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bitte, bitte, lieber Herr Professor, versuchen Sic es mit mir, schicken Sie mich nicht fort, bitte, bitte." — Wie im Traum, von starkem Glücksempfinden getragen —, nickte Curlins — am liebsten hätte tt ihr jugejubelt:
ja, ich kenne dich jahre--, jahrzehntelang. Du bist ja das Licht und die Sonne — wie soll ich dich nicht kennen — und wie sollte ich dich je wieder fortschicken? — Mles Schöne uitb Herrliche, »vas der ernste, einsam gebliebene Gelelirte vom Leben erholst und erträumt — war sie. — Sie war der prickelnde Reiz «infam verttäumter Sommernächte, seilt Bineta war sie — das er längst vergessen geglaubt — und das plötzlich die verzauberten Glocken neu klingen und singen lieh. Etwas Süßes — Lcingsd- bertraules war sie —> — das ihm gehörte, seit er denken konnte — und da kam sie min und fragte, ob er sie kenne.
Und wieder nickte er, doch dem jungen Mädchen, das so fest auf den zierlichen Füßen stand, lvar damit nicht gedient. Allen Mut nahm Hilde zusammen, flehend blickten ihn die blauen Augen on, hinter denen samtweichen Bitten doch schon ivieder das alte lustige Lachen brannte. „Ach, bitte Herr Professor, wollen Sie es nicht nrit mir versuchen."
Ungestüm riß sich Curtius auS seinen Träumen.
Rasch erledigte er das Geschäftliche. Nun aber war das Erstarren und Erstaunen an Hilde. „Herr Professor, lieber Herr Professor, das ist doch zn viel, ich bin doch ein Neuling, habe nur
für mein Väterckien früher geschrieben-"
Aber Curtius beruhigte sie, er hätte iinmer so viel gegeben, Und gar gern ließ Hilde Martens sich beruhigen. 150 Mark — ein Krösus war sie ja nun! Albe Not hatte nun ein Ende —Mütterchen brauchte nicht mehr so ängstlich zu rechnen — und Bruder Kurt, der seitdem Kaiser fast ein ganzes Jahr treu dreschen half, tonnte nun so maches schöne Päckchen bekommen, das man ihm früher versagen mußte.
Gleich morgen sollhe sie beginnen — heute, der Tag gehörte noch ihr — beim Abschied gab Curtius dem Mädchen außer herzlichen Grüßen an bie Mutter auch schon einen Teil des Monatsgehaltes — auch das wäre bei ihm so Sitte. — — 1
Als Hilde draußen auf her Straße stand, wußte sie nicht, sollte sie jetzt alle Menschen umarmen — sollte sie schnell nochmal zurückeilen und ihrem gütigen nunmehrigen Chef um den Hals fallen — schließlich entschloß sie sich, oiesen Jubel, dieses große Glück auf schnellstem Wege ihrem Mütterchen heimzutragen — die würde Augen machen — die würde sich freuen.
Manch ein freundlicher Blick folgte der schlanken, eleganten Gestalt, die so federnd und glückselig durch die Straßen eilte — aber auch manch neidischer, hämischer — trägst bit so leicht am Kriege, hat das Schicksal für dich keine Dornen? —
Und nun kamen Tage, Tage, an denen das Glück heimlich und still zwischen den beiden eifrig Schaffenden zu hocken schien.
Tie Stunden aber daheim bei Hildens Mutter, — CurtiuS war fast allabendlicher Gast geworden — ersckstenen dem Gelehrten heimlich und traulich wie ferne schöne Kinderweihnachtstage. — Ganz unglücklich war er, wenn ein Abend ihm andere Verpflichtungen brachte. — Aber auch Hilde schreit an solchen Menden weniger froh und sonnig, so daß sich Iran Märtens allerhand Gedanken machte.
