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„Aldringhen war ein guter Kamerad, aber sein Gewis- war schlecht. Allen Herren dienen — ja! Er wagte nicht S herzhafte Wort: so und nicht anders bin ich aesonnen. Schließlich wußte er selbst nicht mehr, wo aus und ein/" „Horn bricht durch," ries der Abbö und deutete nach links. „Sieh dort!"
„Sie sind über die Schanden, Zackerbombenundslöh! Denen steckt der (Geruch des Lutzener Siegs noch in beit Nasen. — Da kommt Bernhard!"
Die geschlosseneil Reiterglicder hinter Jan wurden unruhig.
„Stillhalten da?" schrie er ihnen zu. Lächelnd sagte er u Jvss Maria: „Wir haben noch Zeit. Der Stoß gilt dem othringer."
Dick und stinkend ballte sich der gelbe Pulverdamps über dem Tal. Zutoeilen klatschte vor ihnen eine schwedische Kanonenkugel in den feuchten Grund
„Reit' zurück, Jose Maria, es wird ernst!"
„Mir ist sehr wohl da, wo ich bin."
Jan ließ seinem Gaul die Hügel und schoß ein paar hundert Meter vor. Er stand in den Bügeln hoch und schaute um sich. Horn schien zurückzngehen, Bernhard und Karl von Lothringen waren ineinander verbissen. Jan klopfte seinem Tier aus den blanken Hals. „Möcht' auch drein wie du,"" sagte er und ritt langsam zurück. Er ließ zwei Reiter loS, die sehen sollten, wie's im Zentrum stand, wo des Kaisers Soyn, Ferdinand, der junge König voll Ungarn, komnlandierte.
Sie kamen erregt und ein tvenig bleich zurück. Drüben lagen ganze Regimenter im Blut. Horn stieß unaufhörlich zu, blind, wütend, denn die Spanier standen. Aber die große schwedische Batterie drüben — !
» Jetzt schlugen ihre heulenden Kugeln schon in Jans U^eiter. Er ließ lvenden und in, Schritt — „Schritt, Kerls!"" l^Leiii wenig zuriickreiten. Da hielt man nun fröstelnd,
großen, starren Augen, llnd in den Ohren war das ^p'yeuerlick)? dumpfe Okbrüll der entfesselten Schlacht. Me lange Zeit so verging, wußte keiner zu sagen Der wrt schien ohne Ende hin und wieder kam in langem Galopp ein Offizier zurück und stieß drei, vier Worte heraus, immer gleichlautende Worte: „Die Schlacht steht."
Jan ritt allein an den Rand des Waldes. Da blitzte drüben zwischen Büschen, hier und dort, die blasse Sonne auf blanken Stahl: ein schwedisches Kürassierregiment ritt ln die Wiesen hinaus Das gilt mir, dachte Jan Sein Degen Pfiff blank in der hellblauen Luft. Die Kürassiere in ihren schwarzen Panzern schoben sich in vier Treffen lind trabten an Ach, sind alte Bekannte, dachte Jan imb lachte Hatte erst neulich ihr Quartier aufgeschlagen, und wenn nicht die Musketiere dazugekonnnen »vären, würden sie jetzt schwerlich aufs Albuch zu reiten.
JanS Regiment erschien langsan, im Freien. Die zwei Regimenter Ungarn und Kroaten folgten, Jan rvinkte sie zurück.
„Wir wollen's allein zwingen, Dragoner!" schrie er.
Joss Maria reckte in der rechte,: Faust sein funkelndes Brilstkreuz empor und rief:
„Für Maria und Bayern!"
Wer ihn ilberdonnerte der wilde Lärm der Soldatenfehlen :
„Bivat, Jan von Werth!"
Die armlangen Trompeten bliesen.
„Formiert? — Los7" brüllte Jan und stob voran, die Standarte knatterte an seiner Seite Er hörte das gewaltige Trommeln der oielhnndert Pserdelwse — sünfhundertSchritt vor ihm schoß die schwarze Eisenmasse der Schweden heran; er stieß einen gellenden, unartikulierten Schrei aus, und in das unschädliche Plappern der Kürassierpistolen riesen seine Dragoner ihren Schlachtruf:
„Werth — Werth!""
Dann war- ein ungeheuerliches Krachen, ein Kreischen, — und aus diesem Getöse auoll in jedes rechten Reiters Kopf der hellseherische Wahnsinn, der den .Hieb des Gegners. seine Parade ahnt und ihn fähig macht, wie ein Gott -u parieren und zu hauen.
Solche Reiter hatten die Schiveden noch nicht vor der Klinge gehabt. Ihr Regimeiit war zerschmettert, ehe es se,n Gott mit uns!" ein paarmal gebrüllt hatte. Wer r.uft hatte, hieb seinem langbeinigen Gaul die Sporen faust- ttel m die Weicl>en, uiid der preschte bockend davon. Wer Ehre im Leibe Hatto oder culs de,n Geivürge sich nicht
freimachen konnte, fiel, denn Pardon — ? „Da hast Pardon, Keheraas!" schrien die Dragoner und hieben quer in die Visiere.
