Nr. 240 zweiter Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für vberheiien» Samstag, 12 . Mober (9(8
Ans Stcrdt und Lnnd.
Gießen, den 12. Oktober 1918.
** Amtliche Personalnachrichten. Ter Groß- Herzog hat am 17. Augtist dem Lehrer Lorenz Kaiser zu Gimbsheim, Kreis Worms, anläßlich seiner Versetzung in den Ruhestand das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienswrdens Philipps des Großmütigen verliehen. — Ter Großherzog hat am 9. Oktober dem Pfarrer Karl Sattler zu Staden die evangelische Pfarrsdelle zu W i e s e ck, Dekanat Gießen, übertragen. — In den Rtilxfftand versetzt wurde am 17. August der Lehrer Lorenz Kaiser zu Giml'sheim, Kreis Worms, nnf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1. Oktober 1918 an.
""Auszeichnung. Wel-rmann Karl Luch mürbe mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.
, . ** Gießener Haussranen-Verein. Das bestellte Weißkraut trifft in den nächster! Tagen ein. Der genaue Zeitpunkt für das Abholen ivird rechtzeitig bekannt gegeben.
** Neue Kurse in harmonischer Gymnastik. Die Kurse erstreben eine hygienisch-aestetische Durchbildung des Körpers und ftrtb in jeder Hinsicht zu empfehlen. Näheres siehe Anzeige.
** Vvlksküche und Soldatenheim befinden sich jetzt Walltorstras-e 38, in den Räumen des früheren. Cafes Leib.
** Lehrgang für Fürsorgerinnen. Ter Beginn des zum 1. Oktober d. I. geplanten halbjäl-rigen Lehrganges zur Ausbildung kommunaler Fürsorgerffrnen ist auf den 1. November 1918 verschoben worden. Meldungen, schriftlich oder mündlich, nimmt die Geschäftsstelle der Preußischen Landeszentrale fün Säuglingsschuh, Charlottenbnrg 5, Mollwitz-Privatstr. täglich von 9 bis 3 Uhr entgegen. Es können nur solche Personen zu dem Lehrgang zugelassen werden, die die staatliche Anerkennung als Säug- linpspffegerin besitzen oder sich über die Msolvierung eines etwa gleichwertigen Lehrganges in der modernen Säuglingspflege aus- weisen können.
** Vaterländische Versammknngenin den Kirche n. Das Großh. Oberkonsistorium erlaßt folgendes Ansschreiben an die evangelischen Psarränrter: In der gegenwärtigen Notlage iettvarten die 0>emeinden von ihren Geistlichen Stärkung und Er- nüutigrmg, wie sie vor allem im Gottesdienst ans Gottes Wort M bieten ist. ^ Wir geben jedoch Ihrer Erwägung anheim, ob nicht vornehinlich in den Städten auch freier gestaltete vaterländisä-e Gemeindeversammlungen in den Kirck>en, etwa am Sonntag den 20. ds. Mts., nachnrittcrgs oder abends, sich einpfehken würden. Auf gottesdienstliches Gepräge kann je nach den Verhältnissen dabei verzichtet und die Mitwirkung von Laien vorgesehen werden. ^Es empfiehlt sich, bereits an diesem Sonntag in den Gottesdienstes sowie im Laufe der Woche ip der Zeitung aus die Feier hinzulveisen.
** Oberhessischer Knn stv erein. Die Eröffnung der graph. Ausstellung wird am kommenden Sonntag den 20. erfolgen. In der Gießener Kunstsammlung wurden im Kupferstich- Kabinett Radierungen von Paescbkc, Jokischrat, A. Löwenstein, W. Doma, A. Stern mrd Pauk Schröter ausgestellt und graph, Arbeiten von Bater, Bracht und Hoelscher. Die seither ausgestellten Meisterwerke der Holzschneidekunst wurden durch zwei andere ersetzt und die seither ausgestellten ,Bilder und Motive von den, Burgen Miltenberg, Chrenburg und Schloß Frendenberg a. M. ersetzt.
** Anlagen - Kv nzert ist für Sonntag den 13. Oktober, ll 1 /* Uhr, in der Süd-Ansage vorgesehen. Ans dem Spielvlan steht: Ouvertüre „Pique Dame" von Supp«. Walters Pveislied aus der Oper „Ter Meistersinger" von R. Wagner. Fantasie über „Tiefland^ von Eugen D'^llbert. „Blau Beklchim", tNazrrrka von Effenberg. Unter der Friedensflagge", Marsch von Blankenburg.
