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Mb. Deutscher Reichstag.

135 . Sitzung, Mittwoch den 27. Februar 1918, vorm. II 1 /* Uhr.

Tie erste Lesung d»s .Haushaltsplanes wird fortgesetzt.

.Abg. Tr. Wi einer (Fortschr. Lp.): Die Regierung stützt sich in ihrer Politik aus die Mehrheit des Reichstages. Unsere Ber Handlungen stellen einen Fortschritt auf der- Bahn parlamentari­scher Entnncklung dar. Auch wir stimmen den EruLrungen de. Reichskanzlers über die auÄvärtige Politik zu. Wir legen das größte Gewicht auf die Wiederherstellung dauernder guter und fremrdschaftlick-er Beriel-ungen zu Rußla-nd. Wir verfolgen keine Eroberung s pläne. Unsere Starte liegt in dem Festhalten an dem Gedanken des Verteidigungskrieges. Wir müssen dafür sargen, daß Belgien nicht wieder der Tummelplatz feindlicher Machen scl-afvcn wird. Mit den Erklärungen des Reichskanzlers gegeiiüüer Prä­sident Wilson können wir uns einverstanden erklären. Tie Rede des Herrn v. Heydebrand war zwar temperamentvoll in der Form, aber überaus mager in ihrem sachlichen Inhalt. Man kann zwei feln, ob von der äußersten Rechten oder von der äußersten Linken mehr gesündigt wird. (Heftiger Widerspruch und erregte Zurufe rechts. Vizepräsident Tr. Panische bittet, die Mahnung des Reichskanzlers, den Burgfrieden zu wahren, zu beherzigen.) Ter Reichstag kann durch Herrn v. Oldenburg nicht beleidigt werden. Die konservative Partei wird wohl im Ernste das unglückselige Wort vom Schießen nicht verteidigen wollen. Die Errcguirg der Konservativen hat ihren Grund darin, daß sie il-re Herrschaft wan­ken fühlen. Tie ganze Richtung vaßt ihnen nicht. (Laclien rechts. Tie 'Beamtenschaft muß leistungsfähig erhalten werden. Ter Mittel- stand hat unter dem .Kriege am meisten gelitten. Große Mittel werden hier notwendig sein. Wir verkennen die Leistungen unsere- Kriegsgesellschasten durchaus nicht, aber wir müssen sie bald tvieder loswerden. Die stadttsche Bevölkerung versteht die Verhältnisse au dem Lande oft nicht richtig. Mer man hat auf dem Lande die Interessen der Allgemeinheit vielfach hinter die eigenen gestellt. Zu deir deutschen Erfolgen hat die Arbeiterschaft viel beigetvagen, um so bedauerlicher ist der Streik. Tie Hirsch-Dunckerschen Gewcrfr -schäften haben vor ihm gewarnt. Wir freuen uns der Erklärungen des Vizekanzlers über das preußische Wahlrecht und legen schärfste : Verwahrung dagegen ein, daß Herr v. Heydebrand sich darüber : beschwert, daß der Vizekanzler als Württemberg er hier gesprochen hat. Er sprach als Deutscher. Elsaß-Lothringen muß die Selb ständigkeit erhalten. Ter inneren Politik des Vizekanzlers stimmen urir zu. Der demokratische Gedanke muß die Grundlage des mo­dernen Staates fein.

Abg. Tr. Stresemann /natt.): Der Friede mit Ruß­land bedeutet die Niederrrn-guN.^ unseres gefährlichsten Gegners Dieses Ereignis wird unS in leinen moralischen Nachwirkungen denr Frieden näher bringen. Zrmächst lvird der rumänische Frieden folgen. Damit beginnt die Liquidierung des Kriegs auf denr Balkan. Tie Eiuheitsbesttebun-gen der tapferen Bulgaren werdm verwirklicht tverden. Unser Vormarsch rm Osten ist unglaublich rasch erfolgt. Tas war auch notwendig, um dem feindlichen Wüten Einl-crlt zu tun. Es ist beschämend, daß man behauptet hat, die Hilferufe aus dem Baltenlande werden in Berlin ge­macht. Völlig unabhängige jStaatsgebilde dort im Osten sind immöglich. Sie müssen eine Anlehnung suchen. Tie Oesterreichs waren zuerst gegen den deutschen Vormarsch. Ms sie aber hörten.

