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Kt. 69 Zweiter Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Freitag. 22. März (9(8

Hessischer Landtag.

Znxite Kammer.

58. Sitzung vom 20. März.

(Schluß.)

Meine Herren! Mit gno*fccr Sorge sind wir tu daS lnufcnle Wirtschaftsjahr cbtgctretcit, Hatte doch>rs überraschend ungünstige Ergebnis der Besdandsa:ffnahme der Gctteidevorräte zu Anfang vorigen Jahres yu einer Herabsetzung der Brotration genötigt, btf imn fo schwerer empsircken wurde, als sie zusammen fiel mit der Zeit stärkster Karioffriftrappheit bis' zur Frühöarüvftelernte. Die zum Ausgleich bewilligte höhere F-leischrativn kvrmte der Bevölkerung einen völligen Ersah nicht bieten. Nach Beginn des neuen Ernteiahres ist eine Erleichterung insofern ringetteteir, als durch die ^Eingänge aus den: mit allen Mitteln geförderten be­schleunigten Gettckaausdrnsch die Re:chsgetteidestelll in die Lage versetzt wurde, die Melftrotiion wieder zu erhöhen und als auch die Kartoffel Versorgung infolge der befrvedigeckcn Ernte sich cuis^ kömmlich gestaltet l?at. Tie Frühdrnschprämien haben ihr Ziel erreicht insofern, als der Ausdrusch alsbald mit allen Kräften; gefördert worden ist, wodurch die Reichsgetveidestelle in den Stand gefetzt wurde, die Bwtversargung in dem schvierigen Uebergang aus dem alten in das neue Wirtsckraftsjahr ohne jede Storung zu Überwinden. Es ist zu erhoffen, daß die neue Erntefesrstellung eine zuverlässigere Grundlage für die Bwtgetteidewirtschaft er­gebet wird. <

Die Kartoffelernte kmm als befriedigend, bei uns sogar als gut bezeichnet werden. Es stehen nach vorsichtiger Schätzung im ganzen Reicks etwa 34 dliiNimren Tonnen zur ^Verfügung, womit einschließlich der nvttvvndigen Reserven für Schwund und un­vorhergesehene Fälle der Bedarf gedeckt werden kann. Eine vor­sichtige Bewirts.ck-aftung ist aber trotzdem nötig, da Kartoffeln auch zur Bwtstteckmrg und teilweise auch zur ErgänMug des mangelliaften VrehfutterS und zum vermehrten )lnbau im mchsteu Jichr dienen müssen. Der.dringende Wunsch, b:c Wochen ration für die ^'^tbsdv^er^^'^ger auf 10 Pfund zu erhöhen, hat leiser nicht erfüllt werden kormen. Es steht aber zu hoffet, daß wir nrit der gegenwärtigen. Ration bis zum Eintritt der Frühkartoffeln ernte werden dnrchhalttm Kinnen.

Wenig günstig ist die Lage bezüglich des Futtermangels. Die Ernte ist schlechter als im Voistahre. Kraftfutter ist nur in so ge­ringen Mengen vorhanden, daß dasselbe nicht lveseittlich in Be­tracht klommt. Die aus'Hafer und Gerste Hergestell lei Nährmittel sind in diesem Jahre .höher bemessen wie im Vorjal/re. Tie Nährmittel vmteilrmg soll jedoch nicht gleichmäßig aus die ein­zelnen Monate erfolgen, fettljer sind dieselben Nährmittel viel­mehr zurückgohalten worden, um für die Zeit, :vv es an Gemüse fehtt, größere Mengen verteilen zu können. Den Kommunalverban­den wird alsbald mitgeteilt werden, mit welchen Mengen sie aus Grund des neuen Verteilung^ plans fortlaufend bis zum Schluß des Wtrtschaftsial/res werden roä) :en können. An Rauhfntter ist in vielen Gegenden Techchlands direkte Mißernte zu verzech um. Bei uns war bekanntlich.die Heuernte mittelmäßig, die Grumet- emte sogar gut. Auch die Stwhecnte ließ zu wünschen übrig. Bezüglich des Rauhfutters muß zunächst der Heeresöe^arf sicher- gesvellt werden, das geschieht im Wege der Laiidlieferung. Rur ivas nach Deckung des Heeres- und des Eigenbedarfs übrig­bleibt, steht für das Heuitatgebiet zur Verfügung!.