Das Hauptgespräch dieser drei nchig-glücklichen Menschen war natürlich, stets der ferne Liebling. Curtius kannte den lustigen Jungen auS der Erzählung von Mutter und Schivester so gut, als wäre er unter seinen Augen ausgewachsen —^ eS mußte ein guter, prächtiger Bursche sein. Er wußte auch, daß sein heißester Wunsch gewesen, einst Philologie zu studieren — aber die beschränkten Mittel hatten dies natürlich nicht zitgelassen. So hatte er sich dem eisernen „Muß" folgend kurz vor dem Kriege zum Banksach entschlossen — schweren Herzens — tvie Hilde erzählte. Ta machte Curtius so allerhand Pläne im Geheimen, — er hatte ja niemand, für den er sorgen konnte. Aber den Frauen sagt« er noch nichts! — noch verlangte ja auch das Vaterland die junge, Kraft.
— — Seit drei Wochen hatte Hans nun nicht geschrieben — nnb die Sorge sing cm, sich langsam in dem gemütlichen Heim einzunisten. Keiner wollte es dem andern gestehen — aber doch las es reder in des Anderen Blicken. —
Und wieder saßen die drei beisammen — unter dem rosigen Schein der Lampe — da schellte eS — und Hilde ging öffnen — ein Jubelruf^ „Hans, Hans!" und da ging auch Frau Berta hin- .auS. Mer das frohe glückselige Jubeln da draußen erstarb rasch gedämpfter erklangen die erst so jubelnden Stimmen. Und Curtius erfuhr auch bald, weshalb der junge, mit dem Eisernen Kreuz erster Nasse geschmückte Held, der eben ins Zimmer trat, hatte dem Vaterlande seinen linken Arm geopfert.
Tapfer bezwang Frau Berta und Hilde den wahnsinnigen Schreck. Man sollte nicht merkeir, wie. bemitleidenswert er nun sei. Er selbst kam sich auch wohl faumi so bemitleidenswert vor. Er scherzte und sprach tapfer all den guten Dingen zu, die Hilde eiligst auftischte.
Und schließlich schlug die Freude, die selige Gewißheit, daß HauS lebte, durchs— und heiter uud froh flog die Rede. —
Uitb ivaS wußte Hans alles zu erzälFen! Durch all die heiß »rkärnpsten Siege, durch die lodernden Feuer deutschen Heldenmutes aber klang schlicht rrnd innig das Lied von der alten dent- !chen ManueHtreu« — von Kameradschaft jcher den Tod hinan-.
Wie hatten sich die Kameraden seiner angenommen — damals bei Nowogcorgieivsk! Ja, nun seufzte Hans doch tief auf, tief und schwer: „Gelt, Mutterl, nun muß ich mich doch wo anders umrun, einen einarmigen Bankbeamten — ich glanbs nicht, daß sich ein Bankier solch einen Luxus leisten wird."
Ta aber rückte Curtius mit seinen Plänen heraus. In seiner freien, offenen Art, die keinen Widerstand auffommen ließ — und auch keine falsche Scham, legte er dem jungen Menschen alles auseinander. Zuerst glaubte Haus, eine Fata morgana trüge ihn — als er aber glauben mußte, daß er min nnrklich Philologe werden; konnte, kannte sein Jubel und seine Tankbarkeil reine Grenzen — seine, und die von Mutter und Schwester. Stürmisch ergriff Hilde Professor Curttus Hand und drückte impulsiv einen l>etßen Kuß darauf — — dann eilte sie ergtüheird aus dem Zimmer. Während Mutter und Sohn nun eifrig Zukunftspläne schmiedeten, ging Curtius still hinaus.
Was war nur mit Hilde? Ter Blick, mit dem sie ihn angeschaut — hatte den Mann taumeln machen vor Glück.
Im Nebenzimmer staird sie am Fenster und weinte. „Weshalb weinst du, kleine Hilde?" Curtius fand auf einmal das trauliche Tu.
Ta klang es halb zornig, halb jubelrrd von den zuckenden Lippen: „Weil ich nicht will, daß Sie denken, daß Sie glauben sollen, — es war — nur Dankbarkeit allein — vorhin." —
Ter Mann bebte. „Hilde, Hilde, was denn? Sags mir, sag du es mir. Sieh, ich kann es ja nicht sagen, es muß doch ein Irrtum sein, denk, du bist 20 Jahre — ich 48 ." —
„Hilde, Liebling, sag du's, sag dn's." Der starke Mann zitterte säst.
