?,Ia, Onkel?" i ^ '
„Mir wollen einmal offen miteinander reden. Natürlich *— das versteht sich von selbst — als Cousin und Cousine könnt ihr hier nicht einträchtiglich beieinander Hausen, wenn ich einmal nicht mehr da bin. .Aber — warum sollt ihr euch nicht heiraten?" ^
„Heiraten?"
„Gewiß," — eine dicke Rauchwolke puffte aus Kenners Mund — „eine verdammte Sache. Bin ja auch mit einem groben Bogen drum rumgegangen. Die Frauenzimmer — da trau' der Teufel! Aber mit der Eke ist das doch ein ander Ding. Die Hab' ich in die Finger gekriegt; noch beizeiten, von klein aus. Meine Dressur. Na, und ich denke, es ist geglückt. Ich Hab sie wie einen Mann aufgezogen. Sie hält nichts voll all dem Weibersirlefanz — ich denke, mit ihr kann's eilt ehrlicher Kerl schoir wageu."
Eberhard von Selbach antwortete nicht gleich. Es war ihm peinlich, so über diese Angelegenheit zu verhandeln, als wär's ein Geschäft.
„Na — die schweigst dich aus?"
„Versteh mich nicht falsch, Onkel. Ich. habe vor Eke eine unbegrenzte Hochachtung. Nur — hat sie doch dabei die Entscheidung."
„Weshalb sollte sie deinen Antrag ablehncn? Um so Ulehr, wo sie sich sagen muA daß, es mein Wunsch ist, daß ich unfern Fanntienbesitz ungeteilt erhalten möchte. Da ist doch also eine Ehe zwischen euch beiden geradezu die ge* gebene Lösung."
„Dias freilich, nur —"
„Ach was! Nur nicht so zimperlich. Damit kommt nian nicht weit bei den Weibern. Wer frisch znpackt, der bekommt. Wso red' mit ihr! Am besteil noch heute!"
Und Henucr von Grund erhob sich.
„Wie denn? Du willst doch nicht etwa! — ?"
1 „Jawohl, ich schicke dir Eke. Auf der Stelle."
„Onkel!"
Und Eberhard erhob sich bestürzt.
„Was soll das lange Hin und Her? Bringt die Sache in Ordnung! miteinander, wie zwei vernünftige Menscheil."
Und Henner von Grund wollte zur Tür.
„Bitte —: bloß, eins noch!"
„Nun?"
„Onkel, ich habe so eilt Gefühl, daß, Eke vielleicht schon anders gewühlt haben könnte. Ich möchte mich de,n nicht aussetzeu, daß —"
„Ach so, bit meiilst mit denn Bertsch!"
Ein leises Mckeu.
„Ist nichts zu befürchten. Nein, nein — verlaß dich daraus! Es hat da allerdings mal etwas gespielt. Aber es ist vorbei. Ich habe Eke neulich selber gefragt; wollte doch klar seheil, ehe ich mit dir sprach Und sie hat mir's versichert, auf Ehre ttitb Gewissen: es ist nichts mehr mi* scheil ihr und dem Bertsch."
„Jü, dann freilich — "
Eberhard voll Selbach atmete freier auf und der Oheim
ging.
Ein paar Minuten später trat Eke ein. Eberhard kam ihr ciitgegen, vom Man heruntergeschritten.
„Der Onkel hat mir gesagt, daß, du mid> gern sprechen wolltest."
Ernst und ruhig sah sic zil dem Vetter hin. Der nickte, aber schwieg. Etwas nervös knöpften seine langen, schmalen Hände die uuteren Knöpfe der Litewka zu. Schlank und straff stand er so vor ihr, wie in dienstlicher Haltung vor einem Vorgesetzten. Doch nun richtete er deu Blick entschlossen auf sie.
„Du weißt, worum es sich haudelt, du ahnst es."
,-Jch glaube wohl."
„Und — lote denkst du darüber?"
. Sie erwiderte nicht gleich. Daun aber jragte sie, immer Mit denr gleichen, ruhigen Ernst:
r . „Ist es nur der Wunsch des! Onkels, der aus dir spricht?"
„Nein, Eke," und? eine leise Röte stieg in sein Antlitz, r,ich wüßte auch nur keine bessere — und liebere Lösung."
Sie holte hörbar Atem. Wie eine dunkle Wolke senkte es sich auf ihre Stirn. Schmerzlich zuckte es nur die Mundwinkel. Doch nun zeigteil ihre Züge wieder die gewohnte 'Klarheit.
„Eberhard, ich will rückhaltlos M dir sprechen. Ich! glaube, überschwängliche Morte sind hier beiderseits nicht
am Platz. Ich erwarte sie nicht voll dir, aber in du eint Gleiches. Ich nehme au, du schätzest mich, ich bin dir sympathisch als Mensch, und du hast Vertrauen zu lnir. Das gleiche kamr ich dir von mir versichern, aber mehr — ver- steh' mich recht, Eberhard —^ mehr kann ich dir nichitj geben. Weder jetzt, noch später."
