Nr. 2^6 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 19. Oktober 1918. Beschränkungen de» Postvertehr» mit dem -luSlande.
Tie Gxfafcimgen haben geleljrt, daß die feindlichen Agenten, die fick, mxl^ zahlreich in Deutschland ausl>altei:, besm:ders Ansichtskarten und Photoglraplsien sowie Druckschriften verwendet l)a- bcn, inn ihre cpdrcimcn dtaäxriclxden. in das Ausland gelangen zu lassen. Es hat sich deshalb als nottveiidig erwiesen, den Versand van Ansichtskarten auf auf gezogenen Pl-owgrcchl-ien irach dein Auslande und Icrt beseiten Gebieten zu unterbinden und von der Verseichung dortlftn auch Druckschriften auszu schließen. soweit sic nicht von Finnen aufgeUefert werden, die au der Beförderung solcher Truckscbiriften ein gewerbliches Ficke reise haben urrd zur Auflieser::ng besonders zugelassen sind. Aus den Gegenstand, den die Ansichtskarten und Photogr-aplnen darstellen, und mrf den In- Txilt dw Trucksäzsriften kommt es dabei nicht an. Zeitschriften jed- wcden Inhalts sind von den feindlichen Agenten zur geheimen ddaeliriclitenirbermittlung benutzt worden, und gerade aus und in Ansichtskarten nrit ganzharmbosen Darstellungen haben sich geheime Meldungm befunden. Wem eine Ansichtskarte, eine Photographie, oder eine Druckschrift, die er in das dlusland abgesandt l-at, zurück- c^-geben oder nicht befördert wird, sehe darin nickK ein gegen ttjrt gerichtetes Mißtrauen, sondern mack>e sich klar, daß es sich um eine in dieser ernsten Zeit im Interesse der Reichsverteidigung notiven- dige allgemeine MnvrLnrung l-curdelt, von der zu seinen E>unsten keine Ausnal/me gemacht werden kann. Andere kriegftihrende Staaten sind in der Beschränkung des Postiverkehrs viel weiter gegangen als Deutschland.
Tie Schwierigkeiten, die die Ueberwachung des Pvstv er kehrs bereitet und die infolge des immer komplizierter arbeitenden feindlichen Nachrichtendienstes immer großer geworden sind, liaben ferner zu folgenden Bestimmungen geführt: 1. Briefe und Postkarten nach dem Auslände, aus denen nicht der Bor- und Zuname des Msender^ und sein Wolmort nebst Straße und Hausnummer in deutlicher Schrift angegeben sind, norden nicht befördert;
2. bei Briefen nach dein neutralen Ausland dürfen keine gefütterten . Brresirmschtlägie vertvendet werden: 3. Privatbriese nach dem neutralen Ausland können wegen zu großen Umsangs der Mitteilungen von .der Beförderung ausgeschlossen werden: 4. Briefe nach dem neutralen Anslande, die unlesbar sind, werden als unzulässig zurückgewiesen. Auch allgemein verständliche Ausdrucks- Weise ist unbedingt erforderlich Andeutungen, die für die lieber- wachmrgs stellen nicht verständlich fiitt>, führen zur Anhaltung. Wer.gegen diese Vorschriften verstößt, darf sich nicht beschweren, wenn seine Sendungen nicht befördert werden. Unbegründete Beschverden .können nrcht beantlvvrtet werden. Wichtigere Aufgaben der Uebernmchungsovgane würden darunter leiden. Zm Rahmen des Zulässigen befleißige sich jeder möglichst knapper, klarer und einfacker ?li:sdruckÄveise. Er erleichtert dadurch die Ueberwachung' und dient damit dem Daterlande.
Weihnachten 1918.
