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Dev Mn druck in Holland.

Haag, 29. Sept. (WTB.) Tie öffentliche Meinung und die Dresse Hollands halten sich von übertriebener einseitiger Ein­schätzung der Folgen der bulgarischen W a f f e n st i l l - standsverbandl'ungen frei.Nieuwe Courant" schreibt : Ter bulgarische Schritt kam den Deutschen nicht unerwartet. Be­wundernswert ist die Ruhe, mit der der Hauptausschuß des Reichs­tages die Beratungen über die innere Krise fortsetzt. AuchAll- gemeen Handclsblad" schreibt, daß man weitere Berichte über die tatsächlichen Vorgänge abwarten müsse, ehe man sich an die Be­urteilung der Sachlage heranwagen dürfe.

Monarchie auch Weiterhin ünerschMert bleiben. Ihre Wehrkraft Iverde im Süden den Feinden einejnene eherne Maicer entgegeir-, stellen, ihre Diplomatie eine icnun weiterhin nicht v'crsiegendl Willenskraft. -I

Budapest, 28. Sept. (WT» iNch^anftlich.) Tie unga­rische Presse b urt ilt das Er *ttt§ cm der b lgarischen Front trotz der unleugbar ernftm Lage imD.l.n-ueu^e.l mit Ruhe und Zu­versicht. Man hält die Erfolge der Entente militärisch nicht für irreparabel und zumindest aus lange Zeit hinaus nickst entscheidend ür die Gesamtlage. Die Presse verzeichnet mit Genugtuung die Aeußeruna Burians über die Unej:schütterlichkeit des Bündnisses mit dem Deutschen Reiche.

Der bulgarische Bericht.

Sofia, 29. Sept. (WTB.) Generalstabsbericht vom 27. Sep- ternber. Mazedonische Fronj: Wesllich des W a r d a r führ­ten unsere Einheiten die ihnen vorgeschriebenen Bewegungen aus, vom Feinde nur schwach belästigt. Zwischen dem Wardar und dev Struma Rachhutkämpfe mit wechselndem Erfolg. An der Bela­ss z z a mrd im Strumatal Patrouillenunternehmungen, wobei wir griechische Gefangene machten.

Englischer Bericht

London, 28. Sept. (WTB.) Reuter. Dtts Kriegscmtt teilt Mit: Tie englischen Truppen zogen gestern in Stru- mitza ein, während die englisch-griechischen Truppen die Höhen des Belasizza-Gebirges erstürmten. Tie Engländer erbeuteten über 800 Kanonen und viel Munition. *

Griechische Truppen stoßen ostwärts entlang der Belasizza vor. Englisch-griechische Truppen bewegen sich ebenfalls in der Richtung aus Petric. Wir erbeuteten einige Geschütze verschiedenen Kalibers.

Der türkische Bericht.

K on stank in Opel, 27.'Sept. (WTB.) Tagesbericht.

P al ästinafront: Auf unserem rechten Flügel entwickelten sich neue Kämpfe.

Mesopotamien: An den Tigris vorfühlende feindliche Kavallerie wurde durch unser Feuer abgewiesen. Von den übrigen Fronten nichts Neues.

Konstantin opel, 28. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Tages­bericht Palästinafront: Tie Kämpfe anr Liberia sseä

dauern an. Von den übrigen Fronten nichts Neues.'

Erklärungen BurianS.

Wien, 28. Sept. (WTB.) DasFremdenblatt" schreibt: Wie in hiesigen politischen Kreisen verlautet, hat die Mederlage der bul­garischen Armee in Bulgarien selbst große Erregung hervorgerusen. Es heißt, daß die Regierung Malinow aus diesen VerhÄtnissen vielleicht die politischen Konsequenzen zieht. Im Verlauf einer Be­sprechung mit den bei ihm erschienenen deutschnatio­nalen Mitgliedern des Ausschusses der österreichischen Delegation für auswärtige Angelegenheiten erklärte Graf Ba­ri an, daß trotz der Ereignisse in Bulgarien die Gesümtlage nicht allzu kritisch beurteilt zu werden brauche. Auf weitere Anfragen von den Delegierten betonte Graf Buricm, daß Oester­reich-Ungarn in vollem Einvernehnren mit Deutschland Vorgehen werde. Das Bündnis zwischen Oesterreich-Ungarn und dem Deut­schen Reiche bleibe nach wre vor fest und unerschütterlich.