>,Jch danke dir für deine Offenheit, Eke." Langsam! trat er näher zil ihr heran. „Ich habe nicht mehr erwartet. Aber sollte das nicht auch hinreichen, unr feilt Leben darauf auftubauen? Ich habe manche Liebesheirat gesehen, bet meinen Kameraden —, es ivurden meist recht unglückliche Ehen. Dagegen kann aus Achtung und Vertrauen allmäh^ lich vielleicht doch noch Schöneres anfblühen —"
„Noch einmal: Rechne nicht damit!"
„Ich tu' es auch nicht, Eke. Was du mir geben kannst! und! lvillst, es soll mir genug sein. Ich werde es stets mit Dank, mit Stolz empfinden, was es bedeutet, tvenn eine Frau wie du mir ihr Lebeil anvertrant."
So ernst und ritterlich sagte er es, und seine Augen blickten sie dabei an, klar bis zum Grunde. Da streckte sie ihm die Rechte entgegen. Er nahm sie und führte sie jäu seine Lippen. Aber als er dann seinen Mund auch ihrem! Antlitz näherte, überlief sie ein Zittern. Mit einer leisen! Wendung bot sie ihm statt ihrer Lippen die Stirn dar. So empfing Eke den KUß, mit dem sie sich Eberhard von Selbach zu eigen gelobte.
*
Das große. Projekt Bertschs war nun wirklich gesichert. Der Zusammenschluß, alter Interessenten nicht nur im Rauhen Grund, sondern selbst weit, draußen im platten Land war erfvlgt zu einer Talsperrenbaugesetlschaft. Die Finanzierung erfolgte unter Führung der Landesbank. Ms Vertreter des loefentlicfji mitbeteiligten Werks Christians-, Mck hatte Bertsch den Vorsitz im Vorstand der neuen Gesellschaft. Und bald ging cs von den Konferenzen im Be-, ratungszimmer der Bank über zur Tat.
Drunten im Rauhen Grund, wo sich der Fluß seinen Ausgang zur Ebene crzwängte, setzte es ein. Ein gewaltiges Graben, bei Tag und Nacht. Galt es doch, dem Fluh, dort ein neues Bett zu schaffen, ihn abzuleiten für die Zeit des Sperrenbanes. Und am gleichen Tage begann es auch, auf beiden Talseiten droben in oen Bergen. Den Wald fiel, das nackte Gebirge bot seinen Leib schutzlos den Angreifern dar, die ihn ansrissen in riesigen Steinbrüchen, um das Material zu gewinnen für den Bau drunten an der Sperre.
Abermals flutete jetzt eine fremde Menschenwelte in das stille Waldtal und schwemmte hier allerlei Völkerabhub! an. Von fern her, von jenseits der Alpen und aus den Donaulanden, ja selbst aus den Gebirgen des Balkans kamen wetterbraune, landverfahrene Gesellen, die ihr Schicksal Herumtrieb in der Welt, überall dahin, wo man Straßen, Bahnen.oder Kanäle baute. Mit Staunen und Mißtrauen hörten die von: Rauhen Grund das Kauderwelsch all dep fremden Zungen in ihren stillen Dorfgassen.
(Fortsetzung folgt.)
Margit.
Von Annette San o: e r.
Ms Margit mit denr Dienstmädchen nach Hanse ging, dachks sie, jeder müsse es ihr anmerken, wie glücklich sie mar. Sie, die nie den Mut fand, miit einer ihrer kleinen, lebhaften Schul- kamcradinnen zu sprechen und deshalb auch von ihnen immer Tinfs? liegen gelassen wurde, die nur deshalb, in die Kindergffellschasi gegangen war, weil Mama darauf bestand, hatte null eine Frcun- din. Ihre Füße tanzten wie von selbst über den schlüpfrigen, schneebedeckten Boden, mrd sie hätte am liebste,: jeder Schneeflocke, die sich dick und schwerfällig aus denr Tanz ihrer Schwestern loslöste, um schwankend zur Erde zu sinken, ihre glühenden Wange,« zärtlich entgegengestreckt, damit sie da zerginge. Ach, wie angenehm das kühle Naß sich anfühlte, tvenn nran so heiß und so glücklich war. Zwinkernd sah sie in die Höhe, wo aus gleichförmig, weißlich-grauer Decke immer neue Flocken lautlos in dichtestem! Gewimmel heruntertaumelten. Sie war tief erregt, ganz au$ dem Gleichgewicht gebracht und konnte es gar nicht erwarten, nach Hause zu kommen. Vor lauter Ungeduld begann sie die Laternen bis ans Ende der Straße zu zählen. Erst Waffen sie ganz große, gelbliche Lichtstecke in die weiße Dämmerung, aber je weiter Margits Mgen ihnen folgten, desto kleiner wurde der helle Kreis/ bis man nichts mehr als eine Linie leuchtender Punkte sehen! konnte.


