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Nr. 203

M. Jahrgang

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Trohes Hauptquartier. 29. August.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppen Kronprinz Nupprecht und

Vo eh n.

ooLL.^kdem Schlachtfetde südöstlich von Arras brach am frühen Morgen dicht südlich der Srarpe ein englischer Angriff nn N«r zumnmren. Am Mittag iwhm der Feind seine Durchsmchsvermche mit neuer Wucht wieder auf. Zwischen -Dcarpe uno Den fee-Bach setzte er zum fünfmaligen Angriff im Pourmsrfche und rvestpreußische Regimenter brachen auch gestern wieder üen Ansturm des Feindes. Durch flankieren­des Feuer ihrer Artillerien wirksam unterstützt, warfen sie ledcsmal den Feind wieder zurück. Boiry-Nowe-Dame war Brennpunkt erbitteren Kampfes. Dreimal wurden die Tnrmmer des Ortes im Gegenstoh dem Feinde wieder ent­rissen. Bei errmutem feindlichen Angriff am Abend blieb der Ort in Feindeshand. Der Hauptftoh de§ englilchen Angriffes traf wurttembergische Regimenter beiderseits der Straße Arras-Camdrai. Siebenmal stürmte der Feind vergeblich au. Panzerwagen fuhren auf und neben der Straße immer wie­der von neuem heran: in tiefer Gliederung folgte die Jnfan- tene. Sre blieb im Feuer unserer Maschinengewehre und in vorderster Linie auffahrender Geschütze liegen. Wo der Feind in unsere Stellung eindrang, warf ihn unser Gegenstoß wie­der völlig zurück. Südlich von CwijilleS und südöstlich von Adorp wui-den englische Angriffe abgewiesen. Südwestlich von Bapaunre keine Jnfanterietätigkeit. Auf der Stadt selbst lag schweres englrsicheS Feuer. Bei den Kämpfen am 27. 8. um Thilloy tat sich das Infamie rre-Mgirnrnt Nr. 296 beson­ders hervor. Seine 9. Kompagnie l-ielt den Westrand des Or- kes. obwohl sie durch feindlichen Einbruch nördlich von ihr im Rücken bedroht war. bis zur letzten Patrone, und dann mit dem Bajon-eit. Aus selbständigem Entschluß kam ihr die 3. Kompagnie desselben Regiments zur Hilft und warf den Feind aus dem Orte wieder hinaus.

Nördlich der Somme erneuerte der Feind am frühen Morgen seine Angrifft Mischen FlerS und Curlu. Bei Harde- oourt drang er in unsere Linien ein. Fm Gegenangriff warf . chn das Ka ist r-Franz-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2 un­ter Fühning ftines KommmrdeurS Major Otto im Verein mit hessischen .^mpagnien wieder zurück.

Zwischen Somme und Oise blieben Vortruppen vor un­seren neuen Stellungen in GeftckftSsühlung mit dem Feinde, der am 27. 8. nur zögernd, gestern schärftr über Dompierre PelloyNeslcBauliruSazoy folgte. Sie Mangen ihn mehrfach zu verlustreichem Angriff und wichen dann aus. Südwestlich von Royon griff der Feind nach stärkster Feuer­vorbereitung unsere alten Linien an: sie waren von uns nicht mehr besetzt. Noyon lag unter schwerstem Feuer der Fran- zoftn. Die Stadt liegt vor unserer Kampffront.

Nördlich der AiSne nahm der Franzose unter Heran­ziehung min Amerikanern feine Angriffe wieder auf. Unter schweren Verlusten wurden sie abgewicsen. Am Pesly-Kopf schlugen Kavallerie Schützen-Regimenter fünfmaligen An­sturm des Feiudrs zurück. Mehrere Panzerwagen wurden zer­schossen.

Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.

*

Der -tbendbericht.

Berlin, 29. Aug.. abends. (WTB. Amtlich.) Südöst­lich Arras haben sich am Nachmittag neue Kämpfe entwickelt. Vorfeldgefe.ch'e vor unseren neuen Linien: östlich Varaume Pewnneöstlich Noyon. Jnfanteriekämpft an der Ailette.

. Zwischen der Ailette und Aisne sind besonders starke Angriffe rwn Franzosen und Amerikanern unter schwersten Verlusten für den Feind völlig gescheitert. Bisher sind mehr als 50 , zerschossene Panzerwagen gemeDet.