Seit Sommer 4917, während tvÄ-cher Zeit lck Ausgabe van Zusatzfleisch zu ermäßigten Preisen für den Ausfall von Brot er* felgt ist. hat infolge des dadurch bedingten starken Eingriffs in oi-e Rickv ichbeslä: rde die Me i sckMrsovMNg stetig mehr Schwierig­keiten vernr'ackt. Es muß schon jetzt darauf hingewiesen wei7dar, daß die Meischversvrgung in der nächsten Zeit immer noch schlvie- riger wecken wird. Eine Bessevgeshaltu:rg kam: für Hessen öfterrbar nur dadurch erreicht iverien, daß für die Folge eine geringer^ Zahl Rückvieh über drei Daonate im Laude gehalten wird, weÄ sich hierauf die vom Reich berechnete Umlage stü^t. Dabei kommt in Bcrückscktiguug, daß die über den RrichAdurchichnitt ge­haltenen Kühe bei der Umlage nic^ herangeMpen werden, so daß es sich empfiehlt, die Kulchestäcke möglichst zu erl-allen und noch zu vermehren, die Jungvi^^estärcke aber zu vermindern. Nur hier­durch kam: erreicht werden, daß dem .Lande eine niedrigere Auf-, läge jftr das anfzickringeicke Schlachwieh geniacht wird. Dann werden anefr b ; c Klagen über die angebliche Benackchnligung 'Hessens in der Fleisthbelieferung mehr und mehr verstumuien. Tatsächlich findet eine solche Benachteiligung auch zurzeit nicht statt. Die höhere Auftage findet darin ihre Erklärung, daß sich unser Vieh- stvck -nach deni Ergebnis^ der Viehzählung besser entwickelt hat, als dies in zahlveiclnen arideren Bundesstaaten der Fall ist.