^ daß so viel Lebensmittel erbeutet wurden, schlug die Stimmung um Ein neues Friedensang-ebot des Reichskanzlers wäre verfehlt. Ich bin nicht einverstanden damit, daß Belgien völlig unabhängig, gegen wen auch immer sein soll. Die den Führern der fläntiischnn Bewegung geinachten Zusagen sind doch nicht zurückgenominen. Wir gedenken dankbar der rumänischen Politiker, die bis zuletzt an der Neutralität sestgehalten haben. Nachdem unsere Feinde unsere FrrÄ»ens<urgebv>e mit Hohn zurückgewiesen haben, haben .vir wirrer freie Hano. Rumänien muß eine Kriegs-; entschädigung bezahlen, und zwar mit wirtsckzaftll.cb.it Zugestäilduissen. Sollen Wir in Steuern ersticken? Wir brauchen auf diesen ruchlosen Feuid keine Rücksicht zu nehmen. Unser Ko­lonialreich muß wieder hergestellt iveiden. Hätten wir früher für richtige Verteidigtlgsmittel gesorgt, dann wären unsere Ko­lonien nicht vcrborengxgangm. Wrr geben fen. hankbar der helden­haften Kämpfer Tcuasch-Osdaftikas und senden ihnen die Grüße des deutschen Aolles. Beifall). Es wäre gut, wenn uns die Be­ruhigung gegeben würde, daß an ehre Aufgabe unserer Stellung als Kolonialmacht röcht gedacht wird. Die Art des Friedensschlustrs im Osten wird erzieherlsch im Westen wirken. Das tragische Ab­leben^ des Gvoßherzvgs von Mecklenburg-,Sttelitz legt uns die Schaffmdg eines Michj^refetzeS nahe, rovnach nur deutsche Fürsten auf einen deutschen Thron folgen körrnen. Wünschenswert sind Angestelltenkainnu-rn. Erfreulich ist, daß das Reich sich an der Be­seitigung der Wohnungsnot beteiligen will. Wir wünschen. Auskunft über die Wirkungen einer Vereinheitlichung der deutschen Eisen­bahnen. Tie Wählrechtssrage in Preußen ist eine deut'chie Frage- Neenn jetzt da:- gleiche WaAvocht schitcrt, damr würde der nächste Reichttag eine Znsammensetzung haben die der Lösung wichti'e'- Aufgaben nicht günstig ist Die uatirmalliberale Rehhwagsftalttou steht fast einmüft^ auf dem Standpunkt, daß die Einführung des gleichen Wahlrechts in Preußen unbedingt nötig ist. Beifall.) Ter Redner Yrrv.br 1 fick gegen den Streik imb verurteilt die Ent­gleisung d?s Herrn von Oldenburg. Dem Rener mgsprog ramm stimmen wir zu, ivahren uns aber unsere Selbständigkeit. (Beifall.)

