Nr. 77 Zweiter Statt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesien)
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Mittwoch, 5. April m»
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Vorteile der Kriegsanleihe-Zeichner.
Airs einem sehr interessanten Bvrtrage, den der Reichsbankpräsident Dr. Havenstein vor einer großen Versammlung in München gehalten hat, sind einige Stellen ganz besonders hervorzuheben, in denen dargetan wird, wie das Reich letzt und in der Zukunft darauf bedacht ist, den Zeichnern von Kriegsanleihe besondere Vorteile zuzuwenden. Exzellenz tzavenstein führte aus:
Mir toird berichtet, daß auch jetzt wieder vielfach die Auffassung verbreitet ist, daß die Kriegsanleihe in erster Linie zu einer Vermögensabgabe nach dem Kriege herangezogen iverden soll. Die Vorhaltung, daß es eitel Narrheit sei, zu glauben, das Reich könne jemals diejenigen, die ihm in schwerster Not mit ihrem Gut geholfen, dafür noch besonders strafen, scheint bei diesen Neunmalklugen nicht immer zu verfangen; da hilft aber vielleicht, wenn man ihnen die Augen öffnet und ihnen zeigt, daß das Reich die Anleihc- zeichner tatsächlich nicht straft, sondern gerade im Gegenteil bereits bevorzugt und solche Bevorzugung auch für die Zukunft versprochen hat. Bei der Kriegssteuer kann der Steuerpflichtige seine Steuer in Kriegsanleihe zum Nennwert zahlen und hat dann einen Vorteil von 2 Prozent vor denen, die Leine Anleihe haben, und gleiches hat der S>m Reichs- schatzsekrctär auch stur die eine oder andere zukünftige Steuer bereits in Aussicht gestellt: der Kriegsanleihezeiämer, der zur Abdeckung seiner Zeichnung bei den Darlehnskassen ein Darlehn aufnimmt, braucht dort nur 67s Prozent Zinsen zu zahlen, andere Darlehnsnehmer 5 l / 2 Prozent. Und noch ganz neuerdings hat der Reichsfchatzsekretär angeordnet, daß bei den Verkäufen und Versteigerungen aus Beständen der Heeres-und Marineverwaltung sowohl jetzt wie hei der Demobilmachung nach dem Frieden, also insbesondere bei dem Verkauf von Pferden, Geschirren, Fahrzeugen, landwirtschaftlichen und anderen Maschinen, Futtermitteln und anderen Vorräten die bprvzentige Kriegsanleihe und die seit der 6. Anleihe ausgegebenen 472brozentigen auslosbaren Scyatzanweisungen — also gerade diejenigen, die auch jetzt wieder aufgelegt werden, — nicht nur wiederum zum vollen Nennwert in Zahlung genommen, sondern daß auch bei gleichen Geboten diejenigen, welche in dieser Weise zahlen, in erster Linie berücksichtigt werden sollen. Das wird sich um viele Hunderte von Millionen handeln und geht ja vor allem die ländliche 93et>ölferung an und wird voraussichtlich manchen, der bisher gerade wegen solcher späteren Anschaffung von Inventar geglaubt hat, bares Geld ansammÄn zu müssen, ^stimmen, solch kurzsichtiges Handeln aufzugeben und seine Gelder der Kriegsanleihe zuzuführen.