Tie Gemüseernte war weder im Durchschnitt des Reichs noch im Großherzogtum besonders günstig. Bei dem großen Bedarf der Heeresverwaltung und bei der starken Nachfrage nach Gemüse als einen der wenigen nicht rationierten Nahrungsmittel ist es wohl nir­gends gelungen, beit allgemeinen Bedarf ttrotz der eifrigen Bemühim- gen der Landesgcmüsestelle voll zu befriedigen. Die Maß nahm cn zur SLck.erste!lung der Obsternte ans 1947 haben sich nach Ansicht des Leiters der Reichsstelle für Gemüse und Obst jedenfalls insofern be­wahrt, als es gelungen ist, an Bvotauftttichmitteln insgesamt etwa 78 Millionen Zentner zu verteilen. Ms zuin 15. März d. I. kamen auf den Kopf unb Tag 30 Gramm. Voraussichtlich kann diese Verteilung bis zum Jüli fortgesetzt Werdern Die Erfassung feer Eier durch die Landeseierstelle war eine außerordentlich schlvierige, da bei keinem anderen Gegenstand, vielleicht abgesehen von der Butter, der Schleichhandel ein so dankbares Feld ftndet, wie bei den Eiern, und die Hühner bekanntlich seit der Erfassung der Eier sich das Eierlegen ganz oder^ teilweise ob-gewöhnt haben sollen. Trotz aller entgegen flehenden Schwierigkeiten konnte unsere Landeseier­ftelle 9 484 351 Eier erfassen und zur Verteilung bringen und damit vor allem den Kranker: und Sch'.vachen einen willkommenen Zuschuß tou ihrer Ernährung geben. Einzeln« Kreise haben nahezu ihr ganzes Lieferung ssoll abgcliesert, während in anderen Kreisen noch nicht einmal ein Drittel desselben zur Ablieferung gelangte. Tie neue Regelung der Erfaftung.der Eiererzerrgung, die die in den: Kriegs- crusschuß Ihrer Kammer ausgesprochener: Wünsche, insbesondere auch die Zahl der Haushaltungsrnitglieder der Geflügelhalter, bei der Eierablieseruiig berücksichtigt, läßt uns ein besseres Ergebnis, lvi'e tm vorigen Jahre, erhoffen. Durch die Reichsvcrocknung über 'die Bewirtschaftung vor: Milch und der: Verkehr mit Milch von: 3. No­vember 1917 hat die Erfassung, txm Milch und Butter einen weiteren Ausbau erfahren Wir hoffen, daß es den auf Grund dieser Verord­nung ergangener: Mvorduungen unseres Kommunalverbandes für Milch- irnd Speisefettversorgung gelingen wird, den nottoendigsten Bedarf zu befriedigen. Bei dein Mangel an Futtermitteln, nament­lich an Kroftsuttermitteln, wecken wir allerdings wohl mit einer werteren Abnahme der Butter Versorgung in der: nächsten Mvnaten rechnen müssen. Dieser Mangel wird aber durch eine bessere Be- fiefenmg mit Margarine einen Msgleich sinden können. Jnrm-erhin bleibt die Versorgung mit Fett in unserer ganzen .Kriegseriläh- «rnaswirtschaft ein wunder Punkt. Eine Besserung rvick nur durch verstärkten Anbau t«n Oelsrüchten und durch Mdhreinftchr zu er- tziclen sein.

Aus diesen Darlegungen tverden Sie die Bestätigung ent­nehmen, daß unsere Lebensmittel zwar knapp bemrisen sind, und daß die gerechte Verterlmvg daruu: mir besoiweren Schwierigkeiten verknüpft ist, daß oder kein Grund zu der Annahme vvrliegt, als ob wir der Schwierigkeiten mcht Herr werden könnten.

Durck) die glänzenden Waffentaten unseres .Heeres sind die Friedensdore im Osüoi: weit geöffnet mck der schändliche Absper- rungs- und AushungerurrgSplan mrserer'Feinde endgülttg zunulste ^macht. Endlich haben unsere Heere den Rücken frei bekommen uni stehen mit der Stirne gen Westen, gerüstet zu neuen Schlägen imt> furo entscheidenden Schikchkampf bereit, wenn :msere Feinde in chrer sinnlosen VerblerÄnmg ihn durchaus haben wosien. Wie chfter e Brüder tat der Front aus allen Berufe,: und Ständen »rmütig zusamrueÄrstelMi, bereit, für das Vaterland zu kämpfen Mnb ui sterben, so mutz am'| m ber Heimat die Bevölkerurrg« vr Stadt und Land, imt J^ckacstr« und Landwirtschaft, zusam- wenhalten, sich gegenseitig m rföc-Ij»nt$> und würdigend, nur von dem einen (s^edmrken beseelt, starckhaft durchtzickrolten bis zum sieg- rachm Ende. Menu wir fetther Ms, durMMen könnsr, \o

