schwarze Loch, aus dem er den Wischen Feind vertrieben hatte. Es wurde reichlich mit Wasser gerankt. August Knorreck ging davon, als er den Baron kommen horte. Keiner hatte ihn erkannt.

Der Gendarm und Thomas Hausclsild aber waren hinter Fürchteaott Fritscher her, der in die Schonungen fluche tete. Da konnten ihm die Pferde nicht nach. Der Gendarm prang aus dem Sattel und verfolgte den Flüchtling au ruß. Immer näher kam er ihm. Da sah Fürchtegott Fris­cher eine sandige Anhöhe vor sich. Die sprang er hinauf. ?ben standen sechs alte Kiefern. Mit der Krast der Ver­zweiflung kletterte Fürchtegott Fritscher auf die größte, bis ganz auf den Wipfel, und hielt sich für geborgen. Aber der Gendarm entdeckte ihn bald und rief ihn an.

Runter, oder ich schieße!" schrie er und hob den Revolver. Der erste Schuß, der in der Trommel saß, war blind. Fürchtegott Fritscher rührte sich nicht. Unterdessen war Thomas Hauschild mit den Pserden nachgekommen. Der Gendarm kletterte in den Sattel, stellte sich ans und erreichte so den untersten Aststummel der Kiefer. Langsam rückte er Fürchtegott Fritscher aus den Leib.

Herr Fritscher, kommen Sie doch runter!" ries Thomas Hauschild nach oben.Es hat keinen Zweck. Sie könne,, ja nicht weiter."

Aber Fürchtegott Fritscher konnte doch weiter. I« näher sich der Gendarm heranschob, um so weiter nickte der Flücht­ling auf dem stärksten Aste nach außen, bis er sich unten der ungewohnten Last bog. Der Verfolger hielt es nicht für ratsam, sein Leben diesem tückischen Aste anzlwertrauen, blieb am Stamm und hob wieder die Waffe.

Ich schieße!" schrie er Fürchtegott Fritscher an, der kaulm fünf Meter von ihm entfernt saß.

Da ließ Fürchtegott Fritscher den Ast fahren und sprang in die Tiefe. Er siel mir dem Kopf auf den Sandabhang und brach sich das Genick.

August Knorreck, der in diesem Augenblick über die Britzkawer Grenze schritt, faßte seinen Stock fester, schritt kräftig aus und erreichte Zdurotschin noch vor Sonnenauf­gang. Seine Frau erwartete ihn, sie hatte auf dein Sofa übernachtet. Als sie ihn erblickte, stieß sie einen Schrei des Entsetzens aus.

August! Um Gotteswillen! Wie siehst du aus!" rief sie erschreckt.

Wie werd ich aus sehen!" knurrte er. -,Jch Hab löschen helfen."

Mer er schaute doch in den Sviegel, den sie ihm hinhielt. Er erkannte sich selbst kaum wieder. Sein Gesicht war ge- chwärzt und blutig, das Blut stammte von seinen Händen, ein Bart wär bis auf die Stoppeln abgesengt, das Haupt­haar bis auf den Scheitel verbrannt, und seine Augen waren rot vom Rauch.

Ich glaube, ich Hab mir den Finger verstaucht," sagte er dann und beschaute sich seine Hände. Da war die Haut an Handflächen und Fingern abgeschürft, und das rote Fleisch trat überall zutage.

Frau Knorreck wollte gleich zum Doktor lausen.

Ist nicht nötig!" sagte er barsch.Gib mal die Spiri- tusslasche her."

Damit wusch er sich die Wunden und setzte sich wieder in den Lehnstuhl.

-Tut dir denn das nicht weh!" schrie seine Frau.

Es wird schon Vorbeigehen!" sagte er und verlangte Frühstück.

Am Abend aber mußte er doch zu Doktor Bielschowsky gehen.

Na, hören Sie mal, mein Lieber!" sprach der, als er sich die verbrannten Handflächen beschaute.Das war aber die höchste Zeit. Wo haben Sie sich denn das geholt?"

Doch August Küorreck gab ihm keine Antwort aus diese Frage.

In Britzkawe aber riet man hin und h!er, wtzr der fremde Mann gewesen war, der den Schober gerettet Hütte. Auf August Knorreck kam keiner, denn Thomas Hauschild sagte nichts. Nur dem Baron gegenüber hielt er nicht dicht. Er »vollte August Küorreck bei Fritz von Winkelberg heraus­streichen. Der nämlich war der einzige, der das Richtige ahnte, und forschte bei Thomas Hauschüd mit ein paar vor­sichtigen Fragen nach der Wahrheit.

Das war Herr Knorreck!" sagte dür Gehilfe, ohne mit her Wimper zu zucken.

Der Baron drehte sich weg Und mußte sein Herz gegen sich selbst härten, um nicht weich zu werden.

