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Nr. 264 Zweites Vlatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Samstag, y. November 1918

Wieder

Der Berichterstatter des S t e p y a 11 stellt im Flamen

Qeffileber Landtag.

Zweite Kammer.

70. Sitzung vvln 8. November, tnareil die Tribülwn des Hauses sehr gut besetzt, wenn auch nicht so überfüllt, raie gestern. Tie Geduld der Zuhörer wurtx- aber aus eine l^arte Probe gestellt, denn der Beginn der Sitzung 1 chob sich um 2 volle Stunden hinaus. Noch waren Frak- trous- unr. Ausschußsihuugeu nottvendig. Man wollte sogar wissen, die Geichlvssenlwit der Kannner würde im letzten Augenblick noef) an der Verhältniswahl scheitern, da sich die Anschauungen r>os Bauernbundes und der Linksparteien nicht Permitteln liehen; der Bauernbund halte an der Trennung von Stadt und Land als gesonderte Wahlbezirke fest, was die Linksparteien unter keinen Umständerr zugeben würden. Endlich einigte man sich ans die Provinzen als Wahlbezirke. Ebenso wurden in letzter Stunde die sozialdemokratischen Forderungen eines Landes-Arbeits- und Wirtschastsanites und eines Ernährungsamtes an.genvmmm. Die Stimmung in den Wandelgängen war durch die Nachrichten von auswärts, besonders durch die ans München, und durch das salschx: Gerücht, dah der Bahn verkehr mit Frankfurt unterbrochen sei, eine sehr erregte. ^ 1

Um 12Vz Uhr eröffnet der Präsident endlich die Sitzung.

Perfassungsausschusses, Abg. Dr. des Ausschusses folgenden Antrag

über die

Neuordnung irr Hessen.

Ter Ausschuß beantragt: Die Kammer stellt für die als not­wendig erkannten Aenderungen der verfassungs- und verlval- tnngscechtlicl>en Gesetzesbestimmungen folgende Grundsätze aus:

1. Uefreremslimurende Beschlüsse beider Kammern über Regie­rungsvorlagen haben Gesetzeskraft. Versagt die Erste Kammer einem Beschlüsse der Zweiten Kainmer ihre Zustimmung, so ist dies ohne Einfluß, wenn dsie Zweite Km inner mit Zweidrittel-Mehrheit bei der Beratung des Hauptvoranschlags mit einfacher Ai ehr heit, ihren Bcfch-luß aufrecht erhält.

2. Turchigreisende Reform der Ersten Kammer. Wahl der Ver­

treter. Stärkere Vertretmrg von Handel, Industrie und Handwerk, Vertrettmg des Großgrundbesitzes, der Bauern und Arbeiter, der ßaatlicheu-kommunalen und Privatbeamten und sonstiger für das Wirtfchasts- und Oberstesleben bedeutsamen Berufe auf Grund von Berufswahlen, Bcfeitigung der Berufungen, und der .Gebnrts- vorreckte. , ,

3..Ernennung der Minister auf Vorschlag der Zweiten Kammer.

4. Revision des Gesetzes von 4858 über die Rechtsverhältnisse der Standesherren.

5. Verbot der Neuschaffungen von Familien-Fideikbrnmifsen. Zulassung der' Erweiterung bestehender Fainilien-Fideikornmisse nur mit laudständischer Genehmigung. Möglichkeit der Teilenteig­nung von bestehenden Familien-Fideih)muüssen.

6. Prüfung der Fraew des Uebergangs des Familieneigenttlms des Gr. Hauses in das Eigentum des Staates. Steuer und Abgabe- frerheit der Grotzh. Familie wird aufgehoben.

7. Wahlberechtigt ist jeder Hesse, der 25 Jahre alt ist oder Kriegsteilnehmer gewesen ist und an der Front gestanden chat und volljährig ist, die hessische Staatsangehörigkeit besitzt, z. Z. der Wahl 3 Monate in Hessen seinen Wohnsitz hat. Nichtzahlung der Steuern und Armenunterstützung hindert nicht die Wahlberechti­gung. Beseitigung des Plu.ralwahlrechts.