Staatssekretär des Reichskvlonialmnts Dr. S o l f: Bon deut­scher Seite ist niemals eine Unklarheit darüber gelassen worden, daß wir einmütig auf bem Standpunkt stehen, daß wir unsere Kolonien wieder haben wollen. (Beifall.^ Die Kolomalpolitik ist für Deutschland eine Lel>ensfrage und Ferne Luxussrage. General Smuts will auch das deuttchre Kolonialreich vernichten, um daS britische Imperium sicberzuirellen. Er will also 'Deutschland das einzige Reservoir rmchen. ^drs es für seine Industrie hat. Tie Engländer haben es besonders auf Deutsch-Ostasrika ab ge se krön, dessen Reichtum sie schiKxwn. Sie veriolgen den alten Plan eurer Kap - Kaiw - Bahn, weiter. Sie prediam die englische Monvoedektrin. England will eine lückenlose Weltherrschaft haben. Nun wird^uns vorgeworfen^ wir wollten die Firbigen militarisieren. Der Staatssekretär weist nach, daß davon fr »' Rede sein kann. Wir haben in allen Kolonien nur schwock-c Pn>liz>errruvpen gehalten, während die Engländer und Fvan?pvien mrbige Heere von mehreren Hunderttausend Mann auf­gestellt haben. Zu Beginn des Weltkrieges wollten wir die Kolonien neutralisieren. Iht^-c Feinde lehnten ab, weil sie uns überall schädigen rvollten. Sre sind jetzt sogar zu ZwarrgsausHebungen in den Kolonien übergegangen. Unsere Schutzgebiete waren für keürei, Kampf vorbereitet und auch nicht befestigt. Sie hätten sich nicht so lange halten Immen, wenn sie nicht zweimal von der Heimat mit Waffen und Munition versorgt tvorden nreren. Die Engländer wollen aus densfolo-nteu so viel heraustiolen wie nur irgend möglich. Auch in England gibt es viele Träger des Friedensgo- danlens. Aber hinter dem General Smuts stcht die britische Regie­rung, und damit müssen wir rechnen. (Beifall.)

Abg. Bruhn f(D.Fr.) verlangt Vorkehruirgen im Osten gegen die Wldimg einer polnischen Jrvedenta. Besonderer Fürsorge bedarf der Mittelstand.

Abg. Haasc (U. Sotzi.): Das Ultimatum an Rußland bedeutet den vollen Sieg der Evoberungspolitiker. Graf Hertling ist nur das Aushängeschild, Ludendorff diktiert. Unsere Politik muß ehrlich sein. (Lärm rechts.) Elsaß-Lothringen wolbm aucb wir nicht heraus- gebeil, aber die Bevölkerung soll über ihr Schicksal entscheiden. Die Stveikwasse muß international Lnge.machet werden, denn wir wollen imser eigenes Land nicht schlechter stellen als die Mideren.

Abg. Erzberger (Ztt.): Die Friedens-entfchließung des Reichstages war cbi hervorragendes Verdienst Drei Reick^kanzler l-abcm diese Entsck-ließnng zur Grundlage ihrer Politik gemacht, und mit Genugtuung können wir sehen, daß in den feindlichen Ländern die Friedensströmungen von Tag -u Tag >wachsen. Die Friedensentschließung bietet wich die einzige Möglichkeit. Deutsch­land wickder in den Besitz seiner Kolonien zu bringen. Den russi­schen Frieden bcarÄßen wir warni, beim er liegt im Rahmen der Friedensentschließung. In den östlichen Randläiidern solleir nur .-eittuppen bleiben, die wir so bald als möglich zurüctzrel>en wollen. Deutschland wird den Ostfrüdeu ziu einen i dauernden wachen, wenn es die Zeit bentttzt, uni die Zufnucheuheit der Rand- Völker RußlantH herbeiZruführen. Die EhüaLmng' an die belgische Regierung, die der ReichsÄm^er hat ergehen lassen, ist von Herrn

v. Heydebrand vollkommen falsch auSgelegt worden. Der Reichs-- kaTizler bezieht sich auf die Papstnote vom 1. August, die die voll­ständige Räumung Belgieris mit Garantie der politischen, wirt­schaftlichen und militärischen Unabhängigkeit, gleichviel welcher Macht gegenüber, verlangt. Die Regierung in Le Havre hat sich fast ohne jeden Vorbehalt ans den Boden der Papitnote gestellt. Was Herr v. Heydebrarrd gesagt hat, gleicht der Annexion wie ein Ei dem andern. Einen schlechteren Frieden fann Belgien über* aupt nicht bekommen. Eine solck-e Erklärung wirkt ttiegsverlän- gerrür. Eine Debatte im englischen Unterhaiis bewnlt, wie stark vereitS in England die Sttömung für den Abschluß eines baldigen allgemernen Friede-ns ist. Reuter hat darüber der Welt nichts milgeteilt. In Paris blickt man aus diese Enttvicklung mit großer Sorge. Wir seheii bereits große Unterschiede in der Mentalität des englischen und französischen Volkes. Daß Wilson mit dem Ver­sailler Kriegsrat nicht einverstanden ist. ist eine offenkundige <at- fach.v Glauben Sie, daß ein unterdrücktes Belgien die Ruhe in Europa garantieren würde? Ich glaube das nicht. (Sehr riüstig !

