flctröFtel und Volt 5>offmmg hin Md wartete, daß es ruhiger litt Schlafzimmer werden würde. Mer so lange sie auch wartete, der Kampf lieh nicht nach, und immer schwächer wurde ihre beruhigende Gewißheit. Papa schrie und Mama schluchzte, und auf einmal sagte Papa ein so häßliches Wort, daß Margit susammenznckte, als hätte man sie geschlagen. Wie war das nur möglich? Sw hatte Gott doch versprochen, nie mehr mit Ännre zu spielen und ihn gebeten, dafür die Eltern gut zu machen. Konnte er es dafür nicht tun? Was konnte sie ihm denn noch versprechen? In ihrer Angst suchte sie tviederum Kffe bei den Geschichten der lahmen Julie. Wo sollte sie das Richtige finden, wenn nicht bei den Heiligen? Die Nanren hatte sw alle wieder vergessen, aber dw Geschehnisse kannte sie ganz genau. Mer eine dieser Erzählungen nach der anderen ging sie durch, ohne etwas zu finden, was ihr zeigte, was sie tun sollte . Bis sie sich ganz betäubt vor schreck an den alten Mann erinnerte, von dem Gott verlangt Hatte, er solle ihm sein eigenes Kind darbringen. Wenn der das willig hatte tun wollen, und nicht einmal um etwas anderes dafür ge­beten hatte, dann wußte sie es auch tun. Denn das sah sie cveurltcu, von selbst wollte der liebe Gott die Eltern nickt wieder gut machen

Und bitterlich weinend, stand sie ans ihrem Bette auf und ging mit nackten Fristen in die Ecke, Ivo ihre geliebte Puppe fast. Sie drückte sie leidenschaftlich an sich und flüsterte ihr lesick armselige Liebesworte zu, weil sie nie andere gehört hatte. Du darfst nickst böse sein, ich must es ja für Maina nick Papa tau. Du weißt ja, ichl habe Dich so furchtbar lieb.",Ich werde 2 . 1 m nie vergessen, nie, nie-und es wird Dir auch nickt febr weh tun. ' Und dann die Puppe in ihren Armen sanft wiegend, dachte sw nach, wie sie es eigentlich tim sollte. Zündhölzchen zum Verbrennen hatte sie nicht. Zerschlagen würde einen solchen Lärm mache«/ daß alle es hören rurd hereinkommen würden. Und dann würden sie fragen, was ihr foenu einfiele,-die teuere Puppe zu zerbrechen, und sie konnte doch nicht sagen, warum. Da müßte sie sich ia m den Tod schämen, und es war ja auch etwas, was nur Gott und sie allein wissen dursten. Dann fiel ihr ein, sw wurde ihr Kuck znm Fenster hiucmswerfeu, das war wohl das Beste. Der Schnee müßte jetzt ganz hock liegen, und da würde es sich nicht so weh tun. «Tastend fand sic einen Stuhl und trug ihn letze an's Fenster. Aus dem Sessel stehend, hielt sie mit der einen Hand die Puppe fest au sich gedrückt, mit der anderen öffnete sie bebutsani das rMtzter, zog mühsam das Rouleau hoch und öffnete den äußeren Flügel. Eiskalte Lust schlug ihr entgegen und drang durch das dünne Hemdchen. Lautlos, friedlich und dicht sielen die Schneeflocken noch immer herab, die weiße Decke, die auf der Erde und ans allen Vorsprüngen lag. milderte das sterncnlose Dunkel zii einem un­gewissen Zwielicht. Die kleine weiße Gestalt am Fenster wartete und sah nichts davon. Bebend vor Kälte stand sie aus dem Stuhle, während der Luftzug ihr Hemdchen ins Zimmer zurückwehen wollte.

Heimlich hatte sie gehofft, der liebe Gott Würde irgend etwas senden, !nm ihr Kind zu erhalten, wie er es damals denr alten Mann gesandt hatte. Aber es kam nichts und init einem harten, stoßweisen Schluchzen, das ihr aus der Kehle drang, warf sie ihr Kind endlich hinab. Zitternd horchte sie hinunter, aber sie hörte keinen Ton. Es war Wohl weich gefallen. Dann kletterte sie lang­sam und todmüde vom Sessel herab. An die Möglichkeit, daß nun nicht alles gut geworden sei, dachte sie garnicht, aber sw könnt« sich auch nicht freuen. In halber Bewußtlosigkeit, die ihre Mieder lähmte und ihre Einbildungskraft merkwürdig in die Irre führte, schlich sw frostbebend M ihrem Bettchen zurück.

Aber in dem Augenblick) da ihr Köpfchen sich schon halb im Schlaf zur Seite neigte, wurde sie durch einen durchdringenden Schrei Mamas Wieder geweckt. Mühsam riß sie die Angen auf. Das hatte sie doch nur geträumt, das konnte doch nicht wahr sein. Hatte sie nicht dem lieben Gott alles, altes gegeben, was sie hatte? Was konnte sie ihm denn noch geben? Aber vielleicht war das nicht das Rechte gewesen? Was konnte aber das Rechte sein? Wer hätte noch mehr gegeben, als der aste Mann? Ja, da war einer, unser .Herr Jesu Christ. Der hatte um der andern willen sein eigenes Leben hingegeben. Mer das konnte der liebe Gott doch nicht haben wollen, daß sie starb, um ihre Eltern zu erlösen? Sie wurde ganz- dumm vor Angst bei dem Gedanken. Doch die leidenschaftlichen, wilden Stimmen nebenan rissen au ihr. Sie bebte und zitterte, aber Schritt für Schritt kam sie dem Stuhle am Fenster näher. Es war, als wäre der Gedanke nicht mehr in ihr. sondern irgend etwas Allmächtiges außer ihr, das sie zum Fenster zerrte. Sie wollte schreien vor Schreck, vor tödlicher Furcht, aber sie wimmerte nur kleine, klägliche Jammerlaute, die die beiden Menschen drin nickt hörten, und hob ihnen zwei schwache Arme ent­gegen, die sie nicht sahen. Da drin tobte noch immer der rasende Haß und wühlte sich gegenseitig giftige Wunden ins Gemüt. .Halb besinnungslos stand sie wieder ans denr Stahl. Noch lauschte sw zurück. Dann stand ein Fuß auf dem kalten, nassen Schnee, der den Fenstersims bedeckte. Sie schrak zusammen, aber das vermehrte nur den Todesschauer und brachte sie nickt mehr zur Besiummg in die Wirklichkeit zurück. Der zweite kleine nackte Fuß folgte. Mid während nebenan die zwei Menschen in zügelloser blinder Wut auf einander eindrangen, sauste hier ein kleiner, weißer Körper verlassen und willenlos in die Tiefe, hinab.