** Weih nachtsliebesg oben. Das Rote Kreuz schreibt: lieber die Versorgung unserer nun schon im fünften Kriegsjahrs tapfer die freim-at schützenden Truppen mit Weihnachtsliebesgaben srdht nickt überall die 'wünschenswerte volle Klarheit. Es sei darum das folgende mitgeleilt: Damit in der Tat kein Mann olpre Weihnachtsgeschenk bleibt, hat das Kriegs Ministerium' ange- ordnet: ,Leder Korpsbezirk bringt die Liebesgaben für alle Truppenteile und Formationen ohne Rücksi-cA aus Staatsangehörigkeit der ein geteilten Mannschaften auf, die in dem Korpsbezirk ihren Ersatztruppenteil haben." Sonach wcrdetn alle .Hessen in nicht- hessisck^n Truppen vom Roten Kreuz des zuständigen Bundesstaates mit Weihnachtsgaben beacht iverden. Uns liegt ob, alle Hessen und Nichthessen, die bei hessischen Regimentern dienen, zu beschenken. Die vielfach übliche Absendung von Ortspaketen einzelner Gameinden kann uns von dieser unserer schönen Pflicht nicht entbinden. Fm Bereiche des 18. Armeekorps wird das Großherzvg- tum Hessen eine bestimmte Anzahl von Soldaten an Weihnachten chit Gaben im Werte von etwa 6 Mark für jeden einzelnen Mann bedenken. Sollte ein Zweigverein des Roten Kreuzes oder eine Gemeinde nicht die erforderliche Anzahl von Meihnachtsgaben aufbringen, s-o würde das zur beklagenswerten Folge haben, daß l^esftsche Truppenteile ohne Bescheerung blieben. Wer auch nur ein bißchen Tantbarkeit für unsere braven Soldaten empfindet, wird alles tun, daß dieser Fall nicht eintritt. — Wenn diese Aufklärung überall das richtige Verständnis findet, darf sicher ang>, nommen werden, daß auch am Weihnachtssest 1918 unsere sämtlichen Truppen Liebesgaben erhalten. Darum trage jeder, was an ihm liegt, dazu bei!
**WeihnachtspaketverkehrnachdernFelde. Um die über die Militärpatttämter zu leitenden Weihnachts- Pakete für die Truppen im Felde möglichst bis zum Feste ihren Empfängern zusühren zu können, müssen sie bis 2. Dezember d. I. aufgeliefert sein. In der Zeit vom 8. bis 25. Dezember d. I. werden Pakete für das Feld zur Beförderung nicht angenommen. Wegen der schwierigen Beförderungs- Verhältnisse nach den entfernter gelegenen Gebieten wird jedoch die Auflieferung von Paketen dahin bis zu den nachstehend angegebenen T-agen empfohlen: Nach der Türkei und dem Kaukasus bis 20. Oktober d. I. Nach Rumänien und Italien bis 10. November d. I. Nach Finnland bis 20. November d. I. Für Frachtstücke werden dieselben Aufgabe- termine empfohlen, dwch tritt für sie die Annahnresperre ab
3. Dezember nicht ein. Der Päckchenverkehr wird durch vorstehende Anordnung nicht berührt.
** Weihnachten ohne Christbaumkerzen. Weihnachten muß Heuer ohne Christbaumkerzen gefeiert werden. Der Verband Deutscher Wachswarenfabrikanten, Geschäftsstelle München, versendet an seine Mitglieder ein Rundschreiben, in dem es u. a. heißt: „Die Anfertigung von Weihnachtslichtern ist in diesem Jahre verboten. Grund hierfür ist die außerordentliche Knappheit in Paraffin. Die Produktion entspricht schon längere Zeit nicht dem Bedarf. Da außerdem wesentlich weniger Petroleum zur Verteilung kommt, als im vorigen Jahre, ist das Verlangen nach Kerzen ein weitaus größeres. Es wird also, soweit nicht noch Reste von früheren Jahren vorhanden, ohne brennenden Christbaum gehen müssen und alle werden auch dieses gewiß kleine Opfer gerne bringen." — Alle Familien, die nicht in der Lage sind, sich hintenherum Kerzen zu verschaffen, werden gern mit einem Lichtstümpfchen an der Spitze des Weihnachtsbaumes zufrieden sein, wenn dieses Lichtlein friedlichere Zeiten erhellt.
