Nr. M Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Dienstag, 20. August (9(8
Art» Stadt und Canft.
.. w . T ■ r m , Gieben , den 20. August 1918.
Amtl iitfre r fona fnü tfr ri rf>tc n. Der Grotzherzog dar am^lO VUxmift dem Direktor der RealsMste in Mchelstadt Emirat - Tr. Heinrich Gerhard aus Anlab seiner Verdung m den Ruhcitand das Ehrenkreuz des Verdienstordens Philip^ des Großmütigen verliehen. - Bestätnrt lvurde am 3 . Angusl. der von dem Für, den zu Solms^Bvannsels ans die er-
Lehrers!eile an der Volksschule zu Bettenhansen, im Kreise Größen, praientterte Lehivw Georg Schieferstein zu Queckborn für — Ernannt wurde am 14. August der Schreibgehilfe ^akü» Acichel m Mamz, z. Zt. im Felde, zum Schceibgehstsen bei dem Amtsgericht Mainz.
** ^vermittelte H^ er e sangehörige, Nachlatz- und Fundlachen. Das Stellvettretende Generalkommando ves 18. Armeekorps weist daraus hin, dass sowohl bei Len Landrats- bzw. Krersänttern, als auch bei allen militärischen Kmnmandobehörden, Garnison- n.rd Bezirrslommandos, Ersatztruppenteilen, Lazaretten nsw. die den Verlustlisten von Zeit zu Zert beigegebenen Li,ten „lluermittelte Heercsangehörige, Nachlaß- und ,vinrbracf>en" nebst beit dazugehörigen Beilagen. „Bstöertaseln mit Photographien und Abbildungen von Gegenständen aus den Nachlässen unb. rannt Gefallener" eingeselen io rden iönnen
** Zum Absatz von Obstwein. Tie Geschästsabteilung der Reichs,leite für Gemüse imd Obst hat unter dem 12 August 1918 eine 'Zekanntmachung im Reichsanzeiger Nr 191 erlassen, rn welcher sic darauf hinwieist, Satz sie die ihr verordunngsmästia zw- stthends Geitehmtgung zum Erwerb voii Obst zu Kelterzwecken zunächst nur für Heidelbeeren und Kelterbirnen auf Anttag erteilt. Tie Oknehmigupg zum Erwerb von Kelteräpfeln macht sie von her vorherigen aiisnahmsweijsen Zulassung der Kelterung durch die zu- Iländige Lau des, teile, in Preußen durch die Provinzial- oder Be- zttksslelle. abhängig. Von gröberer Wichtigkeit für die Oefsent lrchteit ist die iveitere Bestimmung der Bekanntmachung, wonach bis aut weiteres jeglicher -Absatz von Heidelbeer-, Birnen- und Apfelwein des Jahrganges 1918 im .Handel < erboten ist. Tie Beschränkung der Bestimmung aus Heidetbeec-, Birnen- und Apfelwein hat ihren Grutrd darin, daß die gewerbsmäßige Herstellung woii anderen Obst- und Beerenweinen bereits durch die Betannt- mackmng der Reichsstelle für «Gemüse und Obst vom 23. Mai 1918 verboten .ist.
** Preise für Heu aus der Ernte 1918. Nachdem sich jetzt die Erlebnisse der Heuernte überblicken lassen, hat der Staatssekretär des Krieg sernährungsa ml S die Preise für Heu aus -der Ernte 1918, und zwar für Heu von K'leearten (Luzerne, Eschersetto, ^Rotklee. Gelbllee, Weißklee usw.) rruf 11 dNark, für Wiesen- und Feldheu auf 10 Mark für den Zentner endgültig festgesetzt. Tiefe Preise gelten auch für Heu der Ernte 1918, das an das Heer oder an kriegswirtschaftlich wichtigte Betriebe schon geliefert ist. - ReickO-GeseKl. Nr. 112.)
Kreis Büdingen.
