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Nr. (98 Zweiter Blatt _Eichener Anzeiger (Senerai-Anzeiger für Gderheffen) 5am§tag, 24 . August (9(8

A«s Stadt und Canft.

Gießen, den 24. August 1918. Mehlloses Brot.

-Gin neues Verfahren.

Vv/t ohne Riehl herznstellen das klingt abenteuerlich». Es gibt aber in der Tat ein neues Verfahren, das den Prozeß der Brotherstellung ecjtawtlwfy vereinfacht und den langen Weg von der Lenne zum Bäckerladen um ein beträchtliches ^tchck abkürzt. Tie Einzelheiten der Herstellung wurden heute den Vertretern der Presse in einem anschaulichen Vorträge erklärt.

Das erste Geheimnis liegt in der restlosen Ausnützung des Korns, die nicht in dem Verntahlen des Getreides liegt. Tie Er­finder des neuem GMwittckVollbrotes lassen das Korn nicht in die Mühle gehen, es wird gewalzt, nachdem es vorher von der unverdaulichen äußeren Hülle befreit wurde. Die nach hem Walzen gewonnene Masse wird geknetet, der Brotteig ist, mit oder ohne Zusatz, fertig und kann in den Backofen wandern. So ist von allen traditionellen Hilfsmitteln her BrochersEung nicht mehr übrig geblieben als Anfang! und Ende: Korn und Backofen. Alles andere ist überflüssig gemacht. Die Sachverständigen nennen unter den Vorzügen des .so gewonnonen Vollkornbrotes besonders die um 10 Prozent höhere Aalsnützittrgsziffer, die hygienische Prozedur die Hände ko inmen Mt der Deigmasse nicht in Berührung, alles wird von der Maschine besorgt ferner die Vereinigung gegenüber dem heutigen Herstellungspreise um etwa 25 Prozent. Alle Eiweiß- «Estandteile des Getreides werden restlos initgenoimnen; so wird der Nährwert dieses Brotes erheblich gesteigert. Ein besonders geartetes Reinigungsverfahren ermöglicht sogar ohne Schädigung der Qualität die Verarbeitung dumpfig gewordener .Kornmengen. Einstweilen haben sich die seit langem betriebenen praktischen Ver­suchte so glänzend bewährt, daß die Militärverwaltung in Pots­dam und eine große Könsumstelle in Stettin täglch größere Mengen dieses VollbroLes.Herstellen lassen. (Berl. TgAt.)

O

** Auszeichnung. Der Kanonier Otto Baiser erhielt die Hessische Tapferkecksmedackle.

** Gesellschaft .Liebig-Museum". Die chemische Fabrik E. Merck in TarMtadt begeht heute das Fest ihres 250- lährigen Bestehens. Bekanntlich ist es Herrn Geh. Medizinalrat Dr E A. Aöerck, dem Chef dieses großen Werkes, zu verdanken daß das Gießener Liebig-Museum erhalten werden konnte. Kürz­lich fft das Museum aus die GesellschaftLiebig-Museum" Über­trags ^oordei- Zu dem heutigen Jubiläum sandte die Gesellschaft ein Gtüchvuchchdetegrwmn .nach Darmstadt.

** Wurftverkaus. Die Abgabe der Wurst ans unler- nrertigen Rindern erfolgt ftrr die Bezirke 712 Montag den 26. August. Siehe dlnzeigenteil.

** D4 e b sta hll £flit der Nacht Zum 21. d. M. nmrden in der Harnmstraße Zwei weibliche Stallhasen von Farbe schwarz fcrtb grau, entweihet. < Sachdreuliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriminalpok^ei entgegen.