*

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 29. Aug. (WTB.) Amtlich wird verlautbart:

I t a t i c n i sch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.

In den Judiearien bei Bezzeea und auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden Erkundungsgefechte. Sonst nichts von i Belang.

Albanien.

Zwischen Jan im und Dojusa sowie im Südteil dcs To- mor-Gedirges nahm der .Feind erneut Stellung.

Der Chef des Generalstabs.

i ^ Bereits mehr denn drei Wochen tobt im Westen die Rresenschlacht, die geographisch nicht mehr nach Flußläufen,

I an die sie sich anlehnt, zu bezeichnen ist, da ihre Ausdehnung ! ine Linie von weit über hundert Kilometern umspannt. Ge­st aen diese Linie rennen tagtäglich die Heere Englands, Frank­reichs und Amerikas im Verein mit ihren weißen und farbi­gen Hilfsvölkern an und versuchen eine Entscheidung durch Flankenumfassung herbeizuführen. Marschau Fach, der' Lei- ! ter der Gesamtoperationen, ist ein bedeutender Stratege, -essen Pläne wohl zu ihrem Ziele führen könnten, trenn lhm nicht noch größere Heersü.-rer gegenüber,, an den, die joem von ihnen selbst so oft glücklich ausgeführtem Durch- bruchsmai.över die elastische Verteidigung entgogemzusetzen wüßten. Gelingt es Foch, im frontalen Stoß vermöge künstlichen Nebels und zahlloser Tankwagen in einen Teil der deutschen Stellung einzubrechen, und versucht er dann von dort aus eine Ftankeubedrohung wirksam werden zu »«ssen, so nimmt bie Oberste Heeresleitung planmäßig im

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entsprechenden Augenblick die bedrohten Frchrtstücke in neue vorbereitete Stellungen zurück und überläßt dem Gegner einige jener Trümmerhaufen, die früher blühende Städte und Dörfer waren, von denen aber nichts übrig geblieben ist als der Name, durch den bestimmte Ge- läirdepunkte auf der Karte festgelegt werden. Die freiwillige Absetzung der deutschen Front geht aber so planmäßig vor sich, daß unsere Truppen fast immer all ihre Verlvundeten, ihre Geschütze, Maschinengewehre und sonstiges Kampf­material in Sicherheit bringen und den Gegner in der neuen Stellung mit überrafchendcm Feuer empfangen können. Die Eigenart dieser Rückzugsmanöver bringt es mit sich, daß die Feinde nie wissen, ob die Deutschen gewillt sind, ihre Angriffe anzunehmen oder kampflos tak­tisch wertloses Gelände preiszugeben. In längst von den Deutscheü ausgegebenen Abschnitten fi'ihlen sie nur vor­sichtig nach und lassen sich halbe Tage von schwachen deut­schen Patrouillen mit wenigen Maschinengewehren auf­halten. Andererseits prallen ihre Kolonnen gegen vorbe­reitete deutsche Stellungen und erleiden im Feuer der Ma­schinengewehre und Lauer-Batterien schwere Verluste. Das Wenige, was sich die Deutschen in der Somme-Wildnis während ihres letzten Durchmarsches neu gebaut hatten, wurde planmäßig zerstört. Die Kunstbauten der Bahnen und Straßen werden gesprengt. Der Masseneinsatz der in Reihen von Hunderten während des vergangenen Jahres fertig- bestellten Panzerwagen sollte die Erfolge sicherri. Es zeigt jich jetzt, daß die aus die^Tanks gesetzten großen Hoffnungen sich nicht erfüllten. Die deutsche Verteidigung wird der Sturmwagen täglich besser Herr. Infanterie, Tankabwehr­aeschütze und slraftwagen haben sich in der Abwehr und Erledigung des neuen feindlichen Kampfmittels vervoll­kommnet, und so kann der deutsche Tagesbericht tagtäglich neue Fälle aufzählen, in denen es einzelnen Batterieführern gelang, bis zu sechs Tanks bei einem Angriff außer Gefecht zu setzen.