danken wir das vor allem der Landwirtschaft, die itt dieser schweren Zeit trotz der mangelnden Arbeitskräfte und Be­triebsmittel mit nie erlahmender Tatkraft für unsere Lebens­mittel gesorgt hat und auch noch weiter sorgen wick. Ich gedenke dabei mit besonderer Mver§ennu.rrg auch der Tättgkert der Land- ftauen, die für die abwesenden MÄrvuer mit ihrer ganzen Kraft so erfolgreich in hie Bresck)«e «getreten sind. Wir wecken auch, wenn die Waffen ruhen, der Landwirlsckiaft nicht vergesse::, waS sie im Kriege geleistet hat. Wir wollen ihr ge[feu, i^rre Produktiv:: zu fördern und ihre Betriebe wi6>er auf die Höhe ihrer Leistungs­fähigkeit zu brüten. Wir vertrete;: in dieser Beziehung den gleichen S iandpuickt tvie ilw der baüisck-e Staats minister Freiherr vm: Biodman der Lmckwirtschpft gogei:nber gelegentlick), der Verhandlung m der Zweiten Kammer dar Basischen Lnckstäicke emgeno:nn:en hat. Tmck gebührt aber auckn all denen, die bei der Erfassung :md VerteiUnrg der Lebmsmittel nritgearbeitet haben, den Becunter: ustd den zahlreiche:: freirvilligm. -Hilfskräften. Anerkennend ge­denken wir sckFiefstich noch der Opferivilligt'eit, mit der die Ver­braucher die durch die Lage gebotenen Ei::sck)ränkiu:gen in der Er­nährung auf sich, genommen Ijabcn. Weirn die Kriegsernährungs- wirtschaft erfolgrefth loeitergeführt tvecken soll, da.nn muß sie getragen werde.: von der ziel- und pflichtbeiv'ußte:: Viitarbeit Iber gesantten Devölkewmg. Ta:rn darf keiner verärgert sich abseits stellen. Darum gilt es jefrt, alle Kräfte im Volke zusammenzufassen, die Gegensätze zwftchei: Stadt mrd Land, zwischen Erzeuger und Verbraucher, die die Eftrigckeit mnscres Volkes bedrvlie::. durch Auf­klärung zu überbrücken, danrtt der Wille znru Sieg, der die Voraus-^ schung alle:: 'Erfoiges^ ist, nicht k::rz vor dem Ziel :wch erlahme! Haben wir alle diese!: Wille:: und ich zioeifle nicht daran dann wird sich das Scl)iicksal, das unsere Feinde uns zugckackK hatten, an rhi:en erfülle::!

ES tritt eine längere P-cnfte ein, in der eine Sitzung des Fi­nanzausschusses stattsindet, in der der abgemrdorte Anttag We­ber-Brauer auf Errichtung eines Forstüetriebsstockes, dessen Absatz 3 durch einen Zusatz eine WschwäckZung erfahren hat, be- 'rattm wick. Der Finanznrinister erklärt, daß drn^ch diese Ab- schwächuirg der Antrag für die Regierung annehmbar gewocken ist. Er wiederlwlt nach der Panse diese Erklärung im Hanse. Die Re­gierung wird die AnregMrg, die der Antrag gibt, bei der Aufstel­lung des nächsten Voranschlages berücksichtigen. Der Anttag wick darauf zurückgez:>gen.

Das Haus fährt darauf in der Aussprache über den Voran schlag des Ministeriums des Innern fort.

Abg. Brauer (Bbd.) bringt eine Reihe von Wünschen u:ck Besckiwccke:: der Landwirtschaft vor, u. a wlinsckst er eine Abscl>af- fung der Frühdrusck>prümien u:ü> einen ausreicl>enden Zollschutz der LaMvirtschaft. Auch er spricht sich gegen eine Wahlrechtsänderung während des Krieges aus.

