Still für sich gelernt, out der Hochschule studiert, alle Prü ckmgen glänzend bestanden und sich einen guten Namen unter den Fachgenossen ermorden.
Jetzt — dei Ausbruch des Krieges — hätte er eine grobartige Stellung nn Auslande gehabt — weißt du, Sofie Luise, eine Stellung mit einem Ministergehalt, wie mir sie immer für den armen Vater erhofften —
Solch ein Mann sei sein Freund.
Er sei sehr schnell nrit List und Glück nach Deutschland zu- rückgekehrt und ins Heer eingetr^eten.
„Nun, du wirst ihn bald kennen lernen", schloß Klaus Heinrich seinen begeisterten Bericht. „Er besucht mich; das hat er mir versprochen."
Sojie Luise hörte still zu. Ob das wirklich derselbe Friedrich Schuster ivar, an den sie sich noch sehr deutlich aus der Kmderzeit erinnerta?
Der Name war gewiß nicht selten, eS konnte ein anderes sein, so versuchte sie zu deuken.
Aber cS gelang ihr nicht.
Tie Kinderzeit stieg vor ihr ans und es ivar ein sehr unbehagliches Gefühl zu denken, daß sie damals ihr weißeS Kleid au?gerafft hätte, um es im Vorbeigehen nicht an ihn streifen zu lassen.
Wie töriclst, sich noch jetzt nach so langer Zeit an solche dumme Kinderei zu erinnern.
Es stand durchaus noch nicht fest, daß es wirklich derselbe! Friedrich Sckmster sei. Und wenn er es lvar, dann hatte er natür- vtd> diese Sache längst vergessen.
Aber er >oar es mirNich.
Sie fand ihn eines Tages am Bett ihres Bruders. Sie erkannte ihn gleich und sie fühlte, daß auch er sie erkannte.
Verstohlen betrachtete sie ihn, während sie mit leichter Hand im Zimmer ausäumrte.
Wie wunderbar, daß dieser Mann Friedrich Schuster mar!
Sein grauer Nock mar auch brmte nicket übermäßig sauber, aber Sofie Luise wußte eS — alle Menschen, die ihn sahen, mußten eS — das waren keine Flecke, das waren Ehrenzeichen.
Im Kamps für Kaiser und Baterlaiid, im Kamps auch für sie, als er ihren Brilder aus dem Kugelregen trug, da waren diese Zeichen entstanden.
Und er selbst — ein fester, starker Mann, der mit Klans Heinrich verkehrte wie ein älterer, gütiger Freund mit einem jüngeren. Ein Mann, der den Kops hoch trug und sich seinen Platz erobert hatte.
Und dann fiel ihr plötzlich ein, daß sie damals, gleich bei der ersten Begegnung von der Großmutter Prinzessin gesprochen hatte — ob er wohl auch noch daran dachte, ob er noch manchmal über das eini äl tige dumme Ding lachte?
Leise ging sie wieder auS dem Zimmer und ließ die Freunde «Nein.
Sic hatte ibre Arbeit. Das mar gut.
Als sie nach einer Weile durch den hellen, hohen Gang deS Krankenhauses ging, stand er plötzlich vor ihr.
„Ich wollte mich noch von Ihnen verabschieden, Gräfin," sagte er.
„Schwester Sofie Luise," verbesserte sie schnell.
„Schwester — das ist kein richtiger Begoss für mich/' sagte er lächelnd. „Eine Schwester habe ich nie gehabt, aber eine Fugendbekannte —"
„O," sagte sie abivehrend, „ein sehr törichtes Ding —"
„Ein vornehmes Kind mit einer Urgroßmutter, die —"
„Ach bitte, beschämen Sie mich nicht so sehr —"
„Nein, das ivill ich durchaus nicht. Ich wollte nur andeuten, daß ich oft daran gedacht habe."
„Wirklich — wenn man sich doch nur einmal gesehen hat — in ganz früher Kinderzeit?" sagte sie zweifelnd.
„Nicht nur einmal, Gräfin. Sie vergessen, daß ich sie damals täglich sah. Wenn Sie es auch nicht merkten. Und nachher — eine Reihe von Jahren nachher, habe ich Sie dann nochinal gesehen und — beinahe wieder mit Ihnen gesprochen."
Sie senkte den Kops und wurde sehr rot.
„Das wissen Sie auch noch? Ich habe mich damals sehr töricht benommen. Ich schäme mich noch heute —"
Er sah fie an, lvie sie vor ihm ständ. so zart und schlank in der einfachen Arbeitstracht, mit dem Not der Scham aus dem Gesicht. mit den leuchtenden blauen Augen und dem schimmernden goldenen Haar.
Sie, an die er immer gedacht hatte, seitdem er hatte denken
können.
Sie die ihn so tief gekränkt hatte, als sie damals stolz vor rhm vorbei ginH und ihr weißes Kleid vor seiner schmutzigen Nähe wahrte Sie, die er dainals bitter gehaßt hatte und der er es doch — er empfand es deutlich — allein zu danken hatte, daß er seine Krack gebrauäst und über sich hinaus gewachsen war, daß er jetzt vor im lün Mann, der sie begehren durfte.
„Klaus Heinrich hat mir gesagt. Sie würden ihn nach Berlin begleiten," sagte er. „Ich komme in den nächsten Tagen Mich nach Derlm —"
..Meine Mutter wird sich sehr freuen, Sie begrüßen zu können/' unterbrach ihn Socke Luise schnell und sie wußte, daß e- ihr oblag, die Gräfin Trachenhöh auf den Besuch dieses ManneS vorzubereiten, so vorzubereiten, daß er als der Lebensretter KtauS Heinrichs empfangeil ivurde und daß der Mutter nichts unmöglich schien, was — doch eigentlich wirklich unmöglich war.
