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ersten Jahre reichte es scholl, was «er laus seiner Schulmeisterzeit herübergerettet hatte. Jetzt kam auch in den Gemüsegarten des Gutes der richtige Zug. Noch vor der Ernte wurde ein Glashaus gesetzt, in dem Moritz Gassel die gewagtesten Experimente vornehmen wollte.
Alle Wochen erschien der alte Abraham, Md die FreunL^ schast zwischen ihm und dem kleinen Baron wurde zusehends dicker.
Im angestrengten Schassen verfloß die Erntezeit. Moritz Gassel fand sich in seine neue Obliegenheiten mit einer Sicherheit, als hätte er von Jugend ans nichts anderes getan. Er beaufsichtigte nicht nur die Arbeiter, er führte auch August Knorreck die Wirtschaftsbücher, zahlte den Lohn aus und besorgte die Schreibereien für den Gutsbezirk. Und sogar die Schreibereien für die Gemeinde wurden ihm wieder aufgetragen, denn Franz Wiegelt hatte mit Sebaldus Pohl schlechte Erfahrungen gemacht. Die beiden Lehrer wichen Moritz Gassel im weitem Bogen aus, obgleich sein Groll gegen sie zu einem kümmerlichen Restchen zusammengeschmolzen lvar. Jetzt, in diesem neuen Beruf, der ihn ganz ausfüllte und befriedigte, wo es keine Aussichtsbeamten und keine Regierungsverfügungen gab, war er so milde und versönlich gestimmt, daß er beinahe die Höhe eines wahrhaft guten Menschen erreicht hatte.
Ganz aber wollte der Groll nicht weichen. Und August Knorreck, der die beiden Lehrer auch nicht gerne sah, hatte keinen Grund, dieses Gefühl zu dämpfen.
Und eines Tages, als Sebaldus Pohl ins Juspektor- haus kam, um sich über die schlechte Beschaffenheit der Deputaterbsen zu beschweren, sagte der Inspektor, den er in der Tür traf: „Gehen Sie nur hinein zu Herrn Gassel, ich Hab jetzt keine Zeit!"
Sebaldus Pohl meinte, daß er ja zu gelegenerer Zeit wiederkommen könnte.
„Nein!" ries August Knorreck. „Gehen Sie nur hinein, er hat Vollmacht. Ich kann mich um solche Kleinigkeiten nicht kümmern!"
Und so mußte denn Sebaldus Pohl in den säuern Apfel beißen und über seine Deputaterbsen mit einem Menschen verhandeln, dem er drei Jahre hindurch, nur Böses zugefügt hatte.
Moritz Gassel nahm die, Beschwerde, die vollständig berechtigt war, entgegen, ohne mit der Wimper zu zucken, ließ sich die Probe zeigen und versprach Abhilfe. Er nuterdrückte den Groll, der wieder in ihm emporschwoll, und kränkte den andern' mit keinem Wort und keiner Miene.
Das war seine Abrechnung mit Sebaldus Pohl.
Im Herbst bestand Hugo sein Staatsexamen mit vielem Erfolg und kam auf ein paar Tage nach Hause. Er hatte in seinen himmlischen Theorien solche Fortschritte gemacht, daß es Moritz Gassel gar nicht möglich war, sich mit chm m eine längere Diskussion einzulassen. Am Ende sprachen sie immer aneinander vorbei.
Auch Hedwig und dem Vater wurde es zuweilen z>u arg. Nur Frau Knorreck wurde nicht müde, ihren: Einsen, der nun doch Theologe geworden war, zuzuhören. Im stillen aber sah sie sich schon in der näheren und werteren Bekanntschaft nach einer passenden Partie für ihn um. 1
JJlod) vor Weihnachten verließ er Britzkawe, um sich }!* olf Kandidat hören zu lassen. Dann meldete er sich als Marinepfarrer auf ein Schulschiff und ging auf Rersen, obgleich Frau Knorreck schreckliche Träume hatte und ihn dringend beschwor, an Land zu bleiben.
Moritz Gassel aber und Hedwig sorgten jedes auf seine Weise für die Erziehung der beiden Baronskinder und über Günthers Bloudkops hinweg fanden sich zuweilen ihre Hände. 0
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Heute, an einem warmen Maitage, sind seitdem drei Jahre verflossen. Der kleine Günther ist groß geworden Sechs Jahre zählt er bereits und trägt längst Hosen. Noch ist die Zeit der Lindenblüte nicht gekommen, aber der reiche Duft des Frühlings weht schon durch den grünen Park. Während Cäcilie sich immer enger an Hedwig anschließt, entzieht sich Günther allmählich ihrer Herrschaft. Er will nicht mehr die dummen Märchen hören, er hält es nun mit dem abenteuerlichen Robinson, den Moritz Gossel mit ihm traktiert. Noch lieber aber läuft er hinter
August Knorreck her durch die Ställe. Er kennt jedes Tier, ob Kuh, ob Schwein, ob Ziege, ob Schöps. Und die Tiere kennen ihn gang genau. Sogar der böse Truthahn läiist ihm nach wre ein zahmes Hündchen.
