föttbt hak. Der von Wffrdeck hat nicht können fluchen, ivann das Kind um ihn gewesen ist. Ist inmitten von grausamem Waffen- werk, so der von Windeck über ein Menschenalter gegen den Willen des allmächtigen Gottes an den Landstraßen inrd im Busch betrie­ben, zu einer holden Blumen ertvachsen. Dem Chronisten,, in An­sehung des geistlichen Starrdes, stund es nicht an, Weibesschönheit zu erhebeir. Sei darum als ein Testinlvnium dafür, welch ein Wun­der des Höchsten die Burg in jenen Zeiten beherberget, angesühret, daß ein Kölner Handelsherr, so ein Jahr lang im Verließe der Lösung geharret, als sein Lösegeld eingetroffen, inständiglich ge­beten hat, man inüge ihm toeiters den Aufenthalt hinter seinenr Gitter verstatten, inaßen er nicht den Anblick der Jungfrau Ilse missen lernen könne. Und käme solche n:rr zwei Mal unter Tages, wann sie zur Kapellen ging, dieses Weges. Eine Fehd init de:ij Rittern von Trub und deuerr von Nottberg hat müssen enden, dieweilen sich Obgenaiinte gescheut haben, den Brand an die Burg zu legen, darinnen das Mägdlein wohnet, so in der Gegend son­derlich trotz einem Engel Verehrung gesunden hat ..."

Die Flammen im Kamin tanzen, und wie ein Feuerwerk ist's, Wenn die Kloben knacken und sprühen. Lichter huschen wand- auf und wandab uwd gaukeln an der dunkeln Decke. Die alte Chronik Kaplan Kerschenbeißers erzählt milde und langsam mit einer verstaubten Stimme mrd ist doch so beredt wie ein Maren- liebeslied und mächtig wie ein Zanbergesang um alte Grüfte. Mit pergamentener Gewissenhaftigkeit spricht der Chronist von den verwegenen Fahrten und dem Buschkleppertum des Herrn vom Windeck; und läßt dennoch die Schleier der dienenden Ergebercheit leise über die entweihten Ritterwaffen fallen. Hengste werden ge­zäumt. Rüder: rasen an den Riemen. Das Horn gellt. Die Rabenseder an der Sturmhaube warten die Mannen auf unge­duldigem Roß in den Föhren. Tie Achsen der Kaufwagen krei­schen. Heio! Drauf und dran! Die Teufel und Windeck! Stei­gende Gäule, Eisen auf Eisen und Eisen ins Fleisch, krampfige Schreie, Fluchen, Beten, Geivinsel, rohes Gelächter, gierige Sieges­hände. Der Mond über jagenden Wolken. Bleiche, zerhauene Gefangene. Tropfende Verließe. Gelage und trunkenes Singen und Johlen, bis die Sonne im Frührot den Bergfried küßt. Darüber ein reines, süßes Mädchenbild wie der Aloendstern über irrlichterndem Sumpfe, wie eine weiße Rose im struppigen Wild­garten.

Und es käme der Tag, da es der Herre Gott bestimmt hatte, daß der von Windeck von dieser Welt scheiden mußte. Zu Mitternacht am Tage des hl. Bonifatius brachten ihn die Knecht als einen Sterbenden in den Saal, darinnen er oft des Trunkes gepflogen hatte. Hatte ihn ein stürzendes Roß unter sich be­graben, davon er Blut speiend und sein Ende erwartend war. Der Chronist vermag ohnbeschadet der historischen Wahrhaftigkeit nicht zu vermelden, welche Reden er noch krcrz bis vor seinenr Ende geführet habe. Hat ihme alsdann der Allmächtige die Jungfrau Ilse an sein Sterbelager geleüet urrd ihr Wort eingegeben, so den verstockten Sinn gebenget und sein Herz gänzlich zerschmolzen baden. Und er ist urn den ersten Hahnenschrei sänftiglich ertt- tchlasen auf eine Weis, so eines Heiligen nicht unwürdig gewesen. Offenbarlich hat auch in dieser Stund der Herr der Heerscharen oie Jungfrau zu einem Werkzeug jeiner Gnade gewürdiget . . ."