' ci der Mehrheit.) Die Fäüedensentschließung bietet uns auch die .'este Grundlage zur Schaffung eines großen zusammenhängenden Kolonialreickis. Staatssekretär Sols verdient den Dank des deut­schen Volkes, daß er in diesem Sinne dauernd, arbeitet. (Beifall.) Er hat der Welt der 5tolonialpolitik neue^ Bahnen gezeigt. Auch 8 der ftühere Gouverneur von Deutsch-Osbafrika v. Rechenberg und der damalige Staatssekretär Dernburg verdienen unsere Aner­kennung wegen ihrer Ängeborenenpvlitik. (Cr-neuter Beifall.) Mei­nem Landsmann v. Payer danke ich dafür, daß er die Reichstags­mehrheit gegen eine wohl organisierte Hetze in Schutz getrommen nt. Seine Abtoehr war angesicksts der vaterlandsseindlichen Rede es Herrn v. OldertLurg durck>ans geboten (Zustimmung links und in ZeiUrum.) Die Hetze gegen die ReickMagSmehrheit wird mit -en modernsten Mitteln geführt. Es ist die schlimmste Korruption >eS ganzen öl'fenllicl-en Lebens, schlimmer als die Zeitungsskandale in Amerika. Die Schwerhrdustrie Hüt in Bunde mit der Deutschen Vaterlcnrdspartei die ?lla geschaffen, um auf die deutschen Zei­tungen in alldeutschem Simre einzuwirken. (Hört, hört! links und im Zentrum.) Der letzte Sturm gegen mich erhob sich, als ich im Ausschuß bocmttagte, daß den wenigen Leuten, die noch expor­tieren dürfen, der Unterschied zwischen Auslands- und Inlands­preis abgeknöpft lmirde. Es handelte sich dabei um nicht weniger als 684 Mitttlnren. (Hört, hört!) Der Redner erklärt: Manchmal erfaßt mich Ekel und Verachtung, daß man sich mit soläiem Pack und Gesindel l)erum.schlagen mnß. (Beifall links irnd im Zentrum.) Ter Redner wendet sich gegen iveitere Angriffe besonders von seiten der Vaterlands Partei und betont die Notwendigkeit des Zu- sammenarbeitens der Mehrheitsparteien.

Tonnevstag, 11 Uhr, Weiterberatung. Schluß Vs? Uhr.

Finnland.

Stockholm, 27. Febr. Amtlich wird mitgeteilt: Der finnische Eisbrecher Mustala und der Dampfer B a l 1 1 o, die früher bei Aaland lagen, sind in der Bucht Lumparfjürdcn auf Aaland mit roten Gardisten und Russen eingelaufen. Aus einer eingegangenen Mitteilung geht aber hervor, daß leine Verwickelung bevorzustchen scheint, son­dern die getroffeneti Uebereinlünfte durchgeführt werden.

Madrid, 28. Febr. Die UnabhängigkeitFinn- lands ist von der spanischen Negierung anerkannt worden.

Die verschlimmerte Laae in Irland.

Rotterdam. 27. Febr. Der N. Rotl. Cour, meldet aus L-onoon: In der letzten Zeit hat sich die Lage in Ir­tan d so rtwährend verschlimmert. Diese Woche wer­den vermutlich die letzten Sitzungen in der Konvention statt- sinden. Die Sinnseiner-Unruhen breiten sich über ganz Ir­land aus.

Wie die Franzosen unsere Gefangenen behandeln.