Holland und der Vorschlag Burians.

Berlin, 30. Sept. DieNcftdd. Allgem. Ztg." berichtet: Von der holländischen Regierung ist hier mitgeteilt worden, daß Ihre Majestät die Kömgin WilhÄmina von Holland auf Antrag des österreichisch-ungarischen Geschäftsträgers ihre Residenz für etwaige Besprechungen im Sinne der Note des Grafen Buri'an zur Verfügung stellt. Ties ist auch den übrigen Kriegführenden mitgeteilt worden.

Tie Wiener Politik.

Wien, 28. Sept. (WTB.) Bei einer Besprechung der mög­lichen Folge 'der politischen und militärischen Vor^ jgänge in Bulgarien Kür die Mittelmächte, betonen die Blätter wiederholt die Unerschütterlich^keit des Bündnisses zwischen Deutschland und der Monarchie und weisen anders lautende Gerüchte aufs entschiedenste ab.

Budapest, 29. Sept. (WTB.) Ministerpräsident Dr. Wrkerle, bk heute vormittag aus Wien in Budapest eintra'f, erklärte einigen Journalisten gegenüber folgendes über die Lige: Wir haben keinen Grund zur Besorgnis.

Budapest, 29. Sept. (Uug. Tel.-Korresp-Bureau.) Laut Blättermeldungen ist inv gestrigen Wiener Kronrat alles gefächen, '.vas das wohlverstandene Interesse der Monarchie er­heischt. Während einerseits die nötig gewordenen militärischen Maß- inahmen zur Sicherung .eurer wirksamen Verteidigung vollzogen stmrdeu, besteht unverändert Has Bestreben, im ersten möglichen Mi genblick einen Frieden zu schließen, der die territoriale Unver- stchrthftt der Monarchie .unbedingt wahrt und der eiuvernehmlich mit beln Deutschen Reiche geschlossen werden sott, ebenso wie wir mit diesem, auch in den Kämpfen Schulter an Schulter gestanden haben. i ! ^maßgebenden Kreisen wird nackidrücklich betont, daß, Nnewohl £*cc Entsckstuß.Bulgariens auch die Monarchie vor eine «ußeroldnttlich schvere Situatiion.gestellt hat, w e d e r z u Klein- m u t, noch zur Verzagtheit Grund vorhanden sei. Wenn die Ncrveir Ungarns die russischen uird rumänischen Invasionen «rusgchalttn haben, werde,das Vertrauen und die Zuversicht der

Eine Nede -lsqurths !

L on don, 28. Sept. (WTB.) Reuter. Der ehemalige Minister­präsident Asquith gab in der Nattonal Liberal Federation in Manchester in einer Rede seiner Befriedigung über die militä­rische Lage Ausdruck. Diese müsse in ihrem Endersolge das Zustandekommen eines reinen Friedens sichern, der eine neue internattonale Politik aufrichten 'und die Kriegsfurie für alle Zeiten in Fesseln schlagen nmrde. Anschließend erklärte Asquith, das öfterreichisch-ungarische Friedensangebot, welche Beweggründe ihm auch zugrunde ^-ftgen mögen, für impraktisch. Er sprach sodann über die jüngste jr?i des Reichskanzlers Grasen Hertling, der über Belgien verstockt geblieben sei, und über die des Vizekanzlers von Paper, der sich ausdrücklich geweigert habe, den Biester Frieden einer allgemeinen Friedenskonsereirz zu unterbreiten. Zum Schluß sagte er: Ich glaube, daß der Völkerbund eine Angelegenheit für llares, gemeinschaftliches Deickm ist und daß die Zeft für die besten Kv-ft unter den Al seren gekommen ist, um de praftiscA Seite des Pwblems in Angriff Hu ne./..oen.

London. 28. Sept. (WB.) Das Reutersche Bureau er­fährt: Balfvur und Bon-ar Law hoben London verlassen, um mit Lloyd George, der auf dem Lande weilt, über die Ent­wicklung der Lage in Bulgarien zu beraten.

Wilson über den Völkerbund.

