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Nr. 245

Erstes Blatt

*68. Jahrgang

Zreitag. 18 . Moder M

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General-Anzeiger für Oderhessen

Ein neuer grotzer Vurchbruchsversuch der Feinde gescheitert.

Neuausbau Oesterreich» und Ungarns.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 17. Oktober. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Nupprechl.

Auf dem Kampffrlde nahmen wir unsere Front in die Linien östlich von TorhoutKvolskampJngelmünfter, im Anschluß lfieran hinter die Lys zurück. Nach stärkstem Feuer auf das geräumte Gelände fühlte der Feind an unsere neuen Stellungen heran. Bewerseits von Kvolskamp griff er sie mit starken Kräften bei Torhout und Jngelmunster in Teil­vorstößen an. Auch gegen die Ll>sfront bis Kortrik und Menen fichrte er heftige Angriffe. Der Feind wurde über­all abgewiefen. Gegen unsere neue Front zwischen Lille und Douai ist der Feind gestern bis in die Linie CapinghenAl- lenesLe MariasCarvinOignies gefolgt. Am Selle- Abschnitt drang der Gegner bei Hausiy in unsere Linien ein. Radfahrer-Bataillone warfen den Feind im Gegenangriff zurück und nahmen die alte Stellung wieder.

Die Beschießung der Stadt Denain durch englische Ar­tillerie hält an und Hat weitere Opfer unter den französischen Einwohnern und Flüchtlingen erchrdert.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

An der Aisneftont zeitweilig Artiüeriekäm-se. Erneute Angriffe der Franzosen nördlich von Origny wurden abge­wiesen. An der Aisne und an der Arre scheiterten starke französische Angriffe vor unseren neuen Linien westlich von Graubpre.

Heeresgruppe Gallwitz.

Oeftlich der Aire wurden amerikanische Angriffe, deren Hauptstoß sich gegen Champiüanenües und Landres richtete, abaewiesen. Beide Orte wurden gehalten. Die Höhen süd­östlich von LandreS blieben nach wechselvoüen Kämpfen in Feiu-reShand, auch aas dem Ostuser der Maos scheiterten er­neute Angriffe des Feindes. Bei Abwehr des westlich von Flabas mit Panzerwagen vordringendrn Gegners zeichnete sich die erste Landwehr-Division besonders aus.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Dar unserer neuen Front zwischen Jagodina und Nisch hat der Feind die Linie westlich AloravaCrusovacAlek- sinac erreicht. Teilangriffe, die er aus dieser Linie heraus führte, wurden abgewiesen.

Der Erste Generalauartiermeister Ludendorff.

Staatssekretär Bauer über die Rriegsanleihe

Es komme, wie es wolle, die Rriegs- anleihe ist gesichert, dafür wird Reichs tag und Regierung sorgen. , m

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Der Abendbericht.

Berlin, 17. Ott., abends. (WTB. Amtlich.)

Zwischen Le Ca teau und der O ise hat der Feind er neut auf mehc als 35 Kilometer breiter Front angegriffen. Der mit großen Mitteln angesetzte Durchbruchsversuch wurde vereitelt. Seine Angriffe sind teils vor unseren Linien gescheitert, teils fingen wir sie vor unseren Artillerie stellungen auf.

In Flandern, an der Aisne und Marne nur örtliche Kümpfe.

*

Der Ssterreichisch-ungarische Tagesbericht.

W i e n, 17. Oktober. (WTB.) Amtlich wird verlautbart

In den Sieben Gemeinden wurden italieni­sche Erkundungsvorstöhe zurückgewiesen.

In A lb a n ie n spielten sich nördlich von Tirana Nach- hutkänrpse ab. Die Serben sind bis westlich Morawa vor­gerückt. Ihre Angriffe östlich von Krusevac wurden ab­geschlagen.

Der Chef des Generalstabs.