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** Gemeinde st euerrückstände. Unter den heutigen amtlichen Bekanntmachungen der Stadt Gießen befindet sich mich die Mahnimg des 3. Zieles Gemeindesteuern und Kanalgebühren für das Rj. 1918. Die Zahlung kann bei der Stadtkasse, im Bank- und Postscheckverkehr raxfr bis einschließlich 2. November 1918 ahne Kosten erfolgen. Nach Ablauf dieser Frist beginnt die Beitreibung, wobei die Pfändungskosten erhoben werden.
** Da s Rote Kreuz teilt mit, daß zur Kohlen- Und LEersparnis vom 21. Oktober ab die Nackmrcktags-Sprechstunden sämtlicher Abteilrmgen aus 3*/2—4V2 Uhr festgesetzt sind.
** Ablieferung der beschlagnahmten Kaninchen-, Hasen- und Katzenfelle. Tie allgemeine Rohstoss- knapvheit und der stark gesteigerte Bedarf unseres Heeres und der Marine an Leder und Pelzen hatte zur Folge, daß obcn-i genannte Felle beschlagnahmt wurden. Die Zuchtvereine wurden gezwungen, Sammelstcllen einzurichten. Auch der hiesige Kaninchenzuchtvcrein ist diaser Pflicht nack)gekommen. Die errichtete Sammelstelle wurde Herrn Gustav Kvch, Weserstraße 20 übertragen. Zur Beoucmlichkeit der Züchter wurden roeitere Sammelstellen den Herren Rudolf Rüdiger, Walltorsttaßc 35, Karl
Samstag. p. Oktober M
i"afür ein ßrfö3 von 1140,23 Mk. an die Züchter zur Auszahlung gebracht. Tie im April vorgenommene Kaninchenzählung bei den Acitglredern des hiesigen Kaninchenzuchtrereins ergab 2576 gezüchtete Tiere. Rechnet man die von Nichtmitgliedern gezüclsteten ^biere dazu so werde:: die in Gießen gezüchteten Tiere 5000 Stück bqrt öveckem übersteigen. Tie Zahl der abgelieserten Felle läßt vermuten, daß noch nicht alle Felle abgeliefert werden. Dies darf mcht sem. Ern jeder Züchter, welcher ein Fell verderben läßt, schädigt sich nur selbst. Er erfüll auch seine Pflicht gegen das Vater!aiid nicht. Wenn es sich ckuch bei dem einzelnen Fell nur um dtten geringen Wert handelt, so muß doch ein jeder beherzigen, daß viel Wenig ein Viel machen. Bei den hohen Futtermitlelpreiscn ist die augenblickliche Festsetzung der Höckfttpreise für Felle zu nwdrig, sie entspricht nicht dem Wert der Gestehungskosten. Ter Kauiucheuzuchtverein tritt aufs kräftigste für eine Erhöhung der Höchstpreise ein. Diese Bnnühungen können nur dann vollen Erfolg haben, ivenn alle anfallenden Felle den Sammelstellen zugeführt tverden. Vielfach steht das Publikum auf dem Standpunkt, daß die Gewiiine. welche der Kriegsseklaktieffgesellschaft ans dem Erlös der Felle zufließen, für die Mtionäre verwandt iverdcn. Diese Auffassung ist falsch. Der Gewinn fließt der Reichskasse zu und wird zur Hebrrng und Förderung der Kaninchenzucht verwandt. So wurden
Aii die Verteilung der Gelder haben alle hessischen Züchter Ühü spruch, gleichviel, ob sie einem Zuchtvcrein angehören oder nicht.