. . ? nüu ' .19- Aug. Das Eiserne Kreuz, bereits sttlher die Hessische Tapferkettsmedaille, erhielt der Landsturmnumn Hugo S-t es fa n.
** Höchst a. d. Nidder, 19. Aug. Zwei seltene Erinne- Tungeit begebt in diesem Jahre die hiesige Familie Schäfer., Mn 30. Januar waren es 250 Fahre, daß die Familie iw dAktem Mannesstamm in Höchst ansässig ist. Tenn am 30. Januar 1668 heiratete Johann Schäfer /Schaffer) aus Rendel seine Verwandte. die Tochter des damaligen Höchster Schulmeisters und, Herichtsschöffen Johann Schäfer, und übernahm das Gut seines Schwiegervaters, das sich bis freute in der Familie sottg^rbtf hat. Gleicitzeitig sind es jetzt 100 Jahre, daß die Familie daH Freiherrlich von Günderode'sche Gut in Höchst bewirtschaftet/ dessen Packmmg der hessische Hoheitsschisttheiß der Gerichte Höck/k und Lindheim Johann Konrad Schäfer im Jahre 1818 über- Mumxn hatte.
Kreis Schotten.
Schotten, 19. Aug. Tie Ludendvrsf-Spende ergab im Kreise den Betrag von 13 218 Mark. — Rudingshain. Das Eiserne Kreuz und die Hessische Tapserkettsmttxrille erhielt der Fechrer Karl Linker. — Nieder-Seemen. Schütze Karl H i l d erhielt das tLserne Kreuz, beretts früher die Hessische Tapfer- kettsmedaille Zu Gfrvenschützen unserer Gemeinde wurden er-i nmrnt und verpflichtet: Heinrich Müller, Heinrich Braun,' Johannes P ep pel, Johannes Karl W e i tz e l, Konrad Breit- w> i e f e r, Wilhelm -©inner und Heinrich Retitzel.
Ö Gedern, 19. Aug. Der Vorsitzende des Kriegervereins, cKranLenkassenrechner und Gemeinderatsmilglied Konrad Verlach, wurde durch Verleihung des Preußischen ^Zerdienstkreuz-eD für Kriegshilsc ausgezeichnet.
Kreis Friedberg.
4t Melbach, 19. Aug. Das Eiserne Kreuz erhielt der Wehrmann Heinrich Kl e berge r. — Wohnbach Musketier (Otto Wolf erhielt das Eiserne KvLuz. - Nie der -Wöllstadt. .Das Eiserne Kreuz erhielt der Uhrmacher Karl Theodor Müller! — Södel Reservist Karl Walz erhiett das Eiserne Kreuz. Hessen-Nassau.
= Frankfurt a. M., 19. Aug. Die große Umformerstätion 3>er Straßenbahn am Schillerplatz, die am 3. Mai durch Einsturz tzerstött wurde, ist in ihrer Wiederherstellung soweit gefördert worden, daß am Sonntag der probeweise Betrieb teilweis wieder lausgenommen werden konnte. Betriebsfähig sind vorerst die beiden 'großen und zwei kleine Transformatoren. Tie gesamte Anlage llrttxrrs zu ihrer Fertigstellung allerdings noch langer Monate. Am Mittwoch wird der direkte Verkehr mit Hombirrg and Oberursel wieder ausgenommen.
X. Hanau, 19. Aug. In der Sitzung der städtischen Brot- kommissron würbe mitgeteilt, daß las Kuchenbackoer bot für Privat- haushaltungen auch für den Landkreis Hanau aufgehoben wurde, da es sich praktisch nicht bewahrt habe. Das .Kuchenbacken darf jttwch nur in den privaten Haushaltungen stattsinden, dagegen nicht bei den Bäckern Der 1800 Gramm wiegende Laib Brot wird nun 86 Pfennig kosten, bisher 74 Pfennig.
HocbfcHnlnacdxßchten.