Berlin, 24. Febr. ^Nichtamtlich.) Ein aus fran^ö- s-ffchcr Gefangenschaft znrückgekehrter deutscher Unterosfizrer berichtet über die ihm widerfahrene Behandlung. Don dem französischen Oberst wurde er geohrseigt, weil er seine deut­sche Karte verbrannt hatte. Ihm und sämtlichen Gefangenen wnrderr Uhren und Brieffachen abgenommen. Einem deut­schen Offizier wurden die Achselstücke und das Eiserne Kreuz 1. Klasse abgerissen. B>oc dem französischen Nationalseft am 14. Juli habe man die Gefangenen 3 Tage hungern taffen, um sie dann in ihrem elenden Zustande der Be­völkerung zu zeigen, die sie, bei ihrenr Durchzug mit Steinen beworfen und ang-espuckt habe. Diese Schilderung beweist aufs neue die weltberühmte französische Ritterlichkeit.

Fliegerangriff auf Bozen.

Innsbruck, 28. Febr. (W.K.51.T.-K.-B.) Gestern, nacht fanden drei oder vier feindliche Fliegerangriffe auf Bozen statt. Es wurden 15. Bomben geworfen, von denen eine Quartiere traf, die von Kriegsgefangenen bewohnt waren. Acht Kriegsgefangene wurden gelötet, 20 verwundet.

Der Seekrieg-

Neue N-Boot-Erfolge.

Berlin, 27. Jebr. Eines unserer U-Boote, Komman­dant Oberleutnarrt Mr See Lohs, hat kürzlich in der Irischen See und im AermeQ'anal 9 Dampfer mit rund 25 000 B. R. T. versenkt, daruirter die bewaffneten ties- beladenen englischen Dampfer Eleanor (1980 B.-R-T.). Polo (2915 B.-R.-T.), Carlifle Castle (4525 B.-R-T ), ferner die englischen Kiistendampfer Lrmesfield, Ardbeg, Ben Rein Mit den versenkten Schiffei i gingen für die Feinde wert­volle Ladungen an Kriegsmaterial und Gebra-uchsgegen- standen verloren, so mir dem Dampfer LÄeanor eine Schiffs­ladung Minen, für den Mittelmeerkriegsschauplatz bestimmt. Die drei Küstendanipser waren mit Werg, Soda und Seife voll beladen Besonders wertvolle mit mehreren Geschützen bewaffnete Dampfer von 4000 und 7000 B.-R.-T. wurden in der Einfahrt zur Irischen See ans stärkster Sicherung herausges chossen

Der Chef des Admrralstabes der Marine.

England und der N-Boot-Krieg.

Rotterdam, 27. Febr. (WTB.) DemNieuweRotier- damschen Courant" zufolge teilte Chiozza Money im Unterhause mit, daß im letzten Jahre in England 200 Hairdelsschisfe von 1600 Tonnen und darüber mtt einer Gesamttonnage von 1067 696 Tonnen fertiggestellt worden seien. Der diettoVerlust an englischen Schiffen von 1600 Dörmen und darüber betrug 598 Schiffe. Das bedeutet einen Verlust von 20 Prozent des englischen Schiffsraums, der 1916 zur Verfügung stand. Von den zur Einfuhr nach Eng- larrd bestimmten Ladurrg-en gingen aber nur 2 Prozent ver­loren. In beu letzten drei Monaten seien im November 22 Schfse mit zusammen 130 375 Bruttotonnen, im Dez. 21 Sck)iffe mit 115 752 Tonnen und im Januar 11 Schiffe mit 55.568 Bntttotonnen in Dieirst gestellt worden.

DieTimes^' bemerlt daM, daß irt diesen drei Monaten ^usanmieir 147 Sck)isfe von über 1600 Bntttotonnen ver­senkt worden seien.

Die englischen Schiffe in den russischen Gewäflera.

Berlin, 28. Febr. Dem L.-A. wird von der Schwei­zer Grenze berichtet, daß nach einer Meldung des Exchange Telegraph die englischen Schiffe im russischen Eismeer Befehl erhielten, innerhalb 24 Stunden die russi­schen Gewässer zu verlassen. Ein Funkspruch der englischen Admiralität verbietet den britischen Schissen das Auslaufen von Archangelsk.

Ans dem Reiche.

T-er neue Großherzog von Mecklendurg-Strelitz.