8. Verhältniswahl durch die einzelnen Provinzen. Wahl­pflicht, SmrntagÄvahl von 42 Uhr rnittags bis 8 Uhr abends.

9. Tie Zweite Kammer wird bei jeder Neuwahl ganz erneuert. Borausfewing dafür ist eine Wahldauer von 5 Jahren.

10 Das Wahlrecht der Frauen zu Gemeinde- nsw. Vertretun­gen kann in Gemeinden über 40000 Einwohner auf Beschluß ber Okmeinde- nsw. Vertretungen eingesührt iverden. Frauen sind zu Deputationen irrtb Kommissionen nsw in allen Kommunal- verwaltnng^m wählbar. , ^ .

44 Aufhebung der Kulturkanchlf-- Und Ordensgesetze.

12 Sinngemäße AnN^endnng des Landtags Wahlrechts auf die Wahlen zu Gemeinde-, Kreis- und Provinzial Vertretungen.

43 Schaffung eines L-andesarbeits- und Wirts ckxrftsamtes zur Regelung sämtlicher Arbeiter-, wirtschaftlichen und sozialpoliti- icksen Fragen. ^

44. Schaffung eines Ernährungsamtes, dein alle Ernahrnngs- fragen unterstellt sind. ^

'Die Kammer richtet an die Grotzh. Regierimg das Ersuchen, unverzüglich die zur Durchführung dieser Grundsätze erforder­lichen Gesetzcsvorlagen, soweit sie sich auf die Landstäude beziehen, zur Beschlußfassung vorzulegen und die übrigen gesetzgeberischen Maßnahmen in die Wege zu leiten. ^ .

Es ergriffen darauf die Sprecher der einzelnen Fraktionen das W^rt; für die Nationalliberalen sprach Mg. Tr. O s ann, für den Bauernbund Abg. v. H e l rn ol t, für das Zentrum Abg. v. B r e n- lano, für die Sozialdemokraten Abg. Ulrich und für die fort­schrittlich? Volkspartei Abg. Reh. Sämtliche Redner betonten die entschcidungsschwere Stunde, hoben die Einmütigkeit der ge­faßten Beschlüsse hervor, die hinüberleiteten vom Obrigkeitsstaat zum Volksstaat, und führte jeder für seine Fraktion die Punkte cm, Wo seine Parteifreunde im Hinblick auf das große Ganze Op,er ihrer Ueberzeugnng bringen mußten. Sämtliche Redner richteten! aber auch einen ernsten Appell an das Land, Ruhe und Ordnung zu bewahren, damit nicht das Werk der Neuordnung und die Herbei­führung des Friedens gefährdet werde.

Tie Vorschläge des Verfassung saus schul, es werden einstimmig angenommen. Präsident Köhler bittet den StaatsmiUister, als­bald einen Beschluß der Ersten Kammer über den heutigen Bera-

S ^r ^^orfitzende^ des^ Verfassnngsausschiuss^, Abg. Tr. Stephan stellt im Namen des Verfassnngsausschusses folgenden Anmestie-Antrag: .

Tie Kammer wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, eine allgemeine Amnestie und Abolition bezüglich aller polrttschen Verfehlungen oder Vorgehen oder Uebertvetungen gegen,die ofrent- lick-e Ordnung herbei zu führen. Es sollen eiiige,ch1wsen seiii die Ber-

Gietzenev Stcr-tthearer.

Ludwig-Thoma-Abend.

Gießen, den 8. November 4948.

