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Nr. 4? SVetter Blatt Ließener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag. 23. ßebrnar (9(8

WtmnamctamMiMt*VM,... « a nwa ig« Bi

An» Ktttdt ttti5 Land.

Gießen, Len 23. Februar 1918.

Mittel und Wege zur Vermehrung der Fett- , Versorgung des deutschen Voltes.

Die gleichnEßige Versorgung der Bevölkerung' mit Fett muß eine erste Aufgabe unserer Ernäli-rungspolitik sein. Die Absperrrmg vom Anslande, der Rückgang der tierischen Fettproduktion, bedingt durch die Abschlachtung der Schwenre und den Rückgang der Milch produktion, zwingen uns, imseve heimische Pflanzenproduktion zu erhöhen. Das ist möglich durch Vergrößerung der Anbaufläche für O e l s a a t e n. Der früher in Deutschland blühende Oelftuchtanban ist durch die ausländische Konkurrenz fast vollständig vernichtet worden. Es liegt an uns selbst, ihn wieder zu heben. Für die Frühjahrsaussaat stehen uns mehrere Oelsrüchte zur Verfügung, die für den geldmäßigen (Anbau auf größeren oder kleineren Flächen geeignet sind. Für unsere Gegeird kommen haupt­sächlich der Sommerraps, Sommerrübsen, der Mohn :rnd Lein in Frage. Da in diesem Jahr Saathaser und andere Sommergetreide- arten sehr knapp sind uird in vielen Wirtschaften zur Bestellung der zur Verfügung stehenden Fläche nicht ausreichen würden, so emp­fiehlt sich aus dtiesem Grunde der Anbau von Sommerölsaaren, durch welche irm Gegensätzen vielen anderen Kriegsersatzmitteln nicht intr der einzelnen Wirtsck)aft, sondern rauch der Allgemeinheit! außerordentlich gedierrt wäre. Bisher ist es in jedem Kriegs fahre gelungen, den deutsche:: Oelftuchtanban erheblich zu vergrößern, in diesen: Jahr müßte er aber verdrei- und verviersacht werden, um das fehlende tierische Fett zu ersetzen, und man braucht nicht zu be­fürchten, daß dadurch die Anbaufläche aicherer wichtiger Früchte, wie (betreibe und Kartoffeln merklich verkleinert wird. Kulturanwev- snngen sind im landn>. Kalender >sür das Großherzogtum Hessen, Jchrgang 1918, enthalten und werden außerdem von der Land­wirt sckpaftskammer zur Verfügung gestellt. Einen sehr wirksamen Anreiz zur Vermehrung des Oelsri:chtanbaues bilden auch die guten Breis'- für alle Oelsrüchte, und weiter kommt hinzu, daß der Oel- s uchtanbauer mit Stickstoffdünger nne Oelkuchen beliefert wird. Deu Oelsaatanbauern wird auch im Verhältnis zur abgeli-efertest Menge Speiseöl für den eigenen Gebrauch zurückgeliefert, bzw. Oclsaat zur Erzeugung von Oel ifür dm eigenen .Haushalt belassen. Nähere Auskunft wird von der Landwirtschaftskammer Darmstadt erteilt>Siche auch Anzeigenteil.

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** Auszeichnung. Der Gefreite Erich Lublinski er- lnelt die Hessische Tapferkeitsmed-ailü. ,

** Goldene Hochzeit. Ter Gemüsehändler Heinrich K rieb und seine Ehefrau begehen ent Sonntag das Fest der goldeneil Hochzeit.

** Hfssische Gold- und I u w e l e n w o ch e. An: Sonn­tag geht die hessische Juwelen- und Goldwoche zu Endei Die Goldankaussstelle Gießen ist auch an diesem Tage vormittags von 1 7|1 Uhr geöffnet. Verschließe niemand sein Ohr dem Ruf des Vaterlands, das auch ihm Sicherheit und Schutz gewährt. ^Kein .HesK nürd wolleil, daß sein engeres Vaterland an letzter Stelle sieht. Wer an Wochentagen nicht die Zeit gefunden hat, dem ist am Sonntag Gelegenheit geboten, sein Gold einzulösen.