Wir können allmählich damit rechnen, daß die Foch- schen Reserven verbraucht sind, haben aber noch die bevor­stehende Offerisive der Amerikaner an der AiSne- und Vesle- sront abzuwarten, ihre erste Arinee steht, die verschie­dentlich mit deutschen Trustven in Gefechtssühlung getreten ist. Die Stärke der Amerikaner lvirö neuerdings ziemlich übereinstimmend auf dreiviertel Million Kämpfer und eine halbe Million Arbeitskräfte geschätzt. Wir müssen bei den Amerikanern mit einem noch größeren Einsatz an Maschinen und sonstigen tech­nischen Hilfsmitteln rechnen, als bei den Engländern. Aber auch hier wird sich die überlegene Schulung des deut­schen Einzelkämpfers, wie die geniale Führung den Anstür­men gewachsen zeigen und jedenfalls aus gleiche Weise durch Absetzen der Front nutzlosen Blutopsern Vorbeugen, wie wei­ter nördlich.

Warum unternimmt Joch seine Massenstürme?

Köln, 30. Aug. Neben den'geräuschvollen, auf über­triebenen Jubel gestimmten französischen Presseäußerungen zu den westlichen Kämpfen findenlich lautKöln. Ztg." auch weniger hvffnungsfreudige Summen, die das Urteil nordi- scher Neutralen bestätigen, daß hinter der Fochschen Offensive unverkennbar die wack-sende wirtschaftliche Not der Alliierten stehe. Der Militärlritiker der£mmanite" behauptet, daß die gegenwärtige gewaltige Offensive tatsächsick> die letzte Kraft- anstrengimg Fochs darstelle. Die berühmten strategischen Re­serven seien bereits alle verbraucht. Als letzten Trumpf ver­füge Fock) nur noch über die Amerikaner. Auch der Oberst­leutnant 9ioussot imPetit Parisien" hofft auf die Aineri-

kaner. Er hält es für das Wahrscheinlichste, daß die deutsch« Heeresleitung aus die Hindenburg-Linie zurückgehe. Aber nicht wie 1917 in einzigem Sprunge, sondern in langsamem, mit hartnäckigen Widerständen versteiftem Rückzug.

Die Amerikaner irr Frankreich.

Wie dem L. %. aug Lugano berichtet wird, meldet Secwlol aus Washington: Generäl March, der Chef des Generalstabcs, erklärte, daß sich gegemoärtig in Frankreich 32 Dimsionen ame* rikam scher Truppen befänden. Es bestanden große Schwierigkeiten, diese Truppenzahl weiter zu erhöhen wegen des Mangels an Schiffs--« raum. Die Vereinigten Staaten bemühen sich aber, das Hindernisi zu 'beseitigen, indem sie s-o-wo'hl bdi Schisssban vermehrten als auch die feindlichen Schrffe mit Beschlag belegten und neutrale Schifft mieteten.

Die deutsch-rusßlchen Ergänzungsverträge.

Berlin, 29. A-ug. (WTB.) TieNorddeutsch Mgemein« ^eittmg" schreibt über üen Inhalt der neuen dentsch-russi-i fchen Erg änzungsverträge, die auf russischer Seite noch der Rattfikation 'bedürfen, unter mrdcrem:

Ter Ergänzung< verttag zum Brest-Liwwsker Friedensvertrag) ist dazu ^ bestimmt, eine Reihe o 1 i £ i f d> er undün ilitär^ pvliti scher Fragen zu regeln, die (hauptsächlich dadurch ent-r standen sind, daß die

Beziehungen Rußlands zu den Randvölkeru noch ungeregelt sind. Ter Bierbund konnte sein Interesse deri tungenl Staatswesen nicht versagen, die ihm als erste die Friedensl-ant^ bEil. Tie Vorgänge bei der Loslösungsoswegung der Randstaaten crPrderten cine^ vsfeue Auseinandersetzung zimscl>en Teutsckstand dnid Rußland. Dabei wußte sich die deutsche Regierung eins mit dem deutschen Volke in dem Grundsatz, eine gewaltsame Ab- txc n nn n g bisl>er russischen Gebietes vaeder zu veran-§ lassen noch zu unter st Ätzen. Dieser Grundsatz, der in denr Ergänzungsvertrag ausdrücklich niedergelegt wurde, sichett Ruß--, land auch für die Zukunft die Möglichkeit, seine inneren An^ gelegen heiten^selb ft zu ordnetr, >und .erscheint so als? ein Fundament, ^auf dein jede russische Regierung, die nicht eüreni Krieg mit, Teutschland tmll, bauen kann und bauen muß. Unter den Randstaatan stteheir EiAand und Livland im Vordergrund des deutschen Interesses. Es ergab sich die im Erganzun^svertrag ver«, eiulwrte Lösung, nelche die Seköäändiakeit ber baltischen Ländor besiegelt, aben (1er -russischen VrlTWirtschaft durch Sicherung^ der Handclswege irnd Einräumung von Freihäfen die T ü r n ach derOftseefür alle Zukunft offen halt. Unter den im /stleft^r r/rreden noch nicht Derüctiichtigten fyit Georgien auf Wege zur inneren" .Festigung ^ücuwrkenswerte Fortschritts gernacht. Es gelang, Rußlands Z u ft i m m u n g zu der von diesem! Staate begehrten Aneribnrnmg zu crlmgcn. Für die übriges Staatenbildungen, im Kaukasus waren ähnliche Zugeständniffe wie 5 ^sorgren von Rußland Pr dem ^Bertrag-e nicht zu erlangeri. Tie russische Regiermrg Ihrerseits legte auf öie Sicherung des Baku-, Gebietes mit feinen reichen Naphnbiquellen den allergrößten