Tie launenhafte Hand ^es Ziifalls htt es so gefügt, daß Gießen am Tage der Entstehung der Republik Bayern ein Ludwig- Thoma-Abeiid gegeben wurde. ^wie eigenartige Devknup, stiig mackt es leichter, die GedattEn, die, sich vergeblich bemühen, die überstürzendeii, ilmerpotttischiell ErÜMpse rn eu:en festen Zu­sammenhang zu bringeii, auf einige stunden der heitren Mn,e zn- zuwenden, iind sich an den Gestalten eines Richters zn erfreuen, t»er es versteht, inmier neue Typen aus seinem Helmatvolke ms Rampenlicht zu lchehen. Und lvenn derHamur' Thomas einmal cykfesfelt hat, den läßt er nimmer aus. Aber eines Lachclns faitn man sich nicht erwehren, wenn man sich o-orslellt. Mit loelcbeu Augen solch biedere Gestalten die Nachrläst aufgefaßt haben, daß sie über Nacht zu Bürgern einer Republik geworden

^'Kommen wir zur Sache selbst. Außer der schon öfter gegebenen Töstticben KomödieTie Wt edarlle" brachte der Abend als Neuheit zioei kürzere LustsspieleWaldfrieden undGe­lähmte Schwingen".Waldsri-cden" gttst uns die lächerliche Tra­gödie eines guten, Spießers, der durch,

Kreise verpflanzt worden ist,, sauer mackst.

erne noble derenBüldung" ihm

Heirat m das Leben

ste'Flucht nach seiirem Jagd-Hause und die bierehrliche Aussprache mit seiiiem Spezi Huber, soll ihm seine Ruh' ivieber- gcbeii Aber es ivird nichts daraus, seine Frau komntt ihNi^vach und als der Pantoffellwld tfrr gegenüber dieordinären" Lehnsmhte seiner Seele vertuschen wäll, kommt es obe zum Zer.vurfurs

mit seinem Freunde, der ihm wieder tb.air.ieSstolz belbriugen

" ^JnGelähmte Schwingen" soll ein ^us der Mode geratener uiw crusgepsiffener Tichrer von seinen^ ^xhaneg?relterci, bied<-re.i Aäctzqersleuten, zy modernerer .Kunstwepe bekehrt w?rd-?n, weil sie einträglicher sei. Der Dichter \M sich fügen, wenn ihni Lar

gehen und Uebertretungen der Bestiinmuiigen über Versorgimg mit Lebens' Ztreln und Gegenstände des täglichen Bedarfs, insoweit die sn Grniide liegenden Tathandlungen nicht cuis .vuck-'erischer Bereichernngsabsickst oder doch grob eigennütziger Gesimiung ge­flossen sind.

b) Tie Slaatsauwaltschafien anz-moeisen, alle in dieser Richttmg 'noch, nicht rechtskräftig crledrgreii Verfahren und^ die 'Strafvoll^ streckimg bereits rechtskräftig erkannter Strafen bis zum Erlaß ber Arnnestte einzustellen.

c) Ferner bei den zuständigen militärischen Komniandostellen eine Amnestie wegen aller disziplinären und anderen militärischen Vergel-en -der dem hessischen Kontingent angehörigen Militär- persmien sowie die Aenderung der Bestimmungen des Beschwxrd?- vechts in dem Sinne zu besürioorteu, daß die Einlegung der Besämierde die Vollstreckung einer Strafe bis zur rechtskräftigen En tf che idii n g au f schie b t.

Dieser Antrag wird ohne Aussprach? einstimmig angenommen.

Jrn Na,neu k-es Verfasslmgsausschusses stellt Abg. Tr. Ste­phan weiter folgenden Antrag auf alsbaldige

Einsetzung eines S t a a t s r a t e s.

Wir beantragen, die-^Großh. Regicrrmg inöge bis zur end­gültigen Regelurig der schwebendes Fragen und mit Rücksicht ans die gegmwärtige Lage alsbald birken Sraatsrat berufen, zu dem di.' Zweite Kauuner 10 Mitglieder vorfchlägt.

Staatsniinistcr v. Ewald erklärt, daß die sosorttge Schaffung eines Staatsrates völlig im Sinne der gegenwärtigen Re^fierung sei. Er werde alsbald dem Großherzog darüber Vortrag erstatten und dafür sorgen, daß der Staatsrat alsbald berufen wird.

Ter Antrag wird gleichfalls ohne Aussprache einsttmmig an- gerrancuen und folgende Kannnermitzlieder auf Vorschlag de5 Aus­schusses durch Zur,rf gewählt: K ö h t c r , Dr. Osann, Kor e t l - Angevod, Tr. Werner, v. Brentano. Uebel, Ulrich, Tr. F u l d a ,, R e h , H e n r i ch.

