>ie Herzen mit Verzweiflung?. Was half es den Deutschen und mmer wieder den Deutschen alle Schuld zuzuschieben, niemand ragte mehr nach Schuld, das Geschrei ging um Nahrung, lvie >raußen das Brüllen der verwilderten Haustiere, die auf den Feldern umherirrten.
Jeannettes Eltern warfen tut Grau der Morgendämmerung das Wertvollste ihrer Habseligkeiten auf einen Karren, verstört vor Angst, fast von Sinnen und bis zu Tränen erbittert. Das »eine Mädchen stand im Rahmen der Tür, unten im Zimmer brannte noch eine Lampe aus dem leeren Tisch und ihre Flamm, flackerte un Zug der offenen Fenster. Es regnete ohne Aufhören Jeannette wußte, daß sie bleiben würde, denn die kranke Groß mutter konnte nicht allein zurückgelassen werden. Sie' hatte sich mit den Schrecken dieser Erwartung abgefunden wie mit ihrem Twde und jene kindliche Entschlossenheit gezeigt, lvie nur junge Seelen fte m solch schrankenloser Hingabe auflveisen.
Welch einen streit es in der qualvollen .Hast des Ausbruches gegeben hatte! „Sie lverden ein Kind nicht löten!" schrie ihr Vater, „eine sterbende Greisin!" Er zerrte sein Weib mit sich hinaus: „Willst du, daß wir alle verderben, denk an die kleinen Kinder!"
Es war herzzerreißend. Die Mutter riß'Jeannette in ihre Arme, nur von ihrer eigenen Angst beherrscht und ohne zu be- nt,oajj ihr sinnloser Schmerzensausbruch die Qualen und die Befürchtungen ihres Kindes verdoppelte. Jeannette fühlte, re '^"tter zitterte, sie vermochte keinen der törichten Rat- schlage zu beachten, die ihr mit fliegendem Atem erteilt wurden, iur etns blieb ihr mit seltsamer Deutlichkeit im Bewußtsein, als der Wagen mit den Ihren längst hinter den Häusern der Torf- trahe verschwunden war: daß der Sonntagshut ihrer Mutter ®/~S9«I' €n kaft ihre Haare, dünn und grau, mt
niedergefallen und vom Regen nah waren. „Maria schütze dich, Jeannette, Kind..
Nun war es merkwürdig still. Die Torfuhr schlug im ueb ligen Morgen, es war hell geworden. Jetzt würden die Preußen kommen.. Das kleine Mädchen schritt langsanr die Stiege des «KJ? k *2 * kmpor, bis in die Kammer, in der in der großen Bettlade die kranke, alte Frau schlief. Mit dem Ernst seiner vier- ^"^ahrennd einem tiefen Seufzer ließ das Mädchen sich neben cvL x n c M *£ r ""^. betrachtete lange sinnend das welke Ge- sicht der Schlafenden. Die schrecklichen Eindrücke und Aengste der letzten ^.age lvaren gar zu rasch und unerwartet gekomnieii, als es ihr möglich gelvesen wäre sich mit ihnen abzufinden und L'vas wie eine heilsame Anteflloftgkett der Erschöpfung beruhigte ibr Gemüt ein wenig. Sie überlegte, ob es nicht ratsam sei, zum ßfarrcr zu gehn, von dem sie wußte, daß er, lvie auch der.Lehrer, Ich Nicht an der allgemeinen Flucht beteiligt hatte, aber darüber um ihr in den Sinn, daß sie damit ihr Geschick nur um einige Mnuten hinauszogerte, chm aber nicht entging. Wenn nur die chrecklichen Gedanken ausblcchen toürdcn, bis alles erlitten und vorüber war, diese Eritmeruimen an die grausamen Geschichten aller Schandtaten der Preußen. Sie schloß die Augen und erschauerte, vielleicht würde sie nicht gefunden. Aber da überfiel sw eine furchtbare Vorstellung: Wie nun, wenn das Hans in Feuer auf fiiim und niemand half ihr, die Großiuuttcr hinauszutragen? Sie dackflc gar Nicht mehr an sich und an die Sicherheit ihrer eigenen fleineii Person. Vielleicht sterbe ich vorher, kam ihr in den Sinn und sebe Nichts mehr von allem Nnheil. Ob man daruui bitten konnte? Ja, wenn es Nicht die Preußen wären. Die Bayern Ulten mel menschlicher sein, sie schlugen alles aleich mit dem Geivehrkolben tot, aber die Preußen nahmen Kinder auf die Lanzen, die noch schnei!... '
Jeannette erhob sich nach einer Weite und begann im Hause Ordnung zu schassen, so gut es gehen wollte, sie tat es gedankenlos und m einem leeren Traumzustand. Es sah umher aus, als seien die Z"nde schon dagewesen. Wie mutlos dies Chaos machte, das Me Augst der Ihren zuruckgelassen hatte. Als sie das Haus ver- lien, um zum Brunnen zu gehen, brach die Sonne durch das .Rorgengewolk, cs war hell und frisch. In weiter Ferne rollte es dumpf und drohend hinter den Hügeln, näher und deutlick)er als gefter«, aber b"' schast lag still und verlassen und aus den Nachbarhöfe stieg kein Rauch mehr.