Frankfurt a. M., 19. Aug. Geh. Rsg-Rat Pros. Dr. Wachs mu t h, Ordinatt^ für Etperimentalvhysik, hat von einer Marinedioision den .Auftrag erhallen, eine Vortragsreisc! ru Belgien zu veranstalten. An dem Kursus werden sich beteiligen) tov Professoren Drev ermann, Fr eund, Kautzsch, Lo- irenz, Panzer, Petersen, Seddig, Steche und Voigt.
Spielplan -er vereinigten zrankfuüer Sta-ttheam.
Opernhaus.
Mittwoch 21. Aug.: Geschlossen. Donnerstag 22,6^'«: „Margarethe". Freitag 23., 7 i/ 2 : Volks Vorst. „Tie Fledermaus". Samstag 24., 7: „Ton Juan". Sonntag 25., 61 / 2 : „Ter Prophet" JJumtaa 26., 71 / 2 : Soiidervorst. f. d. kriegsbeschäst. Arbeitersch. (Kern Kartenverk.) „Das Glöckchen des Eremiten". Dienstag 27., 7Vr : „Die Entführung aus dem Serail". Mtttwoch 28., 7: „Tie Gezeichneten".
rtzausplelhaus.
Mittwoch 21. Aug., 71 / 2 : „Stella" Donnerstag 22., 7: „Der lebende Leichnam". Freitag 23., 7i/ 2 : „Tie Laune des Verliebten". Hrerauf: „Die Mitschuldigen". Samstag 24., 1 % : „Schneider Wrbbel". Sonntag 25., Sy 2 : Vorst, f. d. kriegsbeschäst. Arbeitersch. (K'ern Kartenverk.) „Jugend". 7y 2 ; „Zwuckeitsviel". Montaa.26.. Schneider Wchbel". .Dienstag, 27.. l l / 2 : N«r einstud. .^Zm
.7i
lveißeii Rößl „Egmont
Mittwoch 28., 6 V 2 : Zu Goethes Geburtstag.
Vermischte».
Rhein—Main—Donau.
K. P. Augsburg, 19. Aug. Wie die „Abendzeitung erfährt, sindt die Bereisungen der Linienprüfungskommission des ineuen Donaustromverbandes bezüglich der Grvßschiffahrtsstraßs Rhein—Matii—Donau jetzt abgeschlossen. Während die Besichtigung der Lmien im ivestlichen Donautal schon vor einiger Zeit stattfaüd, ist der östliche Teil bis Regensburg erst in den letzten Wochen bereist worden. Im Verkehrsministxium hofft man mit dem Ergebnis bis Ende 1918 fertig zil sein, worauf die Projekte zur Begutachtung an den technischen Ausschuß gehen.' Es ist zu erlvarten, daß die Verkehrsverivaltung an der Hmrd der Ergeb- lnisse der Bereisungen die Fortführung der Arbeiten möglichst beschleunigt, so daß bal) über die"zu führende Kcnwllinie etwas Endgültiges beschlossen werden wird. Eine große Rolle spielt der. Anschluß Münchens und Augsburgs.
Letzte r7«cdrichten.
Dev neueste Bericht -er Heeresleitung.
(WTB.) Grostes Hauptquartier, 2V. August. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
HeeresgruppeKronprinzRupprecht.
SLdwestlich von Bailleul steigerte sich die Artilleri^- tüttgkeit mehrfach zu großer Stärke. Auf dem Kampffelde des 18. August erneuerte der Feind gestern abend seine Angriffe. Sie kamen südlich von Mezeren in unserem zusammengefa^- ten Feuer nicht zur Entwicklung. Nördlich von Vielux- Berquin wurden sie im Nahkampfe abgewiesen. Beiderseits der Lys nahmen wir vor einigen Tagen unsere westlich von Merville weit vorgcsckiobenen Posten ohne Kampf in eine Linie östlich des Ortes zurück. Merville wurde gestern nacht von feindlÄen Abteilungen besetzt. Bei Lens und an der Smrpe wurden englische Vvrftöhc abgewiesen.