Tiaranf ivird die Sitzung um 14/2 Uhr geschlossen. Nächste Sitzung Dienstag 10 Uhr.

MVchrrche N-achrrchtE

Gottesdicmst am Sonntag dm 10. lltovember (24. nach Trinitatis).

Evangelische Gemeinde.

In der S t a d t ki r che. 9y 2 : Pfr -Ass. Liz. Renning: 5: Pfr. Mähr. Mittwoch 13. Nov., abds. 8,: Kriegsbelst. Pfr.-2ffs. Eiden- müller. In der Johanneskirche. 91/2: Pfr. Llusfeld; 5: Pfr. Bechtolsheimer Kirchberg. Vorm. 10: Hl. 2tbendmahl f. Lollar. Lollar. Abds. 8.

riatholische Gemeinde.

6V2: Gel. z. hl. Beicht: 7: .Hl. Messe; 8: Aust. d. hl. Komm.; 9: Hochamt m. Pred.; 11: Hl. Messe m. Pred.: 4Vs: Jüngl.- Kongr.: 6: Christenl., dararrf And. Dienstag n. Freitag, abds. 8: .Kriegsbtttand. Samstag 16. Nov., nachm. 5 u. abds. 8: Gel. z. hl

Beicht. Tiaspora-Gottesdienst am Hungen 91/2.

10. Nov.: Grünberg 91/2,

Tetzls Aachrichtey.

Die Abdankung des Aahers.

Berlin, 9. Nov. (Amtlich.) Der Kaiser und König hat sich entschlossen, demThron zuentsagen.

Der Reichskanzler bleibt twch so lange im Amte, bis die mit der Abdanktlng des Kaisers und der Thronenv- sagung des K r 0 n p r i n z e n des Deutschen Reiches und von Preußen verbundenen Fragen geregelt sind. Er beabsichtigt, dem Regenten die Ernennung des Abgeordneten E b e r t zum Reichskanzler vorzuschlagen und die Vorlage eines Gesetzent­wurfes wegen der sofortigen Ausschreibung allgemeiner Wahlen für eine verfassunggebende deutsche Nationalversammlung vorzuschlagen, der es auch ob­liegt, di' künftige Staatssorm des deutschen Volkes einschließf- lich der Volksteile, die ihren Eintritt in die Reichsgrenzen wünschen, endgültig festzustellen.

Der Reichskanzler.

Prinz Max von Baden.

Die Lage in Berlin und im Reiche.

Berlin 9. Nov. Nach demBerl. Tgbl." war bis in die späten Abendstunden bei der Regierimg in Berlin eine Antwort des Kaisers nicht ein getroffen. Es zeigt sich, wie erschwerend bei allen Verhandlicngen bi? Alnvesenheit des Kaisers wirkt. Nicht crnsgeschlossen ist, daß der Kaiser den Wmrsch hat, das Eintreffen der Wasienstittstandsbediirgungm abzuwarten und seine Abdankung mit 5cm Hinweife auf diese Bedingungen zu begründ-en. Man hofft in Regiernngskreiscn, daß P r i n z M a x sein Rückttittsgesuch zu- rücknehmen werde, wenn der Kaiser sich zur Lkbdankung entschließt. Sollte der Prinz nicht bleiben wollm, so,würde das ganze Kabrnett mit ihm gehen und alsdann ein Kabinett mit dem sozialbemolrati- sck>en 2ll'geordneteu Ebert an der Spitze die wahrscheinlichste Lö­sung sein. . ^ ^

In Brauns ch we i g entsandte der Arbetter- Und Soloaten- rat -eine Deputation zum Herzog und legte ihm eine Ab­dank un gs!urkünde vor. Der Herzog zögerte nicht, sie zu unterzeichnen. .