** Sta d ttho«ter. Nochmals sei aus die morgige Auffüh- rimg des hüb scheu Blumenchalschen LustspielesTer Schwur der Treue" hingewiefen, in dem Fall Enrmy Abendroth vom Elberfelder Stadtchcater Z!M! letzten Vöale, und zwar als Claudine, der weib­lichen Hauptrolle, auftritt. In anderen Hauptrollen sind be­schäftigt die Herren Volck, Tettcky, Feigel, Koch und Schaum. Be­sondere AiMehrrngÄkraft erhält der Abend durch das Tanzgast­spiel der Damen Steiger, Paris, Neffetding und VolwinkA, die in den beiden ZwischesmAen auftreten werden.

** Anlagenmnsik findet Sonntag den 25. Ang., mittags 12 Uhr. (bei günstiger Witterung^ in der Süd-Anlage mit folgender Spiel-Folge statt: L^vertüre z. OperWenn ich König wäre" von Adam: Fantasie a. d. OperSträdella", von Fr. v. Flotow: Im schönen Elbsborer^' Däaznrka-Caprice von Schröder; Mit Gott für Kaiser und Reich, Marsch von Lehnhardt.

** Schlvarz-Weiß-Lichtsviele, Selkersweg 81. Sun heute ab bis einschließlich Montag treten Mia May und Erich Kaiser-Titz in Jlxrem neusten Filnrwerk ^Wogeu des Schichals" aus. Außerdem steht das LustspielDas Wäschettnädel" auf dem Spielplau. Dorr Dienstag ab roird der FlmDie Frau mit den Karftinkelsteinen" zur Vorführung gelangen. Siehe Anzeige.

** Lichtspielhwus, Bahnhofstraße 34. Bernd Wdor tritt von heute ab in dem SportfilmRjeirnffieber" aus. Außerdem stM das LustspielBiertzehn Tage Urlaub"' auf dem Spielplan. Siehe ArrzeiM.

Landkreis Gießen.

** Vom Lande, 23. Ajug. Wie uns zu dom Artikel Vom Lande" in Nr. 196 unseres Blattes mitgeteill wird, sollen auch die Erträge der Klassensammllrngen bei der Laubheu-Samrns- lung den Schülern direkt Angeführt werden.

Hessen-Nassau.

K. P. Fulda, 22. Ang. Die Bischof-Konferenz ist heute ttbend zu Ende gegangen. Durch ihren Vorsitzenden Kardinal Hartmann hat die Konferenz dem Kaiser folgendes Hnllngungs- telegramm übermittelt:Eure PMestät! Voll größten Velttauens einem guten Ausgang des Krieges entgegei »sehend, beraten die Bischöfe in Fulda, was der kommende Friede und unser Volk fordern. An. heiliger Stätte befehlen wir Eure Majestät und das teure Vaterland in Gottes gnädige Obhut und senden ehrfurchts­vollen Gruß."

Daraufhin ist vom Kaiser rmchsteheude Drahtantwort ein­igegangen:Die mir .von Eurer Eminenz von der Fuldaer Bischofskonferenz übersandten treuen .Grüße habe ich mit dank­barer Genugtuung entgegengenommien. Gottes Segen wolle Ihre Atbeit zum Nutzen des geliebten Vaterlandes leiten. Daß ich auf die Hilfe und die Mitarbeit der Bischöfe stets rechnen kann, erfüllt Mch mit Befriedigung und Zuversicht. Stärken wir in unserm Volk die klare Erkennttis der vom Feinde drohenden Gefahren, den festen Willen, alles Schwere zu überivinden und den starken Glauben an Gottes Hilfe und unsere Kraft. Dann wird Deutschland, dessen bin ich gewiß, unüberwindlich sein. Die Zukunft wird unser sein."

P Marburg, 22. Aug. Von Bad-Nauheim kommend, suchte gestern nachmittag der König von Bulgarien mit kleinen! Gefolge unsere Stadt aus. U. a. besuchten die Herrschaften das Land- grafenschloß irnd besichtigte!: die dortigen Sammlungen.

^kirchliche Nachrichten.

Gottesdienst am Sonntag den 25. August (13. nach Trin.).

Evangelische Gemeinde.