N e u - S t r e l i tz, 28. Febr. Eine So-nder<iusgabe der Landest zeitung für beide Mecklenburc; veröffentlicht eine Prokla­mation des Großherzoas Friedrich von Mecklen» b n r g - Sch, w e r i n, m der dieser als näck)«ster Llgnat die Rv- gierrma in Mecklonburg-Slrelitz übernimmt und die Erwartung I aussprickst, daß ihm die llntertanen die il-rem l-eimgegangeneu Law- desherru gelobte Treue bewahren werden. Mle Hof-, Staats- und Kirchendiener bleiben in ihrem Llemtern, ohne den Drensteü> er» neuern zu müssen.

Eine neue ArbeiterorganiÄtion.

In einer von 140 Vorstandsmitgliedern und Verttauens^ männern der Werkvereine in Frankfurt a. M. imb Umgebung, Offen buch, Fulda, Kassel u. a. kleineren Orden stark besuchten Ver­sa mnilünq nmrde am vergangenen Sonntag beschlossen, die Wirt- schastsfriedlicheu Arbeiterorganisatiorcen, -die Werkvereine, zum Zwecke einer wirkimgsvollen Vertretung der Standes- und Berufs­interessen ilwer Mitglieder organisatorisch weiter anszubauen und ihre sozialen Unterslützungseinrichlungen durch zenttale Wöch-- nerinuen-, Militär-,-anlen--, S terbe sa ÜA\ nterstützmrgs ka ssen sowie durch eine Pcusionskasse (Alters- und Invaliden-, Witwen^ reuten-- und Waisenaussteuer) zu vervollkommen. Auch wurde die Gründung einer gemeinsamen Arbeitslosenmrterstütznngskasse be­schlossen. Die twtitischen Massenstreiks wurden allseitig auf das schärfste verurteilt. Ferner ist einVerband Mitteldeut-^ scher W e r k v e r ei n e" (Hessen-d7assau, Hessen und angrenzend« Gebiete) gebildet Ivorden: geschäftsführender Vorsitzender ist Bo- zirksleiter Geister, Geschäftsstelle und 'Arbeitsnackpovis befirrden sich in Frankfurt a. M--West. »

rSus Oessen.

I. Dar m st a dt, 26. Febr. Der Finanz-Ausschuß der Zweiten Kammer erledigte in seiner heutigen Sitzung die Besprechung des Staats Voranschlags und wird morgen vormittag- 9 Uhr in die gemeinsame Bespreämng mit der Regierung ein- treten, in der die Kapitel durchgenommcn werden, bei denen der Ausschuß nähere Erläuterungen wünscht. *

Am nächsten Mittwoch den 6. März wird vormittags der Finan.zLussck> der Zweiten Kammer allerlei Rückstände auf­arbeiten, am Nachmittag werden die Finanzausschüsse beider Kam­mern die in der Verfassung vor dem Zusammenttitt der Plenar­versammlung beider Häuser vorgeschriebene gemeinsame Bespre­chung des Budgets abhalten. Am Donnerstag den 7. März wird der Erweiterte Erste (Kriegs-) Ausschuß der Zroeiten Kanrmer tagen.. Am 12. März begirmt die Tagung der Zweiten Kammer, die vor- aussichtlich bis m die Karwoche hinein dau ern^ rmrd.

Aus Stadt sindan$.

Gießen, den 28. Februar 1918.

** Am tliche Person alnachrichten. Der Groß- herAo>g hat am 23. Febr. die von oer Stadtverordnetem-! versammlurrg zu Darmstadt getroffene Wahl des Stadt­baurats August Buxbaum zum besoldeten Beigeordneten der Haupt- und Residenzstadt Darm stad t auf die Dauer von zwölf Jahren und am 23. Febr. die von der Stadt­verordnetenversammlung zu Gießen getroffene Wiederwahl des Rechtsarrwatts Justizrats Wilhelm Grünewald zum unbesloldeben Beigeordneten der Provinzialhauptstadt Gießen auf die Dauer von sechs Jahren bestätigt. Am 20. Febr. d. I. wurde Georg Jaeobi aus Groß-Gerau vom 2. März 1918 an zum Schreibgehilfen bei dem Finanzamt Groß-Gerau ernannt.