Zn der Stunde der Hot zeigt e$ sich, was der einzelne und wa§ ein voll wert ist!
Anträge nehmen die Sammelstellen entgegen. Für Mitglieder der Kaninchenzuchtvereine stellt die Kriegs ellaktiengesellschaft einen Posten leichte, zu Pelz gegerbte Felle als Kätteschutz zum Preise von 1,35 Mk. das Stück zur Verfügung. Einträge l/ierzu müssen bis 25 .d. M. beim Vorsitzenden Rud. Rüdiger, Walltvrsttaße 35 gestellt werden. 4lus vorstehendem mögen alle Züchter ersehen, 'wie wichtig es ist, daß ein jedes gell abgeliefert wird. Bttrtblättcr, welche die Behandlung der Felle, sowie die .Höchstpreise bekanntgeben, sowie Fellspcmner sind in den gewmnten Sammelstellen zu haben.
** Beschlagnahme von rohen Häuten. Am 19. Oktober 1918 treten drei neue Bekaimtmachungen über Haute und Leder in Kraft. Dupch die Nachtragsbekamrtmachung Nr. 1^. 111/10. 18. K. R. A. wild die Bekanntmachung vom 20. Oktober 1917 Nr. L. 111/7. 17. K. R. A., betreffend Beschlagnahme und Metdelfflicht von rohen Gwßvieyhäuten.und Roßhäulen, abgeäw- dert. In der alten Bekanntmachung ist tvotz^ der Beschlagmahn« die Veräußerung der Häute gestattet, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Zu diesen Bedingungen gehört die Pflicht, bestimmte Bücher zu führen, die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die Häute nicht über einen festgesetzten örtlichen Bezirk hinaus gelangen, und die Pflicht, bestimmte Fristen für die BeweMng der Ware einzuhalten. Einzekhetten dieser Bedingungen sind durch die Nachttags- bctanntmackKmg abgeändert worden. Eine erhebliche Rechtsänderuny liegt in.der Aufhebung der EAanbnis, für Landwirte aus deren eigenen Haus- .und Notschllackchungen stammende Häute in beschränktem Umfange in Lohn zu gerben. An die Stelle dieser Vor- sck-rift stürd eine besondere Zuteilung von Leder für Landwirte treten. Wahrend über diese Zuteilu-ng m der Nachtragsbekannt- machung keine Bestimmungen getroffen sind, enthält sie, neben den auf die Lol-ngerbrrng bezüglich^ Uebergangsbestimmungen, Vorschriften über die Zuteilung von Häuten und Fellen an diejenigen Gerbereien, die bisher von Landwirten Häute zur Lahor-- gerbung annchmen durften, ohrre sonst Häute zu gestellt zu erbalten. Ferner wird eine z'weite Nachtragsbekanntmachung Nr. 1^. 888/10. 18. K. R. A. zu der Bekanntmachirng Nr. L. 888/7. 17. K. R. A. vom 20. Okt. 1917, betreffend Höchstpreise und Beschlagnahme von Leder, erlassen. In dieser wird bestimmt, daß sämtlickx Lederabfälle von mm ab nicht mehr von dieser BeÄrrmtmachrrng betroffen tver- den. Für Lederabfälle tritt vielnrehr die nachstehend an dritter Stelle zu besprechende Bekanntmachung in Kraft. Durch die Nach- tragsMkanntmoch'.mg sind weiter die Höchstpreise für Leder teilweise abgeändert. Auch ist vorgeschrieben, daß der Höchstpreis nur 90 v. H. des sonst in Frage kommrrchen Höchstpreises bettägt, wenn das Leder nicht in genau ange-gebener Art unvorloschlich durch Stempeldruck oder Schrift mit der Firma des Lederherstellcrs und anderen Kennz^eichmmgien verseilen ist. Tie dritte Dekanntmachmg Nr. L. 999/10. 