In der Stadtkir che. 8 : Zugl. Christen!, f. d. Neukonfirm. aus d. Mark.-Gern. Psr. Schwabe: ^ l / 2 : Pst. Mahr: 11: Militär- gottesd. Psr. Schwabe; 2: Kinderk. f. d. Matth.-Gem. Psr. Mahr. Mittwoch 28. Aug., abds. 8 : Kriegsbetstunde. Psr. Mahr. In der Joha nneskirch«. 8 : Zugl. Christenl. f. d. Neukonfirm. aus d. Joh-Gem. Psr. Ausfeld: 9^: Psr.-Ass. Liz. Reuning; 11: Kinderk. f. d. Luk.-Gem. Pfr.-Ass. Liz. Reuning. Kirch - berg. Vorm. 10. 11: Christenl. f. d. m ännl. Jug. Lollar. Nachm. IV 2 . Mainzlar. Abds. 8 V 2 : Kriegsbefftunde.

katholische Gemeinde.

67*: Gel. z. hl. Beicht: 7: Hl. Messe: 8 : Aust. d. hl. Komm.; 9: Hochamt m. Pred.: 11: Hl. Messe m. Pred.; 2: And.; 4: Js'mg- lingskongr. Dienstag n. Freitag, abds. 8 ; Kriegsbittand. Samstag 3l. Aug., nachm,- 5 u. cckds. 8 ; Gsest z .hl. Beicht. 1 Diaspora^ Gottes dienst am 25. Aug.: In Grünberg 97z, in Hungen 972.

Vermischte».

K. P. A s ch a s s e n b u r g, 22. Aug- Auf der Strecke Aschassen- burgWürzburg überfuhr ein Turchgangsgüterzug das aus Halt stehende Einfahrtssignal der Station Lansach. Durch Ausstoß von zwei Lokomotiven wurde der Packwagen zertrümmert. Der Wagen­wärter und ein Lokomotivstchrer wurden schwer, der Zugführer und eine Bremserin leicht verletzt. ^

* Raritäten des Kriegs wir tschaftsmu.se ums. Das Kriegswirtschaftsmuseunt in Leipzig, 'dessen Borbesichtigung dieser Tage stattfand, bietet eine solche Fülle von lehrreichen und interessanten Ausstellungsgegenständen, daß es -eines der volks­tümlichsten llnternehm-en .zu werden verspricht. Tie Erscchmittel und die Fälschungen von Lebens- und Geirußmitteln, die man hier vorMdet, nehmen große -Räume ein. In der Schau dev Lederersatzmittel findet man U.^a. «twa 200 verschiedene Ersatz- sohlen, darunter eine aus SpMchwarte. Die intevessantestM Stücke dürften aber im Bakterienleder bestehen. Dieser eigen­artigste Ersatz wird dadurch gewonnen, daß man Batterien auf Hefe züchtet. Sie werden nnt Melasse und Zucker gefüttert. Nach einiger Zeit fressen sich die Batterien derart zusammen, haß eine feste und doch dünn« Lederschicht entsteht. Man fertigt daraus Gasmasken, Ballonhüllen nsw. Ern Raum, die Dunkelkammer ge­nannt, enthäll originelle Fällchrrngen und schvrndelhafte Geheim- mittel. Es ist Schnupftabak ansgestellt, der mit Torf, BrannkoUe, Kaffee-Ersatz, Gerberlohe, Knochen tl. a. verfälscht ist. Man "findet Mückenfett" gegen Rhenunatismus,Hundefett" gegen Luirgen- krankheiten.Wunderöl",Augenwasser" und ähnliche Schwindel­mittel vor. Auch die geheimnisvolle Alraunwurzel, die, aus dem Leib getragen, gegen böse Geister Schutz bietet und von den Dummen sehr gesucht ist, trifft man in der Ausstellung an.