August Knorreck nimmt jedesmal die Mütze ab, wenn der kleine Herr Baron auf der Bildsläche erscheint, und macht dabei ein so feierliches Gesicht, als ob's ihm wahrhaftig Ernst damit wäre.
Dann gehen sie zusamnicu in den Stall, wo die Pferde stehen. Für diese Tiere hat Günther eine besondere Vorliebe. Denn auf denen kann man reiten! August Kuorreck setzt ihn auch immer auf einen der Gäule, die da friedfertig an den Krippen stehen und den Hafer kaneir.
Da klappern leichte Hufe, und der alte Abraham biegt in das Hoftor ein. Die altmodische Reisetasche verrichtet noch immer treu und brav ihren schweren Dienst. Aber er zieht heute noch etwas Lebendiges hinter sich her. Es hat zierliche Hufe, trägt einen blanken, gelben Ledersattel auf dem Rücken und ist ein schwarzer, niedlicher Shetlcruds- pony. August Kuorreck reißt vor Verwunderung die Augen auf, auch Moritz Gassel kommt hinzu.
„Der Herr Baron will reiten!" sagte der alte Abraham. „Er hat ein Pferdchen bei mir bestellt. Und da bring ich's nun. Wollen Sie's kaufen? Sonst kann er's geschenkt kriegen!" ,
Da streckt schon der kleine Günther den blonden Kopf aus dem Pferdestall, sieht den Pony und schießt wie ein Blitz über den Hof.
„Reiten will ich!" rief er jauchzend und streckt an August Knorreck die Hände hoch.
„Wie der Herr Baron befehlen!" sagt der und- hebt ihn in den Sattel. Es klingt wie Scherz, ist aber doch tiefer Ernst.
„Er wird doch liicht heruntersallen!" ruft der alte Abraham besorgt.
Aber der kleine Baron sitzt fest, daß Moritz Gassel die Zügel bald loslassen kann. Außerdem ist das Pferdchen lammfromm. Der alte Abraham sieht auf die Sicherheiten.
Dreimal um den Düngerhaufen heruni reitet der kleine Günther.
„Der setzt sich nicht mit deii Bauern aus eine Bank!" sa^t der Inspektor stolz.
Moritz Gassel denkt über diese Aussicht ettoas anders, sagt aber nichts.
Denn nun komnicn Cäcilie und .Hedwig herbei, um beit kühnen Reitersmann nach Gebühr zu bewundern.
„Der fällt nicht!" meint August Knorreck befriedigt. „Was soll der Pony kosten?"
„Nu!" erwiderte der alte Abraham. „Was Sie dafür geben mögen."
Währenddessen schaut Hedwig still aus den kleinen Günther, der das fromme Pferdchen mit den Hacken spornt und durch unwillige Zurufe zur Eile antreibt, denn es will durchaus nicht Galopp laufen.
Und zum erstenmal seit Jahren huscht über Hedwigs Gesicht ein feines, glückliches Lächeln.
Moritz Gassel aber, der etwa abseits steht, sieht zu Hedwig hinüber, und da er sich unbeo buchtet glaubt, verrät sein Blick mehr, als seine Gedanken wagen.
August Knorreck aber sängt diesen Blick auf, geht zu ihm hinüber, legt ihm die Hand auf die Schulter und- duzt ihn zum erstenmal.
„Junge!" flüstert er leise. „Zeit lassen!"
Und Moritz Gassel nickt stumm. Er hat ihn verstanden. _' ,
Graf Zeppelin, der Mensch, der Kämpfer, der Zieger.
Neben den Heldentaten anderer großer deutscher Männer, nc6m Den Leistungen seiner Luftschiffe ist Gras Zeppelin wahreiid dieses Krieges ein wenig in den Hintergrund getreten. Das Alter verbitte chm, so sagte er beim Besuche seines Regiments im Felde, wie einst an der Spitze der selbstgeschulten Truppe ins Feld zu ruaen. Dem Gefühl, das ans einer tätigen Mitwirkung am Kriege entspringt, fuhr dann der alte Offizier fort, stelle er keines gleich, und das könne auch du Beherrschung des vollendetstcii Werkes nicht geben. Er sei aber froh, dem Vaterlande Dienste leisten zu können, und was an chm liege, sei geschehen. Wir liabcn allen Grund, uns gerade des Krieges wegen seiner Persönlichkeit wieder m crumern. Da ist nun eine ebenso getvisscnhastc als fesselnde


