161

Lin Meister btt deutschen votanik.

Zum 70. Geburtstage Wtlhchlrn PsrfferS, 9. März.

Wilhelm Pfeffer es mag manchen, selbst unter den gebil- oeten Deutschen geben, an dessen Ohr der Name dieses Gelehrten nur von lerne gedrungen Ist. Und doch zäblt dieser Forscher, der jetzt sein 70. Lebensjahr vollendet, zu den genialsten Bahnbrechern und größten Entdeckern, die die Geschichte der modernen Botanik «ulzuweisen hat. ja man kann sagen, daß ein ganzes Neuland der botanischen Wissenschaft von Messer erst entdeckt worden ist: daL ist die moderne Pflanzcnphystologie, deren Grundlagen Pfeffer im «"'chiuß an die Forschungen seines Lehrers Julius ^achs erst ge- schaffen hat. Zn den auch bem 9tichtfachmanne einigermaßen geläufigen Rätseln des Pflanzenlebens, die in» ArbeitS'elde PiefferS einen breiten Raun» eingenommen haben, gehören das Wie und Warum des Zusammenfällen« der Ati»nojendläiter bei Stoß oder Erschütterung, »vie sie ein jeder im Treibhause botanischer Gärten beobachten kam», ferner andere Re zbe»veg»»ngen, »vie das Oeffneu und Schließen der Blüten, die Schlaldeivegungen, die Be» wegungen der Etalibgesäße gewisser Pflanzen, die Krümmung der Ranken, die Erschemnngen der Chen'otaxiS, der Anlockung be»veg- stcher Organismen durch chemische Reize, »vosiir die Anlockung der San»enfäden von Atoosen und Farne»» etneß der bekannteuen Bei- sviele ist. So »venig der Name des Leipziger Gelehrte»» nun der Allgemeinheit bekannt geivorde»» ist, so hoch schätzen ihn die Fach- le»»te, und zwar nicht nur die Botaniker, sondern auch die Forscher aus Gebiete»», die oft Han> in Hand mit der Botanik arbeiten, in kkster Linie Chemie und Physik, ganz besonders aber die Zwitler- wiffenschast der physikalischen C Hernie, ja tu gewissem Sinne kann Pfeffer als 'Mitbegründer der physikalische»» Chemie angesi rochen werden: eine seiner gr»»ndleqenden Arbeiten - die .osmotischen Untersuchungen habe», stch fiir de»» große»» physikalischen Chemiker van 't Hoff als »vahre Fundgruben wichtiger experimenteller Taten entpllppt und diente»» ihn» bet seinen llntersuchungen als tre»»eS Bademecun». Zur Feier des 70. Geburtslaues Pseffers, der üb- rigens vor kurzein bereits ieln golden'es Tokto»j»»btläun» begehe»» konnte, habe»» die bei Julius Springer in Berlin erscheinenden ,Nat»»rwlssenschastei»- ihr neueueS Heft zu einer Pieffer-Festnurnmer a»»Sgettaltet, deren amtliche Beiträge a»,S ber Feder von Haber- landt (Berlin-Tahlem', Code,» (Utrecht), Czapek (Prag), Kinev iWiirzburg) und Jost (Straßbnrg) flammender Darstellung des Lebe»»s»verkeS PfefsirS und seiner Beziehung -»» anderen Wlffen- schalten in trefflicher Weise gerecht »verden. Die Pflanzenpbysiologte und die Re»zphysiologie (die »mter anderen» dort getrennt behandelt werden) im besonderen bilden den Rahinen zu dem umfassende»»

- LedenS,vcrke Pfeffer«.

Einer der ersten groben Würfe. der Meffer in» Jahre 1877 ge­lang, waren die .osinotifchen Untersuchungen*. Ihr bedeutsa.nsteS Er ebnis ist. daß die lebende Zelle imstande ist, außerordentlich Hobe hydrodynainische Truckletstung zu entwickeln. Tie hierbei tätigen Krä te sind es, die Pfeffer a»llgezeigt hat. und ihre Unter- stichnng hat den Phynkern die »vertvoll'len Ausschlüsse geliefert. Wetter hat Pfeffer die Rolle derPflanzenatmung bei der Beschaffung der Beirtebsenergte, Wese»» »nid Bedeutung der Pfl »»»zeiiatmung überhaupt der Begriff der Zntramolett,lare>» Atmung" »st von ihm eingeluhrt geklärt, die Kenntnis der Plasmahaut, der Um­satz der Energie der Pflanze, sowie die gesa,nte Ernäyrmiasphysio- wgie gewaltig gefördert. Tie Erscheinungen der Reizphysiologte. die oben k»»rz angedeutet sind Pfeffer« erster Unter suchungs- gegenstand »var die Mi,nose bat Pfeffer aus eine plötzliche De­pression deS hydrostatischen Druckes in Zellumen zurückgeführt. wo­für sich allerdings der experimentelle Be,ve»S für die Mimose nicht führen ließ. Auf knappem Raum alle Ciuzelheiten von Pseffers Lebensarbeit anzuführen, ist u.unöglich: jeder Botaniker kennt feine gewaltige .Pfla,»zenphysioloqte*. er», Werk, das in der gesamten botanischen Literatur aller Kulturvölker einzig dasteht, »vie Haver- landt init Recht sagt.