* Tomaten-Tabak. Es gibt nun bald keine Blattart oder fein Kraut mtfjt, das nicht den notierenden Rauchern als Ersatz empfohlen worden wäre. Ein französischer Apotheker will nun entdeckt haben, daß die Tomatenblätter wirttich einen voll­kommenen Ersatz für den Rancha darstellen. Tie Domatenblätter, behauptet er, haben einen Geschrnack, ein Parfüm, die geradezu verführerisch sind. Ich Hab« Versuche damit gemacht. Es genügt.

die Pflanze im Schatten zu trocknen, :ow inau kann sie dann für die Pfeife oder Zigarette verwenden. Vielleicht ließe sich eine Zurichtung erfinden, die noch ein weit besseres Ergebnis hätte. Man wird jedenfalls Versuck,.: damit inMen.

* Moderne Sprichwort« bringt der Lladderadatsch". Eine Brottarte in der Hand, ist besser als zchn Getreidesendungen, aus der Ukraine unterwegs. -- Hamstere in der Zeit, so hast du in der Not! Wes der Magen leer ist, läuft der Mund über. Wer das Glück hat, läßt einen anderen die Araut heimsühren. Viele sind berufen, noch mehr beschcien. Wer die Verkäufen^ nicht ehrt, ist der Ware nicht wert. Man soll die Ernte nicht vor dem Höchstpreis loben. Wer weise, hamstert heimlich. Hoffen und Harren, mackä den Höchstpreis zum Narren - Jung gewohnt, alt obdack;,!os. Friede ernährt, lllifriede erst recht. Marmelade ist aller Tage Anfang. Der Schein trügt aber nick/ der Bezugsschein - Ter Apfel fällt nicht weck vom Scheich- Händler. Reuterdepeschen haben kurze Beirre. Glücklich ist, wer vergißt, rvas er in der Wurst heut ißt.

(In einem Teil der Auflage wiederholt.)

Die U-Boot-Beute im Juli.

Berlin, 23. Aug. Amtlich. Im Juli wurden msgesanck 550000 BRT. des für unsere Feinde handelsschiffbaren Raumes vernichtet. Ter ihnen znr Verfügung stehende Handelsschfssrauu wurche somck allecki durch kriegerische Dcaßnghinen der Mittelmächte seit Kriegsbeginn um rund 18 800 000 BRT. verringert, hiervon sind rund 11600 000 BRT. Verluste der errglischen Handelsflotte Nach den inzwischen gemachten Feststellungen wurden im Jun: außerdem s. Zt. schon bekauittgegebenen Verlusten in feindlichen oder in Diensten unserer Gegner fahrenden Handelsschfsen noch weitere Schiffe von zusammen etwa 28 000 BRT., duvch kriegerische - Maßnahmen schwer beschädigt, in feindliche Häfen eingebracht.

Ter Chef des .Admiralstabes der Marine.

*

Washington, 23. Aug. lNichtamtlich.) Reuter. Ter amerikanische Tainpser Morttana (6659 BRT.) wurde am 16. August in ausländischen Gewässern torpediert und ist gesunken. Drei Mann der Besatzung sind umgekommen, 80 Ueberlebende wurden gelandet.

Der Angriff des gesamten französischen Heeres.

Haag, 22. Aug.Allgemeeu Harwelsblad" berichtet aus Paris: Ter letzte Mgrisf der Franzosen unter den! Befehl des Generals Mangln aus einer Fwnt von 30 Kilometern gehört, wie. derAMin" schreibt, zu einem der größten Angriffe des Krieges. In allen ruhigen Frontabschnitten Mtte man die französischen Truppenvcrbände bis zu 60 Prozent durch amerikanische Truppen ablösen lassen uiü) die gcurze Stoßkraft des französischen Heeres auf die Front Fontenop-Ribecourt konzentriert. Alan wußte durch Fliegerbeoback/ung. daß die Teutschen dort systematisch ausge- baute Verteidigungsstellungen bezogen hatten. Tie Front mußte zuerst durch Lestiges Trominelfeuer sturmreif gemacht werden. Tann ging die^französische Infanterie zun: Sturm vor. Aber bald mußte mau feststellen, daß die Widerstandsfähig keit des Gegners nicht merklich geschwächt war. Ter Wider- flanö des Gegners war derart, daß es trotz der heftigen Beschic ßung dirrch Geschütze aller Kaliber zu außerordentlich heftigen Nah- känrpsen kgm.