London, 28. Sept. (WB.) Präsident Wilson sprach heute, am Tage vor der Auflegung der vierten Freiheitsanleihe, in Neuyork und führte etwa folgendes aus:

Während vierer Kriegsjahre ist der gemeinsame Wille der Menschheit an die Stelle der Einzelziele von einzelnen Staaten getreten. Die Alliierten sind einstimmig der Meinung, daß kein Friede durch eine Art Käuf mit den Mittelmächten geschlossen werden kann, weil sie bereits mit ihnen unterhandelt und sie als Unterhändler mit anderen Regierungen beobachtet haben, näm­lich in Brest-Litowsk und in Bukarest. Der Preis für eine^ sicheren und dauerhaften Frieden ist unparteiische Ge­rechtigkeit, und das unentbehrliche Mittel dafür ist der Völkerbund, der auf Verträge gegründet ist, die eingehalten werden müssen. Tie Bildung des Bundes und die Festlegung seiner Zwecke muß der wesentlichste Teil der Friedens Verhand­lungen selbst werden. Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihren vollen Anteil an der Verantwortlichkeit für die Handhabung des Abkommens auf sich zu nehmen,, auf dem der Friü>en künftig beruhen muß. Es ist eine Besonderheit dieses Krieges, daß, während die Staatsmänner zuweilen unsicher warm, die Völker immer gewisser wurden, wofür sie kämpfen. Die nationalen Zwecke traten in den Hintergrund und das gemeinschaftliche Ziel der aufgeklärten Menschheit nahm ihren Platz ein.

Die holländischen Blätter bringen zu der Rede Wftsons fol­gerte Ergänzung: Der Völkerbund kann jetzt nicht ins Leben gerufen werden, denn dann wäre er nur eine neue Allianz und würde auf Nationen beschränkt bleiben, die gegen einen gemeinschaft­lichen Feirrd vereinigt sind. Es ist auch nicht wahrscheinlich, daß er nach dem Frieden zustande kommen wird. Es ist nöttg .den Frie­den zu garantieren, aber der Feind kann nicht nachträglich garam- tiert werden. Um mich deutlicher auszudrücken: Der Grund, icnrirm er garantiert werden mnß, ist der, da ßsich bei den über den Frie­den verhandelnden Parteien solche befinden, deren Wort nicht mehr zu trauen ist, und es müssen Mittel gefunden werden, im Friedens­vertrag die Quelle der Unsicherheit zu verstovfen. Es wäre töricht, diese Garantien einer späteren^fre^mlligen Aktion der Regierungen zu überlassen. Wir Haben gesehen, wie Rußland vernichtet untz Rumänien betrogen wurde. /Aber diese allgemeine Voraussetzung gibt noch kerne Klarheit. Es sind Einzelheiten nötig, die die Frage klären. Nachstehend einige Einzelheiten, uird ich gebe sie im Ver­trauen. daß' sie den Absichten der Regierimgen entsprechen trnfr den Auffassungen, die sie von ihren Pflichten gegen den Frieden

1. Aus der erforderlichen unparteiischen Gerechckgkeit ergibt sich, daß kein Unterschied gemacht werden darf zwischen denen, gegen 'welche wir gerecht und gegen welche wir nicht gerecht zu sein! lvünschm. Es muß eine Gerechtigkeit geben, die keine Günstlinge kennt. sondern nur .gleiche Rechne für die verschiedenen Völker.

2. Kein Spezial- oder besonderes Interesse einer Nation oder einer Gruppe von Nationen, das nicht vereinbar ist mit dem In­teresse aller, darf Grundlage eines Teils der Regelung sein.

3. Es können keine Völkeründnbisse oder besondere Verträge oder Uebereinkünfti bestehen in der allgemeinen Familie des Völker­bundes. Es'köimen kerne besonderen wirtschaftlichen Vereinbarun­gen in dem Völkerbund bestehen. Es darf keine Art wirtschaftlichen Boykotts an gewendet werden, es sei denn als Strafe durch Aus­schluß von dem Weltmarkt, die der Völkerbund selbst als Mittel zur Disziplin auferlegt.

