen. Als ob eurer dem andern nicht webe tun wollte. Das war die schönste Stunde meines Lebens. Uno bald ist Jürgens gekommen und hat gesagt, daß wir fahren ürußten. Wieder hat sie altes vergessend alt meiner Brust gelegen und and) ich kümmerte mich nicht unt den Zuschauer. Und da haben Nicht nur zwei, sondern drei Mertschen geweint. sie, ich und — Jürgens, der mir vor einer Weile noch ans Leben gewollt. Dann ging es fort. Ich kalln nicht weiter drüber sprachen. Was weiter kam!, ist nicht von Belang. Wir hatten Glück und konnten unfern Auftrag erfüllen.
Lutz sprang ans und ging mit großen Schritten auf und nieder.
„Ich bin, lveiß Gott, kein Fatalist und gcb' mich den Kuckuck mit solchem Schnickschnack ab. Aber heute ists mir unheimlich ge- winden. Merkst btr, daß diese Geschichte schon damals angefallgen hat, als-ich auf Heckhansen dem Jürgens beit dummen Streich gespielt habe? — Und nun sag mir ein vernünftig Wort. Ich bin ltnc aus dem Boden gerissen. Wie soll das enden? Ich sehe kein Vorwärts und kein Zurück!"
Er blieb stehen und sah mich an. Ich fühlte, wie auch mir die Tränen kamen und könnt; ihm nur schweigend die Hand geben. Dann legten wir uns zum Schlafen nieder, Wenns damit auch nichts geben sollte. Mitten in der Nacht merkten wir, wie wir beide noch wachten. Da hatte er sich wieder in der Gewalt. „Xu, ich Habs durchgebissen," sagte er. „Ueber alles die Pflicht. Es ist »och nicht zu spät. Das dank ich Gott vor allem!"
Margens in aller Frühe waren neue Nachrichten da. Gute. Der Feind war znrückgegangen und hatte neue Stellungen be-- zogen. Flieger hatten trotz der Dämmerung schon verläßliches Material hangen können. Exzellenz strahlte. Tie Batterien fuhren los. Eine nach der andern. Wir waren die letzte. Die Batlerw
des Oberleutnants von Krumbach fuhr im frühen Morgen über die wind- und regengepeitschte Heide scharf nach Osten. Sie hatte den Auftrag, Schloß Schönhof und die anschließenden neuen Stellungen des Feindes Punkt 8 Uhr wrter schweres Feuer zu nehmen, wo der allgemeine Artillerien ngriff beginnen sollte. Ich ritt neben Lutz. Wollte ein Gespräch über irgend was mit ihm beginnen- denn sein Gesicht wollte mir nicht gefallen. Da sagte er mit seltsam trockener Stimme:
„Gib Dir keine Mühe, lieber Kerl! Du weißt ja nicht, was ich tun muß. Ich sagte Dir gestern abend nicht, daß das Hans, wo ich Glück und mein Schicksal fand, — Sck)önhof heißt."
Er gab seinem Gaul die Sporen und ließ mich allein.
Kurz nach 8 Uhr ging das Schloß Schönhof in Flammen auf. Alle Wege standen unter Sperrfeiver. Der Feind mußte weichen^
Um die Trümmerstätte strich, als wir ankameu, kläglich eick kleines Windspiel und suchte immer wieder durch den Rauch zck dringen, als ob dahinter die d.Penschen seien, bei denen es Rettung aus dem Greuel finden könne. Von den Straßenbewohnern fand sich keine Spur.
Nim wißt ihr — schloß der jnnge Artillerieleutnant, warn ick Lutz Krmrtbach nicht lacht und so wenig spricht^
Seid ihr ihm böse drum?"
* vüchertM
— C. G. R e u l i n g. Nr. 1042 der bekannten Roman- und NooelleN'Sammlnng „Kürschners Bücherschatz* - Hermann H i l l g e r Verlag, Berlin-Leipzig. Preis 20 P'ig.