18. K. R. A schlließlich betrifft sämtliche Lederal^ fälle außer den Abfällen von Ledertreibriemen und den AltlederaL- sällen. Die bettoffenen Msalle werden beschagnahntt nrit Ausnahme der in dem "Betrieb der Heeres- und Marineverwaltung und in den dem Ueberwack^mgsansschuß für Sckiuhindustrie unterstellten Schirhsabriken anfallenden Mfälle. Trotz der BeschlagnalMe ist in gewissem Umfange die Veränderung und Verfügung erlaubt. Für die Abfälle, die nicht mnerlxalb einer bestimmten Frist veräußert oder der Ersatzsohlen-Gesellschast zum Höchstpreise angeboren snid, besteht eine Meldepflicht. Ferner werden Höchstpreis für sortierte und unsortierte Lederabsälle festgesetzt. Diese gelten nur für den Verkauf bis zur Mieferung der Gegenstände an die Ersatzsohl en-Gesellschast, Kriegsleder-Aktiengesellschaft oder Riemen-Freigabe-Stelle. Alle Besitzer der von .den Höchstpreisen bettosfenen Lederabsälle sind aus Grund der in der Bekmnrtmachung enthaltenen Aufforderung verpflichtet, diese auf Verlangen bestimmter Stellen zu den festgesetzten Höchstpreisen zu verkaufen. Der Wortlaut der drei 'Vekanntniachungen ist in der heutigen Nummer des Gießener Anzeigers einzusehen. ‘
**. Schwarz-Weiß-Licht spiele, Seltersweg 81. 9lb heute bis in kl. Montag wirkt Hedda Vernon in ihrem ersten Fklm- werk der Serie 1918/19, betitelt „Wo ein Wille, ist ein Weg^h Es handelt sich um ein Liebes- und Gesellschaftsdrama aus dem Leben einer Hvchstaplerin. Für den.heiteren Teil steht das z'ivei- aktige Lustspiel „Leberechits Vertretung^' mit Rolf Brunner u-nd Saci von Blonde! aus dem SpiÄplan.
Vermischtes.
* Karlsruhe, 17. Okt. (Priv-Tel.) Im Kriegslazarett Karlsruhe ist gestern der 18jährige Sohn des Staatssekretärs Erzberger an der Grippe gestorben.
Zeichnet 9. Kriegsanleihe
• bei der
Bank für Handel und Industrie
ä ' Niederlassung Gießen
in (Ziehen. Johannesstr, 1 •» 5cJce enw.eg
Letzte 2t<rchrichten.
Dev neueste Bericht -er Heeresleitung
(WTB.) Großes Hauptquartier, 19. Okwber. (Amtlich.)
W e st l i ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.
Zwischen Brügge und der Lys wiesen mir mclttsache feindliche Angriffe ab. Nordöstlich von Kortrik warfen wir Teile des Gegners, die sich seit den letzten Kümpfen noch auf dem Ostufcr der Lps hielte, über den Fluß zurück. Südwestlich von Kortrik wurden ttedn-gangsversuche vereitelt. Oest- lich von Lille und Douai war der Feind gestern bis zur Linie Ascg—Templerive—Flisnes—Marguette gefolgt.
Zwischen Le Chateau utw der Oise dauertet! die heftigen Angriffe des Gegners an. Südöstlich von Le Clia-elm drang er bis Bazuel im Walde von Andigny, bis an den Südrand von Waffigny vor. An der übrigen breiten Angriffsfront ist der Angriff des Feirtdes vor und in unseren vordersten Linien gescheitert. Va.zuel wurde im Sturm wieder gerwmmen. Die bei und südlich von Aisonville kämpfenden Truppen schlugen muh gestern alle Angriffe des Feindes ab. An der Oise sind bei und nördlich von Origny erneute Angriffe des Feindes gesäfeitert. '
An der Aisne setzte der Feind seine Angriffe bei Olizy und Grandpre fort und dehnte sie über Vouzieres nach Norden bis Voncg aus. Bei Bandy und bei Falasie fußte er auf dem öftlicl?en Aisneufer Fuß. Seine Versuche, unter starkem Fmerschutz auf den Höhen östliche der Aisne weiter vorzudringen, wurden durch Gegenstoß vereitelt. Zwischen Olich urrd Grandpre sind erneute Angriffe französischer und anrcrv- kanischer Ditnsionen vor unseren Linien gescheitert. Beiderseits der Maus verlief der Tug bei Störarngsfeuer und kleine ren Jnfanteriegefeckilen.