5. Alle internationalen Übereinkommen und Verträge irgend­welcher Art müssen vollständig veröffentlicht werden.

Tie besonderen Bündnisse und die Konkurrenz finb. bisher eine reiche Quelle von Plänen gewesen, die zum Kriege geführt haben. Ein Friede, der sie nicht völlig ausschließt, würde unauf­richtig und unsicher sein. Das Vertrauen, mit dem ich vor dem Volk spreche, entspringt nicht aus der Ueberlieferung allein, son­dern auch aus den bekannten Grundsätzen internationalen Han­delns, nach denen wir immer gelebt und die wir stets befolgt haben. In dem gleichen Sinne, in dem ich erlläre, daß die Vereinigten Staaten keim besondere Regelung oder lieberem kunst mit einzelnen Nationen schließen werden, kann ich auch sagen, daß die Vereinigten Staaten vollsinnmm bereit sind, ihren vollen An­teil zu übernehmen an der Vcranttoortung für die Ausführung der Abkommen, auf die der Freide in Zukunft gegründet sein muß.

64 Flugzeuge an einem Tage.

Berlin, 29. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Trotz der wenig günstigen Witterung herrschte am 26. September an der ge­samten W e st f r o n t außerordentlich rege gegenseitige F l u g - tätigkeit. In zahlreichen erbitterten Luftschlach­ten feierte die überlegene Kampfkraft unserer Jagdstreikkräfte wiederum hervorragende Triumphe. Ter Gegner ver­lor in diesen Taaen insgesamt 54 Flugzeuge und 10 Ballone. Tavon wurden 48 Flugzeuge im Luftkampf abgefchossen. und 6 durch Flugabwehrkanonen zum Absturz gebracht. An diesen Erfolgen sind unsere bekannten Jagdflieger 'wieder hervorragend beteiligt einzelne mit mehreren Luftsiegen. Leutnant Büchner schoß an diesem Tage 4 -feindliche Flugzeuge ab und errang damit seinen 33. bis 36 Luftsieg. Oberleutnant lldet errang seüren 61. 43. und 44., Offizier-Stellvertreter Dörr seinen 29., Leutnant Blume seinen 26., Leutnant Becker seinen 17. und 18., Leutnant Kleist seinen 16., Vizefeldwebel Hausmann seinen und 62., Oberleutnant Loerzer und Leutnant Rumey seinen 15. Luftsieg. Von den 64 Luftftcgen wurden allein 30 über dem Großkampfgebiet zwischen Maas rmd Mosel errungen. Trotz starken Bodennebels und Dunstes loar dort schon in beit frühen Morgenstunden die eigene und die feindliche Flugtätigkeit äußerst lebhaft. Ter Gegner trat in geschlossenen Einsitzergeschwadern bis zu 20 Flugzeugen auf und zeigte sich sehr angriffslustig. i Wahrscheinlich l-atte er die Jagdverbände anderer Kampffronten hierher zusammen gezogen. Für unsere Jagdflieger bot sich ein reiches Arbeitsfeld. In Luftschlachten von bisher nie erlebter Heftigkeit rangen sie am Morgen den an Zahl weit überlegenen Gegner nieder. Aus zwei feindlichen Bomben­geschwadern von 16 Flugzeugen, die Metz augreifen^ wollten, »Durber bei Metz über Conflarrs 5 Flugzeuge abgefchossen. Nur kümmerliche Ucberreste konnten sich über die Front zurückretten. Mittags hatten unsere Jagdkräfte über dem K.rmpffelde die Luft­

herrschaft vollständig gewonnen Infolge

flaute die feindliche Flugtätigkeit mittags me wurde im Einsatz seiner Luststreitkräfte twrsi sich darauf, hinter seinen Linien ejne Höhen zu stiegen. Gegeilüber diesen, feindllu 54 Flugzeugen und 10 Ballonen sind unsere gering. Wir haben nur 5 Flugzeuge und 7

Erfolge unserer Morineflieger Berlin, 29. Sept. (Nichitamtlich) An zahlreiche ^ reichen Luftkämpfen, in die am 28. September die Teinb* Flieger durch Misere M a r i n e j a g d st a f'f e l Flandern wickelt wurden, sind neun feindliche Flugzeuge nichtet. Leiftnant z. S. Osterkamp schloß seinen 27. und 28. Gegner ab. Acht feindliche Flieger sind gefangen. K'eine eigenen Verluste.

Eine Aenßerung des Großfürsten Nikolajewitfch.