** Aus dem Stadttheaterbureau. Nochmals sei auf die beiden Sonntagsvorftellungen hingewiesen: am Nachmittag wird das Schauspiel „Alt-Heidelberg", am Abend der Blumenthalsche Sehwank „Die Orientreise" gegeben.
I ** Schwartz-Weiß-Licht spiele, SelterÄvog 81. Ab heule bis einschließlich Räontag wird das vieraktige Film'werk „Das Armband" gogeben, bearbeitet nach dem gleichnamigen Roman^ von Mar Kretzer. Tie Hauptrolle liegt in Händen von Eva Speier. Für den heiteren Teil ist der Lustspielschlager in zwei Akten „Wo ist denn 's Kind" mit Anna Müller-Linke vorgesehen, außerdem stehen noch einige Einlagen aus dein Spiel plan.
** Ordnung in den Zügen. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung in den Zügen hat die Eisenbahnverwaltung ein besonderes Merkblatt kür das Zugbegleitpersonal Herstellen rmd verteilen lassen. Die einzelnen Bestimmungen sind für die Reisenden kaum weniger wichtig. Ten Reisenden sind bei starken: Zudrang schon auf den Zugausgangsstationen die Plätze anzuweisen. Schv- nungs- und hilfsbedürftigen Personen ist beim Auffuchm der Plätze, ebenso beim Ein- und Aus steigen nröglichst .Hilfe ?,N leisten. In Frauenabteilimgen dürfen männliche Personen selbst mit Zustimmung der dort befindlichen Fvaneir incht zugelassen werden. Allein reisende Frauen sind in die Frcruenabteile zu verweisen. <^ttt trenn sämtliche Plätze einer Wagnrklasse besetzt sind, dürfen Reisende aus freien Plätzen der nächstlwheren Wagenllasi'cn gewiesen werden. Die Jimehaltung des Rauchverbots ist ohne weiteres, nicht erst aus Beschwerden, streng durchzusühren Zu- wkderhandllmgen sind als Bahnpolizeiübertretungen anzuzeigen. Der Aufenthalt in den Seitengängen der Dnrchqangswagen ist dem Reisenden nur vor seineur Abteil gestattet: doch darf den Mitreisenden nicht dauernd die Aussicht versperrt werden. Ein höf- liches, aber bestiimntes Austteten ist unerläßlich. Mseincmdersetzun- gen mit Reisenden sind z»u vermeiden. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften ist entschieden entgegenzutreten. Nötigenfalls ist von dem Rechne, Reisende von der Fahrt auszuschließen, Gebrauch zu machen.
Landkreis Gießen.
** Londorf, 11. Okt. Landsturmnmnn Georg Hill- Härtner, welcher bereits im Besitze des Eisernen Kreuzes 2. Kl. rst, wurde mm noch die Hess. Tapferkeitsmedaille verliehen. Hill
gärtner war seit dem 21. August vermißt und hat dieser Tage aus französischer Gefangenschaft geschrieben,
X Steinbach. 12. Okt. Sergeant Jakob Schneider wurde zum Vizefeldwebel befördert.
Hessen-Nassau.
-- Diez a. L., 11. Okt. Der Landsturmmann Hugo Latsch von hier wurde auf dem Bal-nhos Dausenau von dem Gießen— Koblenzer Nachmittagszuge überfahren und sofort gelötet.
--- Frankfurt a. M., 11. Okt. Die Frankfurter Stadtverwaltung beabsichtigt. Notgeld in Scheinen von 50 Pfennigen bis zu 20 Mark im Gesamtdett. .g von etwa 18 Millionen Mark austzugeben .
** Nordeck, 11. Okt. Dem Bürgermeister M i ß k e r wurde vom Kaiser das Verdienstkreuz für Kriegslsilfe verliehen. Der Landsturmmann tz!>efr. Ludwig Scholl wurde zum Unteroffizier b fördett. Der Erlös aus Obst tn unserer Gemeinde betrug 1900 Mk.
Kirchliche Nachrichten
Gottesdienst am Sonntag den 13. Oktober (20. nach Trinitatis).
Evangelische Gemeinde.
