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20.10.1917 Erstes Blatt
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Erstes Blatt tb7. Jahrgang

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lawa" und ein russischer Zerstörer

wschrnrückblick.

Me Taten sollen ttncfcer einmal für uns zeugen, und der schnelle, kraftvolle Griff unserer Heeres- und Flotten­abteilungen nach den Inseln, die dem Rigaischen Meerbusen vorgelagert sind, stößt zugleich eine Reihe von Karten­häusern diplomatischer Kabalen um. Unsere Flotte ist nicht von revolutionären Umtrieben angefressen, und mit dem Worte des Grafen Ezernrn, daß bei der durch die Schuld der Gegner unvermeückichen Fortführung des Krieges wir alle Freiheiten lind Entschließungen uns vorbehielren, hat die deutsche Wehrmackst auch der militäriscl)eu Lage schon »meder ein neues Gesicht gegeben. Die letzten Lichtstrahlen durch die tvestlichen Fenster des russischen Reiches werden abgeschlossen, die englischen Bemühungen, sich au der balti­schen Küste festen setzen, sind vereitelt Ein füh lbarer Schi'eck geht durch die Organe der Westmäche, da die russischen Berichte so unverhültt die eigne Ohnmacht zeigen und die Anarchie in Rußland dabei weiter um sich greift. Man weiß es jetzt, daß wir noch Ziele, noch einen Willen haben Wohin geht der vor uns liegende Weg? Nach Reval, nach Petersburg? Unsere Feinde mögen in Paris Kriegsrat oder Friederisrat haltert, wir aber wollen das alte Vertrauen wiedergewimrcnr, die mit vielem Gekritzel verunzierte Frie- dmstasel wieder reine waschen. Und wir freuen uns, daß dazu in diesen Tagen mit den bekannten energischeren Presse- feststellnngen auch der Wiener Schvamm etwas beige­nagen hat?

ll^er die neuesten Ereignisse in der: Rigaischen Meeren, sowie die sensationellen Versenkungen ganzer Schiffsgeleit- züae in der Nordsee und im Mittelmeer wird England un­gefähr so erbittert und ärgerlich sein, wie Poseidon, als er Odysseus erblickte,ivelcher die Wogen befuhr". Aber England ist kein Erderschütterer mehr. Die Schnur, an der es seine Bündnisse aufgereiht hat, wird doch an irgendeiner Stelle einmal brückstg werden. In Frankreich ist das Kabinett Painlevs von ebenso großen parlamentarisä-en Schwierig­keiten umbrandet, wie die Kanzlersck>aft des Herrn Mick)-aelis, ohne daß unsere westlichen Nachbarn sich irgendwelcher Schlachtenerfolge rühmerr könnten. Hinter den zurKlärung" herangetragenen zahlreichen Skandalgeschichten verbergen sich für das Kabinett Painlevo alle die Gegnerschaften, die mit der gegenwärtigen Kriegs- und Friedenspolitik nicht einverstanden sind. Painleve erhielt eine schwache Ver- trauenserktärllng der Kammer, wichtige Interpellationen sind vertagt worden, u;rd eine geheime Sitzung enthüllte weitere Umstände, unter denen Ribot, der Minister des Ans- «värttgen, Andeutungen gemacht hatte von einem angeblichen Sand er sriedens angeb ot Deutschlands, wobei dieses Zrt- geständnisse in der elsaß-lothringischen Frage ausgespielt Haben sollte. Diese Enthülturrgen haben jedoch die Oppo fition gegen die jetzige Negierung Frankreichs offenbar noch verstärkt, und in allernächster Zeit wird das Staatsschiff wohl wieder einerverbesserten" Regierung anvertraut werden

Qkmj ähnliche Vorgänge spielten sich bei der Wieder­eröffnung der italienischen Kammer ab. Auch das Kabinett Boselli steht auf bedenklich schwachen Füßen. Die Regierungserklärung, die der Anbahrrung des Friedens aus- wercht, weil Italien nicht ,chetrogen" tverden dürfe, die im übrigen ans die wichtigsten Fragen überhaupt nicht einging, hat werte Kreise der Kanmrer nicht befriedigt. Als die Sozialisten in eine Besprechurig der Regierungserklärrrngen erntreten wollten, forderte Boselli die Vertagung dieser Be- sprechmrg bis zur Prüfung der vorläufigerr Haushalts­zwölftel und stellte die Vertrauensfrage. Die Vertagung wurde bewilligt, aber die HanPtentscheidnng steht also noch bevor. Die furchtbaren Aufstände in oberitalienisckstm Städten haben ihre Nachwirkungen in tvachsender Ent- täusäplng, Unzufriedenheit und Besorgnis vor denr Ende diesesBefreiungskrieges".

Nach diesen Umblicken erscheint unsere eigne innervolitische Krisis vielleicht etwas erträglicher Die letzten Vorgänge im Reichstag schienen danach angetan zu fein, die Stellung des Reichskanzlers weiterhin zu unterhöhlen. Mehrere Blätter verbreiteten neuerdings die Nachricht, daß die Vorsitzenden der Mehrheitsparteien sowie der Vorsitzende der nationalliberalen Reichstagsfraktion von ihren Fraktionen beauftragt worden seien, dem Kanzler dae Mißtrauen auszusprechen. Dazu stellt die national liberale Korrespondenz fest, tatsächlich sei in der interfraktionellen Besprechung ein gemeinsamer Schritt der Parteien in der Kanzlersrage angeregt worden, allein es sei zu keinem Be schlusse gekommen, da das Zentrum und die nationalliberaä Fraktion sich ihre eigne Stellung Vorbehalten Hütten. Das klingt düster und ferndse.ig gegen Herrn Michaelis, b:. strr einige Tage im Osten, in den von uns besetzten Gebieten, weilte, während der Kaiser Sofia intb Konstanti- uvpel besuchte, wobei eine vortreffliche Stimmung in der Verbündeten Ländern zum Ausdruck kam. Wir meinen, so­weit könnten wir es den gegnerischen Parlamenten nachtnn. daß wir das leidige Krisengerede einstweilen vertagen. Diöch- ien dann alte, Mehrheit 5 partever: und Regierilng, einen neiren, besseren Krirs beginnerc! Eine Partei hat es freilich ummderrnflich geinacht, daß sie den Rücktritt des Kanzlers sordertt die sozialdemokratische. DerVorwärts" schrie sörnUich: Fort mit Michaelis! Dann standen in diese» Tagen die Mihver Scheidemann, Ebert, Dr. David, als