seiner Verbündeten zur Verfügung zu stellen.

Nach den Bestimmimgen des

F i n a n z a b k o m m c tt §

sollen die gegenseitigen finanziellen Verpflich­tungen auS dem Zusatzvertrag durch Pauschalsummen abgegolten werben. R)l.ßland IrJ. unter Airrechnung der ent- IprecheTiden deutschen Verpflichtungen an Deutscl)land noch sechs Milliarden Mar? zu. zahlen, wovon eine Milliarde vor- -m-siichtlich von der Ukrame und Finnland übernommen nürd. Die Pauschalierung schließt auch eure Vergütung für die Verluste rn^ sich, die Deutsche durch die von der russischen Revolutions-« geietzgebung bis zum 1. Juli 1918 angeordneten Enteignungsmaß­nahmen, erlitten haben. Für die Herausgabe der beiderseitigen:

Gatt haben zunächt zwei SbmtSkoinmistaren übertragen,r pwrdeir, N?cla-e die Anträge der Berechtigten und sodann ein gezogenen Ver­mögenswette an bestinlmtcn Ternrmen austarischen sollen. Die weiteren Bestimmungen des Fma^.Abkommens t>er'olgen den Zweck, yermsse Verschiedenheiten, die infolge d:r.russischen Revolutions- gesctzgebung zroischn den beiderseitigen Wirtschaftssystemen ent- ftanden scnd, tirnlicht curszngleichen. Es handelt sich dalxn zunächst um d:e sozialfftisch' E n 1 e i g n n g s g e s e tz g e b u n g. Deutsä-er- ftcds kann nur ge.ordett werden, daß jede 9lusnahmegesetzgebung zuungunsten Derttschands ausgcschossen, und daß die völlige S chadlosHaltung der betw'fcn.n Deutschen gesichert ist. jl cmcritiprcch?nd wird die Entrig.umg von Vermögensroertcn in Abußland unter der Voraussctz'ung anerkanitt, daß sie allen In- und Ausländern gegenüber gleichmäßig durchgesührt nürd. und daß die freut,f^rn Berechtigten eine in jedem einzelnen Falle ,'osott durch eine uicparteiische Instanz festzusetzende Entschädigung erhalten. Eine allgemeure Beschränkung der russischen Staatsangehörigen, über die in Rußland befindlichen Dankguth^r^n zu venügen.

gefaste, gewerbliche Schutzrechtc und Ve jährungsiristnr Daneb ist kür alle wichtigen, vor Kriegsau. , ruch begründeten Privattechts- verhältnis,e zwischen Deutschen uns Russen eine internatio­nale G e r r ch t s ba r k e i t ve- ein' art nwrd n, die den Zustck hat, Streitigkeiten auS diesen Rechtsverhältnissen möglichst rasch zu ent schaden und zugleich die dabei cuc stauch irden schuüerigen Fragen des internatio nrlen Rechtes nach einheitlich., Grundsätzen zu lösen. Diese Gettchtsbarkeit soll durch internationale Gcnchte mit dem Sitz in Bettlin und Moskau ausgeübt werden, die sich aus je einem dänischen Präsidenten smme je einem deutscher irnd einem ruffischn Richter zusammcirsetzen und rn erster und letzter Instanz crrtsä-eiden.