In der Stadtkirche. stt/ 2 : Pfr. Schwabe, seierl. Eröffn, d. Konsrrm.-Unterr. f. d. Mark.- u. Milit.-Gem.; 11: Kinderk. f. d. Mark.-Gem. Pfr. Schwabe: 6 : Pfr. Mahr, seierl. Eröffn, d. Kon- firm.-Unterr. f. d.. Matth.-Gem. Mittwoch 16. Okt., abds. 8 : Kriegsbetstunde. Pfr. Schwabe. — In der Iohanneskirche. lla/z: Pfr. Ansfeld, seierl. Eröffn, d. Konfirm.-Uitterr. s. d. Joh.- GeM.: 11: §kinderk. f. d. Ioh.-Gem. Pfr. Aussetd: 6 : Pfr. Bech- bolsheimer, feiert. Eröffn, d. Konfirm.-Unterr. f. d. Luk.-Gern.; 8: Bibclbespr. im Johanne ssaal. — Kirchberg. Vorm. 10: Hl. Alü>m. f. Lollar. — Mainzlar. Nachm.: Ipr. — Lollar. Alü»s. 8: Kriegsbetstunde.
UethoUsche Gemeinde.
6 ^': Gel. z. hl. Deicht: 7: Hl. Messe: 8 : Aust. d. hl. Komm.: 9: HMiarnit m. 11: Hl. Mpsse m. Pr cd.: : IünB-
Kongr.: 6 : Ehristenl., darauf Rosenkrairzand. m. Segen. Dienstag u. Freitag, abds. 8 : Rosenkranzand. m. Segen. Au den übrigen Tagen ist die Rosenkranzand. in d. hl. Messe u:n 6 H 2 Uhr. Samstag 19. Okt., nachm. 5 n. abds. 8 : Gel. z. hl. Beicht. — Diaspora- Gottesdienst am 13. Okt.u Grünberg 9Vr, Hungen R/»
Sport.
Süddeutscher Ruderverband.
Sen 1913 findet Sonntag, 20. Oktober, vvrmitkags 9 U h r, im alten Stadtvatsaale zu Mannheim wieder ein ordentlicher Rudcrtag des Südd. R.^ 8 ., denr der hiesige Ruderklub „Hassia" ang 7 hött, statt. Anträge sind bis zum 16. Oktober verschlossen an Oskar Titttnar, Fvankfirrt a. M., Linns- straße 17, zu senden. Am Vorabend vereinigen sich die Vettreter zu einer geselligen ZusammenDunfi. Eine Tanrpfersahrt durch die Mannchümer Hafenanlagen wird sich der Tagung anschließen.
— Fußball. Am konrmvnden Sonntag, den 13. Oktober, fmdet aui dem Sportplätze a. d. Haardt, des Vereins für Rasenspiele das 1 . neue diesjährige Verbandsspiel statt. Es treffen sich ider »Fußball-Verein Marburg I. gegeu die I. M mm schaff des Vereins für Rasen spiele v. 1900, Gießen. Ta beide Vereine über vortreffliche Mmmschaffen verfügen, ist ein sehr interessanter Kampf zu erwarten. Spielbeginn um Punkt 3 Uhr.
Hschschnlnachi-ichten.
— Frankfurt a. M., 11. Okt. Die noch von Paul Ehrlich beschlossene Errichtung eines Forschungsinstituts für Kolloide wurde jetzt verwirklicht. Das Institut ist das erste seiner Art in Europa und erhielt seinen Sitz im Theodor-Stern- Haus der Universffät Frmlkfnrt. Seme Emichtung wurde aus den Mitteln einer Stiftung für den verstorbenen Franffurter Arzt Theodor Neubürger ermöglicht. Die Leitung des Instituts übernahm der bekannte Kollocdforscher Professor Tr. H. Bech- hol d von der hiesigen Universffät.
vermirchter.
* Au s der R he i npf a l *. Ist das denn wirklich möglich? Der „Pf. Rundschau" wird aus dem Pfälzer Wald berichtet: Zwei brave, in Ehren grau gewordene Bauersleute gaben einer Städter- familie, die zwei Stunden weiter in einem noch llrneren Dörfchen m der San:merfrische weilte, zweimal in der Woche euren Schoppen Magermilch und hin innd wieder ein Pfündchen Butter ab. Die Städter holten sich diese Gottesgabe selbst ab — wie sollten sie es
Gietzenev Stadttyearer.
Die Herren Söhne.
Lusffpiel ron O. Walter und Leo Stein.
