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teil nun die MeclMink des Bodens'. Und in der Tat: das Werk funktionierte tadellos. 7
>, Herrschaften!" schrie plötzlich der Baron. „Ich bitte um Silentium ! Wer von euch hat Lust, Wühlmensch zu spielen? Für Maulwurfsgewaud habe bereits Sorge getragen!"
„Pfui Deibel! Solche Schweinerei!" krähte der dicke Rittmeister v. Sallwitz. Ich tu tausend Emlm Metten, das; keiner das riskiert!"
„Top!" sagte der Baron. „Moment, bitte." Und er ging auf «die Bühne, deren Vorhang Ramlo hinter ihm' schloß.
In gespannter Erwartung sah man der Entwicklung der Tinge entgegen. Schließlich erschien der Baron, lebhaft beklatscht^ vor dem Vorhang. Ter braune Trikot stand ihm wirklich gut. Seine Haltung, sonst leger, gewann in der Zurschaustellung des Muskelspiels. Auch zu dem Maulwurfskostüm trug er ein Einglas. — Brendl verneigte sich und sagte:
„Gestatten: Wühlmensch II., Baron Brendl!" Tann warf er, forcierend, die Beine von. sich und siel in die Mulde. Sein leichter Aufschrei quittierte ,das Unbehagen über die unangenehme Nässe des kalter: Bodens. Tann setzte er der: Knopf in Tätigkeit und versank. Ramlo aber stampfe über dem Brette, das die Oeffnung alsbald wieder bedeckte, den Boden wieder zusammen.
Ter Rittmeister ries dröhnend: „Zehn Minuten muß-der Baron unten bleiben . . . wie Herr Ramlo. Er soll seine Rolle ganz spielen . . . Ich will wat Ordentliches haben für meinen braunen Luppen." Und er räusperte sich: „Wie sind Sie denn eigentlich auf diesen Trick gekommen. Sie . . . Wühlmensch, Sie?"
Ramlo antwortete: „Von Amerika Hab ich ihn her. Mein Bruder hatte ihn gekauft . . . bei einer Versteigerung. Als er in New Bork umgekommen war, wurde uns der Kasten als einzige Hinterlassenschaft zugeschickt."
„Romantische Geschichte scheinbar. Scheinen ja weitverzweigte Familie zu sein! Deutscher?"
„Wir stammen aus Potsdam, Herr. Mein Vater hatte ehemals ei« ganz gutes Geschäft gehabt. Ter Bruder war ein leichter Vogel. Nicht einmal schlecht: aber ein Lüderjahn. Ta fehlten halt eines Tages die 25 Mille, die der Alte von der Bank geholt hatte. Ich weiß selber nicht, wozu er sie gebraucht hatte: 'ne Hypothek sollte bezahlt werden, oder so was. Kurz, das Geld fehlte, und der Bruder auch. Von dem Tag an ging's rückwärts. Ter Vater hat die Sache nicht verwinden können. Er kümmerte sich nicht Mehr ums Geschäft: ein halbes Jahr später riß er aus . . . mit irgend 'nein Weib und unserm.Letzten, schrieb noch, da doch all seine Schufterei im ganzen Leben erfolglos geblieben sei, wolle er wenigstens einmal noch etwas haben von^seiner Arbeit. Wir blieben zurück im Schlamassel. Schulden über Schulden. Auch die Kautionen von unseren paar Leuten waren futsch. Es ging alles kaput bei uns. Tie Schwestern waren zu hübsch fürs Unglück . . . eine ist jetzt wieder bei uns . . . drüben sitzt sie als Kassiererin bei der Dame ohne Unterleib. Es ging uns dreckig lange Zeit. Tie Alte fing zu saufen an . . . ich konnte ooch nich viel verdienen. Wer gibt so 'nem Kerl wie mir 'ne gute Stellung? Bruder: ein Lump: Vater: ein Betrüger . . . na ja . . . die Schwestern ... na ja, meine Herren . . ."