Abg. v. Hel mol t (Bbd.): Wir bebauen:, daß die Regierung nicht ihr Hauptaugenmerk aus die Föckerurrg der Erzcngrmg, an­statt auf die Erfassung der Nahrnngs:nittel richtet. Die Aiaßnah- men der hessischen Regierung ^aben die größte Mißstimmung her­vorgerufen, die kürzlich auf einer VersammluT^ in Frickberg in sck-ürfster Weise zum Aust^rnck kam. Tie Versprechu:iyen, die man uns im vorigen Jahre gab, z. B. n: der Ererablieserung, sind nicht erfüllt worden. Die Vorschriften sttck nicht gemildert, sondern ver­schärft worden. Wir Landwirte wecken in Pressen schleäüer behan­delt als in anderen Bi:ndesstvaten. Wir sind den Uebergrifsen der Kommunal verbände und der LmtdeHzeittral stellen ansgeliesert. (Leb­hafte Zustimmung bei dem Bca:ernbund.) Der Lai:desökonom:erat füllt da:rch feiixe bckmwrliche Uittemitnis landwirtschastlicher Dinge auf. I:: die Zentralstellen u:ü> :n die Kon:munalverbände müssen Landwirte aufgenonnnen wecken. Der Red::er verliest verschiedene Aufgaben, die die Kommunal verbaicke den Lack wirten gemacht ha­be::. (Lebhffte Zustimmung bemv Bcmcrnbi:ndullä» im Zenttum.) Me diese Vorschriften wurden über die Köpfe des Lcmdtages gemacht. (Abg. von Breckano: Sehr richtig!) Wnrn die Regieru:rg so toenig Rücksicht auf den Landtag nimmt, so fick wir eben daza: gezwungen, urrs ar:ch der Regiermcg zu versage::. Wir sick keine Bewilligun^s- nurschine. Ich bedauere, daß uns die Regier:mg zwang, uns hier so scharf in aller Oesfentlichkeit zu äußern. (Lebhafte Zustimmung beim Bauernbuck.)

L«:ckesöllvnomierat Müller verteidigt die gottoftenen Maß­nahme::. Die Vorschriften über Ererabl:eser:mg winden in Hessen frittier getroffen, als in den Nruhbargebieten. Tie Eierzahl, die abgeliefert wecken rm:ß, ist geringer als im Vorjahre. Es ist auf­fallend, daß in Kreisen, die den Hon:sterern weniger zugänglich sick, die Mieserurrgspflickst bckeuteiu) besser erfüllt wird, als m Kreisen, die von .Hamsterern hc:mgesuck)it werden. ^Nachdem das Rei-ch eine^ einheitliche stiegelung der Lieferungspslichten ab- gelchitt hat, läßt sich eiive völlige Uebereinstimmnng in de:: Vor­schriften der einzelnen Reichte:le nicht erzielen. Wir haben sogar wickerholt, z. B. bei der .Regelung der Arilchbelreferimg, beob- ackftel, daß, sobald wir eine Bestimmwvg ettfführten, dir benach»- barten Gebiete absichtlich mlldere Besdimurnngei: ttafe::. Tie Bor- gänae auf der Versammlung in Friedberg sick sehr bckauerlich, weil drirch imricTrige Darstellung der Mafxnahnre:: die landwirt- sckjaftlick)iki Betwlkerunigt- aufgereizt wurde. (Widerspruch beim Dauernbuck.) Cs ist zu bedauern, daß ein Mann von: Mldimas- grad des Abg. von Helinolt sich gegen einen dfbivesenden, der sich nicht verteidigen fomrte, zu Mchen Angriffe:: hinreißm ließ, wie er es u: Friedberg gegen mich getan Imt. Ich stelle nur fest, daß mir dadurch die Turchsithrmig meiner Mfgaben nicht erleichtert wird.

Schluß der Sitzmig IV 2 Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag, vormittags 9 Uhr. Am Tomrerstag und Freitag werden auch Nachm :ttagsfitzungen statt finden.

59. Sitzung vom 24. März.

Mzepräsident Ko rel l- Angenrod eröffnet um 97 4 Uhr die Sttzung.

Das Haus ist anfangs nur schvach besetzt, die Trsibüne ist fast leer. Am Regierungstisch sick die drei MiTnster anwesend

Das Haus fährt fort in der Aussyraclie über ben Voranschlag des Ministeriums des J:rnern (Kap. 2329). Mit Kap. 23 werden zur Berattmg gestellt die Anträge, die der Abg. v. H e l m 0 l t mit Unterstckimg sämtlicher läcklicher Abgeordneter eingebracht hat aus die Zuziehung der Erzeuger zur Landeskartoffel-, Milch -, Fett- uck Eieritelle, sowie auf eine Abäckerung der Verordnung über Eierablieferung.