Gießen, den 11. Ottober 1918.
Gattungsbezeichnung Lustspiel ist eine unterstellende An- ^rastlnrg. die bei allen derattigen Theaterstücken üblich Aeworden ist, die sich vom Schwank nur durch ein weniger krasses Haufen der Knallessekte urtterscheiden. Welche Feinheiten liegen in eimnn echten Lustspiel, zu denn wir Deutschen es selbst in der llassisckmr Zeit nur selteu gebracht haben urü) nachher nur in ganz, ganz vereinzelten Ausnahmesallen. Das Dorr ist entattet worden, aber der Begriff ist urrs geblieben und seine Erfüllung eine schmerzliche Sehrr- suchtt, Leute, wie Walter und Steffr, werden sie nicht erfüllen, selbst wenn sie sich mit humorvolleren Köpfen — auf den Witz kommt es n i ch t an — wie zum Beispiel PreSber in der „seligen Exzellenz" zusamnrentun. In solchen Fällen hebt sich das künstlerische Nrvean tim einige Grade. Sind sie nur aus eigene Erfindung und Ausarbeitung gestellt, so wird bestenfalls ein vergröberter Serrbe oder ein um zwanzig Jahre jüngerer Kadelburg daraus. Und das Machwerk trennt sich dann Lustspiel.
Die Theaterleitung hat in einer eaptatio bea 6 vol 6 ntiae daraus hrngewiesen, daß mehrere Mitglieder erkrankt sind und zu Beginn daher Stücke ausgesührt werden müssen, die von der Sonrmerspi.es- zeff her noch stehen. Gleichzeitig wurden erlesenere Künstgenüsse für später in Aussicht gestellt. Wavpncn wir uns mit Geduld!
Zum Inhalt: Ein HoffMachtermeister und ein Rittergutsbesitzer und Landtagsabgeordneter ha^n Söhne. Gutem .Herkommen nach soll der eine Jura studieren wid der andere Schweine schlachten und Wurst hacken. Ter zum Wurstler bestimmte will aber lieber Literatur ^vermc-tzgern wid der Paragraphenbüsffer Schveine en rn -Lch'.nk.-.r und Servelatwürste verlvandeln. Eittgoaen dem Wlllm der Aller: setzen beide ihre Absicht durch. Ter Hos- Machtersogn durch ein bißchen freiwlllige Boheme und der andere
durch erneuten Examendurchsall und das Geld seiner Braut und Schlächtermeistersnichte. Ter grobe SckLächter wird manierlich gemacht, wird Kompagnon des verbrmrmelten Studenten und zwei Liebespaare . . . Alles weitere ist überffüssig.
Ein Schwankswff, grobschlächtig unwahrscheinlich und un- pshchologisch, wirkungsvoll im Herkömmlichen, aber niemals ein Lustspiel.
. Die Leistmr.gen: Da kerne höherett Atrsprüche zu erfüllen waren wickelte sich alles in normalen Grenzen glatt ab. Rudolf Goll hatte die ihm besonders liegende Rolle des Hoffchlächtermeisters Groger Wmidlungen ist er nicht fähig, Goll ist immer Goll, aber in seiner Art hat er das Publikum für sich Trotzdem Rornmels Grobheit nur vertuschte Gutmütigkeit ist, I-ätte er off nachhaltiger grob werden dürfen. Es blieb meist nur bei einem gemütlicher Poltern. Hans Heinz Her es .fehlt es noch vollkommen am Plauderton und ungezwungener Sprach. Dies trat auch schon im Nürnberg: schm Ei hervor. Er steckt noch tief in der Deklamation und ist unfrei in seinen Bewegungen. Wenn er das Tlvatermack>en abgelegt haben wird, kann er recht brauchbares leisten. Adolf Telekp gefiel diesmal weniger. Tie vornehme Reserve des Rittergutsbesitzers scheint nicht sein Fall. Oskar Fei- gel dimte eine gewisse Fahrigkeff seines Wesens besser zur Eharäkterrsierimg des verbummelten Sttcheitten. als des Mannes, der im praktischien Leben festen Fuß gefaßt fitt. Willem Koch gab dre nicht ausregmde Leistung des Wmnhändlers zur Zufri.^enheit Don den Lomen war Hermine W 0 , s i d l 0 auch diesmal an- sprechmd. Rollen, die lediglich ein ffeisches Tnauffosspielen ohne seelllche Vertiefung verlangen, nnrd sie immer genügm. Luise Telo^s^a füllte die tränm'-e'che Mutterrotte mit Bescheidenh ii aus. Lne übrigen Mitwitkcnden hieltm sich im Rahmen des allgemein Gesagten.