Ml nächsten Tag schon erschien der alte Abraham, schwatzte eine Stunde auf die alte Fritschermutter ein, die den Tod ihres Sohnes mit großer Fassung ertrug, und ging dann zil Fritz von Winkelberg.

Nu, Herr Baron!" sprach er.Was wollen Sie noch mehr. Sie haben das Stroh fein verkauft an die Versiche­rung. Und die Fritschersche Wirtschaft können Sie jetzt auch haben von der alten Frau für biNiges Geld."

Und wenn nun die anderen Schober abgebrannt wären?" fragte der Baron.

Nu?" meinte der alte Abraham unverfroren.Sind sie denn ja abgebrannt?"

Ohne Knorrecks Hilfe ja!" erwiderte Fritz von Winkel- berg ernst.

Hab ich ihm vielleicht gekündigt?" truinpste der alte Abraham auf.Lassen Sie ihn doch kommen!"

Aber Fritz von Winkelberg schüttelte langsam das Haupt.

XXIV.

Fürchtegott Fritscher wurde ganz in der Frühe beerdigt und hatte ein seht kleines Leichengefolge. Frih von Winkel­berg jedoch fehlte nicht und warf als erster drei Handvoll Erde auf den kahlen Sarg. Auch Moritz Gaffel mit seinen Schulkindern stand dabei und sang ein paar Choralverse. Die alte Mutter wurde aus den Gutshof gebracht, bekam im Gesindehaus eine Strrbe, Pflege und Unterhalt und er­holte sich wieder. Ihretwegen lieh der Baron den Doktor Bielschowsky aus Zdurotschin holen. Der brachte sie auch wieder auf die Beine, daß sie auf einem Stuhl vor der Haus­tür sitzen konnte. Unterdessen hatte der alte Abraham Fürchtegott Fritschers Schulden ausgekaust, mehr als vierzig Prozent brauchte er nicht zu geben, und die abgebrannte! Wirtschaft auf den Namen des Barons Übersckreioen lassen. Die Trümmer wurden weageräumt, und an die Stelle des Wohnhauses und des Stalles ließ Fritz von Winkelberg eine massive Scheune setzen.

Die Körnerfrüchte waren beinahe geborgen; schon am letzten Getreideschober, ganz unten beim Sudrevier, stand die Dreschmaschine und brummte. Zum ersten Male schnitt der Pflug quer über den langen Rübenfleck Fürchtegott FritscherS. Eine Woche später war nichts mehr davon zu entdecken.

August Knorreck saß ivährend dieser Zeit im Lehnstuhl Zund ließ sich die Hände kurieren. Als er. endlich den Ver­band von der linken Hand los wurde, ergriff er am Abend Stock und Mütze und marschierte nach Brmkawe, um lvieder «um rechten zu sehen. Draußen auf den Feloern fand er alle- in Ordnung. Die Schober waren ausgedroschen, und die Maschine stand wieder im Schuppen. Ueberall hatte der scharfe Pflug die Erde ausgeschnitten. Die Kartoffelbeete waren schon hier und da aufgewühlt. Nur an die Rübeni furchen hatte man sich noch nicht hierangemacht. Als August Knorreck an die Stelle kam. wo früher Fürchtegott Fritschers langes Feld in den Dominialacker hineingeschnitten Hütte, fand er nichts mehr davon. Und er nickte befriedigt. Nur die Furchen waren Trumm. Das wollte er Thomas Hauschtld schon bei Gelegenheit unter die Nase reiben. Diesmal wagte sich August Knorreck aus dem Heimwege durch das Dorf. Hoch hing der hielte Vollmond im Süden. Leise und vor­sichtig drückte sich der Inspektor im Schatten der Häuser entlang. Er wollte nicht vom Nachtwächter gesehen werden. Als er aber beim Kretscham vorbeikam, saß der Wächter aus der Bank unter dem Haustürvorbau und schlief. August Knorreck zögerte nicht einen Augenblick, packte den Mann an der Schulter und riittelte ihn wach.

Wächter!" rief er leise.Ihr schlaft ja!"

Ich schlaf nicht!" lallte der, noch halb im Traume. ,Lsch tu bloß so."

Dann rieb er sich die Augen, gähnte, sah sich nach dem Störenfried um. fand ihn aber nicht, und ging langsam ins Dorf. August Knorreck, der sich schnell zurückgezogen hatte, hörte, wie er unten drei Uhr pfiff. Aber es war schon eine aute Viertelstunde weiter. Vor dem Gutshofe hielt der In­spektor an und lauschte. Ganz dumpf brüllte eine Krrh. Das war die Blässe mit den schwarzen Ohren. Er erkannte sie an der Stimme Mit Gewalt aog es ihn zu den Ställen hinüber. Sckon hatte er das Hoftor, das nachts immer offen stand, erreicht, da schlug der Hund an. Doch er erkannte so­fort den Eindringling und begann freudig ztn winsem.