Die politische Lage Chinas.

Am st e r da m, 22.. Aug. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einem hiesigen Blatt ineldet dieTimes" aus Peking, daß in der pvli-. tischen Lage Chinas offenbar eine wichtig« Wendung:- getteten ist. General Wupei-Fu hat an den Milftärg ouverneur von Nanking, Li-Shun, ein offenes Telegramm gerichtet, in dem er ihn aufforderte, füll an die Spitze einer Bewegung zu stellen, die zur Wiederherstellung des Friedens führen kann. In diesem Telegramm wird der Regierung der Vorwurf gemacht, daß sie den Kamps forffetzt. Sie wird beschuldigt, das neue Parlanreitt in Peking bestochen zu haben.

Die japairffchen Unruhen.

Haag, 22. Aug. Tie ,L)imes" meldet ans Tokio: Nachdem der Kaiser, die Regierung und mehrere Großkausleute bedertteude Betrage zur Erleichterung des Notstandes der Bevölkerung zur Verfi'lgung gestellt haben, haben die örtlichen Behörden Maßnahmen zur Unterdrückung der Unruhen gettoffen. Alle öffentlichen In­stitute sind geschlossen worden. Der Reispreis ist auf das Dreifache des im Jahre 1914 gezahlten Betrages gestiegen.

Eine nvrdamerikanrfche Stadt durch einen Sturm zerstört.

Minniapolis, 22. Aug. (WTB. Nichtamtlich.) Reuter- Mellmug. Ein Tornado hat in der letzten Nacht die Stadt Tyler heimgesucht. Nach den bisherigen Meldungen sind .56 bis 100 Personen umgekommen. Das Geschäftsviertel de^ Stadl ist dem Erdboden gleick^emacht. Ein Zug wurde mis den Schienen geworfen, wobei 12 Personen.getötet und viele verwundet wurden.

KLmtlicher %t\L

An den Oberbürgermeister zu Gießen und an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Tie im Kreisblatt Nr. 77 vom 5. Juli 1918 abgedruckte Bc- lanntmachung der Reichsstelle für Gemüse imi> Obst vom 23. Mai 1918, betr. das Verbot der Verarbeitung von Obst zu Obstwem, ist alsbaw du ich Ärschlag und unter besonderem Hinweis auf du Strafbarkeit der Zrmüderhandelnden durch Ausschellen mit der Orts schelle zur allgemeinen Kenntnis zu bringen.

Gießen, den 22. August 1918.

Großherzvgltches Kicksamt Gießen.

I. V.: C e 11 a r i u S.

Bekanntmachung.

Lctr Verordnung über Herbstgemüs« und 5oerbstobst der Ernte 1918

Tie nachstehend abgedruckten Verordnungen der Reichsstelle !ür Gemüse mck> Obst in Berlin vom 15. 8 . 18

1. über Erzeugerhöchssöhreise^für Gemüse,

2. über das Jnkrasttveben der Verordnung über Hettchgemüse und

Herbftobst der Ernte 1918 vom 19. Juli 1918

bringen wir hiermtt zur ösfentlicheu Kenntnis. Glaichzeittg be­stimmen wir aut Grund des Z 9 der Verordnung vom 19. 7. 18 bis au! 'weiteres unter Vorbehalt einer endgültigen Rcgelmrgj das Folgende:

Im ganzen Gebiet des Großherzogtnws ist die gesantte Ernte an Weißlohl, Rotkohl, Wirsingkohl, Grünkohl, Möhren aller Art und Zwiebeln an unsere Gefthäfts- abteilung käuflich zu liefern und auf Abrut air unsere Bezirks­kommissionäre zu verladen. T-iese und ihre mit der (grillten) Aus- uuiskarte versehenen Aufkäufer sind allein zum Einkauf der ge­nannten Gentüs .'itten befugt.