Auch darauf, was viele bedrückt, die Sorge, ob man jetzt oder nach dem Kriege, wenn man doch das Geld braucht, seine Kriegschileihe ohne schweren Verlust wieder flüssig machen könne, will ich kurz eingehen. Die Reichsdcrrlehnskaffen beleihen jederzeit die Kriegsanleil-e bis zu 85 Prozent des Zeichnungskurses und, wie ich bereits bemerkte, mit 57s oder 5 1 / 2 Prozent, und sie werden eine ganze Reihe von Jahren, ich nehme an, mindestens 4 oder 5, rwch weiter in Tätigkeit sein. Die Anleihen siird schon heute jederzeit ohne nennenswerten Verlust verkäuflich, und kleinere Beträge bis zu 1000 Mk. nimmt jede Reichsbankanstalt jedem Zeichner, der seine Kriegsanleihe aus wirtschaftlichen Gründen verkaufen muß, zum Ausgabekurs von 98 Prozent ab. Für die Zeit nach dem Kriege aber ist in Aussicht genommen, für die dann vorallssichtlich an den Markt drängenden sehr großen und loahrscheinlich nach Milliarden zählenden Beträge von Kriegsanleihen eine ganz große Ausnahmeaktion ins Werk zu setzen, und zu diesem Zweck unter Führung der Reichsbank die gesamte deutsche Bankwelt, soweit das möglich ist, d. h. soweit sie sich an den Börsenplätzen und sonstigeil Mittelpunkten des Verkehrs zu dazu geeigneten Bankvereinigungen zusammengeschlossen hat, zu einem großen Uebernahmekonsottiunt zusammenzufassen, um alle jene zum Verkauf gestellten Kttegs- ianleihen auszunehmen und die aufgenommerren Werte in einer Reihe von Jahren wieder im Inland oder Ausland unterzubringen, und ich hege reinen Zweifel, daß auf diesem Wege die Gefahr eines Kurssturzes, der mit dem iimeren Wert unserer Anleihen nicht iWlereilrstimmen und eine schwere Gefahr für die Reichs- und Staats- wie die Privatwirtschaft bedeuten würde, wirksam abge- wcndet werden wird.
Landesverbands-A'.isstellring hesfljcher Kaninchenzüchter.
th. Gießen, den 2. April 1918.
Am Samstag fand in der Turnhalle an der Nordanlage die Er- Ssfmrng der vom Vereinigten Kaninchell^Zucht- und Pflege-Verein Greffen veranstaltete Verbands-Kaninchen-Ausstellung durch den Schutzherrn Oberbürgernreister Keller statt. Der Vorsitzende des Gießener Vereins, Rud. Rüdiger, dankte den erschienenemi Vertretern der Behörden und den anwesenden Ehrengästen für die warmherzige Unterstützung der Ausstellung. Nur dadurch sei es möglich geworden, deir Preis richten: recht namhafte Ehrenpreise zur Verteilung für die Hervorragendstall Leistullgen auf dem Gebiete der Kanincherrzucht zur Verfüguirg zu stelleil. Oberbürgermeister Keller erklärte die Ausstellung für eröffnet, er sprach dabei den Wunsch aus, daß die Veranstaltung dazu l^i tragen möge, als Belehrung und Anregung zu dienen. Die Zucht und Pflege des Kaninchens sei besonders in der jetzigen Kriegsbeil: volkswirtschaftlich von ganz besonderer Bedeutung, es sei das Kaninchen in der Vvlks- ernährung ein wichtiges Problem, und jeder, der daran mitarbcite, xnadjii sich verdient um das Vaterland. Die Ausstellung selbst bot ein schönes, zusanrnlenhängendes Bild der Kainnchenzucht. Man fand fast alle Raffen des Tieres vertreten, darunter auffallend viel durchgezüchtete Tiere. Die Ausstellung wurde von rund 4000 izahlen'oem Beftlchern besichtigt und es kam dabei jeder der Besucher aus seine Rechnung. Dcln Sportz lichter wurde:! außerordentlich gute Vorbilder ^znm Vergleich gezeigt. 'Der Tierfreuu) fand vollauf Befriedigung über das Leben und Treiben in den nahezu 500 Ausstellung s käsigen, in herum sich tue Tiere vorteilhaft präsentierten.. Die Fraueinvelt konnte sich nickZt sattsehen an den ausgestellten Felten und Pelzen die sogar teilweise verarbeitet tvarcn. Die Kinder aber freuten sich über den zahlreichen jungen Nachwuchs der Tiere und deren possierliches Treiben. Der die Ansstellung veranstaltet habende Gießerwr Verein kann aber mit deren Erfolg nach' jeder Richtung zufrieden sein. — Die Preis Verteilung hatte folgendes Resultat: Es erhielten für beste Gesamtleistuirg Ehrenpreise:
Schimall-Gießen (Elwenpr. gestiftet vom Generalleutnant Klingel- höser), Bäckerrneistec Müller-Gießen, Neuenweg, (gestiftet von .Hofl. Niemann), Gastwirt Ziegler-Wieseck (gestiftet v^n Ticr/chutzverein Gießen), I. M. Abt-Darmstadt (gest. vor! Apotheker Schwieder- Gießen), Hch< Weber-Gießen (gest von Verleger Dr. Poppe-Leipzig '. Ferner wurden in den einzelnen Klassen vergeben: Ehren- und erste Preise bestehend in Geldspmden von 10 Mk. bis 7 Mk.