Heeresgruppe Generaloberst von Boehn.
Nördlich vvn Lihons griffen unsere Stoßtrupps die vor dere englische Postenltnie an, nahm ihre Besatzung gefangen und wehrte mehrfache Gegenadiffe des Feindes ab. Südwestlich von Chaulnes schlugen wir am Abend nach kurzem Feuerschlag vorbrechende feindliche Angriffe zurück. Westlich von Roye griff der Franzose erneut mit Panzerwagen an. Er wurde abgewrestn. Bei Beuvreignes und an der Oise tagsüber erbitterter Kamps. In breiter Fwnt ging der Fran &)tc zum Teil mit frisch eingesetzten Divisiorren wirderlwlt zu starken Angriffen vor. Srldlich von Craceaumesni! brachen seine Angriffe vvr unseren Linien zusammen. Beiderseits von Fresnieres scheiterten sie in unserem Gegenstoß. In hef- ttgem Nahkampf wurde der Feind zwischen Lassigny und Thiescourt abgewrrsen. Teile unserer vorderen Linien, in die er vorübergehend eindrang, wurden wieder gesäubert. Ebenso hielten wir pMere bis zur Oise anschließenden Linien gegeir hartnäckige Aiigriffe des Gegners. Bis zum Abend war der Feind in stine Ausgangsstellungen zurückgeworfen.
Zwischen Oise und Aisne nahm der Feuerkampf am Nachmittag wieder große Stärke an. Gegen Abend setzte der Feind seine Infanterie-Angriffe zwischen Earlepont und Nouvron ein. 9luf diesen Angriffsflügeln wurde er im Nah- kampfc abgewiestn. In der Mitte der Front hielt unser Arttllericfeuer die Jnfmtterie des Feindes vor unseren Stel- luugen nieder.
Heeresgruppe Gallwitz.
Zwischen Maas und Mostl drangen unsere Erkundungsabteilungen mchrfach in die feindlichen Gräben ein.
*
Leutnant Veltj-ens errang seinen 29., 30. und 31., Vizefeldwebel May seinen 21., 22. und 23., Leutnant Roech seinen 22. Luftsleg.
Der Erste Genemlquartiermeister Ludendorff.
Kriegszicle des Verbandes.
Karlsruhe, 19. Aug. Wie die „Züricher Post' zuLeriässig erfährt, wird der Verband jeden Vermittlungsversuch, durch neutrale Stellen einen Verständigungsfrieden eirrzugehen, entschieden ablehnen. Wer derzeit in Paris wn einem solchen nur spreche, werde als deutschfreundlich hingchellt. Me Berichte und Aeuße- rungen der Staatsmänner des Verbandes aus den letzten Tagen besteigen, daß der Verband wehr als je einen Eroberungsfri^en anstrebt und die völlige Besiegung des Gegners erreichen 'will, und daß er sogar Anstalten trifft, bei weiteren nrilitärffchen Erfolgen die bisherigeii Kriegsziele zu „vevidiereir", das heißt, zu erweitern.
Holländische Friedensvermittlung?
^ Bern, 19. Aug. Tie „Zürc>- Post" erfähtt von besonderer Stelle, daß die Neigung 'für .'in.- F r i e de n s v er m i t t l u ng- i it Holland stark aji 'Boden gewonnen hat. Anzunehmen ist, daß auch der Führer der holläirbisck >l Rccheruiig N'olcns diesem Plane freundlich gegenüberstht, so>daß dieser zu einem Regierungs- schritte führen kann.