Erzeuger, lreVyr die genmmten Gemüsearteu an airdere Per­sonen als an nnsere Bezirkskommissronäre und ihre Anfkäufey verkaufen, desgleichen Personen, ivüche, ohne lsterzu befugt zu sein, die genannten Gemüs«arten kaufen, iverden mck GesänAris- . strafe bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu 10000 Mark oder mit fine dieser beiden Strafen bestraft, lllurbhäingig von der Strafe werden die genarmten Gemüsearten ecktgezogen werden, vhns ll.tter schied, ob sie dem Täter gehören oder nicht.

Wir weisen besonders darauf hin, daß die Inhaber der bramrenl Ausweiskarte zum Einkauf der genannten Gemüsearten nicht bcrchtigt sind. Tagegen bleibt noch § 4 der Verordnung der Rcichsstelle für Gemüse und Obst vom 19. 7.18. der Absa tz durch den Erzeuger unmittelbar an den Verbraucher hei, .venu an einem und desnfelben Tage an dar gleick^n Ver- brauck^r nicht nrechr als 5 Kilogramm Gemüse von ^3 wiebeln ^edock) nur 1 Kilogramm «gesetzt werden, ojüte ohne orese RdengenbeAenzung her Absatz der zu diesem Zweck überwiesenen 'Mengen durch den Kleinhändler an den Verbraucher und der Verkehr auf öffentlichen Märk­ten. Desgleichen bleibt der Absatz zur Erfülllürg der von der

ReichKstelle (Geschäftsabteilung) abgeschlossenen oder von der Ver- waltungsabteiluTtg der Neichsstelle oder einer Landesstelle genehmig­ten Verträge zulässig.

Ata : n z, den 20. August '1918.

Hessische Londes-Gemüsestelle. Berwaltungsabteilung,

Der Vorsitzende: I. V.: Hiemenz.

Bekanntmachung

über Erzeugerhöchstpreise für Gemüse.

Aus Grund des Z 4 der Verordnung über Gemüse, Obst und Südfrüchte vom 3. April 1917 (Reichs-Gesetzbl. S. 307) lvird bestimmt:

§ 1.

Ter Preis ftrr folgende inlandrschie Gemüse darr bis auf weiteres beim Berbaus durch den Erzeuger die nachstehenden Sätze je Zentner iricht üüackteigen:

1. für Weißkohl s . * . e 7.60 Mk.

2. für Rotkohl . ; . . 12.40

3. für Wirsingkohl . ... 10.50

4. für rote Speisenröhre» und

tängliche Karotten . . . 8.50

5. für gelbe Speisenröhreu 4.75

6. für lleine rund« Kawtten 18.00

Bei Lieferung auf Grün o eines von der Neichsstelle sür Gemüse und Obst ad- geschlossenen oder von ihr genehncigten Lieferungs» Vertrages:

8.00 Mk.

13.00

11.00

9.00

5.00

Tiefe Preise gellen für gesunde, marktfähige Handelsware fret

verladen in Bahmvagcn oder in Lchiff.

§ 2 .

Diese BekanMinachung tritt am 19. August 1918 in Kraft. Berlin, den 15. August 1918.

Neichsstelle für Gemüse imb Obst.

Der Vorsitzende: In Vertretung: Moll.

(Aus demReichsanzeigett^ Nr. 193 vom 16. August 1918.)

Bekanntmachung

über das Inkrafttreten der Verordnung über Herbstgemüse und Herbstobst der Ernte 1918 vom 19. Juli 1918.