Alttiere.
Belgische Riesen, Rammler: Ehrenpr. der Stadt Gießen, Hch. Wieber-iGießen. Damen-Ehrcnpreise erhielten: F. Schniidt- G-eßen, Karl Wisl-Friedberg-Fauerbach. Vereins-Ehrenpr. erhielten Aid. Schaefer-Lich, Georg Pauli-BaL-nNauheim, .Hch*^ Deutsch»- Mainz-Monibach und Ludw. Sternbrecher-Darrnstadt. Häsinnen: Staals-Ehrenpi-.: Ad. S-chaeser-Lick und Hch. Schaefer-Gießen. Ehcenpr. der Stadt Gießen: Äug. Miiller-Bad-Nanheim. Vereins- Ehrenpr. : F.. Schmidt-Gießen, Georg Krug-Gießen uirbi Hch. Webers Gießen. Ehrenpr. K. Johansson-Gießen, Hch. Weber-Gießen, Earl Nupp-Gießen und W. MttMr^Garrchach. 1. Preis: Main Schaefer- Lich und I. Pathenschneidcw-A.rhnlgen. Häsinnen mit Jungen: Staats-Ehrenpreis: K. Johansson-Gießen. — Deutsche Riese n s ch e ck e n , Ra in ni lcr: Ersten Pveis: Fr. Fleck Arhcil ige n. Häsinnen: Verbandc'-Ehrenpr.: (s^eorg Krng-Cjießen. Ehrenpr.: Hch. Müller-Gießen (2-, Rud. Rüdiger-Gießen und Georg Krug-Gießen. 1. Preis: Rud. Rödiger-Gießeu. — Belgische L a n d kanin - che n, Rammler: Staats-Ehrenpr.: Ph. Reiß-Gvoß-Gcrau. Verl- bcrntt-s-Ehrenpr.: M. Eckerl^Darrnstjccdt. Häsinnen z Tainou-Ehren^
preis: M. Eckerl-Darmstadt. — Weiße Riehen, Ramncker: 1. Preis: Hch Müller-Gießen und Earl Luh-Leihgestern. Häsinnen: Ehrenpr.: Carl Luh-Leihgestern. Häsinnen mit Jungen: Mrenpr. des Kreises Gießer:: D. Bindewald-Bad-Nauheim Tamcn-Ehcene Preis: A. Bindervald-Schwatheim. >— Fra u z. Widder, 'Rammler: Ehrenpr. der Stadt Gießen: Ang. Hütes-Neu-Jscnbnrg. Häsinnen: Verbarrds-Ehvenpr.: Gg. Hch. Jöst-^lrhkiilgci:. —
Fran z. Riesen S.i l be r, Häsinnen: Wrenpr.: .Hugo Sann- Gießen. —Germania Silber, Rammler: Verbands-Ehrenpreis: I. M. Abt-^Darmstadt. Ehrenpr.: Jak. Sct'jineider-Neu-Jsenh biorg QK. MttDarmstadt. 4. Preis: ,Val. Rei b-Gräven haus en,
und Will). Schultheis-Lollar. Häsinnen: Staats-Ehrenpr.: Wilh. Schultheis-Lollar. Damen-Ehrenpr.: I. M. Abt-Tarinstadt. — Blaue Wiener, Rammler: Stiaats-Ehrenpr.: Jds. Racke- Mainz. Häsinnen mit Jungen: 1. Preis: Weitzel-Gießen. — Hasenkaninchen, Rammler: Verbands-Ehrenpr.: Peter Eck- Seligenstadt. Damen-Ehrrnpr.: Peter Werner-Seligenstad-t. Eheeir- preis: Ludw. Schaefer-Gernshcim a. Rh. — Japaner, L> äs innen : Ehrenpr.: Ludw. Slxnnbrocher-Darmstadt. — Silber-