Ahg Uebel (Ztt.) verbreitet sich über Preisbildung uck kommt dabe: auf die unerhörten Provisionen, die der: Kommissio­nären von den Reichsstellen zugebilligt wurden, uck die mit der Arbeit und dem Risiko in gar keinem Verhältnis stehen. Die Firma Listtnann-Heppenheim hatte 1916 27 700 Mk. Bruttoeinnahmen, von denen wir einmal 5000 Mk. Spesen abzieben wollen, 1917 ruck 60 000 der Obstgroßmarkt Worms 1916 54 000 Mk. 1917 280 000 Mk., die Gebrüder Haas-Groß-Bieberau 90 00Ü Mk., die Firma Stahl W:oe. in Friedberg 1916 69 000 Mk. im Jahre 4917 440000 Mk. (Lebhafte Bewegung im Zenttum uck beim Bauerckuck.) Die Negierung möge doch dagegen in Berlin vorstellig werden, daß wir im Süden imbar GeschäftSgewohnhciten bähen. Das sick legale Gewinne der Kommissionäre, aber die Kom­missionäre machen auch mwesetzliche Geschäfte. So verkausle die Firma Stahl Wwe. in Friedberg Aepfel ans dem Schleichtveg an die Pulverfabrik in Rottweil. Redner brürgt auch einen Betrugs­versuch der Firma Haas-Groß-Bieberau Mr Spraclu uck fragt 'bei der Regierung an, ob sie sich da mit vager: Ausvcken der Firum ^ufncken gäbe. Der Redner bespricht auck sonst die Gewinne der KnegSgesettschaften. Soll im Volke der Glaube aufkommcn, daß hier behördlich der Wucher geduldet wird? Redner bespricht sodann die Gefahren des SästeichhackelS.'Die Waren stammen angeblich aus dem Auslacke. In einem Fall, den der Redner anftihrt, stamm-

Vf b^n überschüssigen Vorräten eines ArmvekorpS. (Hört, hört!) Wie kann ein Armeekorps Ucbersckuisse mache::? Woher stammen die Lebensmittel, die von den Offizieren in so reichem Maße auS der Etappe heimgxsclsickt werden? Auch hier geht nicht alles mit rechten Dirken zu. (Sehr richtig beim Zentrum.) Man höre also ans, dem Bauern drc Schick an den hohen Preisen ausi. zubürden.

Abg Urstadt (Fortschr.): Die Beschwerden der Kdnsumcntnr nchten sich vt«l wcmger gegen die Bauer::, als gegan die Ocgmtr-

_ ms»

fation. Der Unmut richtet sich gegen die Verteuerung durch den Zwischenhandel. Kann den Zahlen des Kollegen Uebel gegenüber der Regierungsvertteter seine Behauptung aufrecht ethalte::, daß die Pvovisionon gerade die Kosten decken? Es gehe:: im Volke gerckezu ungelieuerliche Gerüchte über Provisionsgewinne. Sodann wen­det sich der Abgeordnete gegen die Forderung eines numeruS clausus für die Staatsdienstanwärter, der zur Heranzüchtung eines Gelelntenprvletariats führen wüicke. Die Notlage der Beamt«: zwingt sie vielfach M Privatarbeite::, was zu bedauern wäre. Auch die Bildung von Beamtenkonsumverernen wäre sehr ziu beklagen. Wir sick keine prinzipiellen Gegner von Schu^öllen, halten aber die Zeit der gegenwärtigen Deuer:m.g nicht für die richtige, solche M fordern. Biel ivichtigcr als die Zölle sind Bodenfragen. Die gegen­wärtigen Vvdenankäilfe durch Kriegsgewinnler sick eine größere Ge­fahr. Dir haben die Regierung um eine Statistik des FideiSommiß-- bcsitzes in Hefte:: gcbetc::. Meine Fraktion ist für eine sofortige Reform des Wahlrechtes, dessen Refvrmbedürftigkeit nicht erst scstgestcllL werden muß. Aber auch die Löahlen zu den Provinziale tagen, Kreistagen, sowie das Gemeilüxnvahlrecht bedarf der Ver­besserung. Die Frauen haben sich das Wahlrecht verdient.