Französische Friedensbedingunqen^
Kopenhagen, 19. .Aiig. Tas 'französjsckM Lozialfftenblatt „Humanste" daß sich in 'letzter Zest viel mit dem Frieden beschäs- tigr. sagt in einem neuen Artikel, es sei iest überzeugt, daß der Friede aus folgender Grund lag e'geschlvsstm werden Umic : Räumung der besetzten Gebiete, Riickgabe Ser deutschen Kolonien gn Deutschland, Freiheit der Meere eurch Neutralisieru'ng und i nternationali^ sierung der 'Wassers!raßen und Flottenstattonen. Bezüglich Elsaß- Lolhringens und des italienisch:n 'Oesterreichs sagt ee? Blatt, daß diese beiden Fragen aus oer allgemeinen .FriedensDifferenz gelöst norden könnten. Sie 'seien aber beide nicht so viel jmxt, daß der Krieg ihrctwegeil auch nur jim eine Minute verlängert ju werden^ brauche. Ter Artikel 'schließt: Diese Ausfassung wrrd von allen Soldaten geteitt. Gegen andere Ansichten über den Frieden wird von deneii in -den Schützengräben aufs heftigste protestiert.
Gegen Elemencrau.
Genf, 19. Aug. Gegen das Regime, so schreibt der „Pvpn- foüe", dem gegenwärtig die öffentliche M^rnung in Frankreich unterworfen ist, muß sich alles erheben. Was in diesem Asugen^ blick vor sich geht, ist unerhört. — Me „‘na&tnlte" veröffentlicht im Sperrdruck unter dem Tstel „An alle Männer der Linkew, an^ alle denkenden Männer" ein Manifest, in dem erklärt wärd, daß das letzte Wort in der Malvy-Affäre noch nacht gesprochen sei. — Unter dem Titel „Das republikanffche Land verweigert die Ratifikation des Urteils § verösfentticht die .-HuManäte" Protestkundgebungen gegen das littest im Mcstvy-Prozeß aus dem zen Lande. .
England in den nordischen Gewässern.
Berlin, 19. Aug. (WTB. Nichtamtlich.) „Nya Tagligt Alle- handa" schreiben: Engürnd will Skandinavien in den Rücken fallen, sich zum Herrn ‘bet nordischen Fischgewässer machen und Mitteleicropa die Eisenerzzufuhr abschneiden. Tos Blatt greift die scktwedische Politik in Sachen'Finnland an. Turch Finnlands Anschluß an den skandinavischen Norden würde erreicht worden sein, daß dieser außerhalb des 'Krieges geblieben wäre, jetzt aber werde Finnland genötigt sein, mst 'Teutschland gegen die Eltterrte zu kämpfen. Iw eigenen Interesse 'müsse man Frmstand ben. Sieg wünschen.
Eine italienische Offensive?
Zürich, 19. Aug. Die-„Zürch Morgenpvst' '"chreibt: Der Personen- und Geschäftsverkehr nach iJtalien ist vollständig einge-- stellt. Ties deute auf w ev 0 rstehe n de g ro ße kr i ege ri sche Ereignisse hin.
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung
betreffend die Entrichtung des Warenumsatzstempels.
Aus Grund des § 161 der Lhzs führungsbestimmun gen zum RevckBstempelgesetze werden die zur Entrichtung der Abgabe vom Warenumsätze verpfliäMten gewerbetreibenden Personen und Ge^ sellschaften der Finanzamtsbezirke Gießen, Butzbach, Grünberg und Hungen aufgesordett, den steuerpflichtigen Jahresbetrag rhres Warenumsatzes für die Zeit vom 1. Januar 1918 bis 31. Juli 1918 bzw. bei Waren, für welche die Rücklagepsticht noch der :3ekanitt- mochung des Reichskanzlers über die Sicherung einer Umsatzsteuer auf Luxusgegenstände vom 2. Mai 1918 besteht, für die Zest vom 1. Januar 1918 bis 5. Mai 1918 bis spätestens zum Ärde des Monats August 1918, den Unterzeichneten Finanzämtern schriftlich oder mündlich anzumelden.
Ms steuerpflichtiger Gewerbebettieb gstt auch der Betrieb der Land- und Fvrstwittschaftt der Viehsucht, der Fischerei und des Gartenbaues sowie der Bergwerksbettteb.