Nun der alte Schnapphahu in ein friedlicher Dasein ge­gangen, weicht e§' für ein paar Seiten wie ein Druck von der alten Chronik. Wie die Witwe des Toten es vermocht, die Leiden Junker mit ihren 18 und 19 Jahren von dem ein­geschlagenen Pfad der Ritter vom Strauche abz:rziebn, wie Jung­frau Ilse ihr dabei treulich geholfen, wie Zucht und Sitte wieder ans Windeck einkchrten das erzählt der fromme Schreiber Mit stillem Klosterlächeln, und wie sein Herz darob hüpfen nwchte, so tat es mitunter gar seine würdige Feder. Alter Kerschenbeißer Mit der weißen Dommikanerkutte, dem kahlen Schädel, dem Weinbäuchlein urrd dem dicken Rosenkranz gesteht es frei! Euer alt Herz hat sich himmelweit aufgetan, wenn Ihr Hol>d-Jlse zwischen Lkrufried und Wolf auf dem weißen Zelter wie ein Wald- Märlein einherreiten sähet. Ihr habt die Mgeir gerieben, wenn Ihr schautet, wie das Mägdlein drunten in den Weilern zwischen den schmutzigen Kindern der Köhler stand und von den Rangen, die sich vor Wölfen nicht scheuten, ein Llvemaria verlangen konnte. Und wenn Ihr noch so gemessen die Worte setzt alter Kerschenbeißer, wäret Ihr ein Junker und zwanzig gewesen Nun, nun, Vater, vergönnt ein Späßlein! Und gelobt sei Jesus Christus! Und seht, hochwürdiger Herr, nun müßt Ihr ja gleich selber von dem Uralten und Ewigneuen, von der selig- Inachenden Liebe stürmenden Allgewalt, sprechen, von der heiligen Mt tränendunkler Leidenschaft, von den entsetzeuschweren Fragen, wo reinen Glückes Sünde beschlossen liegt, warum die Kinder ihr Blut für der Väter Frevel verschenken und verderben müssen. Euer Herz war alt, als Ihr dies alles schriebt, Burgkaplan, und ein Tichtersmann wäret Ihr nicht aber aus Euern krausen Buchstaben weht es heiß rme Wüstenwind und kalt wie Novembersturm auf dem Totenacker. Reicht mir die Hand, alter Diener des Herrn, damit ich vielter trännren mag vom Windeck Und von Hold-Jlse . . .

Hättet Ihr damals int hallenden Schloßhof von Windeck ge­standen, hättet Ihr ein solch selmsüchlig Herz in dev Brust ge- spürt toie das Mägdlein mit dm Sternaugen und den ähren- blonden Flechten Euch hätte es auch dnutten zwischen den

dicken, starrenden Mauern nicht gelitteit. Seht, mitten aus dem! steinernen Hof rang sich der Bergsried gegen den Blauhimmek- und seine Spitze spielte in einer andern Welt, wo es schmeichelnde, süße Winde, kleine, weiße Wolken und jauchzende Schrvalben gab. Und bedenkt, was man aus dem Schloßhof nur beklommen ahnen konnte, die grüne und blaue Wieite, auf die hier unten nur schmale, eifersüchtige Scharten blinzelte::, das sah man droben^frei und Herr-, lich gebreitet unter sich liegen. Mit zartgesponnsuen Sonnenstrahlen und taumeligen, himmelstrunkenen Schwalbenglitzerliedlein lockte die stolze, königliche Höhe hinab in den engen, lastenden Hof. Und zuerst flog Jungfer Ilses Herzlein trillernd wie eine Lerche lot­recht zur Höhe und jubelte zum Voraus von den Zinnen in die lenzblane Welt, und dann sprangen leichte Füßlein hinterdrein. Wahr muß es sein, daß der Weg nach droben kein Spiel war. Eh man zur Stube des Wärtels kam, hieß es zum wenigsten einmal! stille stehn und Atem schöpfen. Gern tat mans picht, denn im Bauche des Turmes rings um die kreisende Stiege langten wohl aus dem Dunkel allerhand Geheimnisse heraus und Lappten einem nach dem leise schaudernden Rücken. Da hieß es singen oder pfeifen, sich selber den Mut zu stärken, und während der Rast eng mit dem Rücken an die Wand gelehnt ein Paternoster Herfagen. Bis dann der Märtel vor dem heran komm enden Tirilieren dis Falltür hob und das Licht toie ein Goldbad herrmterstürzte. Der letzte Teil der Reise ging alsdann nüt lächelnder Zuversicht weiter/ Mmal der alte Kater des Wärtels mit ruhiger Würde neben der zu steigen pflog. Hach! Und daun war man oben! Du lieber/ du guter Himmelsvater! Versteck dich doch nicht! Da, hinter den Flaumwölklein, lachst du ja! Komm, ich will dir die Hand geben. Nur zu Atem laß mich kommen! Uitb wie man droben denken/ nein dichten konnte! Jetzt zum Exempel, da Ilse droben ins Land schaute. Frühling, Königsknabe, du allein von allen Jahres* zeiten liebst die Erde. Du nahest ihr nicht mit der heißen Glühe* leidenschaft des stolzen Sommers, die versengt, was sie küßt; du überhäufest sie nicht mit der Last des Reichtums, mit der der ab» tenrde Herbst das Feuer des Liebhabers zu ersetzen sucht; du ver­schließest sie nicht in kalte Demantpaläste wie des Winters schnei­dende Eifersucht. Frühling, Königsknabe, als ein urttadliger Held wirbst du um die Geliebte, lind erst ioenn sie dir holdlächelnd Ge* Währung nickte, ziehst du dein Lieb an die jauchzende Brust. Königs­knabe, Frühling, im wachen Traum seh ich wieder dem blaues Band von Hügel zu Hügel flattern, seh ich deine grünen Seiden* barm er. Stolz und strahlend, blauäugig und blondlockig, stehst du als ein Sieger da, urrd in keuscher Süßigkeit neigt sich dir diel junge Maid Natur.