WS das Mädchen nach einer Weile den Blick vom Brunnen! erhob und sich an,chickte, mit den Wassereiuieru über die Straße MAckMehen, erstarrte sie vor Entsetzen bei dem Anblick, der sich ihren Augen auf der kleinen Anhöhe bot, über die der Weg ins Don führte. Sie erblickte, schräg von der Morgensonne beschienen, vier oder fünf Reiter, die in gemächlichem Trab auf ihr Vaterhaus
t zarkamen: sw hoben sich groß und drohend vom.' Hellen Himmel und über ihren schultern, neben den Helmen mit den seltsamen, ^lant^en Tellern darauf, tanzten die schrecklichen Lanzen auf
. . SK S>*t4cit die schweren Wassereimer die Arme
des Dndes nicht niedergezogen, so wäre es sicher in seiner Erstar-
r rung unbeweglich stehen geblieben, nun ließ sie ihre Last zurück auf das Haus zu, aber an der Steinschwelle verließen Kräfte sie. Sie fühlte eS vor ihren Augen dunkel werden und mnt am Türrahmm auf die Knie nieder. Um ,vas hatte sie doch woflen? Mana hilf, erbarm' dich..." stammelte sie.
Vreg dröhnte, uitb laute, fremde Stimnien erschollen, z^sannnte nrerkte daran, baß die Schatten ber Reiter aus die
Schwelle friert, baß sie vor ihr angelangt tvaren, sie wagte eS Mt, ihre Blicke denr Tod entgegen zu heben, den sie erwartete. Ein Pferd schnarchte und sie zuckte zusammen. Dann wurde gerufen, das mußte ihr gelten. So lvar es wahr, daß diese Grausamen ihr Opfer vor denv Tode quälten... Sic wollte beten, aber ihre blassen Lippen bewegten sich nicht.
Da fühlte sie einen seltsamen Truck auf ihrem Scheitel, cs glitt über ihre Haare hin und an den Schläfen nieder, und dann ßioch emmal. Ehe sie begriff, was ihr geschah, fühlte sie eine harte Hand vorsichtig und liebevoll unter ihr Kinn fassen und ob fw wollte oder nicht, sie mußte dem sanften Druck nachgeben, der ihr den Kopf hob. Da schlug sie rasch die Augen auf, ganz betört von dem Unerwarteten, das sie überwältigte, und ihre Blicke KV 1 * l n,tor cm bcm harten Helm zwei helle, blaue Augen in einem lächelnden Mannergesicht. Der Reiter tvar vom Pferd gesprungen cr iucktc ihr zu und richtete sie auf. Sein Gesicht drückte ein so aufrichtiges Erbarmen aus, daß niemand darüber hätte in Zivcifet blcwclr können, was ihn beioegte, am wenigsten« ein Kind.
Ler Reiter schien etwas sagen zu wollen. er wandte sich an laue Leute, eS__toar dann aber, als kämse ihm nichts in idem ««ln, er schüttelte nur langsam den Köpf und nahm sein Merd benn Zugel, um! es aus Jeannettes Wassereimern trinken zu lassen wie schon die Anderen es vor ihm getan litten. Dabei gebärdete er sich rauh und beinahe böse, als müßte er etwas in der eigenen Brust bekämpfen, das sein Soldatenherz nicht duldete. Tann sah er wieder iiach dem kleinen Müdchen hinüber und mm lchwieg er erst recht, beim es ruhte im Blick dieses .Kindes ein Gedanke, der^groß^vre die Welt erschien, zugleich einsam und ubervolt an Tank. Solche Blicke können in den Augen der Men-
erstehen wenn unerwartet eine heilige Freude die Finsternis des Bösen ilberwindet, oder wenn alles in einer Seele sich plötzlich für ern ganzes Leben entscheidet.
