Verschiedene Wertgegenstände, und hier an seinem Halse können Sie Spuren von etwas Furchtbaren! sehen. Man hat ihn erwürgt."

Äreitenbach stieß einen dumpfen Laut aus und ver­hüllte sich abermals die Augen mit der Hand.Ach, zeigen Sie mir oas nicht, ich kann es nicht sehen!"

Mit einer Art von Erstaunen betrachtete sie den Er­schütterten.Auch ich must es sehen," sagte sie dann,Und ich habe ihn doch einmal geliebt. Aber wie Sie wollen."

Erzählen Sie mir nun, wo Sie meinen Mann ge- trosfen haben und !oas er mit Ihnen gesprochen hat."

Er atmete scheinbar erleichtert aus.Wir haben ein-- ander ganz zufällig auf der Bahn getroffen, im Zuge. Bassolv kam von Berlin zurück, ich von Rostock. Als ich einstieg, sah ich ihn gleich und setzte mich zu ihm ins C011P6. Mir lvar es außerordentlich lieb, ihn zu treffen, denn ich hatte eine geschäftliche Sache mit iym zu verhandeln. Sie wissen, Baronin, dast ein (stück von meinen: Gute der Teil da drüben mit dem toten See tief in das Ihrige! eingreist, eine Halbinsel gewissermaßen, die auf zwei Seiten von Ihrem Besitz umgeben ist. Bassow hatte schon lange den Wunsch, zu arrondieren, dieses Stuck zu erwerben. Ich hatte früher nie davoll wissen wollen, wegen des wertvollen Waldbestandes gerade auf bicfem Fleck. Seit aber der Windbruch im Frühjahr die Ineisten von den Bäumen gefällt hat, liegt die Sache für- mich anders, und gerade in diesen Tagen hatte ich imtf) entschlossen, ihm seinen Wunsch zu erfüllen."

Darüber also haben Sie mit ihn: gesprochen?"

Ja, jedoch erst, als wir den Zug verlassen hatten. Im Coupe waren verschiedene Leute, vor denen Geschäft­liches besser llicht verhandelt lvurde. So schickte ich meinen Wagen, deil ich an die Station bestellt hatte, wieder zurück, weil Bassow unerwartet Heimkain und zu Fuß gehen wollte. Daraus sind wir ganz langsam zusammen den Feldweg gegangen. Wir konnten uns über den Preis nicht einigen, darum haben wir geraume Zeit aus dem Wege zugebracht. Etwa eine Viertelstunde haben lvir auf einer Bank am Waldrand gesessen."

Und es ist Ihnen unterlvegs nichts Verdächtiges be­gegnet ?"

Ja; da Sie mich fragen, fällt es mir ein. Sie wissen, der 'Feldlveg führt eine Strecke durch den Wald. Er ist Nllr schmal dort, und es war schon sehr dämmerig. An dieser Stelle ist uns ein Mann begegnet. Genau habe ich ihu nicht erkennen können, aber trotzdem war etwas in der Erscheinung, was mir aussiel und mich veranlagte, mich nach ihm umzusehen. Er war stehengeblieben und sah uns ebenfalls nach; als ich nach einer Weile noch einmal zurück­schaute, schien es mir, als wenn er umgekehrt und ein Stück hinter uns hergekommen lväre."

Wie sah er aus?"

Ich sagte schon, es war sehr dämmerig an der Stelle. Das aber habe ich doch erkennen können, dast es ein großer Mann war, beinahe so groß wie ich selbst, und dast er in gebeugter.Haltung ging."

Gebeugt und groß dann glaube ich nicht"

. Sie brach plötzlich ab; es war, als lväre sie über die eigenen Worte erschrocken.

Mt einem raschen Blick, l>ei dem in seinen hellgrauen Augen ein eigentümlicher, harter Stahlglanz auflenchtete, Mckte Brertenbach ihr ins Gesicht. Eine Sekunde lang chwieg er, als wenn er ihr plötzliches Verstummen um so deutlicher hervorheben wollte; dann erst folgte seine Frage: Baronin, Sie haben einen Verdacht?"

Nein, nein, keinen Verdacht. Warum sagen Sie das?"

.Ganz rasch, mit wenig Atem kamen ihre Worte hervor.

* ff "Fw* ? ic £ cn Satz, den sie angefangen hatten, un­vollendet ließen."

Ich bin unruhig, zerstreut, ist das ein Wunder an diesem furchtbaren Morgen? Und immer kommt noch nie- maiid von der Polizei! Würden Sie den Mann, dem Sie begegnet sind, wiedererkennen?" fügte sie dann unvermittelt hinzu.

k ff "F ci r Gesicht, nein. Aber seine Figur mit ihrer aus­fallenden Haltung ist mir deutlich im Gedächtnis geblieben. Und wenn ich etwas dazu beitragen könnte, den Schändlichen zu ermitteln, der mir den liebsten und nächsten Freund er­mordet hat"

Sie unterbrach ihn. ..Ist in Ihrem Gespräch mit

meinem Manne nicht irgendein Mort gefallen, das auf eine Spur leiten könnte?"