Ilse, Hold-Jlse, war -es nicht so an jenen: Lenztage, den die alte Chronik deinen 'Schicksalstag nennt?

Wißt Ihr, toie der Falk mit drei Flügelstößen zur Höhe schießt, um sich von oben auf den Weih zu stürzen? So kamen damals aus jähen Schwingen Hornstöße empor inrd flatterten nur die Turm­spitze. Und darunter ließ der Wärtel gleichfalls die blanken/ schmetternden Vögel fliegen, und von oben rmd unten jagten die Töne eincnrder um den Mauerkranz. Tief, tief unten klirrte ein Brücklein, und Reiter tänzelten zierlich rmd klein in den Hof.

(Schluß folgt.) * > -

Vermischtes.

* Vom e r st e n Kriegs-Panorama. Aus B v ü f f e l wird uns geschrieben: Steigt nicht aus traumhafter Dämmerung Stück um Stück unserer Jugend vor uns aus? Wie jetzt als Feld­graue saßen wir damals vor etlichen zwanzig Jahren als gespannte Buben vor dem geheimnisvollen Rundbau, dessen sonnen­hell erleuchtete Gucklöcher uns den Blick in zauberhgste, mit mili­tärischer Vüukttichkett wöchentlich wechselnde Welten erschlossen. Der hübsche Einfall, in Brüssel ein solches P a n o x a m a, das erste seiner Art in Belgien und erst recht aus dem Kriegsschauplatz überhaupt, zu schaffe,:, ist der hiesigen Bildungszentrale als dem behördlichen Brennpunkt aller Bildungsstrahlen zu danken. Das eigentlich Neue liegt m der bequemen Vereinigung des Panoramas mit einem Lese- und Schreibraum, denen jewellige Ausstellungen guter Steindrucke einen angenehmen Reiz verleihen; hier findet der Wissensdurstige Nachschlagewerke aller Art, besonders geo­graphische, die ihm gestatten, das Geschaute aus der Slelle durch Wort und Schrift in sich zu verliefen. Gleich am Tage der Er­öffnung, der die Anwesenheit des General-Gouverneurs die Weihe gab, konnte ich die bildende Kraft des jungen Unternehmens praktisch erproben. Denn, als ich, von Konstantinopels Schön­heiten berauscht, das verborgene Räderwerk des Panoramas zu sehen verlangte, wurde ich mit einer sanften Drehung nach rechts auf das stattliche Büchergestell verwiesen; dort, in Band 13 des Konversationslexikons, sollte mte Auskunft zuteil werden. . . Mit wenig Mitteln, aber viel Liebesgaben ans der Heimat und Liebe (des Abteilungsvorstehers Jansen) zur -Lache sind d,e Räume so stnnmungSvoll-behaglich eingerichtet, daß sie nur den: Eingeweihten ihre andersgeartete Vergangenheit als einftic^e Bar deS Grand Hotel verrater:. Da, wo vor bem Kriege süße Getränke ver- schänlt wurde,:, prangt jetzt die Reihe der deutsche,: Heerführer, deren lebensgroße Büsten lebensvoll daö uinkleidete Buffet zieren. Und der nüchterne Speifeauszug muß es sich gefallen lassen, unter neuer Herrschaft einen bildertragenden Pfeiler vorzustellen, kurz