t . d^fferS äußerer LebenSgang bietet »venig Befo.ldereS. Wil- heln» Pfeffer »st in Grebenstein al« Sohn eines 'Apothekers gebore,». war selbst eine Zeitlang Apotheker, behandelte in seiner Doktor- ardeit ein rein chemisches Thema und »vandte sich erst später der Botanik zu. Seine bede»»tendst<n Lehrer sind Sach« und Prings- seiner Ausbildung in Berlin inib Würzburg habilitierte sich Pfeffer in Marburg. 1873 »vurde er als außerordentlicher Prv- seffor nach Bonn gerufen, hier blieb er bis 1877, un» in diesem Jahre als ordentlicher Professor nach Basel berufen zu »verden. Schon in» Jahre darauf siedelte er nach Tübingen über, un» neun Jahre später als Nachfolger Sche»»ks an die Universität Leipzig berufen zu werde»», an der er seitdem »virkt. In seiner Leipziger Zeit hat er - abgesehe,» von seiner Lehrtätigkeit - eine Reihe aroverer Abhandlungen geschaffen. ha».ptsächltch sich aber mit der ^^Earbettung seiner Pslanzenphysiolog-e beschäftigt, die übrigens seither in eine Reihe fremder Sprachen übersetzt »vorden ist.

Preußischen Abgeordnetenhauses, macht in denGrenzboten" ein- gehende M»ttnlungen über das russische Litauen, welches im wesentlichen die drei Gouvkrnemcnts Kowno, Wilna und Suwalki unisaßt. In Suwalki gehören über 50 v. $). der Bevölkerung den» lttauifchen Stamine an: in» Gouvernement Kowno ist sogar ein volles Dnttel der Bevölkerung litauisch, während im Gouverne^ ment Wilna nur 18,5 v. H. der Einwohner zu den Litauern zählen Bon den drei Gouvernements, aus denen das russische Litauen besteht, ift gerade L>u»valki, also das von unseren Truppen besetzte Aebiet. am wem-sten vorgeschritten. Es gab dort bereits im Jahre 1894 508 Fabriken: ihre Zahl hat sich seither noch vermehrt Tic Bewirtschaftung ist intensiver als in den Kvwnocr und Mil- naer Bezirken, wie überhaupt auch der Knltnrzustand der litauischen Suivalkicr Bevölkerung ein höherer »st. Die litauische Bevölkerung dieser drei russische» Gouvernements ist in mannigfaltiger Hinsicht von Interesse W»e Ga,galat hervorhebt, besitzt das großlitanische Bolk eifriges Streben nach Bildung. In dieser Beziehung steht es zum Teu über den preußischen Litauern. Auch un'nig begüterte Baliern bemühen sich, ivenigstens einen Sohn aus das Gnmnasium zu schicken, zunächst mit dem Ziel, ihn einst als Geistlickstm im prie terlichen. Gewände zu sehen. Daher kon.ml es, daß die ge­samte Geistlichkeit ut Litauen mitsamt den Bischöfen rein litauisch Uf. lin ^ lmch lita »lisch fühlt und sich in litauisch-nationalen» r^ cr viele Gymnasiasten ziehen es vor, statt rn das Priester,eimnar zu treten. das Gstinnasium bis zur Reife- prü llng zu durchlaufen, um später als Mediziner. Advokaten oder Philologen ihrem Volke zu dienen. In letzter Zeit haben sich manche auch dem Bankivesen zuaewandt. einem Zweige, der, wie hatte ^"0" dahin bei den Litauern keine Vorliebe gesiindeu