Die Anforderungen an die Spielleitung waren zu unerheblich mn Adolf Teleky danach beurteilet zu können. Die Aufführung nahm ledensalls einen glatten Verlaus. zz.
atidj anders gewöhnt sein? —' und zahlten in bar. Einmal war nun das Ehepaar nicht zu Hause und eine pausbäckige .^hmagh verabiolgte die gelbe Butter, nachdem sie 6 Mark für das PLndchen m ihretn Brustlatz hatte verschvirrdeu lassen. Ter Städter hatte, ohne mit der Wimper zu zucken, die 6 Mark bezahlt, trotzdem ihm ‘yfror ?rrr 4 Mark abr-erlangt worden warm. Ader der Krieg hat i a ^ wohl erzogm und lammfromm gemacht! Am näckchben Tag ^aber stand der ehrliche Bauersmann, ein gebücktes, rnnzeltges Männchen, das seine 70 schon mrf dent Buckel hat e, vor
CT - ,t( ri' 7lten ® : ^ tcr 'und erklärte: „Do sind Euer 2 Mark, die Euch, die Theres geschtern zuviel abqe'.wnrmm l-ot. Tie ganze Nacht Hab rch nff^schlose könne und ich Hab mich heut mmge gleich hcr-^ gemacht." Der gerührte Städler mußte die 2 Mark w exrnchmen, ^e ihm der Siebzigjäl-rige zwei Stunden Wegs hergebracht hatte. Bevor er aber seirren zweistündigen Rückrveg antrat, nmßle er sich an einem Glas Wein erquicken.
* Wie all ist die Nadel? Man sollte wirklich meinen, daß solch ein einfaches und nützliches Ding wie die Nadel schost in den ältesten Zeiten der menschlick)en Geschichte bekannt gewesen sein müßte, tatsächlich aber kam die Nadel erst im 15. Jahrhundert in Ausnahme. Jhr^Erfinder war ein Pariser Drahtzieher, namens Tourangeau, der Tag uird Nacht darauf sanm sein Handwerk zu vervollkommnen mrd sich neue ErtverbsmöglichkRten zu erschließe. Anfangs freilich war die Herstellung der Nadel mff einigen Schwierigkeiten verknüpft. Das machte sie zunächst zu einer kostbaren' Ware, und man fand sie gewöhnlich nur auf den Toilettentischen der Königimren mrd Fürftmnen. So befand sich z. B. eine Büchse mit Nadeln trnter den Gaben, die Frau v. B'errujeu, Tochter Ltld- wigs II. von Frankreich, bei ihrer Vermählung als Mitgift erlfielt. Auch der bis auf unsere Tage geb>mmene Ausdruck „Nadelgeld" deutet darauf hin, wie die Nadel vormals eine besonders mrd stets nrlit hoh^ Zahlen angesetzte Rubrik in der Ausgabeliste einer Hausfrun bildete. In England wurde die Nadel erst im 16. Jahrhundert durch die zlveite Gemahlin Heinrichs VIII., Anna ^Väeyn, aus Frankreich eingefühtt. In dein trnglücklichen Geschick der Königin, die, als sie ihrem Gemahl mißliebig wurde, enthauptet wurde, schien das Volrswott „Nadeln zerstechen die Liebe" emo - gervisse Bestätigung zu finden.
Lctztc ricrcrtr-icytcn.
Der neueste Bericht der Heeresleitung.
(WTB.) Großes Hauptyuirrtier. 12. Okwber. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Wir sind aus den Stellungen lvestlich von Douai in n'ickwärtige Linien zurückgegangen. Der Gegner ist langsam gefolgt uw) stand am Abend in der Linie Alt-Vendin—Harnes—Heit in—Lietard—und östlich der Bastn Beaumont— Vrebieres. Nordöstlich von Eambrai griff der Feind zwischen - der Schelde und Baast an. Angriffsziel der hier in schmaler Front eingesetzten englischen Divisionen war der Durchbruch aus Dalenciermes. Seine Absickff ist vereitelt. Es gelang dem Feinde nur, in Jwuy und auf den Hoheil östlich und südöstlich des Ortes Fuß zu fassen. Unsere durch Panzerwagen wirksam unterstützten Gegenstöße brachten hier den Ansturm des Feindes zum Stchen. An der übrigen Front wehrten wir den Feind vor unseren Linien ab und fügten seinen dichten Angriffsw-ellen schwere Verluste zu.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Heftige Deilangriffe englischer, amerikanischer und französischer Divisionen beiderseits von Bohain wurden vor unseren Stellungen abgewiesen.