Jan hielt, nahm den Degen in die Linke und schlenkerte mechanisch die tm Krampf des Griffes erstarrte Rechte. Dabei sah er sich um. Aus den» Zentrum stieß Karl von Lothringen vor mit den spanischen Terzios. Vor ihnen verebbten die Brandungswellen von Bernhards berühmter weißer Brigade. Die gelbe schwedische rückte an. Da leuchtete Jans Gesicht, und über seinen, keuchenden, halb geöffneten Mund bebte der Schnurrbart.
„Fornneren!"
Und seine Trornpeten riefen die ungarischen und kroatischen Reiter herbei. Sie fegten heran. Den Ungarn standen die Rabenfedern keck aus der Mütze. Die langen Schläfenzöpfe der Kroaten flogen im Sturm des Ritts. Und die vereinigte Masse der drei Regimenter schwenkte im Galopp halb links und brach in die weichenden schwedischen Musketiere: da gab's kein Halten Dann auf die kompakten Regimenter hin, vor deren Front die Pikeniere sprangen, die zwölf Fuß langen Spieße gegen den rechten Fuß gestemmt, indessen die Musketiere über die Geduckten feuerten mit der ganzen gefürchteten Ruhe und Sicherheit schwedischer Veteranen. Da überschlugen sich Werthsck)e Gäule, viele bäumten sich auf, aus Instinkt vielleicht, oder lveil ihre Reiter in die Zügel griffen.
Der Abb6 stand in seiner ganzen schlanken Länge in den Bügeln: dann ließ er das Kreuz fallen, und aus der schwarzen Soutane schoß der blanke Blitz eines gezogenen Säbels.
„Für Maria und Bayern!"
„Werth — Werth!"
Und dann waren sie heran: die Hufe der wilden Gäule schlugen auf schwedisckie Helme, und die mit ihren langen Piken und stummen Musketen wehrlosen Gelben fielen und floben, hingen Werthschen Pferden in den Zügeln und wehrten sich mit Fäusten und Kolben und Dolchen, nick)t mehr um Sieg, nur »roch ums Leben.
(Fortsetzung folgt.)
Kricgsglßd.
Skizze von Käthe Langenmayr.
Sein Vater saß unten im Psörtncrstübchen und flickte Stiefel, und ihr Vater, der Herr Graf, wohnte oben in einer lwchkerr« schwülichen Wohnung, ging alle Tage auts Amt, und würde — wie jeder im Hanse wußte — »vahrscheinlich sehr bald Minister Iverden Da mußte man wohl ein,ehen, daß die beiden nicht zusammen paßten.
Doch Kinder wissen so etwas zuw Glück noch) nicht — und so konnte es an einem sonnenhellen Märztage geschehen, daß die kleine Gräfin Sofie Luise mit ihrem Puppenwagen auf dem breiten Mitteltveg der Straße stand und mit sichtlicher Bewunderung dem großen Jungen zusah, der seinen Kreisel besonders kunstfertig tanzen ließ.
Er selbst staud mit gespannter Ausmerksamkeit daneben und ivußte mit einigen gescheckten Hieben die Tanzkraft seines Spielzeugs zu verlängern.
„Laß mich auch mal/" sagte plötzlich neben ihm ein helle« Stimmchen und er bemerkte erst jetzt das kleine Mädckien mit dem Puppeinvagen neben sich.
Sie hatte scken die Peitsche aus seiner Hand genommen, was er, der ein paar Jahr älter und sicherlich viel stärker war. ihr lercht hätte wehren können. Mer er tat es nicht, sondern sah guttnütig zu. nie sie den Kreisel mit ungeschickten Schlügen zum Umfinken brachte.
,Du kannst ja gar nicht trieseln," sagte er dann, nahm den Kreiiel aus und wickelte vorsichtig und sachkundig die Schwur darum. i
Sie sah ihm aufmerksam zu.
„Wie lstnßt du denn?" fragte sie.
„Ich ld'iße Friedrich Schuster. Kennst tm mich denn nicht? Ich mache euch doch oft die Tür auf. wenn Vater nicht da ist."
„Ach — der bist du Rein, ich habe dich nicket erkannt." sagte sie „Ich heiße Sofie Luise und meine Puppe heißt Kunigunde."
Er lachte.
„Ein spaßiger Name — den habe ich noch nie gehört."
„O/" sagte sie ernsthaft, „das ist ein sehr seiner Name. Meine Urgroßmutter hieß so. Sie n»ar eine Prinzessin und ging nachher in ein Kloster."
„Urgroßmütter gehen dock) nicht in ein Kloster," sagte er altklug. „Die Klosterleute dürfen nicht verl-eiratet sein."
Sofie Luiie dachte nach.