** D i e Dienst st unden der städtischen Aemter sind vom I. März ab von 812 Uhr vormittags und 26 Uhr nachmittags.

** Vortrag. Die Gießener Frauenvereine veranstalten am Vcontag, den 25. Februar 1918, abends 8 Uhr, im Hotei Fürsten- ivf einer: Vortrag. Frau Apolant wird einen Urberblick ^.ber die gesamte Tätigkeit der Frau in der kommunalen WichiAhrts-. vftege geben, sowie eine Tarstellmig der Geweindeverwalinnig, aufgebaut auf dem Gedanken der Selbstverwälttmg und Ucberblick über das z. Z. bestehende komtnmrale Wahlrecht, auch das der Frauen,' Argumente der Gegner, Begründung der Befürworter. Siehe Anzeige.

** Anlagen-Musik der Garnison-Kapelle findet am önntag um 12 Uhr in der Ostanlage statt.

** Das L icht spiel haus. Bah n hofsiraße 34, bringt in seinem neuen Programm einen FilmHöhenluft" mit Henny Porten in der Hauptrolle sowie das DramaFurcht" mit Bruno Devarli als Hauptdarsteller. Siehe Anzeige.

** Im Schwarz- Weiß-Theater (Seltersweg 81) tritt von heute ab Albert Bassermann in den: FilmHerr und Diener" auf. Außerdem wird ein dceiaktiges Lustspiel mit Rita Clermont vorgeführt. Siehe Anzeige.

Landkreis (Sieben.

i. Ettingshausen, 22. Febr. Paulus Walter wurde zum Gefreiten. befördert, Karl Walter erhielt das Eiserne Kreuz, und Heinrich D i e h l wurde mit der Hessischen Tapfer- keitsmedaille ausgezeichnet.

Kreis Friedberg.

bz. Butzbach, 22. Febr. Gestern nacht starb in der Zellen- chrafans.'alt Butzbach an Altersschwäche der am 5. Januar 1838 in StHnidorf, Kreis Alsfeld, unehelich geborene Johannes Herchen- röder. Er wurde am 23. Juli 1863 von den: dantaligen Großh Assiseuhvs der Provinz Oberhessen wogen eines in der Nähe von SÄzhcmsen an dem Fuhrmann Adam Müller in Eichelsachsen ver- .übten Raubnrovdes zum Tode verurteilt. In: Wege der Gnade wurde die Todesstraw in lebenslängliche Juchthnwsttast verwandelt. Trefe hat Herchenröder wn 8. Oktober 1363 im Landeszuchthai^ Mlarionschloß angetrete-r. Bei Kriechausornch wurde er van da chit deic übrigen Züchtlingen nach der Zellenstrafanstalt üverge- führt. Er hat über 54 Jahre in: Zuchthaus zugebracht :rnd war der älteste Strafgefamwne im Großherzogttm:. .

Starkeubma und Rbeinhessen.

** Darmstadt, 22. Febr. Das Hoftheater bereitet für den Ddanat Mai einen Weingartner-Zpklirs vor, der unter Leitung ves Komponisten die OpernGeneias",Kain und tllbet"Tanw Kobold", sowie ein Kvnzeri ir.it Kompositionen Weingartners urmgi., Zu Begirm der nächsten Spielzeit ist ein Richard Strauß-Zyklus geplant, in den: derRosenkavalier", Salome", Ar adne auf Naxos" und ein Konzert mit Strauß'scheu Konr- pvntionen zur Aufführurrg ko muten sollen.

** Mainz, 22. Febr. Ten: Leutnant d. Res. Marx Jn- laberches Msernen Kreuzes erster und zwiüter Masse und der Hessi- ichcnr Tap erieitsmedaille, tvurde das Hessische Kriegsehrenzeichen in Erien verliehen.

Hesftn-Nassim.