Nein, wir haben lediglich über unser Geschäft ge­sprochen, das nicht zum Abschluß kommen wollte und auch tatsächlich noch nicht zum Abschluß gekommen ist. Ich glaube, daß er den Mann, der uns begegnete, kaum beachtet hat."

Ich spreche nicht von diesen: Manne, der meiner An­sicht nach nichts mit der Sache zu tun hat."

Aber Baronin!"

Nehmen Sie an, daß ich meine Gründe habe, um das zu sagen, daß ich sie aber vorläufig noch nicht aussprechen! möchte."

Sie hatte jetzt volle Sicherheit in Ton und Haltung wiedergefunden und stand mit ihrem bleichen Gesicht ganz ruhig vor ihrem Besucher. Und mit gleicher Sicherheit fügte sie nun hinzu:Nein, ich frage, ob nicht gestern! oder sonst in letzter Zeit mein Mann irgend ettvas gesagt hat, was für die Nachforschung nach dem Mörder nützlich werden könnte. Früher ist er öfter mit Bettelbriefen be­lästigt worden vielleicht hat er von etwas Derartigem nicht gesprochen."

Mit immer schärferer und nachdrücklicherer Priifung hatte Breitenbach seine Blicke auf ihren: Gesichte ruhen lassen, und immer stärker war der Stahlglanz in seinen Augen geworden. 2lber auch seine Stimme war ganz ruhig, als er nun antwortete:Nein, davon hat er niemals mit mir gesprochen, weder gestern, noch früher."

Und wo haben Sie sich von ihn: getrennt?"

Ich bin bis zu der nächsten Tür im Parkgitter mit ihn: gegangen und habe mich dort von ihm verabschiedet."

T:e Tür war verschlossen?"

Gewiß. Er zog den Schlüssel hervor und öffnete."

Und schloß er sie hinter sich wieder ab?"

Das ist meines Wissens bei dieser Türe nicht nötig. Sie fällt von selbst ins Schloß, wenn man sie zuziehi."

Ja, das ist richtig. Und Sie haben Hinterher nichts mehr gehört? Keinen Ton, keinen Schrei?"

Nein nichts."

Sie öffnete die Lippe:: zu einer Antwort oder $u einer weiteren Frage, doch wurde sie durch unerwartetes Erscheinen Rosas in der offen gebliebenen Glastür ver­hindert, sie auszusprechen. Halblaut meldete das Mädchen: Der Herr Wachtmeister von der Gendarmerie ist eben äu­ge kommen."

^:e Aaronin. befahl ihr, den Mann sofort heremzu- sühren, und als das Mädchen wieder gegangen war, trat Breitenbach ans sie zu.Gestatten Sie mir, mich zu ver­abschieden, Baronin, und zugleich etwas nachzuholen, was :ch nn Schrecken und in der Unruhe dieses Tages bisher leider versäumt habe." Seine Mienen hatten sich verändert, rmd er sprach wieder in den: weichen, vibrierenden Tone, !vie bei seinen: Eintreten:Ich habe versäumt, Ihnen; merne tiefste, herzlichste Teilnahme bei diesem großen, jähen Verluste anszusprechen."

Mit einer energischen Bewegung richtete sich die Ba^ ronrn aufj die Linien ihres Gesichtes wurden fest und hart. Lassen Sie das, Herr von Breitenbach> wir wollen keine Komödie miteinander spielen. Es weiß niemand besser als Sie, sein vertrauter Freund, wie mein Verhältnis zu meinen: Manne sich seit einem Jahr ungefähr verändert hat. Sre wissen, daß wir einander geliebt haben, schwär- merrsch, leidenschaftlich, Sie wissen aber auch, daß diese L:ebe m uns gestorben ist. Nicht erst heute habe ich meinest Mann verloren. Me sehr ich den Lebenden betrauert habe :st meine Sache. Sie meinen es gut, und ich danke Jhnem, aber ich bitte Sie, sprechen Sie wir nicht von Teilnahme "

Emen Augenblick schien Breitenbach nach einer Ant­wort zu suchen, dann'aber verbeugte er sich tief und sagte nur:Me gnädigste Baronin befehlen." Damit ging er durch die Glastür in den Park hinaus. *

(Fortsetzung folgt.)

Rückblicke auf das welttriegrjahr

ix.

Balkankämpfe.

1. Stand am Jahresbeginn.

Äm 2. Dezember 1914 hatten die Oesterreicher Belgrad ein- genommen. Am 14. mußten sie es wieder aufgeben und auch das übrige Serbien wieder räumen, nws nicht ohne Verluste an Meiri