?lbg. Herdt (Fortschr.) befünvortet dringeck die Urtter- bringuna der Stcktkrnder auf dem Lacke. Auf dem Lande bestehen ganz falsche Vorstellungen über das, Leben in der Stadt. Der Mittel­stand hat dazu weder Zeit :wch Geld. Er hoffe, daß die Regierung nach fom Kriege eine kr ästige Mittelstackspolitik zur Rettung des schiver notteidecken Mittelstandes verfolgt. Der Redner bespricht sodann verscksiedene Versorgungsfragen. Wir in Süddeutschlack rverden von den Kriegsgesellschaften in Berlin mißhackrit. (Wbg. v. Brentano: Sehr richtig!)

In der Pause ftndet eine Beratung des Finanzansfchuffes statt.

Nach der Pause erteilt Präsident Whler das Wort dem Mg. H a u ck (Bbd.).' Dieser spricht sich u. a. entsclsicken gegen Fruhdrusch- Prämien aus. bedauert den Schweinemord, bei der Zusammenlegung der Bäckereien wurde zu schablonenhast verfahren.

Abg. Adelung (Soz.): Abg. Uebel hat den Wrmsch aas- gedrückt, daß die unberechtigten Vorwürfe gegen die Landwirte in diesem Hause verstummen, die hohe Span:nmg zwischen den Er­zeugerpreisen uck Verkaufspreisen ist zugegeben. Llbec daß genug Landwirte sich am Scksteichhandel beteiligen, steht fest. Tie bohM Preise werden nicht :u:r angeboten, sondern mich sehr gerne genom­men. Ter Hehler ist so schlecht wie der Stehler. Leider waren Ge­meinden infolge des Versagens der Organisation auf ben Schleich­handel angewiesen. Tie Obstpreise der Reichsobststelle wurden unter Mitwirkung von Landwirte:: feftgefrellt, ehe man nur die Ernte überschauen kormte. Es rvar ,egr verdienstlich, daß die Provisions­gewinne der Kommissiionäre einmal öffentlich festgestellt wurden, wir wünschten aber, daß auch die Profite der lackwirftchaftlichen Ge­nossenschaften einmal bekannt gegeben würden. Von einer Notlage der Landwirtschaft kann nicht gesprochen werden. Tie Negiernitg- hat sehr viel aus dem Kerbholz, aber daß sie zu wenig für dis Lackckrtschast tue. Üanu man ihr nicht vorroerfen . Tie Interessen der Lackwirtsckiaft dürfen nur im Rahmen der Interessen der Allgemeinheit gefördert ioerden. Auch w:r unterstützeu die Beschneidung des gm:z unkontrollierbaren Kommissionär-Unwesens. Kriegssozialismus war nvttveckig. Für die Freiheit des # Hmrdels begeistern sich die Führer der großen Syckikate und Ringe, die vor dem Kriege gerade den Hackel mono­polisiert haben. Fast in ganz Teutschlack ist der Anbau an Winter­saat stark zurüctzegangen, die Preisanreizpolttik hat versagt. Ein gewisser An bau zwang ist nicht zu entbehren. Die Milchlieferung ist nicht zu hoch angesetzt. Ich mache darauf aufmerksam, daß in Wörrstckt und Wideren Gemeinde:! Wei:cherge unbebaut liegen gelassen werden.