..)S Marburg, 22. Febr. Zu den: hier angesetzten ersten d:eslährigen Schw.'inenurrkr £>atlent sich eine Menge Kausluslige, zum Teil von weit her mit Wagen und Geschirr kommei:d, ein- geftmden mußten aber wieder von dannen ziehen, denn die Hauptsache, nänclich die Ferkel, fehlten gänzlich. Die wegen der kürzlich lbekcrmrt-gegebenen Höchstpreise " sclw.oll enden Ferkel- ^'cher hatten iricht ein einziges Tier zu Diarkte gebracht. In ecu^- hier abgelsalterwi: Bersanrmlung der Herdbuck)gesellschaft zur .fuchwng dos Vogels berge,.' Rindes für die Kreise Rdarburg und tirchymn wurde auch üben- die Erfahrunge,:, ivcldyt man bei

rotei: hessischen Hüheirvieh infolge des fehle'wen Krastftltters «nacht, m ausführlicher Wieise gespooehen. Die nreisten Züchter darüber eiing, daß die knapp- Fütterung von dieser J t<rn *>inen Bielrgattung Ml über standen ivird und die Ar­beitsleistung wie >cruch die Rttlck)prgiebiqkeit >venig Einbuße er- lttten l^lden. Tie Kreuzung mit Simmentaler Weh wurde nicht für gut gehntzLn wiäl di' erste Nachzucht vielleicht gut, die spätere abcw :n der Wecse ausarten würde, daß die Tiere die vorhandenen Fehler bewer Rassen auf sich veremigtei:

Zusammenkunft der Lehrer der Bezirke Hungen, Gießen-Land und 64rünberg.

Gießen, 22. Februar.

Unser dem Vorsitz des Kreisschulinspektors Professor Dr. Alles fand heute in dein Schulhause der hiesigen Mädchenschule ^ne amtliche Zusammentimft der Lehrer der Bezirke Hungen, G:eßen-Lcnu> und Grünberg st-att. Einleitend gedachte der Vor- fttzend-c farc in: Felde stehenden, krankei: und gefallenen Kollegen. Zu der Zahl der fürs Vaterland gestorbenen Lehver des Kreises

stich zlvei weitere hinzugekommei:, zu deren ehrendem 2lndenken die Versainmetten sich von ihrer: Plätze:: erhoben. Es erfolgten nun Mitteilunge:: der KreissckMllvmmission. Hierunter ist hervor- Mhebe:i, daß, >vie in den Vorjahren, so auch dieses Jahr die Ab­sicht besteht, Stadtkinder auf das Land zu bringen. In erster Linie sgller: die hessischer: Kirrder berücksichtigt lverden. Die außerhalb Hessens wohnende:: Kinder werden durch Vermittlung des Ministe­riums unlergebracht, an welck>es also dahingehende Gesuche zu rich­ten sind. Hanptlehrer K n a n ß - Gieße,: ergänzte diese Mitteilungen noch und fügte die Bitte hinzu, die Lehrer des .Kr-eises möchten doch ihre gao:ze .Kraft einfetzen, daß es ern:öglicht werde, die .Kinder der Stadt Gießen, welchen ein Landaufenthalt zun: Teil so sehr not tue. im Kreise Gießen unterz-ubrüten. Sodann minfoe daraus hin- gewieseu, wie außerordentlich wmp chensioert und rrotwendig es sei, die durch die Schuljugeiü) vielfach mit schönem Erfolg betriebene Sammelt ätt-gkeit von Mtmaterial, Absallstosfen, Obstkernen, Brenn­nesseln und Wildfrü^chten mit erneutem Eifer jortzu^etzeu. und zu­gleich bemerkt, daß eine bessere Organisation bereits erwogen sei, die voraussichtlich zur restlosen Erfassung dieser sonst tvertloser: Dinge führen »verde.