Kani rt chlen, grau, Rammler: Staats-Ehrenpr.: W. Münch- Gießen und Gg. Hill-Groß-^rau. Ehrenpr. der Stadt Gießen: Ludw. Weber-Offenlmch und Ph. Zimmermann-Lollar. Verbands- Ehrenpr. : Ludw. PlestOffenbach a. M. Damen-Ehrenpr.: Hch. Wahl-Mcßen. Derleins-Ehrenpr.: Kaninchnrzncht-Verein Lollar. 1. Preis: Jak. Decktet-Vten-Bnseck und Earl Viehmainr-Gicßen. Häsinnen: Damen-<?hrenpc.: Otto Herr-Gießen, K. Feuersteir!- Stangenrod und W. Walter-Großew-Linden. Vereins-Ehrenpr.: Karl Viehmmur-Gießen. Häsinnen mit Jungen: Ehrenpr. des Kreises Gießen: K. Luh-Leihgestern. Verbands-Ehvenpr.: Sinuncr- macher-Gießen und K. Bichinaun-Gießen. Vereins-Wrenpr.: Karl Feiser-Gießen. — Silber-Kaninchen, gelb, Rammler: Vereins-Ehrenpr.: Jos. Racke-^Mainz, Ad. Schaefer-Lich, Ang. Huter-Neu-Jsenburg und Hch Ziegler-Wieseck. Erster Preis: Wilh. Rcvn-Gießen. Häsinnen, 'Verbands-Ehrenpr.: I. M .Abt-Tarm- stadt, Ludw. Weigand-Großen-Linden und Hch. Ziogler-Wieseck. — Silber-Kaninchen, braun, Ramncler, Verbands-Ehrenpreis: W. Münch-Gießen. Erster Preis: Wilh. Mauß-Mdda. — Schwarzlohkanin chen. Rammler: Staats-Ehrenpr.: Ludw. Schacfer-Gernsheim a. Rh. Vereins-Ehrenpr.: Val. Ncitz-Gräfen- hausen. Ehrenpr.: .Hch. .Hanb-Nieder-Weisel, Ph. Willi. Schilling- Gr.-Karben, PH. Tiel-Gcrnsheim a. Rh. und Val. Reitz-Gräfen- hausen. Häsinnen, Vereins-Ehrenpr.: (Val. Reitz-Gräfenhausen'. Erster Preis: Franz Bock-Gießen. Häsinnen mit Jungen: Elwcn- preis d^ Kreises Gießen: Hch. Henke-Kl.-Kcrrben. Damen-Ehren- preis: Gg. Eiff-Steinberg. Ehrenpr.: Ad. Schmitz-Gießen. — Herm elin - Kanin chen , Rammler: Staats-Ehrenpr.: PH. Haffer-Nieder-Weisel. Ehrenpr. des Kreises Gießen: Wilh. Bien- Kl.-Linden. Verbands-Ehrenpr.: Herm. Walter-Offenbach a. M. Ehrenpr.: Herm. Walter-Osfenbach [a. M. Erster Preis: Ph. Hafser-Nieder-Weisel. Häsinnen, Ehremw.: H. Eberhardt-Weiter- stadt und Ludw. Pleß-Osfenbach a. M. Häsinnen mit Jungen, Staats-Ehrenpreis: Ph. Hiasfer-Meder-Weisel. Ehrenpr.: Lndw. Pleß-OffeÄach a. M.
Jurrgticre.
Belgische Riesen, Häsinnen, Staats-Ehrenpr.: Wilh. Metzger-Gambach, Ghrenpi'reis: Martft! Schmall-Gisßen. —
Deu tsche Riesenschecken, Rammler, Ehrenpr.: Hch.
Müller-Gießen. ,Häsrm!en, Staats-Ehrenpr.: Hch. Müller-Giesen. — Weiße Riesen, Rammler, Vereins-Ehrenpr.: Joh. Appel- Gießen. Häsinnen, Ehrenpr. des Kreises Gießen: Daniel Bindewa ld-Bad-N anheim. — Fra n z. Widder, Raminler, Vereins-Ehrenpr.: Wilh. Schultheis-Lollar. Erster Preis: Val. Schmidt-Tarmstadt. — Germania-Silber, Rammler, Damen-Ehrenpr.: Martin Schmall-Gießen. Kollektion, Erster Vr.: I. M. Abt-Tarmstadt. — Blaue Wiener, Häsinnen, Vereins- Ehrenpr. : L. Wernandt-Ktein-Linden. - Silbergrau ,Rammler, Erster Preis: Ph. Heilncann-Osfenbach a. M. Häsinnen, Ehren-pr.: Karl Völzing-Nidda. — Schwarzlohe, Häsinnen, Staats-Ehrenpr.: Hch. Wahl-Gießen vmd Gg. Eiff-Stcinberg.^ Kollektion, Ehrenpr.: Hch. Wahl-Gießen. — Russen, Rammler, Verb.-Ehrenpr.: Ludw. Schaefer-Ger-nsheim a. Rh. — Hermelin, Häsirrnen, Ehrenpr.: Paul Banse-Gießen.