Uebereinstimmend melden die Blätter, daß am gestrigen Tage in Berlin keiner!.ei Unruhen stattgefunden haben. Es wurden ver­einzelte Züge abgelassen. Auf den Straßen ging es lebh-^ster zu als sonst. Gegen abend rücktcm in.vielen Stadtgegeirden Züge Berliner und auswärtiger Regimenter auf Last­kraftwagen an, die in Ettst-oirtschrften u,rd in anderen Räumen a l a r m b er e i t n n t e r g e b r a ch t wurden. Die Brücken der in­nere,! Stadt, die Hochbahn und die Stadtbahn werden.militärisch bewacht. _

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gemacht wird. ,vie er schreiben soll. Zu diesem Zweck liest er eine Rührszene seines aus gepfiffenen Dramas vor, baß die -biederen Seelen in Tränen zerfließen und cs ihm gnädig gestattet wird, so weiter zu dichten, wie es das Gcinüt,^MM^hren Volkes verlangt.

Bei Thoma liegt die Wirkung nie so sehr in der Lnstsspiel- idee begründet, wie in der Einzelsituation und der plastischen Gestaltung der Bolkstppen. Ties ist auch hier der Fall and man 'muß wieder seine Helle Freude haben an Gestalten, ,oie dem Baumeister Korbinian Hnlar, .dem Metzgermeister Benno Sum- lmerer, dem Dichter Otto Haselwwtter und anderen. Tie Un­verwüstlichkeit dieser Gestalten zeigt sich auch daran, daß sie nicht einmal um ihre Wirkung kommen, wenn sie den baperischen Dialekt manchmal so spreck-en, toie Man sich etma das fließende Fran­zösisch der Frau PrivMier Xaver Schändet vorstellen ivird. Es ist auch für den Nichtbayern schier rmmögtich, Dialekt und Tonfall einwandfrei zn treffen. Ter dlnnäberungsarad an du murndartlick^e Echtheit ivar demnach sehr verschieden.

Am typischsten trat Karl Volck hervor als Occkonom in der Medaille" und mit vorzügssicker sck^ruspliele,isch?r Leistung als Korbinian Li über. Rudolf G o l l gefiel felyr als Privatier, brachte ab er den Landtags ab geordneten Lamhl noch treffender. Eine ffeu- dige Ueberraschumg verursachte Cnrt Lerch mit der Darstellung kes Metzgermeisters Sarmmcrer. Oskar Feige! fand sich mit der Rolle des Dichters Haselwanter anerkennenswert ab. Luise Delosea stellte mit Frau Smnmerer und Frau Ncusigl zwei sehr glücklich beobachtete Figuren. Hermine Wossidlo zeigte mit Frau Kranzeder sehr gesckiickt eine neue Seite ihres Talentes, Else A l l n e r als Metzgerstocktter und Tichtersgattin sagte weniger zn.Die Medaille" brachte außerdem noch eine Reihe sehr guter Typen!eisinngen, an denen die Herren Koch, Reppert, Sam­te r, Schaum und Tele'ky verdienstlichen Auteil hatten.

Tie Spielleitimg sämtlicher drei Stücke hatte Hofrat Hermann Stein go etter, der zunial in derMedaille" die Situations­komik durch geschickte Leitung zur vollen Ansivirkung brachte. 22

Die Vvrgcdn'Z>e in Darmstadl. ,

Da r m stadt, 9. Nov. (Trah^u.> In der vergangenen Nacht fanden hier, wie auch in anderen Städten Utintf/ it statt, di? aber keinerlei bedrohlichen Charatter annahmen. Solr-aten durchzöge,r ^ ie Stadt und entrissen den Offizieren die A.ch;el,lücke. Aus ücm ttuppenübungsplatz hat sich ein Soldatenrat gedilde:.^ Kanonen! und Maschinengewehre sind an verschiedenen Stellen der Scadt aufgefahren. Es kam auch zu Schießereien, ohne daß jemand verletzt wurde. Ter Verkehr ist ruhig. Während der Umzüge riefen Soldaten und Sozi.ldemolraten die Republik aus. Ein Redner betonte, Leben und Eigentum jedes Einzelnen w?rde g?s nu? . Ws iesem Grunde wurde auch das Palais, in dein sich der Großherzog befindet, umstellt. Das Gerücht, dem bftoßherzog sei ein- Ab- dani'nngsurkunde vorgelegt w-orden, scheint sich nicht zu bewahr­heiten. Die ganze Dew-egung ist ohne Organisation.