92ach kirrzer Pause sprach hierauf Haupllehrer Bach- Großcu- Linden über die Einheitsschule. Der Vortragende entwarf an Hand der darüber erschienenen Schriften von Joh. Tetvs, von Sckwlrat Block-Darinstadt und der Kieler Thesen des Allgemeinen Deutschen Lehrer Vereins ein Bild der in letzter Zeit hervorgetret e::«: Bestte- bungen un: die ^genannte Einheitsschule, die er in die Formel faßte: Die Bestrebungen der Anhänger der Einheitsschule gehen dahin, hsetrenutos zu vereinigen und Vereintes zu trennen. Nach­dem das deutsche Volk im Jahre 1871 natioiml geeint wurde, müsse:: auch die <Sdytcaifm der sozialen Trennung möglichst be­seitigt werden, dannt daS Wort Beethmam: Hollwegs wahr werde: Freie Bahn dem Tüchtigen. Nicht Rang und Stand der Elter::, wndeni Fleiß u:rd Begabung des Knü>es, also die Tüchttgkeit des zukünftige:: Staatsbürgers, muß für die spätere Stellung und^ Tä­tigkeit des einzelnen maßgebend sein. Jeder muß an die Stelle kommen könne::, wohin er im Interesse des Volksganze:: gehört. Da dies zu beurteile:: in der erste:: Zeit des Kindes nicht möglich ist, so ergibt sich daraus, daß alle Kircher in die allgemeine Volks­schule auszw^hnren sind, die dann später die Schüler dahin über­führt, wo sie ihrer Vercnckagung nach hingehören. Die einzelnen Schule:: müsse:: demgemäß eine lebensvolle Verbindung darstellen, orgcvnsch gegliedert sein. Deme:llsprechend sind die entsprechenden Lehrpläne der Eigenart des zu erteilenden Unterrichts gemäß auszuarbeiten. Die seitherigen Vorschulen falle:: weg. Durch die Einheitsschule ist nebe:: der sozialen HebuiV der Schule und Lehrer in erster Linie die Durchführung der Idee von der vollkoinmeucn Bewirtschaftm:g des geisttgen Volksvermögens möglich. Einen Schritt vottvärts in dieser Richtung hat als der erste unter den deutschen Staaten unser. Großherzogtum .Hessen getan, indem es im Februar vorigen Jahres eine Verfügung erließ, wonach es gut veraickagten Volksschülern erniöglicht wird, ohne besondere Prü­fung in die Sexta, iind Quinta höherer Lehranstalten ausgenonimen zu werden. Indem dieser Schritt sehr begrüßt wird, wird daran die Hoffnung geknüpft, das Schulministerrun: möge aus diesem, wie sich schm: jetzt herausstellt, gangbaren Wege unentwegt weiter gehen. Ter im allgemeinen objettiv gehaltene Vorttag, der auch den Gegner zu Wort kommen ließ, fand ohne weitere Diskussion die Zusnmmung der Ann-eseichen.

AiNthNchL NacL-rkrehrett«

Gottesdienst am Sonntag den 24.. Februar.

Ei? ' .'

In der Stadtkirche. 91 / 2 Pft. Schwabe; 11: Militär- gottesd. Pfr. Schwabe; 2: Kinderk. f. d. Mark.-Gem. Pft. Schumbe: 6: Pft. Mahr, Beichte u. hl. Abendin. s. Matth.-,u. Mark.-Ge:n. - In der I 0 hanneski r ch e. 9V 2 : Pft. Ausfeld; 11: Kinderk. f. d. Joh.-Gem. Pfr. Ausfeld: 6: Pfr. Bechtolsheim er; 8: Bibel- hesprechuug im Johannessaal. Kirchber g. Born:. 10. Mainzlar. Nachm. 1 1 2 .

Uathottsche Gemeinde.

6Va- Gel. z. hl. Beicbt; 7: Hl. Messe; 8: Aust. d. hl. Komm.; 9: Hochamt m. Pred.; 11: Hl. Messe m. Pred.; 5VZ: Christenl., darauf Passionsand. Dienstag u. Freitag, abds. 8: Fastenand. Fveitag, vorm. 7: Segensmesse. Samstag 2. März, nachm. 5 u. abds. 8: Gel. z.hl. Beicht. Diaspora-Gottesdienst am 24. Febr.: Grünberg 9'Hungen 9sft,.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 23. Februar. (Amtlich.)

Orstlicher Kriegsschauplatz.

Irr Estland sind unsere Trrr.ppk.ir im Vordringen nach Osten. In Livland wurde Walk besetzt. In der Ukraine haben die südlich von Luck ergehenden Kräfte Dubno erreicht.

Im übrigen nelftnen die Operationen ihren Fortgang.

Die Zahl der angebrachten Gefangenen hat sich um 2 Generale. 12 Öftersten, 133 Ofsiziel^c und 8770 Mann erhöht.

Von den anderen Kriegsschauplätzen Lichts Neues.

Der Erste Generalgnartiermeister Ludendorff.

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Die Nordd. Allg. Zig. über die Haltung der russischen Regierung.