In der verbündeten Donaumonarchie hat sich gestern ein Umschwung vollzogen, der noch weittragender ist als die Umkehrung der Regierungsverhältnisse in Deutschland. In einem Erlasse an seine Böller verkündet Kaiser Karl, daß

Oesterreich zu einem Bundesstaat werden soll,in dem jeder Volksstamm auf seinem Siedelungsgebiete sein eigenes, staat- iches Gemeinwesen bildet". Es handelt sich um vier Sonder- 'taaten: einen deutsch-österreichischen, den tschechisck-en, einen slawrfchirn und ern-eir rumänischen Staat.* * Biel schwerwie­gende Fragen und Zrveifel bleiben bei dieser eiligen Neuord­nung noch ungelöst. Wer erhält das böhmische Gebiet? Es heißt, es solle Deutsch-Oesterreich zugeschlagen werden, wo­mit natürlich die Tschechen wieder nicht einverstanden sind. Auch die übrigen Teilungen werden große Schwierigkeiten machen. Welcher Art die Reichsgewalt sein soll, die den ..Schutz der gemeinsamen Interessen" übernimmt, und ob der Drang nach Gemeinsamkeit dieser neu gebildeten Einzelstaaten noch siegreich durchdringt, das sind Fragen, die sich nicht leicht beantworten lassen. Jedenfalls hat das alte Reich der Habsburger aufgehört zu bestehen. Unaarn macht sich ebenfalls unter der Personalunion völlig selbstän­dig. Wie in Ungarn die Tendenzen auseinandergehen, zeigt der Verlauf der letzten Sitzung des Abgeordnetenhauses, wo die Gruppe um Karvlyi offen ihr Freundschaftsverhältnis zik der Entente bekundete! Die Kroaten, die einen selbständi­gen südslawischen Staat wollen, hatten sich von der Sitzung garrz ferngehalten.

So viel steht fest, für die Fortsetzung unseres Vertei­digungskrieges haben wir von unseren bisherigen Bundes­genossen kaum noch irgendetwas zu erwarten, Deutschland ist auf sich selbst gestellt. Freilich hat es dann im wesent­lichen auch nur er n e Front zu verteidigen, denn es wird den Italienern schwerlich einfallen, gegen uns Deutsche weiterznkülnpfen, wenn ihnen die Erreichung ihrer beson­deren Kriegsziele verbürgt erscheint.

Japan- auswärtige Politik.

Tokio, 17. Okt. (Reuter.) Ter Minister des Aeußern, To- hida, sagte in einem Interview mit einem Reuter-Vertreter: Tie auswärtige Politik Japans ist fcstgelegt. AeUderungert der Verwaltung schließen keine Aenderungen der Politik oder der Grundsätze des Verhaltens zn Freimd und Feind ein. Tie Aeuße- rungen des Präsidenten Wilson finden besonderen Widerhall inj unserem Volke, und Japan ist so loyal gegenüber dem großen durch den Krieg geschaffenen Bündnis wie gegenüber dem englisch- japanischen Bünhnis, das Japan nach wie vor als den Eckstein seiner auswärtigen Politik betrachtet. Wir haben uns alle jetzt enger als jenmls durch die gemeinsame Verpflichtung ver­bunden, die Plünderung Rußlands zu verhüten, das in der Stunde der Schiväche betrogen wurde. Unser großer Nachbar Rußland ist nicht illoyal, und nur als illoyal angesehen, weil der Versuch unternommen wurde, Rußland des Namens zu berauben, den es in der Vergangenheit stolz getragen hat. Die ehrenhaften Leute in} Rußland müssen in den Besitz ihres Erbes kommen und müssen darin von den Nationen unterstützt werden, die sich Verbundes haben, Rußland mit vereintem Rat und Tat und einer Loyalität zu helfen, die keinen Vorteil sucht, der nLht von ihren Verbün­deten geteilt wird.

Die Umwandlung Gesterreichr in einen vunderstaat.

Kaiser Karl an seine Völker.

Wien, 17. Okt. (WTB.) Eine Sonderm^gabe derWiener Zeitung" veröffentlicht folgendes kaiserliche Manifest:

An meine getreuen österreichischen Völker!