... ?iew, 26. Sept. (WTB.)Nowosti Tnja" meldet: Groß- lu.rjt Nikolai Nikolaj ewitsch erklärte einem Mitarbeiter unseres Blattes, eine Neubilduna der Ostfroitt würde Rußland zu­grunde richten. Er verurteilte die Einmischung der Entente in die mneren Angelegenheiten Rußlands und die Besetzung russischer Gebiete. Tie Rettung ^Rußlands könne nur durch die Russen kom­men. Lei auswärtige Hilfe nötig, damc solle man sich an Deutsch' land wenden, dessen Interessen den russischen näher ständen. Tie Ukraine urrd die Krim seien Beispiele dafür, wie die Teutsckzen sich nicht rn die rmreren Angelegenheiten der besetzten Gebiete ein mischen.

Die ZlönigSwahl in Finnland.

.. Delsingfors, 27. Sept. (WTB.) Der Landtag nahm dre N cu wa h l des Präsidiums an, wobei der bisherige Prä­sident Lundfen und der zweite Vizepräsident Mkie, beides Revubli- kaner, ausschieden. Gewählt wurden Professor Jngmanii, Altfinne, zum Präsidenten, Ahmavaaro, Jungfirrne, pm Vizepräsidenten utu> Schybergson, Schwede, zum zweiten Vizepräsidenten. Nach- unttags 3 Uhr berief der Senat die Vertreter der Laudtagsparteien! sp «erner Konferenz, der allgemein die größte Bedeutung beigemessen wcrd. Bei der gestrigen Berallrng der ftmgnnnischeu Landtagsftak- tton wurde zwischen den monarchischen und republikanischen Frak- tionsMitgliedern Einigkeit darüber erzielt, daß die Anbringung emes neucn freisinnigeren Verfassungsentwurfs nox Vornahme der Königswahl wünsckxenswert ist. Tie Republikaner machten hierbei ihre endgülttge Stellungrrahnre von der Beschaffen- hut der einzubringenden Vortage abhängig.

Helsingfors, 28. Sept. (WTB.) Bei der heutigen feier­lichen Eröffnung des außerordentlichen Landtags kündigte der Reichsverweser Svinhufvud die Einbringung erneü neuen Verfassungsvorlage an, die vor der Vornahme der Königs- w a h l beharrdelt werden soll. Tie Vorlage, die in mehreren Punk­te ein Erft gegenkommen gegen die Wünsche der Republikmrer ent­halt, geht dem Landtage hsitte abend zu.

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Kaiser Karl und die Polen.

Wien, 27. Sept. (WTB.) DiePolnischen Nachrichten" melden von heute: Der Obmann des Polenllubs Tertil, der Vize­präsident des Abgeordnetenhauses German und das Herrenhaus­mitglied v. Bilinski hatten eine Audienz beim Kaiser. Dieser eröffnet^ ihnen, daß er mit Dem' Heutigen Tage die vollständige Einstellurrgt ^s Prozesses gegen die polnischen Legionäre.in Marmaros--Szigec verfügt habe. Zwar sei die Tat der beschuloigten Soldaten nicht frei von militärstraftechtlicher Verantwortung, jedoch sttets ein­gedenk der zahlreick'^u Berveisc großer Treue und Tapferkeit d«r Polerr sowie ihrer SAbstaufopferung auf den Schlachtfeldern und üa Htttterlarch, habe er sich, von dem dem Monarchen zustehenden! Recht der Gnade und Verzeihung Gebrauch machend, zu diesem Schritt in der Erwartung entschlossen, daß das bisherige Verhält- nis des Polmschen Voltes zur Krone auch! fernerhin bestehen! bletben werde. Der Aadierrz der Vertreter der Polen beim Kaiser wohrrte auch der Minister für Galizien Galeki bei. Er richtete an den ran gälte sten Angeklagten, Major Z agorski, ein Telegramm in dem er diesem! mftteilbe, daß Seine Majestät den Prozeß gegelt die Legionäre einzustellen .geruht lhabe und in denr er alle« polnischen Legionären seinen /Gruß entbietet und ihnen wünscht, (> sie die Ideale^ für die sie gekämpft und gelitten hatten, in der Freiheit verwirklicht ctleben möchten.

Ein Aufruf des BolksbundeS für Freiheit und Vaterland.