Berlin, 2 2. Febr. Nach zuverlässigen Meldungen aus Ruß- lwrd kam:, )vre dieNorddeutsche Allge>neine Zeittmg" schreibt, kein. Zweifel darüber obwalte::, daß die bolschelviftische Reg-Krimg ohne weiteres bereit gewef«: wäre, die deutschen Friede::sbedi'.u;nngen, in Bresh-Litowsk zu -ltnfcxtadjnmt, wenn sie nicht die Hoffnung gehabt hätte, daß die Stteikbe.wogung in Deutschland unb Oesler- reich-U:rgari: zur Nevolntion führen würde. Em Frrnkspruch des Rates der Volkskonmftssare vom 21. Febrimr liefert zngleick) den Bo'.veis dafür, daß es der bolschewisttsckM: Regierung auch« jetzt noch genau ebenftloenig unt einer: dauernden Frieoen und um.die Wiederherdellimg fteundnachbarlichssr Beziehungen mit uns zu tun ist. Iw de::: Funkspruch heißt es? 1 : Da sich die derrtsche arbeitende Klasse in dieser dvohendw: Stmche als nnentschlossen und nicht stark genug erwiesen hat, un: die verbrecherische Hand des eigene:: Rttli- tarismns aufzuhalten, so bleibt uns keine andere Wühl, als die Bedingungen des deutsche:: .Jmpericklismü^ anzunehmen bis zu dem Zeitprmkt, wo die europäische Revolution: sie abändenl lvird. Auch diese Kuüdgeft.mg sprickK davon, ^ daß wir m:s bei den: Fria- densschluß mit Rußland bestimmte und sichere Bürgsä-aft«: für die Erfüllmrg aller Verpflichtungen gebe:: lassen müssen, die Ruß­land vertragsmäßig eiugehen wi?o.

Dir Regklung der Uebergungswirtschaft.

Berlin, 22. Febr. In der heutigen Sitzung des Reichstagsausschusses für Handel und Ge­werbe teilte der Vorsitzeitde mit, daß a:n 21. Februar ein­gehende Verhandlungen zwischen dem Staatssekretär und dem Unterstaatssekretär des Reichswirtschaftsamtes einerseits und Vertretern sämtlicher Reichstagsfraktionen andererseits in der Frage der N e b e r g a n g s w i r t s ch a f t stattgesunden haben. Aus allen Seiten herrschte llebereinstim:nung darüber, daß auch nach dem Kriege für die ersten Jahre besondere be­hördliche Maßnahmen, vor allem zur Behebung des Roh­stoffmangels, nötig wären. Denmächst soll'dem Reichs­tage ein Entwurf zu einem besonderen Ermächtigungsgesetz für die Uebergangswirtschait Angehen.

Neu-e U-Voot-Erfolge.

Berlin, 22. Febr. Amt lick. Nene U-Voots-Ersolge auf frem nördlichen Kriegsschwrplatz: 18 0 0 0 BRT. Unter den versenk­

ten Schiffen befände:: sich ein großer Dampfer von über 10000 BRT. vom Aussehen des englischen Dampfers Drama.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

Ter englische Hilsslrcnzer Drama war ein nettes' schnelles, mit Turbinen und drahtloser Telegraphie ausgerüstetes Schiss von 12 927 BNT. und lo'urde am 10. Oktober 1917 versenkt. An Fahrzeugen über 12000 BRT. zähl:e die englische Handelsmarine 1914 nur 71 Stück. Auch der fast täglich: Berlun vieler kleiner Fischerfahrzeuge'schädigt die Ernährung Englands empfindlich, denn die Hochseefischnei und der Geuuß von Fischen spielt drübeu- eitte erheblich wichtigere Wlle als bei uns. Vo-n der eheinals etwa 2200 Dampfer zählenden Fischerftotte ftd. l-eute, soweit mxrij vorhanden, der größere Teil als Minensucher, Begleit- oder Wach!^ schisse im Marinedienst. Unter Hinwns am diesen Notstand be^ antragte der Abgeordnete Belairns in: Unterhause am 29. Ja-> nuar d. I. die Freigabe von 200 Fischdampfern für de:: Fang. Ter Vertreter der cn:glischen Mmiralität erividerte, daß infolge des wesenden Bedarfs zurzeit an eine Freigabe von Fischdampfern nicht zu de,:ken sei. Da der Fang eines Fischdampfers in Friedens­zeiten auf einer zwei- bis dreiwöchigen Reise 100000 Pfund Fische :md mehr beträgt, läßt sich der Ausfall ermessen, den die englische Volksernährung durch dcn: U-Boot-Krieg auch auf diesem Gebiete ^erleidet.