An der Aisne Erkundnngsgefechte.
Nördlich von Laon haben wir den Chemin des Dames geräumt. In dem Aisne-Bogen zwischen Verry-an-Bac und südlich von Douziers haben wir neue Stellungen bezogen. Die Bewegungen, die seit mehreren Tagen eingrlritrt waren, blieben dem Feinde verborgen und sind ungesüirt und planmäßig verlausen. Auch in der Champagne ist der Feind nur vorsichtig gefolgt. Der siegreiche Ausgang der großchi Schlacht in der Chanlpagne. die die Armee des General von Einem mit verhältnismäßig schwachen Kräften gegen eine gewalttge Urdermacht des französischen und amerikani'chen Heeres in lltägigem harteil Ringen gewontren hat und die beim Feinde in der Chaurpagne mfiilge der außergewöhnlich hohen Verluste eingetretene Erschöpfung haben die restlose Turchsüh. rung dieser schwierigen Bewegung ermöglicht.
Heeresgruppe Gallwih.
Teitkämpfe beiderseits der Aire. Heftige Teilangriffe, die der Feind in den Kampfabschnitten der letzten Tage auf beiden dütaaSufern führte, sind unter schweren Verlusten für den Feind gescheitert. Cunel und der Ornesivald, die vorübergehend verloren gingen, wurden von sächsischen Bataillonen wiedergenommen. Die seit 15 Tagen an dem Brennpunkte der Schlacht bei Romagne in schweren Abwehrkämpfen stehende elsaß-lothringische 115. Infanterie-Division unter Generalmajor Kundt hat auch gestern die ihr anverkranten Stellungen gegen alle Angriffe des Feiirdes gehalten.
Der Erste Gencralguartiermeister Ludendorff.
Ter U-Boot-Krieg.
Berlin, 11 . Okt. (WTB. Nich^rmllrch.) ^rtturday Review" vom 24. Augrmt bringt eitren BeffM über die Grenzen des Uitterseehandelskrieg.es. Es heißt darin: Der U - B 0 01 - K r i e g sei der beherrschende Teil des Seekrieges, und man befinde sich jetzt gerade in dem Mmrat, für den Admrral Jellwcoe das Ende des U-Boot-Krieges vorausFesagt habe. Ine Gegensatz hierzu hätte'': die Versonkungsziffern stark enttäuscht und manche Hoffnungen des Pnblckums zerstört. Man hätte sich so gewöhüt gehabt an die le:se geffüjterten Erzählungen von gewaltigen Erfolgen, daß man die Zahl der versenden U-Boote überschätzt habe. Das Hauptmittel. las nran Legen U-Boote angeivandt habe, die Netze, hätten ni-Ä lauge gewirkt. Tie Deutschen hätten bald Mittel und W^'c gefunden, die Netze wegztrschileppen oder zu zerschneiden. Dann bespricht der Auflatz die Mittel, das man später gegen die U-Boot anwandte und über das jetzt jn England einiges verösfentliickKi Nwrden ist: daS U-Boot oder die U-Boot-Falle. Es bandelt sich um bekannte Fälle, bei denen die Ritterlichkeit der deutschen U-Bootleute ausgenutzt wird, daß z. B. ein als Frau verkseidetert Matrose, ein Kind im Arme, auf Deck des zu versem'enden Schiffes hilflos hin und her laust und dadurch das Mitleid der Deutschen erregt, die mit dem U-Boot heranfahren, um der Frau behilflich zu sein. Ties benutzt dann der verkleidete Matrose, um das Kind, das in Wirllichckeit eine Bombe ist, auf das U-Boot zu werfen. Bei solchen und ähnlichen Taten spricht das Blatt von Gegenmitteln, die ganz englisch wären, in ihrer Gewagtheit, ihrer Anpassung-^ sähigkeff und ihrem Sirme für Humor! Hierbei von Humor fu sprechen und sich dessen noch zu rühmen, ist für England bezeichnend