vilcherttsch.

Ernst Elias Niebergall.DesB n'r s ch e n H e i m- kehr oder Der tolle Hu n d", Lustspiel in vier Aufzügen. In der Mundart der Darmstädter verfaßt von E. E. Stress. Mit Einleitung und Anmerkungen herausgegeben von K. N 0 a ck. Darmstadt. 1815. A. Bergstraeßers Holbuchhandlung (W. Klein­schmidt). Preis Mk..60. - Ter 100. Geburtstag des Darm­städter groben Humoristen E. E. Niebergall war der Anlaß, daß seine Werke eine erhöhte Beachtung und Wertschätzung erfuhren. So wurde derDatkerich" in der letzten Zeit in verschiedenen Aus­gaben neu aufgelegt und erlebte in ersrecclicher Weise 2lufstthrungen in Darmüadt, im Großh. Holtheater. wie in einer ganzen Reihe von anderen deutschen Städten. Das älteste Stück,Der tolle Hund", war dagegen nicht mehr neu zu erhalten. Es ist deshalb ein Verdienst von A. Bergstraeßers Hofbuchhandlung (W. Kletn- schmidt), dieses G e g e n st ü ck $ u urDatterich" in einer neuen, auf die Nrausgabe zurückgreisenden, von deu Drückfehlern und Schäden früherer Ausgaben gereinigten Gestalt sedein Verehrer Niebergalls zugänglich gemacht zu haben.

V 0 m «V ö l ke r k r k e g" (herausgegeben von Dr. E. H. Vaer, Verlag von Julius Hoffmann in Stuttgart) sind nunmehr die Helte 51 und 52 erschienen, die an die Darstellung gewaltiger Ereignisse Herangehen, nämlich der Kämme auf den russischen 'Kriegsschauplätzen von Ende Februar bis zur Wieder­eroberung von Przemysl. Konnte dieses Stück Weltgeschichte wür­diger eröffnet werden als mit dein Charakterbild Hindenburgs, mit ebensoviel. Liebe als Ehrfurcht hingezeichnet? Die Aufgabe, aus einer Fülle knapper Tagesberichte heraus den Verlanl der Kriegs- Handlungen in einfachen, übersichtlichen Linien aulzustellen,, ist wieder wohlgelnngen, und mit Genuß sehen roii; das, was sich Tag für Tag unter Unsicherheit und Spannung entwickelte, in plan­vollen Zusammenhängen vor uns, erkennen den Vorinarsch in Kur­land als ersten Schackzug in dem glänzend angelegten Wettkampf, dessen entscheidender Vorstoß unter dem Namen der Schlacht bei Tarnow-Gorlice der Geschichkd angehört. An der Erläuterung ein- zelner besonders interessanter Operationen sieht man staunend, wie vie Arbeit der verschiedenen Abteilrlnaen eines Heeres gleich denr Getriebe einer sinnreich gebauten Maschine zusammenwirkt. Unter den aussschrlichen Schilderungen, die derVölkerkrieg" immer den wichtigsten Vorgängen widmet, finden wir mehrere der klaren Be­richte aus dem deutschen Hauptquartier, in denen manches kleine Meisterstück deutscher Führilng und deutscher Kainpseslust nut feinem Behagen erzählt ist, so die deutsche Gegenoffensive zum russischen Angriff aus- Grodno und die Kämpfe des Generals v. Litzmann bei Komno. In farbenreichen Bildern, entworfen unter dem frischen Eilidruck des Erlebnisses, zeigen uns die Mitkämpfer die wilde Abwechsliiiig des Krieges: da erzählt einer von den Mnhsalen aus grundloseri Moraslstraßen, ein anderer von einem Sturmangriff, wie Nitr ein deutsches Gemüt ihn erlebeii kann; flotte Briefe eines Reiters wiffc,r voii kühnen Streilzügeii und nmnch blutige,n Anprall zu sagen ; der Brand voii Szarple siridet einen Meister für seine Beschreibung. Mit tiefer Teilnahme liest man vo,i der Ueber- raschnlig der Stadt Me,net durch den russischen Einsatt. Die meisten dieser Schilderungen, .avie aiich die sehr ausführlich dargeslellte winiiahme von Libmk^sind durch schöne Bilder veranschaulicht; Uebersichtskärtchen sind überall ziir Hand. Jedes Heft kostet 3 y Pfennig. _

Schach Aufgabe.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Charade in voriger Nummer: Wal, V.'Zerbst zer, Walzer.

Kchrlstleitung: Ai,g. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäls-Buch- und Steindruckeret. R. Lange, Gieße»