Eine neue Neutralitätsveetetzung.

Berlin, 22. Febr. Am 16. Februar 1916 kurz nach 8 Uhr abends warf ein Flugzeug fünf Bomben auf holländisches Gebiet bei Hof Derneuzen. Die Bomben richteten ^ Material­schaden an. Am 17. Februar gegen 1 Uhr mittags überflogen zwei Flugzeuge holländisches Gebiet zwischen Prüggc und der Scheldc- mündung. Am 17. Februar 1918 abends warf wiederum ein Flug­zeug bei Slnis-Kanal Bomben aus holländisches Gebiet. In allen drei Fällen war die deutsche Regierung sofort in der Lage, an Harw von einwandfteien Meldungen des Flugmeldedienstes rtach- zuweisen,, daß es englische Flugzeuge waren, die die hol­ländische Neutralität verletzte::. Es ist bekaimt, daß es stets Fälle geben kann, in dene?: Flugzeuge durch höhere Gewalt gezwunge:: werden, neutrales Oüebiet zu überfliegen oder dort :wtznlanden, afc- über das Maß solcher Fälle gehen diese drei Neuttalitätsverletzwu gen innerhalb 48 Stunden dicch« weit l/inaus. Böser Wille, vollkom­mene Gleichgültigkeit oder eine kann: glaubliche fliegerische Un­fähigkeit könne:: allein ihr Gründe sein. Dieser ^lngrisl ist wiedernn: ein Beweis der Nichtachitung der Souveränität der ::euLralen Staate:: seitens Englands und beleuchtet eigenartig die so oft reklamehaft wiederholte Behaupttmg Englands, der Beschützer de? kleinen Staaten zu sein.

Die Lage in Finnland.

Stockholm, 22. Febr. Viel besprochen wird in der schwedö schen Presse die Tatsache, daß 500 0 schwedische Finnen aus einer finnischen S ch ä r e n i n s e l von den Roten Gar­disten umzingelt sind und dem Hnngertode zu unterliegen drohen. Die konservativen Blätter fordern energisch deren Rettung, doch erklärte der Marineminister einen: Mitarbeiter vonAftonbladet", daß die schwedische Aktion zur See wegen der Eisverhältnisse un­möglich sei. Dagegen ivolle die Iiegierung in Helsingfors wegen des Schicksals der ungtücklick)en Weißen Gardisten besonders vorstellig lverden.

- Englischer Schiffs-Verlust durch Serunfälle.

Berlin, 23. Febr. Ten: L. A. znftlge hat nach der Times vom 16. Februar Sir Maoney ans eine Änftage im Unterhause am 15. Februar erwidert, daß während-des Kalenderjahres 1917^ ins- g. '-amt 69 englische Schisse, über 1600 Tonnen mit einer Gesamt­en nage von 245 559 Donnen durch See::nfälle verloren- c raangen seien. Dieser Verlust durch Seeunfälle kommt also auch zu den großen Verllchen ditrch den U-Boot-Krieg.

Die Londoner Arbeiterkonfcrenz.

Rotterdam, 22. Februar. N. Nott. Cour, zufolge erfährt Manchester Guardian, daß die englische unabhängige A r- b e i t e r p a r t e: an der L 0 n d- 0 n e r Konferenz nicht teil­nehme, weil sie infolge eines Beschlusses der Arbeiterpartei und des Getoerkschastskongresses kein Recht auf besondere Bertretungi bei der internationalen Konferenz hat.

London, 22. Febr. '(Reuter.) Wie ein hiesiges Blatt erfährt, wird eine Reihe^von Geiverksehaften wegen der herrschsüchtigen Haltung des äußersten linken Flügels der Arbeiterpartei eine g e w e r k s ch a f t l i ch e A r b e i t e r p a r t e: zu gründen versuchen die unter dem Einfluß des Geiverkschaftskongresses stehen soll.

Aus dem österreichischen Abgeordnetenhaus.