Der Erste Generalguartiermeister Ludrndorfs.
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Die Festigkeit der deutschen Front.
Berlin, 18. Ott. (WTB. Mchtauttlich.) Ter Funkspruch Carnavon vom 16. Ottvber sieht sich ganötigt, der falschen Auslegung des planmäßigen deutschen Mickzuges in den Ententeländern selbst entgegenzutteten, indem er erklärt, daß der Z u - sammenbruch der militärischen Kräfte im Westen noch nicht sichtbar ist.
Ein englisches Zeugnis über die Tapferkeit deutscher Truppen.
Berlin, 18. Okt. „Westminstcr Gazette" vom 10. Oktober bringt folgende Mitteilung: Ich hatte Gelegenheit, mit Soldaten zu sprechen, die an den letzten Kämpfen teilgenommm haben^ Sie widersprechen der verbreiteten Vorstellung, daß die deutschen Heerd demoralisiert seien, und sagen, daß die Kämpfe um Cambrai höchst erbittert waren und daß die Deutschen im allgemeinen großen Mut und Entschlossenheit zeigten! Allerdings wurde eine Anzahl von Gefangenen ^macht, aber nicht mehr als bei früheren Offensiver: m:f beiden Seiten, mrd daher! kanrr dies nicht als Beweis betrachtet werden, daß die deutsche Heeresorganisation im Begriff ist, zusammenzulirechen. Es ist gut, das sestzustellen als Warnung vor unangebrachtem Optimis- nius in bezug aus ein nahes Kriegsende. Es ist nicht die dlttinung der Soldaten, daß die Deutschen weniger erbittert kämpfen werden^ je mehr sie aus ihr eigenes Land zurückgedrängt werden.
Die Zerstörungen in französischen Städten.
Berlin, (18. Okt. (WTB. Nöchblrm'tlich.) ^Fn V^rlen- ciennes haben nachsweislich eine größere Anzahü Einwohner ihre Wohnungseinrichttungen vor ihrem ^Abzuge mutwillig zerstört. Ferner ist es wiedevhott vorgM»nrmen, daß in den von den Deutschen geräumten Städten und Ortschattm unsaubere Elemente die Uebergangszert vom Abzug der deutschen Haupt- kräste bis zum Evrtteffen der Errtentetruppen zu Plünderungen mW Zerstörungen bemcht haben.
Berlin, 18. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Tie Borstädte von Lille: Lamme, Lambresart, St. Ardve und Madeleine lagen am 16. Oktober wiederrmr unter englischem Feuer. Tourcoinjg wurde am 13. Oktober erstmalig von dem Gegner besiivssen. Douai und Douain waren weiter das Ziel feindlicher Granaten.^ Im Mschnitt Dttmteorniet-Rocoy richtete der Franzose zum ersten Male sein Feuer aus rückwärtige, bisher urrversehrte Ortschaften.
Kundgebungen in Italien.
Berlin, 18. Olt. (WTB. Nichtamttich.) Die Ausirahme deZ deutschen Friedensangebots von der Entente hat im italienischen Volke augenscheinlich starke Erregung hervorgeruj'en, denn der Fimffpruck^ aus Rom vom 16. Oktober sieht sich veranlaßt, ausdrücklich zu betonen, daß im Lande Ruhe herrsche. Er gibt jedoch zu, daß Tenvmsttattonen in gewiffen Städten stattsanden.