9lbg. So Herr (Ztt.) dankt der Regierung und der Eisen­bahnbehörde für ihr tatkräftiges Eftrgreifen im Ueberschwemmungs- gebiet an (to 9Üahe. Auch dankt er für die Hilfe aus der Bevölkerung des Großherzogtums. Ter Redner bringt einen Fall zu niedriger Taxation eines Häuserschadens uck das ungehörige Auftreten eines Taxitionsbeamten vor. Eine Weinsteuer mich sich in mäßigen Grenzen^ halten, soll der Weinbau nicht zugrunde ge­richtet werden. Eine Doppelbestouerimg, insonderheit eme Backe- wleiisteuer ist ckzulehnen. Tie städtischen Hühnerhalter könns. noch weniger ihre Eierckgabepftichte:: ersilllen, als die läcklichen HühnerlDülder. In Preußen brauchen städtft'lhe Huhnerhalter nur 10 Eier pro Huhn abzuliefern.

3 Ul^u^ ^ Sitzung um 1 Uhr. Nächste Sitzung nachmittag

1.50

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5.70

16 30

2570

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P er so neu zu g (Mark)

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9 20

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24

: ist prozentual am größten auf kleine::

Sttccken.

tu lden Schnell

3 intb bis zu 23 Prozent in den

8m§ Stabt rrnd Cand.

Gießen, den 22. März 1948.

Die neuen Cisenbahntarise.

Ueber die am 4. April in Kraft tretenden neuen Tarife für die Perfonen- und Gepäckbeförderung auf den deutschen Eisen­bahnen ist an dieser Stelle bereits berichtet worden. Nachstehend bringen :vir eure Vergleichecke Zusamnwnstel'lung zum Albdruck, die die neuen iuck allen Preise in übersichtticher Weise zusammen­stellt, uck so den einttetecken Mfschlag kenntlich marf#. Personentarif.

Schnellzug (Mark)

20 km 50 km 100 km 300 km 600 km 1000 km

II. Klaffe früher

jetzt

III. Klaffe früher

jetzt

letzt

früh

jetzt

Personenzügen. F-ür die 4. Klasse beträgt sic 20 Prozent: ein gewisser Wlsgleich wird schon darin gesucken werden, das; beabsich. ttgt ist, die vierte Klasse künfttg auch in die schmckter fahrmrds, Eilzüge ei:rzustellen.

Gepacktarif (Mark)

20 km 50 km 100 km 300 km 500 km 1000 km

25 kg früher jetzt

50 früher jetzt

100 früher jetzt

150 früher jetzt

Tie bigfter billigste GewichtHborstuie für Oscpäck von 25 Mo- gramnr mit bn: Einlritssätzen von 0,20 bis 50 Kilometer, 0,50 Mark bis 300 .Kilometer ::ck 1 Mwrk Wer 300 .Kilvn^ter ist lauf 30 Kilogramm mit den Einhritssätzen von 0.50 Mark bis 50 Kilometer. 1 Mark bis 300 Kilometer und 2 Mark üfrer 300 Kilometer er hälft Uwrdew Tie Gervicbtstckril ckiM g für lGhcre Qtawd>tc erfolgt nicht mehr twn 25 zu 25 Kilogramm, sondern vm: 10 zu 10 Kilogramm.

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** Auszeichnungen. Das V-rmdienstkreuz für Kmegsmlfe wurde verliehe:: an: Werkmeister Janotta. Wor-kführer Simon, Schlvffer Heinrich Stork, Ober- maschiive:ichttzer Ludwig Luh uck Oberwagenpicher Fried­rich Scbcr.

Landkreis Gießen.

** Wieseck, 24. März. Der Unteroffizier mck> Oftllier^« afpirant Lckw. Ka tz erhielt da» Giferne Sh-ar* 2. Kl Die HEsche Tapferkeitsmedaille besitzt er bereits.

Kreis Schotten.

^ ^^Lau ba ch 21. Mür> Aus :ussisck)cr Gcsangx::schaft ist

hVck Johamveü Scho mbcrt van hier heiurg^kommen.

020

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