- »Von Helgoland bis Bagdad IE Geographisch wie historisch ist in dieser Formel der Kampf Deutschlands um seine Weltmachtstellung zufannnengefaßt. Helgolandvertrag nndBagdad- bahnpolrtik, zur gleichen Zeit in die Welt getreten, in der gleichen Weise von der deutschen öffentlichen Meinung falsch gedeutet als politische Schwäche. Maximilian von Hagen, durch verdienstvolle Unlersnchungen über die Politik Bismarcks bekannt, liefert in seiner soeben bei F. Brnckmann, München, erschienenen Schritt »Geschichte und Bedeutung des Helgoland-Vertrages" (1 Ml.) den Beweis, daß ohne den viel geschmähten Helgolandvertrag, wo wir scheinbar „einen neuen Anzug tür einen alten HosenknopsE hergaben, eine deutsche Weltpolitik nicht möglich geworden wäre. Warum Bismarck, obwohl er selbst als Reichskanzler den Erwerb Helgolands erstrebte, den Helgolandverkrag verurteilte, wie unser Kaiser mit klarem Blick die Erfüllung seines Jugendlranms, die Gewinnung Helgolands, tum Ausgangspunkt der deutschen Weltpolitik machte, wie sich unsere, aber auch die englischen sogenannten kolonialen Autoritäten über die Bedeutung des Vertrages täuschten, dies alles entwickelt der Verfasser mit Hilfe des besten Qnetlenmcllenals sachlich und überzeugeud.
— Melanie Ebhardt: Glück uub Größe. Gedanken dcZ Trostes ilnd der ErkeimtuiS. — Verlag von Egon Fleischet & Eo., Berlin W. — Preis 3 M k. Was die Aufsätze, die Melanie Cbhardt unter dem Titel „Glück und Größe", Gedanken des! Trostes und der Erkenntnis, hat erschciitelt lassen, aus der Flut der Kriegsaufsätze so bem-erkenÄvert heraushebt, ist die große, Tatsächlichkeit mtb Wirksamkeit des Trostes, den das Buch Zit bieten hat. — Die Aufsätzse sind ohne Ausnahme, auch da, tvo sie mit einem! fast herben Ernst mahnen mtb warnen, Ocnt einem! unerschüllerlichat Glauben getragen. Immer wieder tri unk' phiert die gervisse Zuversicht, „daß. der Wog der Menschheit aus demi Dunkel ins Helle führt." — DiL ?6ufgctben deS deutschen Bottes sind mit voller Klarheit als die schlechthin höchsten Mettsctzlrchi- keitsziele überhaupt erkannt, und ans einem! festen Glauben heraus, der 'das Buch trägt, erlväcM mit voller Selbstverständlichkeit die Forderung unermüdlicher Selbstzucht, strengsten Verantwor- tungsbervußtseiiks für das denlsche Bolk llr feiner Gcffcmrtheit. — Ter tiefste Kern des Buches blocht aber die geradezu ivnnderbare Fähigkeit zu trösten, geboren aus der tiefen Erkenntnis, daß kein Leid vergebens sein kann, daß es fruchtbar wird, tntb daß die Segnungen dereinst erlittener Schmerzen fühlbar sind bis auf den heutigen Tag. — Der Siit der Aufsätze ist von größter Eindringlichkeit und oft Kühnheit, wie sie der Mut verleiht, Gedanken bis ans Ende zu denken.
Bon d e r r u s s i s ch e n Grenze. Von Fritz Skowronnek. Verlag von Otto Janke, Berlin SW. Preis 50 Pig. Die wackeren Ostpreußen und Masnren sind der Schntzwall gegen unseren gefährlichsten Feind gewesen. Nahe der russischen Grenze spielen sich die Erlebnisse ab, die der „Dichter Masnrens" nns erzählt.
BätjeL
An eines Stromes schönem Strande Liegt die Stadt, die ich jetzt mein'.
Zwei Zeichen tausch': ich ivär' imstande Und bäte gleich: „Schenkt davon eint"
Auslosung in nächster Nummer.
Auslösung des Gleichklangrätfets in voriger Nunitttttr
Das Tor, der Tor.
Schriftleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