Beläuft sich der Jahresumsatz.auf nicht mehr als 3000 Mk., so besteht eine Verpflichtung zur Anmeldung und eine Abgabepflicht nicht.
Wer- der chm obliegenden Amneldungsv erpftichtung zuwider- handelt oder über die empfangenen Zahlungen oder Lieferimgenl wissentlich) unttchtige Angaben macht, hat eine Geldstrafe verwirkt, welch: dem zwanzigfachen Betrage der hinterzogenen Abgabe gleich- kommr. Kann der Bttrag der hinterzvgenen Abgabe nicht fest- gestellt iv-erdeit, so tritt Geldstrafe von 150 Mk. bis 30 000 Mk. ein
Zur Erstattung der schriftlickmr Annreldung si'.rd Vordrucke zu verwenden. Sie können bei den nnterzeichntten Fchan-ämtern sowie der zuständigen Bürgermeisterei kostenlos entnommen werden
Steuerpflichtige sirrd zur Anmeldung ihres Umsatzes verpflichtet, auch lvenn ihnen Anmeldungsvordrucke nicht zugegangen sind.
Tie Abgabe ist alsbald nach ihrer Festsetzung an die zuständige Kassestelle zu entrichten.
Gießen, Butzbach, Grünberg, Hungen, den 6. Mgust 1918.
Tie Großherzoglichen Firianzämter.
I. V.: Franz, Flath, Wenzel, Mä i. 5879V
Bekanntmachung.
Tas Ersatz-Batastlon Jnf.-Regts. Nr. 116 beabftchttgt am Donnerstag den 22. l. Mts, von vormittags 8 Uhr bis nachmittags 6 U hr, Scharffchießen nördlich Großen- Buseck vom Mte-Berg aus mit der Schußttchtung nach Norden abzubalten.
Es ist verboten, das gefährdtte Gelcnrde von morgens 8 Uhr bis nachmittags 6 Uhr zu bett.ten. Ms Gesahrzone kommt in Betracht: Tas Gelände nördlich der Sttaße Großerr-Bu,'?^
Beuern und der Waldkomplex zwischm Beuern, Elimbach, Taub- ringen, Mte-Berg, Mten-Buseck und Hvh-Berg. Tie Chauss ct rllten-Buseck, Großen-Buseck, Beuern bleibt für den Verkehr frei: ebenso das Feld südlich Treis und östtich Mainzlar und Daubringen bis zum Wald; ferner das Feld östlich Attcm-Buseck bis zum Hvh-Berg.
Die in Bettacht koni.menden Großh. Bürgermeistereien werden aufgesordett, vorstehende Bekanntmachung alsbald ortsüblich zu veröffenllicheu.
Gießen, den 20. Anchfft 1918.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Vr. U sing er.
Aus dem Lande der volschewiki.
i Von unserm Sorrderberichterstatter.
Man hört hier im Baltenlande doch ein bißchen mehr uiid -um Teil auch Neues über die russischen Tinge. So etwas sieht sich eben in der Nähe anders an. Nun habe ich auch endlich erfahven, wer die Bolschewisten eigentlich sind. Sie setzen sich nach meinem (Gewährsmarin zusammen aus den ehemaligenkrussischcn Subalterti- lbsamten, die die Regicrungsmethoden ihrer Borgesetzlett genau kenuen, und einigen Juden, die die Bewegung systematisieren^ Man könne von diesen nicht sagen, daß sie die geistigen Führer und Urheber sind. Nachdem jene Subalternen ihre Oberen entfernt, setzten sie deren Werk fort. Die Bauern haben sie ebenso gegen sich wie die Intelligenz.