Es wurden noch 50 zweite rmd rund 100 dritte Preise an die Aussteller verliehen.
Mit der Ausstellung war gleichzeitag eine Verkaufs-Wtei- lrmg verbunden, aber auch einzelne Aussteller gaben ihre Tiere, allerdings meistens zu hohen Preisen, ab. Trotzden! wurden besonders in gutem Zuchtmakerial zu Preisen bis über 50 Mk. das Stück lebhafte Umsätze erzielt. Für belgische Mesenkaninchen wurden sogar Preise bis zu 150 Mk. für das Stück verlmrgt. Tie betreffenden Aussteller meirtten natürlich: „Fordern imd lneten macht Kaufleute."
Arrs Stcrdt
Gießen, den 3. April 1918.
Zur 8. 5 0/0 igen Kriegsanleihe:
Das Paterland trrrleilft die allerbesten Gaben.
(Goethe, Faust.)
Zeichnen Sie so fo rt!
** Auszeichnungen. Das Hessische Kriegsehrenzeichen wurde verliehen: den Lokomotivführern Karl Schäfer, S ch l e u n i n g und Sigle, dem Dorsch los ser Wilhelm Knapp, dem Vorschmied Wilhelm Volk, dem Klempner Anton Bellnhüfer, dem Dreher Heinrich Berg, dem Lackierer Konrad Wagner, dem Magaziuarbeiter Ludwig Schäfer II. und dem Kohleulader Otto H 0 f m a n n.
** V 0 r dem K e t t e n p 0 st k a r t e n u n w e s e n, das auch in Gießen grassieren soll, warnt eine Zuschrift aus unserem Leserkreis. Eine Kettenpostkarte folgenden Inhalts macht darnach in diesen Tagen die Runde durrh Deutschland:
„Uns treibt nickst Evvbcrimgssucht, uns beseelt der uubeug-i same Wille, den Platz zu bewahren, auf den uns Gott gestalt hat für uns und alle koinm^nden Gesckstchter."
Diesen Spruchi erhielt ch zur Weitergabe zu gesandt. Ji'der, der ihrr erhält, soll ihn 9 Tage lang immer einem Bekannten ohne Unterschrift senden. Diese Kettenkarte soll durch ganz Deutschland gehen rmd darf nie nnterbvockMn iverden. Es ist eine alte Sage, daß derjenige, der den Sprich nicht weitergibt, kein Glück hat, aber der, der ihn 9 Tage lmcg tvcitergibt, der lvivd am 9. Tage eine große Zwende haben.
Zur Weitergabe im .politischen Sirmv."
Abgesehen davon, daß hier den Feinden Freibriefe zur Fortsetzung des Krieges dargeboten werden, ist diese Art der politischen Agitation aus mancherlei arrderen Gründen unerfreulich und verwerflich. Sie entspricht nicht dem Ernst und der Gründlichkeit, aus die wir Deutsche stolz sind, und wer solck>em seichten Getäirdel und anonvmeu Aufforderungen Folge leistet, hat weder Geist rwch Geschmack. Solckie Postkarten, die zum Ueberfluß noch mit Aberglauben krebsen, sind lediglich Armutszeugnisse.
** L a n d w i r t s ch a f t l i ch e s I :r st i t u t. Llls Gartenbaulehrerin ist für die GartenbawVolonie Gießen Fräulein Nvra Men mraestellt worden. Mr den Oberlursus zur Ausbildung von Gartenbaulehreriimeu wud für den Unterkursus zur praktisck>en Ausbild^mg in Gartenbau und Feldgärdierei liegen bereits jv viel Meldungen vor, daß die Wiedereröffnung gesichert ist.
Landkreis Gießen.
** Daubringen. 2. LHiril. Das Fest der Silbernen Hochzeit feiern heute WilhÄm Walther VII., Weichensteller 1. Kl., und Fvau.
tt. Treis a. L., 2. April. Die Äeffische Tapferkeitsmedaille
erhielt Wehruurnn Otto Zecher von hier.