Die MiLiiärbeivegung in Frankfurt. . ^

Frankfurt a. M., 8. Nov. (Prio.-Tel.) Heuoben? fand hier ein großer Umzug statt. Soldaten und Zivilisten, denen eine rote Fahne vorangetragen wurve, bewegten sich vom hofsplatz durch die Hauptstraßen der Stadt zu den Gefängniffen, wo die Befreiung von (^efallgenen bewirk: wurde. Ter Solda­tenrat erließ einen Aufruf, in dem er die Prüder im Waffenrock darauf hinweist, daß sie in erster Linie berufen seien, das gcoße Werk der Erneuerung Deutschlands vor tückischen Anschlägen der Rückwärffer zu schützen, aber auch dafür bestimmt seien, Willkür, Unordnung und Plünderung zu wehren. Ter Soldatenrat hat die Bahnhöfe militärisch besetzt. Ter Zugverkehr von Frank­furt ist eingestellt. Ten ankommenden Soldaten und Off:- zieren werden die Waffen und die Achselstücke weggenommen uuH die Kokarden entfernt.

Die neue Zeit in Mecklenburg.

Schwerin 8. Nov. Tie Mecklenburgische Zeitung verbrei­tet nachstehendes Extrablatt: Heute nrittag 1 Uhr empfingen der Groß Herzog und das S t a a t s m i n i st e r ium Vertreter deS Arbeiter- und Soldatenrates. Ter Großherzog be­stimmte darauf:

1. Es soll sofort in Mecklenburg eine auf den Grundsätzen des parlamerltarischen Systems beruhigende Landesverfassung^ einge­führt werden, die eine Vertretung unseres Volkes durch eine auf? Grund des allgemeinen, gleichen, geheimen und unmittelbarem Wahlrechts gewählte .Kammer vorsieht.

2 Wir haben den Mitgliedern unseres Staatsministeriums auf ihre Bitte die Entlassung aus ihren Ae intern in Gnaden bewilligt.

3 Wir werden bald ein neues Ministerium bilden aus einer größeren Zahl von Angehörigen der in Mecklenburg vertretenen! Parteien der Linken des Reichstages.

Kundgebungen in Bremen.

Bremen, 8. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Gestern taub hier gegen 2 Uhr mittags unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung vcm Männern und Frauen sowie Militär, die bereits gestern begannt gegebeue große V 0 l k s v e r s a m nl l u n g auf kein' Spielplatz an der Nordstraß? statt. Tie Ruhe wurde nirgcndZ gestört. Um 2 Uhr bewegte sich ein gewaltiger Zug Demmrsttiereuder nach der inneren Stadt, dem MarkipilQH zu, wobei sich allgemein dasi Bestreben bemerkbar ma/Ee, die Ordnung uitter allen Um»cändcn aufrecht zu erhtttten. Tie -Lp-itze des Zuges eröffneten 60 bewaffnete Soldaten, denen eine Trommler- und PsMÄoMvagrrie und die Regimentskapelle, dann wieder Svldaien v-erschäedenster Regünen^ ter, sowie freigelassene Matrosen folgten. ^9dach, Schätzung^ der Wescrzeitnng" nahmen an dem Zuge ungefähr 30 000 Personen teil. Gegen 3 Uhr traf der Zug auf dem Mmcktplatz ein. Auf der Ballustrade des Ratt-auses wurden Partei fall/, cen ausoehängw Tlvrt versammelten sich auch die Mitglieder be£ Arbeiter- und Soldatenrates, ebenso die MusiKatpttle. Ms erster it>rad,i der Abgeordnete .Henke. Er sprach die Ueberzeuglung aus. daß sich die Bewegung, die au der Wasserkante eingesetzt habe, rasch ausbreiten werde. Henke schloß mit einem Hoch auf die Freihett, nachdem er die Abdankung der deutschen Fürstenhäuser als unbedingt not-vendig bezeichnet hatte. Nach ihm sprach der Soldat Wilhelm von: Sol­daten rat.