Eine falsche Behauptung des „Vonvärts".
Berlin, 18. Ott. (WTB. Mchtamtl.) Das Kriegsernäh- rungsamt teilt mit: In einem im „Vorwärts" veröffentlichtes Aufruf des Vorstarides der sozialdemokvatischen Parte: heißt es: Es mehrei: sich die Anzeichen dafür, daß agrarische Kreise» durch die Zurückhaltung der Lebensmittel die Schwierigkeiten der neuen Regierung erhöhm wollen. Dem Kriegs^ ernälmmgÄrmt sowie den ihm unterstellten Stellen und Behörden sind derartige Anzeickun nicht bekcnmt. Es muß vielmehr fesllgestellt werden, daß die Anlieferungen an Brotgetteide bis 17. Oktober trotz verspäteter und erschwerter Ernte diejenigen bis zum gleichen Tage des Vorjahres um 695 484 Tonnen übertteffen irnd daß an Kartoffeln von seiten der Landwirte den Mnahmestellen) erheblich größere Mengen zur Verfügung gestellt sind, als nach Lage der Transportmittel zur Zeit in die Städte abgerollt werden köimen.
Die Grippe.
München, 18. Ott. (WTB.) Die Grippe-Epidemie breitet sich in München immer weiter aus. Tie Zahl der Gesamterkran ttmgen wird auf 25 000 bis 30 000 geschitzt. Tie Zahl der erki'Mrkten Volksschüler ist aus etwa 7000 gestiegen. Infolge dieser Masse::erkranttcngien der Schüler beschloß die lokale Schulkommission im Einvernehmen nrit dem Gesinchheitsantt und der Polizeidivettion die MünckMer Volksschulen und die in diesen Gebäuden unterg«brachtten Fortbildungsschulen, Kindergärten und Kinderhorte ab Montag, den 21. Oktober auf 8 Tage zu sMießen.
* Berlin, 19. Okt. Laut B. T.-Meldung aus Genf scheint die Grippe in Paris nach Blättermeldungen einen bedenklichen Umfang anzUnehrnen. Nach der amtlichen Statistik konstatiert man in der französischen Hauptstadt 700 Erkrankungen täglich. Die Zahl der Todesfälle beläuft sich in letzter Woche auf 1440. Der Mangel an Medikamenten, besonders an Chinin, ruft, wie der „Temps" meldet, große Beunruhigung hervor.
Eine große Explosion in Frankreich.
Bern, 17. Ott. .(WTB.) In Benissicux bei Lyon fanb errre Explosion statt, die, den Lyoner Zeitungen zufolge, außerordentlich schwer war. Sie wurde in ganz Lyon außerordent-« lich stark verspürt. In Lyon herrscht große Erregung. Tie Explosion verursachte wesentlichen Sachschaden in der Stadt. Im Stadt- ze::tt::m tvurdcn sämlliche Schaufenster eingcdrüctt. In den Ve- nessieux nächstliegmden Stadtvierteln ist die Mehrzahl der Fabriken schwer beschädigt, vor allem die dlutomobilsabrik Berliet, die auge::bl:cklich Tanks fabriziert, und die Ottanatenfabrik Elec- ttode. Die umliegenden Ortschafte:: von Venessieux wurden geräumt. Während der ^ersten Stunden nach der Explosion sowie während des gmrzen gesttigen Tages stand man unter dem Ei:r- drnck einer mmnterbrochenen Kanmmde. Venessieux solbst ist vollkommen zerstört. Tie Zahl.der Berioundeten soll außergenwhnlich groß sein, wähicnrd Todesopf^ nicht zu bettagcn sind. Rach der ersten Explosiv:: wann die Llpotheken von Leute:: überfüllt, die sich Nolverbände entlegen ließen.