Starkenburg und Rheinhessen.
Ein Familiendrama.
I Ober-Rani stad t, 2. April. Heute in der Morgenfrühe sah man Rauch aus der am Bahnhof gelegenen Wittschaft Wiener dringen. Vergeblich suchte man die Bewohner durch Rufe von der Straße aus zu wecken. Man mußte die Türe gewaltsam erbrechen. Als inan in das brennende Zimmer eindrang, fand man die ganze Familie, bestehend aus dem Besitzer, dessen erwachsenem Sohn und drei jüngeren Kindern, tot vor; die Leichen waren bereits teilweise verkohlt. Das Feuer konnte nach Unterdrückung des Rauches aus'seinen Herd beschränkt und gelöscht lverden. Ter Wirt hat kürzlich seine zweite Frau im Wochenbett verloren. Ob Unglück, Verbrechen oder Selbstmord vorliegt, ging aus dem ersten ÄugensckMn nicht hervor. Tie alsbald erwartete gerichtliche Untersrichung wird wohl Licht in dieses düstere Familiendrama au! Osterfeste bringen. vessen-Nüsiau.
ra. Biedenkopf, 3. April. Für die Kaiser-Gebuttstags- Spende für dentsch'e Soldatenheime an der Front nmrden inr Kreise Biedenkopf insgesamt 4000,21 Viark gesammelt.
Der Höchster Nauünwrder verhaftet.
--- Frankfurt a. M., 2. April. Jü der Fahrgasse wurde heute Mittag bei einem Strttszug, den hiesige und Höchster Kttmi- nalbeamte unternahmen, der Höchster RanbiMrder Ludwig Renno verhaftet. Der Mörder hatte sich unmittelbar nach der Muttait nach Frankfurt begeben und versuchte hier Sonntag früh in einer Lllb- stadtwirtsckMft Unterkunft zu bekommen, wurde aber, da er dem Witt verdächtig vorkan!, abgewiesen. Am Osterawntag sah ihn dann ein Höchster Fnhrinann in der NälH des Doms. Als er sich entdeckt sah, floh er und konnte in dem Festtagstrubel dem ihn verfolgenden Höchster entkommen. Heule fand nun unter Znzielmng von Höchster Kttminalbeamten ausgedehnte Streifen durch die Altstadt statt, bis eS gelang, den Renno zu ermitteln und^ festzunechmcn. Der Mörder trug noch die blutbefleckte Kleidung: in seinen Besitz befand sich noch der größte Teil des geraubter! Geldes. Er leugnet« zwar bis jetzt die Bluttat, doch wurden die an Unn haftenden Blutflecke als solche von Monschenblnt h-errüherckd sestgestellt. Auch über seinen Aufenthaltsort vom Samstag znnt Sonntag vernrag er sich nicht auszuweisen. Seine Tätersck>aft steht außer allein Ztveisel. Renno wird dieser Tage nach Wiesbaden zur Aünrtellnng überführt, da für Höchst das dortige Gettcht zuständig ist. Die An- gehöttger! Iieimos haben sich von diesem schon seit langer Zeit los- gesagt.
vermischter.