0 — Socke Luise fühlte, sie würde das scholl machen.
Auch von dem Ministergehalt würde sie erzählen. DaS würde der armen Mama wohltun, ihr, die lebenslang vergeblich darauf gewartet hatte.
Ein leises Lächeln erhellte Sofie Luises Gesicht.
„Ihre Mutter tvird sich freuen," sagte jetzt Friedrich Schuster, „es ist sehr gütig von Ihnen, dies vorauszusetzen. Und trotzdem bin ich noch nicht daurit zufrieden. Ich muh erst nocb wissen, ob auch Sie mich wlllkomnlen heißen werden, wenn ich komme?"
Ta reichte sie ihm die Hand und sagte ja.
Und als nun Friedrich Schuster das Krankenhaus verließ und in eine helle frohe Zukunft schritt, daclrte er:
^Nie hätte ich den Mut gehabt, um sie zu werben, wenn nicht der Krieg uns zusaminen.geführt hätte. Dem Krieg danke ich es, mein Kriegsglück." _
vüchertlsch.
— Der tausendste Band von Kürschner- Büch e r s ch a h. Bon ..Kürschners Bücherschatz" der vom Geh Hofrat Professor Kürschner begründeten und von Hermann Hillger sortgesührtcn Sammlung illustrierter Romane und Novellen ist jetzt der 1000. Band erfchienen. Dieser Jubiläumsband vereinigt unter dem Titel „Aus dein Iugendlano" Jugenderinnerungen einer Reihe unserer hervorragendsten Dichter und Dichterinnen: Ludwig Fulda, Karl Rosner. Adolf Wilbrandt. Jda Boy-Ed. H^- wig Dohm und Elora Viebig. Seit dem Erscheinen des ersttn Bandes von Kürschners Büclrersckxrtz im Jahre 1896 sind bis zum l>eutigeii Tage nahezu 100 Millionen Bände der allgemein bekannten braunen und zum Preise von je 20 Pfg. überall erhältlichen Bände dieser Sammlung verkauft worden. Dieser buchhändlerilche Erfolg steht in Deutschland geradezu einzig und unerreicht da.
— A u s d e n K ä m v V e u der Tiroler Katserjäger und Landeoschütze n. Ein bekannter Meisterschütze bei den Tiroler Kaiserjäger,» war zu seine,n bei einer Feldküche
eingestellt. Aw dem Marst-be ersehet"«,, plätzlich sieben Kosa.'en; der Schütz« und seine drei Genossen sprtnaen rasch herunter; und während sie sich ,iied,-r>verien, schreit er: „Drei ich lenk, d ch mir ckülier keiner schient, sunst lrtegks nix zu essen." Seine v»er Kosaken schoß er tm Handumdrehen herunter, dann sagte er: „So, jetzt schient- ös." Wir finden diesen Bericht unter vielen anderen in Bongs bttderaeschini'ickter Kriegsgeschichte „De » Krteg l 9 I 4 1 ft t n Wort u u d B t l d" (leustes Verla .-haus Bong & Eo., Berlin W 67, Pr ei« des Achktagcheckes 30 Pi >, von der soeben Heft IN und 19 erschienen sind. Im ersten Teil, der e,gentl,u «n Kriegs ^schichte, endtgt Vizeadmiral z. D. K,rch oss da- Hatte! # Tei Krieg der Ho tzseestotten 19 4 in den heuntichen Gew ffern'. Ta,an schließt sich Wltheun v. Mcho»v- zugleich sachinannis h« wie seiielnd belebte Darstellung des Kriege- Deutschland- und Oellerrei i>-1lngarns aus den Hr>eg- chauvlägen de» Osten- und Süden- gegen Rußland und Serbien bis znm ersten Vor'ioß gegen Warschau und Fwangorod. Amr dem zweiten, gletchsall- n»it erlesenem Bilderschnruck »eich versehenen Teil des Werke- »Der Krig in Einzeldarstellungen' heben wir «olgende ^iutsätz« hervor: ,D»« Winters r lacht in viasuren', „Zum Winterleldzug im Kaukasus", „T>e indischen Hil stimpuen England-", »Wie sich unsere Feldgrauen aus Vorposten etngraden', Seiner Majestät Schlachtschiff Ayesha- uiw. Ferner j. ien die Feldpostbriefe „Krieg-- glück', „Ter B.tuenwerler' usw. he> vorgehoben Beide rieste enthalten auch diesmal je eine farbige doppelseitige Extra Kunst« beiiage, die an- der Hand hervorragender Schlachten- und Marin«- inaler stammOn.
— Den Feldpostbriefen können die Kriegsflugblätter „Aus deutsckrem Süden" (Preis 25 Pfg, Reuß L Jtta, Konstanz) beigelegt werden. Das dritte Heft dieser Flugblattfolge ist soeben als ein „B i s m a r ck h e f t" erschienen und vereinigt von einer Anzahl der bekanntesten und besten süddeutschen Schriftsteller muer* haltende und zeitgemäße Erzählungen und Gedichte.
Lrganjungsrälsel.
D.. Mn... an n.ch.S .3H.«. «. st.«.. n I. . a. p*. m.. . or. e u .. . o t.
A.S i. g.te. G. tff.. .m . eb..
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Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung der Königspromenade in voriger Nummer: Wer s ine Wünsche nicht beh« ,rs l't. der gleicht dem Schiff«, Ta- ohne Sleuer treibet aus den Wellen,
Ilm an dem ersten besten Felsenriffe
Hil,los und unerivartet zu zerschell«n. Pavverttz.
Schrlstlettung: Aug Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univ«rsität»-Buch- und Stemdruckerei. R. Lange. Gießen