Eine Rebe Pichons im französischen Senat.

Paris, 7. Nov. (Havas.) Ter Saal und die öffenttichenj Tribünen waren überfüllt. Minister des Aeußern Pichon er-» klärte n. a.: Deutsche Unterhändler sind nach der fran­zösischen Front unterwegs, wo sie vom Marschall Fach, der von dem Marinevcrtreter Englands begleitet ist, die Waffenstillstandsbe- dingrrngen erfahren werden, um die Teutschland nachgesncht hat. Das ist, sagte Pichon, das Ergebnis des zerschmetternden Sieges der Mliierien seit vier Monaten an der Gesamtsront. tBeifall.) Das ist nicht der Preis dafür, cs ist ran: die Morgenröte, aber eine leuchtende Morgenröte, die der Welt für eine Stunde, die nicht nrehr fern sein kann, nach den finsteren Tagen, die wir in Blüh nnd Trümmern durchlebt haben. Tage der Wiedergutmachung^ Gerechttgkcit und Brüderlichkeit ankündigen. Tie Versammlung erhob sich von den Sitzen und bereitete Pichon eine Hnldigimg^

* . *

(WTB.) Großes Hauptquartier, 9. November. (Amtliche.) .

Westlicher Kriegsschauplatz.

Der auf dem Westufer der Schelde gelegene Teil von Tournay wrtrde von uns geräumt und von den Engländerir besetzt. Zwischen der Schelde und Oise und westlich der Maas haben wir unsere Linien planmäßig Mrückverl'egt. An ein- -elnen Stellen haben sich hierbei Nachhutkämpfe enttvickelr. Ter Feind hat in diesem Abfchmttt die Linie Peru ine lz lvew- lich von St. Guislaiu, westlich von Maubeuge, östlich Und südöstlich von Avesues erreicht, und ist westlich der Maos in Linie LiartWarby uno an die Maas westlich von Sedan gefolgt. Auf den jöftlichenMaashöhen finden Teilkämpfe statt.

Der Erste Generalquartienneister G r 0 e n e r.

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** Tie Garniso nkapel le konzertiert am Sonntag, den 10. November ll 1 /* Uhr,' Ost-Anlage, mit folgenden: Programm: Jnbel-Onvertt'ire, v. Ehr. Bach, Königslied, Sigrad Jorsauar, von Grieg, Fantasie a. Flotvws OperStradclla", voll Schreiner/ Fackel tanz Nr. 1 in B-Dnr, von Meyerbeer, Mt-Berlin-Marsch, von Fr. v. Blon.

Amtlicher Teil.

die

sind wc^cwr Nebenkarte

Bekanntmachung!

Dem Abraham Kränker in Steinback, ist 1 wegen Unzuverlässigkeit Ausweiskarle auf drei Monate e:ngezogen lvorden.

Tie Ausweiskarten der nachslel-anden Viehhäkwler Unznverlässi gkttt auf dauermd eingezogen worden:

Hermann Ziegelstein, Treis a. d. Lda., mit der für Jeisel Ziegelstein, Treis a. d. Lda.,

David Wetterhahm, Utphe,

Jvseph Strauß, Oberffeemen,

Otto Tchnß, Gießen,

Samuel Samuel. Bc.dNaul>eiin,

Louis Stern, Rodhnm v. d. H., .

Mever Schwab, Grebenau,

Nathan Sttauß. Schlitz.

Wir warnen dah?r. an diese Händler künftig Nutz- und Zuchtvieh oder Schlach'.vieb zu verlaufen. Znwiderhandlrmgen si'id strafbar nach ^ 7 der Blttamrtmackning Gvoßh. Minisdrinms des Innern, betrcsselld Reglung der Besc!'.afftmg, des Absatzlos und der Preise von lebendem Vieh vom 24. Januar 1916 mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe bis zu 1500 Mark.

Gießen, den 7. dkovember 1918. 85936

Oberhes?iicher Viehhandelsverband.

Der Vorsitzende:

, Pwf. Rosenberg.