* Sägespäne als Seifenersatz. Einen leicht zu beschaffenden, recht wirksamen Seisenersatz ernpftehlt in. der Münchener Medizinischen Wochenschrift der Bonner Professor O.^ Prym auf 'Grund längerer Erfahrungen im Felde. Es handelt sich dabei um Sägespäne, die mit einer desinfizierenden Flüssigkeit gettänkt sind. Die .Herstellung geschieht in der Weise, daß man helle, mittel-' grobe Sägespäne in eine keimtötende Lösung — Lysol, Kreosot ober ähnliche Stoffe — einschüttet; sie saugen sich^ darm voll, darauf wird die Hauptmenge der Flüssigkeit ansgepreßt, und der Seifenersatz ist fettig. Zweckmäßig wird er in eine offene Schale geschüttet, neben die man einen Eimer stellt; angeivandt ivird das Wäschnrittel in der Weise, daß man mit einer Hand eine Handvoll der feuchten Sägespär!e Herausnimint, sie etwas ansdrückt, und darm auf den Händen verreibt. Das Reiben wird solange fortgesetzt, bis die übttg bleibende Riasse und gleichzeitig die Hände ganz trocfen sind; dann ist eine verhältnismäßig gute Reinigung erzielt und ein AP- trocknen ist nicht nötig, roohl aber ist es erforderlich,,die Sägespäne, die namentlich unter den Nägellr nsw. sich leicht festsetzen, noch Ku entfernen. Es versteht sich von,selbst, daß dieses Waschvecfahren nicht den gleicher: Erfolg hat, lwie die Reinigung mit warmem! Wasser, Seife und Bürste, der -ein Llibtrocknen mit einem reinen; Hcmdtuche folgt. Im Felde aber z. B., ist es außerordentlich empsehlens'.oert, besonders da, wo kein Waschiwasfer zur Verfügung steht, und Prym ist der Ansicht, nian solle es auch in der Heimat, besonders da, wo viele Menschen zusammenkomirnen, ja sogar im H^aushalte einführen. Den geringen Uebelstand, .daß die keimtötenden Mittel nicht geruchlos sind, muß man mit in Kauf nehmen; dafür hat man die Gewißheit, daß die reinigende Kraft der der Ersatz- Waschmittel aus Ton überlegen ist: außerdem ist das Waschrüittel begnem und sauber', urw die Uebertragnng vor: Kvanllwitskeimen; von einem Menschen zum arrdern, die bei der Benutzung von Seife und Handtuch durch viele sehr wohl möglich ist, kann als ausge^ schlossen gelten.
* Casanova und das SHnellfeuergeschütz. Ein eifriger französischer Memoirenleser, der sich mit der Geschichde der Vergangenheit nicht minder eingehend befaßt als mit den Ereignissen der Gegenwart, stellt fest, daß auch das Schnellfeuern der Geschütze durchaus keine so moderne Angelegenheit sei, wie allgemein angenommen wird. In her großen Ausgabe der Memoiren von Casanova fand der Forscher nämlich die folgende Stelle; „Der Olxirst Melintino lud mich ein, einer großen militärischen Reoue beizunwhnen, die drei Werst von Petersburg entfernt stattfand und im Anschluß an die der General Lllexis Orloff ein Diner für 80 Personen veranstaltete. Ich ging hin mit, dem Prnrzen von Kurland, und ich lvar selbst.Augenzeuge, nne man das Gewaltstück zuivege brachte, ans einer einzigen Kanone im Verlaus von nur einer Minute 20 Schüsse abzugeben. Diese neuen Feldgeschütze, deren jedes von sechs Attilteristen bedient wird, geben nicht nur in fester Stellung, sondern auch in Beivegimg gegen den Feind 20 Schüsse in der Minute ab. Ich habe dies selbst mit der Uhr in der Hand kontrolliert." Der neugierige Forscher stellt mit Bedauern fest, daß die heutigen schweren Geschütze der Franzosen kaum schneller feuern als die damaliger: der, russischen Armee. Es sei rrur zu bedauern, daß die Erwartungen, die man hieraus an Rußlands Heer hätte knüpfen können, sich nicht erft'illl haben.
* Das V e i lchen im Volksglauben. Das srühMtig« Hervorbreck)>en des Veilchens nnd seine una.u.fottnglickM Blüte haben z u allen Zeiten die Aufmerksarnk-eit auf sich'gelenkt. So wurde das Veilchen schon bei den alten Gtt-eck-en zürn Symbol der Jimg-, fräulichkeit imd des rviedererivachsmderr Lebens. Nach rme* in>, alten Voltssage soll ies antftnossen sein ans (den Tränen, die Adam imd Eva iveinten, als sie ans dem Piaradiese vertrieben wurden. Tie alten Römer misch'ten ihre Weine bei festlichen CielegenHeiten mit BeilchlMsast nrrd schmückten sich als .Ausdruck der Freude ^.i'it Vellchenkränzen. Jü per heidnischen Vorzeit lehrte der Volksglaube den Germanen, daß überall dort Veilchen emporspttrßcn, wo die FrüWngsgöttin Osdara über die Erde geüxrndttt rvar. Tie eckten Deutschen s.chtteben der VeUck-enblüte auch mancherlei geheimnisvolle Wirkungen zu. Die Blüte sollte bei den verschiedensten Krarckheiten helfen. Tie erster: Veilchen geben uns die Gewißheit, lraß es mit dcn Herrschaft des Wintei's bald vorbei ist.
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