„. . . und nun machen Sie diesen Schw . . ., diese Sache tagaus, tagein, Stunde um Stunde . . .?" fragte Tr. Mell. „Sie scheinen doch ein Mensch zu sein, der auch manchmal nachdenkt! . . . Ich würde doch lieber Tagelöhner sein, als meiner Menschenwürde in dieser Weise nahe zu treten . . ."
„Sie sind satt, Herr . . ."
.^Lieber trocken Brot, Ramlo, als . . . Lieber . . ."
„Sie haben ja recht . . . gewiß ... Es hat uns ja auch saudreckig geh'n müssen, eh's so weit kam. Tenken Sie: Mein Bruder, ein Dieb; der Vater, ein Betrüger; Mutter, Säuferin; und die Schwestern, schlechte Frauenzimmer ... Es hat uns saudreckig geh'n müssen, eh ich se aufgab, die sogenannte „Menschenwürde", aber ..."
Ta kam von unter her ein Schnauben, und der Baron erschien wieder an der Oberfläche. Man lachte über ihn, wie er so beschmutzt emportauchte und sich hilflos umwandte. Es entstand ein kleiner Aufruhr unter den Gästen, so daß nicht jeder den Satz horte, mtt dem Ramlo seine Erzählung beendete. Aber Tr. Mell hörte doch, wie der Artist sagte:
r • aber der Herr Baron hat es billiger gemacht. Um tau
send Mark, Herr, um taufend Mark . . ."
Es war ein sehr gelungenes Fest . . .
vermachtes.
* Wegerich als Gemüse. Auf ein wildwachsendes Fruhgemuje, das bei den Bewohnern unserer Nordseeküsten sehr beliebt ist, wird im „Prometheus" aufmerksam gemacht. Es ist dies der Meerjtandwegcrich (Plantagomaritima), der jetzt zu Kriegszelten mehr als früher zur Zubereitung als Gemüse gesammelt wird. Er wächst an Deichen, wo er auf einer bereits an- gesredelten Pflanze, dem Queller (Salicornia herbecea) einen graugrünen Teppich bildet. Ter einheimische Name für dies Gemüse, oaS dem Grünkohl und Spinat vorgezogen wird, ist der Süden.
Süden hat allerdings einen eigentümlichen Geschmack, der dem .Fremden nicht ohne weiteres zusagt. Vielmehr nruß er erst eine Nacht lang ausgelaugt werden.
* Die „B e z i r k s k ö ch i n". Von einem neuen F r a n e n- berufe wird aus dem amerikanischen Staate Missouri berichtet, und diesmal ist es ausnahmsweise ein solcher, der ganz und gar im Bereiche der von jeher als tveiblich anerkannten? Wirksamkeiten liegt. Der Bezirk von Pettis County hat nämlich Fräulein Mildred Henlon als die erste „Bezirksköchin" angestellt Fräulein Henton hat die öffentliche Aufmerksamkeit auf zahlreiche Mißstände gerichtet, die in den Küchen des Bezirks, sowie auch in den Nähstuben 'herrschen, und die dem Wohlbefinden wie dem Wohlstände der Bevölkerung Eintrag tun. Die Bevölkerung des Bezirkes sah ein, daß es zweckmäßig sein würde, einer Frau die regelmäßige Aufsicht über Küchen und Nähstuben der ganzen Gegend zu übertragen und so wurde Fräulein Henton zur „Bezirksköchin" ernannt. Als solche hat sie vor allein täglich zwei der zahlreichen, von ihr ins Leben gerufenen Haushaltungsschulen zu besichtigen und soweit nötig, ihren Zöglingen selbst etivas vor- zukochen. Nicht minder wichtig ist die ihr übertragene Beaufsich- trgung der Guisküchen, die sie in Rücksicht auf Zweckmäßigkeit, Ge- ftindhert und Sparsamkeit einer Prüfung unterzieht. Neben den Kücheil sind auch die Nähstuben Fräulein Heuton unterstellt: in den Nähschulen.des Landes sverden übrigens auch Diaben zugelassen und unterrichtet, wie denn Fräulein Henton auch nichts dagegen bat, daß ihren Besuchen und ihrem Unterricht auch das stärkere Ge,chlecht beiwohnt. Pettis County verspricht sich von der Tätigkeit der Bezirksköchin viel: es verspricht sich den Sieg über alle Magenverstimmungen, über die verbrannten Kartoffeln, über die zerrissenen Hosen und es träumt von einer Zeit, wo es im Bezirke keine zerbrochenen Fensterscheiben mehr geben wird, durch die kein:tragende Insekten eindringcn können.