Berlin, 29. Sept. DerVolksbund für Freiheit und Vaterland" veröffenllicht folgenden Aufruf:

Höhnisch mcd brutal haben die feindlichen Machthaber ohne Besingen ihrer Volksvertretungen aufs neue den in der Note Graf Burians gezeigten Weg zum Frieden versperrt. Gewall bis zum äußer,len, voller Sieg über die MittklmäickOe! Ein nur von der Macht diktierter Friede nach Niederwerftmg Deutschlands und seiner Verbündeten, ein furchitbares Strafgericht über die Be­zwungenen ! So erklingt es aus Waftchrgton, Paris, Londcnr und Rom. Unsere Feinde halten in Ueberschrtzung ihrer Waffenerfolgc fest an ihrem Vernichlungswillen. Deutschlmrd soll reichst and ifdjer Gebiete im Westen und preußischer im Osten, soivie seiner Kolonien beraubt, durch Absverrcmg von Welthandel und Lch'.siahrt emgftchnürt, durch ungeheure Strafgelder und Ent- sckMngungen zu Boden gedrückt, ein Leben in Türftigkeft und Enge als Knecht fremder Völler führen. Ein ähnliches Schicksal wird unseren Verbürrdeten angedroht. Darauf kann das deutsche Voll nur eine Antwort geben: Ein solcher Friede wäre der Tod. Wollen die Feinde den Krieg, so müssen und werden wrr diesen Krreg führen mft dem stahll)arten Willen der SeM- erhaltnng, mit der mutigsten Entschließung der Verteidigung, mit dem miß ersten Airfgeot aller Kräfteb. mit der felsenfesten Be harrlichkert emes großen und starken Volkes, das um sein Leben ringt. Unsere Fenrde werden sich in ihren Hoffnungen täuschen. Das dneutsche Schwert ist blank und scharf. Unsere Kraft ist unerschöpflich, unsere Front steht unerschütterlich, und die Heimat steht hinter ihr m Arbeit, Schaffen und Tragen. Nicht eine Stunde länger wollen wir Krieg führen, aber auch nicht eine Stunde früher die Waffen niederlegen, bis wsi in einem ehrenvollen, Frieden Heim und Herd für immer geschützt, die Unver­sehrtheit des R e i ch s g eb ie ts gewahrt, ausreichende Kolonien erlangt und die FreihÄI unserer wirtschafllichen, Entwicklung daheim und in der Welt gesichert haben.

Sollen wir aber alle unsere Kräfte bis zum letzten aufbieten- so muß auch unser Volk die sichere Gewähr haben, daß es bis zum letzten Blutsttopfeu für sein Vaterland kämpft, das ihm heilig und teuer ist. Volle Offenheit imb Wahrheit soll herrschen. Unser Volk ist mündig, und der ttefe Ernst unseres Loses weckt nur und stählt seine Kraft. Not tut die g e s ch l o s s e n e E i n h e i t d e r R e i ch s- leitung und des Reichstages, die im gegenseittgen Ver- trcnien unser Schicksal lenken soll. Tie Friedensentt'cbließung deS Reichstages und die Pavslnote der Reichsregierung müssen in ihren Forderungen unverrückt festgehalten tverden: keine Annexionen- keine Korttributionen, Selbstbestimmrmgsrecht der Völler, Gesell­schaft der Natiorren mit Schiedsgericht und Abrüstung. Weg mit dm Beschränkungen der staatsbürgerlichm Freibeit, die mit den Gebotm der Kriegsführung nichts zu schaffm haben. Keine Ver­sammlungsverbote, kein Eingreifen der Zmsur! Vor altem Durch­setzung der preußischen Wahl re form, die eine deutsche Frage ist, mit voller Entschlossenheit. Sofort? Jedes weitere Zögern ist verhängnisvoll. Ungeahnte Riesenkräfte ruhen noch in unserem Volk. Sie zur Tat zu bringen, ist das Gebot der Sttmde. Nur im Zeichen der Verteidigung des Vaterlan.des, der Freiheit und des Fortschritts sind sie zu vollem Leben berufen. Mmi säume nicht länger. Alle Rücksichten und Bcdmkm müssm jetzt schwinden. Eim furchtbare Verantwortung liegt auf den Schultern der Regierendm und der Volksverttetung. Auf zur Wehr fürs Vaterland, das die Feinde vernichtm wollen. ?1uf zur Sammlung aller Volkskräfte im Zeichen der Freiheit!"

Ans dem Neiche.

München, 28. Sept. (WTB. Nickftanttlich.) Ter kurländifche Dichter Eduard Graf Keyserling ist in München im Mer von 63 Jahrm gestorben.

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