Und so kam es, daß »wischen der kleinen Jeannette und dem preußischen Reiter kein Wort gewechselt lourde und daß sie einander doch auf wunderbare Art in ihrem Gemüt verstanden. Nur vom Sattel aus rief der Reiter dem Kinde zmn Abschied zur „Merci! Mern! und strich sich über die Augen.
Der erste Unterseebootangriff vor f00 Zähren.
Es war in der letzten Zeit des langen Krieges, den England nnt den Bereinigten Staaten führte, als am 19. Juli 1812 das englische Kriegsschiff „Ramfllies^ vor New London vor Anker lag und diese amerikanische Stadt blockierte. Der Befehlshaber der „Raniillies war der Kapitän Hardt), ein Kampfgenosse Nelsons, der unter ihm großen Knegsruhm erlarrgt hatte. Die Deckwache, die auf Posten auf nuk> ab ging, bückte sich zufällig über Bord und bemerkte dabei plötzlich einen Gegenstand an der Oberfläche des Meeres, ganz nahe am Schiff. Der Ruf „Boat ahoy"! hallte laut über das Schiff, aber als mau näher die Sache untersuchte war nichts zu scheu. Der Wachtmatrose mußte sich allerlei Spott gefallen lassen, weil er „Geister sah"; aber dann erkannte man eine dunkle Masse, die frch au dem Wasserspiegel emporhob, und nun wußte mau: es tvar ein Unterseeboot. Die Alarmkanone dröhnte nun durch die Stille: die Ankerketten lvurden rasch durch» schnitten: alle Hände waren geschäftig, und das Schiff ging mit großer Schnelligkeit m See. Noch einmal tauchte der unheimliche Fremde an der Oberfläche auf, aber bevor noch die Kanonen gegen die Stelle gerichtet wurden, war- der gefährliche Besucher wieder u"tergetaucht und heftete sich fest an den Kiel des englischen Schiffes. Eine halbe Stunde lang blieb der furchtbare Feind an dem Rumps seines Gegners, der machtlos war, sich zu wehren, und dessen Besatzung das Schlimmste befürchtete: während diestr Zeit gluckte es dem Manu, der in dein Unterseeboot war, ein Lock durch die Kupferivand des „Ramillies" zu bohren, aber die Schraube, mit der er den Explosivstoff au dem Schisfsboden befestigen wollte, zerbrach, und so mißglückte der Versuch, das Schiss zum Sinken zu bringen Einen ausführlichen Bericht von diesem Unterseeboots-Angriff, dem ersten, der den Schrecken der heute als so furchtbar erkannten Waffe wirklich ahnen ließ, hat Kapitän varbv m seruer interessanten Selbflbiögraphie gegeben: er erzählt, dan dieses amenkanMe Tauchboot von seinem Erfinder bereits außerordentlich vervollkommnet tvar, mehr als 5 Kilometer in
Stunde zurücklegen und nach Belieben aufsteigen und unter- tauchen konnte. ,
Schon vorher lvaren Nnterwasserbootc in dem Kriege zwischen England und Amerika auf amerikanischer Seite verlvendet wor- s"' Ist ^ ° bne Erfolg. Der Gedanke, das Unterseeboot zur Kriegführung zu benutzen, ist ja fast so alt tvie der Gedanke der Erfindung selbst Der erste Mann, der diesen Plan näher ins Auge lfeiatzt hat, durfte merkwürdigerweise ein Bischof gewesen sein k WL* 11 . englischer Kirchenfürst, John Wilkins von Chester, ver 1648 nn ideenreiches Buch „Mathematicall Maqick" ver- öffentlichte. Ob er von der merkwürdigen Erfindung des Holländers Cornelius Drebbel gehört hatte, der 1624 das erste unterwafserboot baute und damit eine Fahrt aus der Themse unternahm, bleibe dahingestellt. Jedenfalls beschäftigte er sich YLSSF* Eber Malichkeit. ein Boot für Untersee
sch ffahrt -ll bauen Er verkannte die Schwierigkeiten dieser Ans gäbe lucht, verweilte aber mit Behagen bei den Vorteilen, die