* 0 diese Fremdwörter. Wie anderwärts, ist auch in
deii Mauern der Mnsenstadt Göttin gen der Vernichtniigskiieg gegen das Fremdwort au? dein Geschäftsschild entbrannt. Militär-, Negierungs- unb Polizeibehörde haben sich zu einem Dreibund zusainineiigetan und dein sreindländischen Schmarotzertum in den Aufschriften der Geschäftsleute giimmc Fehde angesagt. Mit der m unseren Tagen zum Sprichwort geivordeiieri „mitleidslosen Ve» solgnng rvird den Eindringlingen in das deutsche Sprachgebiet zu -^elbe gegangen, ganz gleich, ob sie sich mm dick und augeblase,i in gleißendem Goldgeivaiide a»ls den Spiegelscheiben von Schaufenstern breit niacheii oder flachbrnstig hingepinselt an nüchterner Mauer kleben. Pardon — was zwar auch ein Fremdwort ist — lutcb Nicht gegeben! Da aber die „Ausländer" unter den Schilde» ausschriüen sich aus verschiedenen Grüildeil uicht immer und überall von heute auf morgen verbauneii lassen und noch weiiiger im Hand- uindrehen für sie Ersatz gu beschaffen ist, so geriet mancher Geschäfts- mann m ilicht gelinde Verlegenheit. Dazu kaiii, daß hinter der freundlichen Aufforderung: „ES wird anyeimgestelkt, die Inschrist
zu eniserneu," ein militärisches Verbot für den Fall der Nicht- bewlgimg lauerte, daS die Firnieuinhaber dazu antrleb, so schnell >vle möglich reinen Tisch zu machen. Und so ivnrde beim zunächst ctumal alles, was als ketzerisch vom Bannstrahl der Obrigkeit getroffen war, verkratzt, übermalt imb mit Paptersireisen beklebt, ohne Rücklicht darailk, daß solches Versahreii die Schilder bisweilen zu rätselhaften Inschriften werden ließ. Die Göttiiiger sahen aber wohl die Nichtsnutzigkeit des sreniden Federschninckes ein und fügten ,ich »villig den behördlichen Anordnungen. Ja, sie entivickelten hier Mid da sogar recht gesunden Humor bei ihrer AusrottungSarbeit, wie die kühne Tat eines ehrsamen Bartscherers beiveist. 'Er, der bis heule einen „Frisier-Calon für Damen und Herren" seiii Eigentum nannte, ging ebenfalls reumütig Hinalls vor seine Türe lind radierte mit Entschtosseilheit den lvelschen „Frisier-Salon" von der Malier, so daß seinen belustigten Kunden beiderlei Geschlechts seit dieser Stlmde ein iveithin leuchtendes „Für D a m e n unb Herren" entgegenwinkt.
Vüchertisch.
— Bongs Kriegs-Kalender mit Illustrationen (Deutsches Verlagshaus Bong & Eo., Berlin W. 57) hat soeben mit feinem 12. Hefte, welches die Zeit voin 1. bis 30. Juni 1915 umfaßt, eine Fortsetzung erhalten. 'Auch dieses Heft bringt die Berichte des GenecalstabeS der deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen und ist damit ein empfehlensivertes Nachschlagebuch.
Scherzräjsel.
Sechs Zeichen nennen dir einen Fiscb,
Er ist ans des Armen und Neichen Tisch. Steck' ihm an den Kopf ein halbes Ei:
Kein Mann bleibt — Junggeselle dabet. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer:
Auflösung in nächster Nummer.
Schöne Worte machen das Kraut nicht fett.
Kchrlstlektnna: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Derlaa der Brühl'schcn Unirersitäks-Bllch- und Steindrnckerei, N. Lange, Gießen