Ter russische Bauer gibt den Bolschewisten nicht ein Korn Vetreide und wenn sie mit Geivalt kommen, werden sie mit blutigeii Köpfen heimgeschickt, jÄ>es Tors ist nrit Stacheldraht umgeben und zur Festung geivorden, denn die Bauern haben ebensogut Moschineng.-wehre wie die Bolsck-ennsten. Wohl aber bekommen me Vertreter der jJnttlligenz, die sogenannten Burschui (Bourgeois)!
den Bauern Nahrungsmittel gegen bares Geld. Solche nehmen chnen aber die Bolschewisten nachher wieder ab. Tie Lage dieser intellektuellen, zu denen die Vettrtter von Handel und Industrie Nt zählen sind, sei denkbar ttanttg. In Petersburg versehen jie tatsächlich die Stellar per. rriederstar Arbeiter, um nur zu essen
zu bekommen. Dennoch verhmtgern sie buchstäblich. Ein vor kurzem aus Rußland Zurückgeke^tter hat z. B. am Winterpalaft eine fraglos den gebildeteil -rttänden angchöttge Frau gesehen, die sich Halbolmmäckftig gegen die Wand lehnte und immer stöhnte: gebt Essen! Solange die einst Besitzenden noch etwas zu veräußern finden. bramlMi sie ja nicht geradezu zu verhungern^ Aber der Verkäus des Mobiliars, der Kleidung hött auch einnral auf, zumal er nur zu Schleuderpreisen möglich ist. Nur diejenigen, die Geld nach Sckftvedeit gerettet haben, und vvn dvtt noch regelmäßige Sumnren l-erüberbekomnreit, könneir ihr Leben srisdeir. Dennoch müsse es einmal soweit kommieu, wo diese Bepöllernngsklasse zur Verzweiftung getrieben ivird. Tas sei dann der psychologische Moment für Teutschckand. Gelänge es uics, den Intellektuellen zu helfen, so ivürdc damit die für Rußland ebenso notivendige nne für Teutschland nützliche jnirere Verbinduirg mit dem ehemaligeni Zarenreick«: wieder hergestellt werden. Jnzwisck-en arbeiten Eirgland und Amerika. Brantmg habe seinerzett den Bolschavisten Eittento- geld gebracht, heut strömt es direkt ins Land. Zirgleich kaufen 'Engländer und Llmerikaner alles auf, was sie,an Kunsffchätzen und Altertümern erreichen können.
Im allgemeinen scheint die Revolution wesentlich harmloser verlaufen zu sein, als man aus den Zeitungen schließen durfte. Es wurden eben nur die wenigen heftigen Wellen registnett, während die allgemeine Zersetzung langsam und weniger katg- stwphal erfolgte.
Die Vernichtung und Zersplitterung der staatlichen Kunstschätze scheint z. B. nicht im behaupteten Umfange loahr zu fern. Tie wertvollsteu Bilder der Eremttage sind alle nwhlverpackt in Sicherheit in Moskau unter Obhut ihres alten Konservators Auch auf den livländischen Gütern ftndet man selten ernsthafte Spuren der Bolschewisterüiewegung Meist haben die Rcwolu tionäre sich zunächst damtt begnügt, die „Barone" an die Luft zu setzen und sich deren Befttz zu testen, während die Herren nach Sibitten^verschleppt wurden, von wo sie fast aste unbeschÄäÄ imeber zurüttkehrten.
Weil aber beim Testen ferner dem andern etwas göruttc. so blieb schließlich das meiste zusammen, bis die deutschen Tru)^ pen kanten und die Aufrührer verjagten. Nur wurden überall die großen Räume der Schlösser als Bersammlungsotte benutzt Und von der Anwesenheit hunderter rauchendet. ttampelnder Männer und Fratten in schmierigen Stiefeln blieb dann eben manch peinlicher Erdenrest, der ober mit Wasser und Seife ent fernbar war.
Heute steht nneder alles an seinem altetr Platzt-, und von der russischen Revolution sind fast mir noch die rückseitig bedruckten/ Bttefmarken mtt dem Zarenkopf als Zahlungsmittel übrig, sonne die sagenhaft hohen Preise für alle LebensbedürsMe.
I. V. Bülow.