Besonders deutlich zeigt sich das Streben der Litauer liüd, /* U1 L 11 ?^ J 0il 5/r Selbsthilfe im Verein sieben. Die litauische wistenschastliche Vereinigung in Wilna zählt fast alle gebildeten Litauer zu ihren Mrtglied»'rn; sie besitzt ein Museum für Volks­kunde mrd eine wertvolle Bibliothek. Der litauische Kunstverein veranstaltet alljährlich Kunstausstellungen und besitzt ebenfalls e»n Kunstmuseum. Drei große Volksbildungsvereinigungen arbeiten mit huudertunddrertzig Zwcigvereinen an der kulturellen Hebung des Volkes. Zivei Vereine sorgen für Unterstützung bedürftiger Studenten: sechs Genossenschaften und Aktiengesellschaften be- zlvecken die Herausgabe von Bücher,» und Zettschriften. Wich Uven d,c Litauer Arbeiter., grauen-, Theater- und ähnlül>e - -Uliahrlich werden hier und dort ettva z»veihul»dertund- fünfzig TI>eaterausführungen veranstaltet. Die Temperenzvereini-- gungen habei, etwa 30 000 Mitglieder. Im allgen,einen ist höhere Vuoung unter den Litauern etivas rveniger verbreitet, als unter den Letten, welch letztere sckwn seit Jahrzehnten völlig selbständig für ihre eigenen kulturellen Bedürfnisse zu sorgen m der Lage »varen. Am wenigsten sind die Ostlitauer in knltr»reHer und natwnaler Beziehung vorwärts gekommen. Sie stehen zu sehr unter polnischen! und weißrussischem Einfluß, der sie in jeder Weiterentwicklung hemmt.

In wirtschaftlicher Hinsicht fanit Litauen gerade nicht als e»n sonderlich produktives Land angesehen werden. Bodenschätze gibt es wenige. Getreide- ui»d Flachsbau. Viehzucht und Wald­wirtschaft Jtitb die hauptsächlichsten Erwerbsziveige der Bevölke- rung. Dock) finden fich in größeren Orteii, wie Wilna, Koiono, Sckaulen und anderen verschiedene Fabriken, nanrentlich Eifew gießerelen, Draht- urrd Nagelfabrikcu, Brauereien und Brenne­reien. Tabak- und Bauinwollfabriken, Mühlen. Gerbereien und anderes mehr. Tie Landwirtschaft steht nicht überall gleich: suwalki geht voran, es folgt Kowno. dann erst Wilna. Seit der Revolution 190:» ist allgemein eine freiere Enttvicklung auch rm wirtschaftlichen Leben festzustellen: etwa hundert Konsmw- vereme. eine größere Anzahl landwirtschaftlicher und sonstiger Benlssvereme haben sich gebildet: es fiiiden landwirtsck>aftliche Ausstellungen mit Prämiierungen statt, zwei Aktienqesellschaj- te»» für den Vertrieb moderner landwirtt'chaftlick>cr Maschine,! haben sich aufgetan, eiue vielseitige Presse belehrt daS Volk über intensive Wirtschaftsführung und Schcrffung neuer Eriverbs ziveige: cur neues hosfuungsfreudiges wirtschaftliches Leben ist im Aufblühen begriffen. T^' Boden ist zu»n größten Teil frucht- dar urrd ertragreich. Leider sind viele Güter, die sich in polnischen

oi.fdKn ftänben befinden, infolge Saumseligkeit und schlech- ^lrlschaftsführung der Besitzer stark verschuldet und vernach­lässigt; fl, könne», kein Vorbild für die Bauern bieten. Unter einer sürs-rglichen und »veitschauenden Regierung würde Li­tauen bald ein blühendes Land mit wohlhabender Bevölkerung werden, denn das Volk ist fleißig und äutzerst ksildnngsfähig.

Aus dem rusfischen Litauen.

der deutschen Truppe» sind erhebliche Teile des russischen Litauens unter deutsche Herrschaft getreten, und wmdet sich diesen Landstrichen naturgemäß ein leb­haftes Interesse zu. Dr G a i g a t n t, das bekannte Mitglied des

wandelnde Setteidebiindel.

Ein eigenartiges Kriegserlebnis wird von einem Mitkäinpfer, cmern Bayern, im neuesten Heft der bei der Deutschen Verlags- Anstalt in Stuttgart erschei,lenden ZeitschriftUeber Land und Meer" erzählt. Es war im Oktober in der Umgebung von Thiau- court, rvo die Bat-ern in der Mähe der Einmündung des Flüßchens Madme in Me 9hijt be Made Äuf Vorposten kommandiert paaren. Ein scharfer W»,id pfiff über die zerstampften Felder, und als die .Rächt hereingebrochen ,var. silchten sich die Soldaten es in einem