Wien, 22. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Mgeordnetenhaus. Zu Beginn der Sitzung erklärte Ministerpräsident Ritter von S e: b l c r. Vorgestern erschien in den Blättern eine amtliche Verlantbarrmg, die davon spricht, wo gegemvärtig das Schwer­gewicht der Oesterreichisch^ungarischen Streitkräfte liegt. Wie aus verschiedmen in der Debatte gefallenen Aeußerrmgen hervorgeht, scheint dieses Communigue teilweise zu mißverständlichen Auf­fassungen geft'chrt zu haben. Zur Aufklärung möchte ich drei kürzt Bemerkungen Vorbringen: Wie ich schon am 19. Februar mitteilte, beteiligt sich Oesterreich-Ungar:: nicht an der militärischen Aktion (Beifall), die gegenwärtig von Deutschland gegen Rrtßland geführt wird. (Beifall.1 Ter Einmarsch österreichisch-ungarischer Truppen in die Uftaine, mit der wir im Friedensverhältnis stehen, erfolgt nicht. Was Rumänien anbelangt, besteht der Waffenstillstand zwischen Oesterreich-Ungarn und diesem Staate. Die Friedens- verhandlungeri beginuen in den nächsten Tagen. (Beifall.)

Das Haus setzte sodann die erste Lesung des Budgetprovi- iorunni> fort. Der christlichi-soz-iiale 'Abgeordnete Hoafter wies ent­schieden die Ausfühvnngea: der polnischen Rvdiler gegen den Grafen: Czernn: zurück intb betonte die Verdienste bed Olafen Czernin. Bezüglich der Wügsthp nach Entlassung ällerer- Jahrgänge erklärte der Redtrer, er lhabc gester:: mit dckn: Kaiser darüber ge­sprochen. Ter Kaiser hob«; ihn beauftragt, dem Hm:sc zu sagen, daß es ihm die größte Sorge bereite, den Krieg fort führen zn müssen unb Paß er nichts sehn-- lick'er wünsche, all e Soldat tyrr f 0 bald als n: ögl: ch nach Hause zn schicken. (Stürmischer Beifall links nnd bei den Ukrainer:: und Hochrufe). Besonders liegt den: Kaiser daran- die alten Jahrgänge sobald als möglich zu entlassen. (Erneuter- sswinischer Beifall). Wir verttcucen ans das Wort des Kaisers; er ist ein edler herzensguter Imnii, der keine Freude am Blutver­gießen und kein Interesse liat, den Krieg auch nur eine Stttnd« zn verlängeru. Wir vertrauen ans ihn imd seiner: Minister des ^leußern IGrafen Czernin, daß sie uns baldmöglichst den allgemeinen Frieden und allgemeiuc ^Abrüstung bringen nx^rden. (Lebhafter Beifall links und bei den Ukrainerin) Bezüglich der Betvilligung des Bick)getsp:iovisoriiu::s erklärte der Redner, die Gefährdung des Budgetsprovisorintns ^bedeute eine CKfät-raung des Parb:n:ents, weSl alb die Christlich-Sozialen für das Bndgetprvvisorinm sliimnen rverderi. (Lebl-afler Beifall und Händeklats<En.) G^enüber den gestrigen Reden der Pblnisck^en M'g.wrdnete:: nües Ministerpräsident Tr. Ritter von Seidl e r :eitler lebhaften: Beifall auf der Linken mit der alten Schärfe die Angriffe gir^e:: das Deutsche flteick: zurück, die bereits gestern von zuständiger Seite des Hauses ihre ^irnzeichwnng erfahren: hätte:!. Diese 'Angriffe wirkte:: als Kriegst :?erläng-erung, in den: sie den Kriegshetzern in den: gegnerischen Lager dlrgnmenle gegen die Geschossenheft der Mittelmächte lie­ferten. Gott sei Dank stehe unser Verhältnis zn dem alfe Zeit und 1 namentlich in: Ferner des Meltftieges l-errlick) beiwibwen Ver- bündeten zn hoch wro zu fest, als daß solche Uebertreiöneie:: ixti seurer Klarl>eit, Wärme und Innigkeit z:r rühre:: vernwchten.

"Konfekt

s'eissät den Stuhlgang

b©8 Erwachsenen und Kindern,

Aorztlioh empfohlen! Originaldoee Mk. 1.60.