Tie Verordnung über Herbstgemüse und Herbstobst vom 19. Juli 1918 (ReicBanzeiger 176 vom 29. Juli 1918) tritt bezüg­lich des Herbstgemüses am 19. August 1918 in Kraft.

Berlin, den 15. August 1916.

ReickMdelle für Gemüse und Obst.

Ter Vorsitzende: In Vertretung: Mol l. llAns demReicknÄrnzeigeK^ Nr. 193 vom 16. August 1918.)

Betr.: wie oben.

Die HessißHe Landes-GLmüftftellc an die

Großh. Bürgermeistereien der L andgemeinden des Landes.

Untkv- Hinweis auf vmfftehende Bekanntmachung beauftragen

wir Sie, diese in Ihren Gemeinden ortsüblich bekanntzumachen. Zuwiderhandlungen sind zur Anzeige zu bringen.

Mainz, ben 20. August 1918.

Ter Vorsitzende: I. V.: H'iemenz.

* Bekanntmachung.

Bet r/k Die Bewirtschaftung der Möhren.

Wir sehen uns veranlaßt, daraus hiuzuweiseu, daß durch um- sere Verordnung vom 5. Oktober v. Js. in der Fassung der Ver­ordnung vom 9. November v. Js. über die Belvirtschaftung von Weißkohl, Rotwhl, Wirsingkohl und Möhren, Mölken aller Art (rote Möhren oder Gelbrüben, gelbsleischisse Möhren, weiße Möh­ren mtb Karotten) im ganzen Gebiet des Großherzogtums Hessen nur mtt unserer Genehmigung abgesetzt werden dürfen. Ties« Verordn unger st reckt sichauchaufdiejenigen Möh­ren, welche durch Verziehen oder Lichten der Aus« saatmöhren gewonnen werden.

Von dieser Absatzbeschränkung bleibt unberührt der Absatz durch den Erzeuger an den Verbraucher, wenn nicht mehr als 5 Kilo­gramm an den gleichen Verbraucher abgesetzt werden, sowie der Ab­satz durch den Neitchändler iund der Verkehr aus öffentlichen Märk­ten. Tie Kleckchändler müsseit iin Besitz unserer braunen Ausweis­karte sein.

Ein übermäßiges Verziehen der Möhreuselder, der Absatz ohne Genehmigung oder an nicht berechtigte Personen, sowie ein Ver­kauf der Möhren über den Erzeuger-Höchstpreis ist verboten.

Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften iverden nach § 8 der Bekanntmachung vom 5. Ollober v.^J soweit nickst nach anderen Sttafbestiminungen eine härtere Strafe verwirkt ist, mit Gefängnis bis zu einem Jahre und mck Geldstrafe bis zu 10 000 Mk. oder mit einer dieser Strafen bestraft. Neben der Strafe kann aus Einziehung der Vorräte erkannt iverden, auf die sich die straf­bare Haudlimg bezieht, ohne UnterschiÄ), ob sic dem Täter ge­hören oder nicht.

Mainz, den 17. Juli 1918.

Hessische Landos-Geinüsestelle. Verwaltungsabteilung. 0 Der Vorsitzende:

Werner, Regierungsrat.

Betr.: Wie oben.

Die Hessische Lan-es-Gemüftstekle an die

Kwßh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Unter Hinweis ans vorstehende Bekarrntmachung empfehlen wir Ihnen mck Bezugnahme aus tz 10 der Bekanickmachmrg Groß­herzoglichen Ministeriums des Innern vom 29. Septenrber v. I. diese vorstehende Bekanntmachung in Ihren Gemeinden ortsüblich veröffenllichen zu lassen. Das Potizeipersonal lvollcn Sie an weisen, die Einhaltung der Vorschriften der BekanntmnchmV 'r kontrollieren und Zuwiderhandlungen zup Anzeige zu bripgen Mainz, den 17. Jrcki 1918. ' 5408E

Der Vorsitzende:

Werner, RegiernngSvat.