Da schlangen sich zwei tveiche Arme um seinen Nacken und eine schelmische Stimme, in der Jubel und Rührung kämpfte, flüsterte ihm zu: „Daß du es weißt, Liebe wars! Liebe, du! guter, du gütiger Mann. Lieb Hab ich dich, lieb über alles 1" und nun war kein Zorn mehr in der Stimme — nur Jubel und seliges Glück.
Tie rot verschleierte Lampe aber leuchtete heute noch lange ans vier selige Menschen, denen der Krieg wohl Leid — aber durch ein kleines- Inserat im Tageblatt auch höchstes Glück gebracht hatte.
vermischtes.
* Die Wirkung eines Granatschusses. Ein A r - ttllerieoNtzier schreibt uns: Was stellt man sich wobl in der Heimat darunter vor, wenn es im Bericht der obersten Heeresleitung heißt: Au der Westsront nichts Neues, nur Artillerie- kämpfe? Ich will einmal schildern, was nur ein Geschoß au» richten kann. Ich lag aus Beobachtunqsstand, als eine 'ranzösische 21 em-Granate 200 Meter vor mir einschlng. Sie schlug gerade mitten in der Chaussee ein. die mit schwerer Makadamdecke belegt war und selbst bei schlechtestein Weiter von unserer schweren Älr- ttOevie befahren werden konnte. Etwa 120 Nieter vor mir lag ein schöner, mit einer sehr hohen, fast vier Meter erreichenden Umfassungsmauer versehener Garten, vom Kriege noch ganz unberührt. Uevvig blühten die verschiedensardigeu Blumen. Plötzlich aber, unmittelbar nachdem die französische Granate eingeschlagen batte, vollzog stch eine Aenderung, die mir unvergeßlich bleiben ivird. Mil gewaltigem, nicht näher zu beschrerbendem Getöne und Krachen hob sich einer der sehr alten, dicken Bannniesen, die die Chaussee einfaßten, kerzengerade mit allen Wurzeln in die Höhe, genau so, als wenn er von unsichtbarer Hand mit all seinen mächtigen Wurzeln und Wnrzelchen ans dem Boden gerissen und zum Himmel gehoben werden sollte. Etwa sechs bis acht Meter hoch flog der Banmnese in die Höhe, dann stürzte er krachend in den Blumengarten und was das allermerkwürdtgste dabei war, wieder vollkommen auf den noch mit Erde veri'ehenen Wnrzeiballen, so daß er von der Wucht des Falle« lest in die Gartenerde gedrückt, geradeswegZ von der Chaussee in den Garten verpilanzt zu ieiu schien. Wir gingen näher. Ter mächtige Baum stand vollkommen fest; wir rüttelten an ihm. er bewegte sich nicht. Zahlreiche Wurzeln waren wohl gebrochen, indessen dürite der so gewaltsam in den Garten Verpflanzte hier weiter wachsen können, da seine Schwere bet nassem Wetter die Wurzeln so weit in den Boden eiudrücken kann, daß sie Nahrung finden und den Baum nach und nach iest verankern können. Mitten aui der Chailssee hatte die eine Granate ein derart großes Loch ausgehöhlt, daß eilt bis zwei Möbelwagen bequem ihren Inhalt in ihm unterbrmgen konnten.
* Der türkische Eulens p rege l. Bei dem lebhaften Interesse, das zurzeit für unsere türkischen Bundesgeiwssen von- herrscht, darf man wohl auch an den türkischert Culenspiegel er* innen:, den um das Jahr 1360 in der kleinen Stadt Akschehir bei Koma geborenen Nasreddin Khodja, einen Lehrer, der zum sagenumwobenen Helden der tollsten Streiche wurde. Von den köstlichen Streicher: Khodjas, die des öfteren gesammelt lvurden. feien nur ein paar hier wirdergegeben. Ein Mamr hatte chm eine Jacke gebracht mit der Bitte, Khodja möge sie chm auf dem Markte verlausen. Kl)vdja ahnte, daß die Jacke gestohlen sei und ließ sie sich wieder stehlen. Tairn sagte er seinem Auftraggeber, er habe sie zmn — Einkaufspreis abgeben müssen — Einst batte ihn der mongolische Eroberer zu sich an deir Hvf Fladen, und Khodja umr anwesend, roie Timurlenk zumck crshen Male A einen Spiegel