** Beförderung. Vizewachtmeister O. Behaghek wurde zum Leuttia^tt d. Res. der Feldartillerie befördert.

** D ie b st a hl. In der Nacht zum 25. Februar 1918 wurde in dem Lwtel Lenz dahier ein Diebstahl begangen, wo­bei dem Täter ein brauner Lederhandkoffer, zwei Paar braune Herren-Schnürstiefel mit Sporenansatzen, Größe 42 und 41Vs, Marke Salamander" undManes", wovon ein Paar benagelt sind, ein Paar schwarze Herren-Boxcalst- Schnürstiefel, Größe 42, Hemden, Unterhosen, Taschen­tücher, Brownings Rasiernresser, Rasierapparat, Seiten­gewehr (Dolch) mit Koppel und Portepee, 20 weiß-leinene Bettücher, teils cingewebt mitHotel Lenz" und teils mit roten cmgcnähten BuchstabenHotel Lenz" gezeichnet, und schwarze, graue und gelbe Damen- und Kinderstrümpfe in die Hände sielen.

** K r e i s a u s s ch u ß. Um bei Durchführung der Feld­bereinigung in der Gemarkung Münster bessere Borflut- verhältnisse zu schaffen, ist die Beseitigung eines Wehrs bei der Papiermühle beschlossen worden. Gegen diese Beseitigung hat der Besitzer der Steinesmühle Einspruch erhoben mit der Begründung, daß hierdurch eine Ueberschwemmungs- gefahr für sein Anwesen geschaffen werde. In der Sitzung des Kreisausschusses vom 18. Oktober v. I. war Beweis­beschluß dahin erhoben worden, daß die technische Behörde durch Bornahme von Messungen bei Hochwasser feststellen soll, inwieweit diese Behauptung zutreffend isfr Nachdem diese Feststellungen gemacht und das Gutachten eingegangen war, wurde in der mündlichen Verhandlung fcstgestellt, daß die Befürchtungen des Besitzers der Steinesmühle unzu­treffend sind, worauf dieser seinen Einspruch zurückzog.

Lanvkrets Gießen.

-m. Birklar, 27. Febr. Gefreiter Adolf Lechens von hier wurde mit der Heffischen Tapferkeitsmedaille auS. gezeichnet. Er besitzt auch das Eiserne Kreuz 2. Klasse.

Gerichtss<ral.

** Wiesbaden, 28 Febr. Vor der Strafiammrr wird eben der Prozeß gegen die Inhaber derMaschinen­fabrik Wiesbaden" Rudolf und Karl Philippi und den Pvokuristen Fischer verhandelt. Der in den Prozeß ver­wickelte Hauptmann Heinrich Philippi wurde, wie er­innerlich, indischen vom Militärgericht Mainz zu 3 Jahren Gefängnis veri'rteilt. Für die Verhandlung sind 8 Tage vorgesehen. _

zrauenstimmrecht zust>en GemelndewahlenZ

__ t . Gießen, 28. Februar 1918.

Die gestern abend von den Frauenvereinen nach dem Hotel Fürstenhos einberuscne öffentliche Versammlung, in welcher Frau I. A pol an t-Frankfurt a. M. sprach, war von ca. 80 Frauen, mickst aus den mittleren und besseren Bürgerkreisen, besucht, die mit Interesse den Aussübrungen der Rednerin folgten, welche als Vertreterin der Zentralstelle ftir Gemeindeämter der Frau sprach. Außerdem waren als Vertteter der Stadt erschienen: Bergeord- Ueter E m m e l i u s, die Stadtverordneten Heichelheim, Dr Ebel, Dr Urstadt und Vetters. Frau Apolant wres einlettend darau hm. daß sich in Preußen außer einer Umge­staltung des Wahlrechts für den Landtag auch eine Ntmgestaltuna der Gememdeverwaltturg vorbereite, weshalb es an der Zeit sei, im Interesse dec kommunalpolitischen Entwicklung sich mit dem Frauenstimmrecht bei t«n Gcmeindcivahlen zu beschästigeir Die Rednerin gab dann einen historischen Rückblick über die E,U»mL«