Seitdem ich den Thron bestiegen habe, ist es mein unent* wegtes Bestreben, allen meinen Völkern den effehnten Frieden zu erringen sowie den Völkern Oesterreichs die" Bahnen zu weisen, ans denen sie die straft ihres Bolkstuins unbehindert durch Hemm­nisse mtb Reibungen zur siegreichen Entfaltung bringen und für ihre geistige und wirtschaftliche Wohlfahrt c^olgreich öerrcertat können. Das furchtbare Ringen des Weltkrieges hat das Fr.e. ns- werk bisl^r gehemmt. Heldenmut, Treue und opferwilliges Er­tragen von und Entbehrungen haben in dieser schweren Erit das Vaterland ruhmvoll verteidigt. Die harten Opfm des ,Krieges müssen uns einen ehrenvollen Frieden sichnu. an,dessen Schrulle wir heute mit Gottes Hilfe stehen. Nunmehr mutz ohne Sännn.i' der Neuausbau des Vaterlandes auf seinen iiatürfichen und dch.r.zuverlässigen Grundlagen in Angriff genommen werden. Die Wrmsche der österreickysck-en Völker sind hierbei sorgeälttg mit einander in Einklang zu bringen und ihrer Erfüllung zuzusühren. Ich bin entschlossen, dieses Werk unter freier Mitwirkung inerner

Völker im Geiste jener Grundsätze durchzuEihren, die sich die Mr- :archen in ihrem Friedensangebot zu eigen gemacht Oesterreich soll dem Willen seiner Völker gemäß zu eurem

bündeten Monr haben.

Bundesstaate

werden, in dein jeder Vollsstamm auf seinem SiedlungSgebrettt fein eigenes staatliches Gemeinwesen bildet. Ter Vereinigung der polnischen Gebiete Oesterreichs mit einen: unabhängigen! polnischen Staate wird hierdurch in keiner Weise vorgegriffen. Tie Stadt Triest samt ihrem Gebiete erhält den Wünschen ihrer Be­völkerung cnrffprechend, eine SonderstEung. Diese Nnigeltaltnng, durch die 'Ee Jnd-grität der Länder der ungarischen heiligen Klrmve in keiner Weise berührt wird, soll jedem nationalen Einzel- ftaate seine Selbständigkeit gewährleisten. Sie wird aber mich ge- menisamc Interessen wirksam schützen und sich überall dort zur <M - jung bringen, wo die Gemenrsamkeit ein L-cbensbedürfiris der eüi- A.^ufn Staatswesen ist. Insbesondere wird die Vereinictung aller Me äste qeboteii sein, um die großen Aufgaben., die sich aus den! RückwirDmgeii des Krieges ergeben, nach Recht und Billigke^ev. solgreich zu lösen. Ms diese Umgestaltmrg auf gesetzlichem Wege volleiidet ist, bleiben die b'stehenden Einrichtimgen zur Wahrung der allgemeinen Interessen unveräTidert bestehen. Meine Regierung ist boanftragt worden, zum Neuaufbau Oesterreichs ohne Verzug alle Arbeiten vlnzub^onlen. An die Völler, aus deren Selbstl>estimniung das neue Reich sich gründeil wird, ergeht mein Ruf, an dem großen Werke durch Nationälräte mitzuwirlin, die ^bildet ars Rerchs- ^ratsabgeordneten jeder Nation die Interessen der Völker zu «einander sowie im Verkehr mit inenrer Mgierung zur Geltung bringen sollen. . . , .

0o .möge unser Va^c länd, gefestigt daruch die Erntvacyt der Nationen, die es umschloßt, als ein Bimd fteier Dölkvr ans deii Stürmen des Krieges hervorgehen. Ter Sogen des Mnrachdgm sei über unsere Avbeit, damit das große Friedenswerk, das wrr errichten, das Glück aller meiner Böller bedeutet.

Wien, 16. 10. Karl m. p. öuiffaa® m. p.

Merchtzeitig wendet sich Kaiser Karl folgendermaßen an Armee und Flotte:

Ten Wünschen aller Völler Oesterreichs entsprechend,^ er- ' ihr Zus-crmmenschluß in nationale Staaten, vereint in einem _ 4 -ssdaate. Wenn hicadunch einerseits Henrnriingen beseitigt wer­den, die im Zusammenleben der Böller bestanden, so soll anderer­seits geeintem 0d)taffeit zum Wohlc des eigenen Volles und Vaterlandes künftighin lurgehemmt freie Balm offen seüi In diesem bedeutungSvollien Alugenblick wende ich mich an die Armee und Flotte. In Euren Reil)en .hat die Treue und Einigkeit Me Nuticmeri irnter einander uiid mit mir stets unlösl«r vmbunden.