selbstgefällige und anspruchsvolle Staatsmänner vor dem Würzburger Parteitag. Dieser l)at jedoch im übri­gen keinerlei Sensationen gebracht. Im Vordergründe stan­den die Auseinarrderfetzungen über die Gegensätze, die die Partei von denUnabhängigen" trennen. Es zeigte sich, daß es auch in der Mntterpartei noch Meiirungsverschieden- heiten genug gibt. Erstrebt wird die Wiedervereinigung, allein Herr Scheidemann biete! seinen Widerpartnern Haas« urrd Ledebvur nicket etiva den selbstlosen Fri<i>en an. den er für unsere Feinde empfiehlt. (Sr erklärt, den Sonder bündlern nicht nachlan.fen zu wollen, keine Zugeständnis st machen zu können. Es wurde denn auch ein Antrag an­genommen'., worein alle Parteiorganisationen rmd die Partei presse ersucht norden, nur. bei pajsender Gelegenh.it in Sinne der Wiederv ereinigung zu wirken. Voraussetz une soll dabei sein, daß die Minderheit die Mehrheitsbeschlüsse anerkenmt. Eine wei.ere En'schließung billigte inn wesent­lichen die bisherige Politik des Parteivorstannbes, besonwere die Bewilligung der Kriegskredite. wozu derVorwärts" drohend bemerkt, daß damin beileibe nccht gesagt sei, man nvcrde 5serrn Mick)aetis aitch weiterhin die Mittel zur Fort­führung des Krieges zur Verfügung stellen. Scheide­mann hielt eine neue Programmrede, in der er in weites Zuknnftsland blickte, aber keinesnnegs die demnächstige Ein­kehr des wasck-echten Zukunstsstaates^ in Aussicht stellte. Nicht mehr in negativer Kritik werde die Ausgabe der Partei bestehen, die eine Lluwartschaft habe cnrf die unmittelbare Macht im Staate, soirdern in positiver Arbeit.Nickst Theo- rettker urid Agitatoren," so rief er,sondern Praktiker sind dazu nöttg." Einstweilen handell sich's noch daruni. auf gute Art in den Hafen des Friedens zu kommen. Da ist Herr Scheidemam: bisher den Betveis sck)uldig geblieben, daß er ein geschickter Prakiiker ün Interesse des Volkes ist.

(WTB.) Großes Hauptquartier. 19. Oktober. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Nupprechl.

Die artillerististl-e Kglnpstätigkeit iu Flandern er­reichte gestern wieder an der Kiistc, sowie zwischen Yser und Lys große Stärke. Besonders heftig war das Feuer am Houthoulsteiwald. bei Vassä-rnd-aele und zwischen Ghetuvelt imd Zandvoorde.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Nach regnerischem Morgen schwoll von gestern mittag ab b't Artille' ie'chlrcht st rdlstlich von Sois'ons wieder zu voller Höhe Ml und tobt seitdem bei gemalngem Munitionseinsatz Pst ununterbrochen. Mcorgerrs drangen bei Vauxaillon. abends an der ganzen Front bis Vraye nach Trommelftucr starke französische Llbteilungen zu Erkundungsstößen vor-, in örtlichen Kämpfen wurde der Feind überall znrückgcworsen.

Die bemtchbarten Abschnitte und das nickwärtige Ge­lände der Kampffront lag unter frlrr starkem Störnngs- feucr, das von uns kräftig erwidert wurde. Im Ostteile des Ehemin des Dames griffen die Franzosen erneut dr-eimal unsere Stellungen nördlich der Mühle von Vauxclerc an. Sie wurden blutig abgewiesen.

*

Vri den anderen Fronten schränkte Nebel und Regen die Gesochtstättgkeit ein.

*

Unsere Gegner verloren gestern 12 Flugzeuge, davon 6 aus einem Geschwader, das auf Muters und Jngcl- nnmster mit beträchtlichem Häusersä-adetr Bomben abgcwor- fen lmtte.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Unter Vefch! des Generalleuttmnts von Estorff er­kämpften unsere Truppen, in Booten uo.d auf dem Stein- dannu durch den kleinen Sund übergehend, das westliche Ufer der Fusel Mcoou.

In schncllenr Vordringen wurden die Russen, wo sie WidcrstMld leisteten, überrannt-. bis zum Mittag war die ganze Insel in unserem Besitz. Don Norden und Süden ein­greifende Landungsabkeilungcu der Marine und die Geschütze unserer Schiffe trugen zu dem Erfolge wesentlich bei.

Drei russische Jnfanterieregi menter in Stärke von 5000 Mann wurden gefangen: die Beute ist beträchtlich. Auf Oesel und Aboon find ein Divi- wns- und drei Brigadesttibe in unsere Hand gefallen.

Unsere Seestreitkräfte hatten in den Gewässern um Vboon mehrfach Gefechte mit feindlichen Kriegsschiffen. Das russische Linienschiff ,.Slawa" (13 500 Tonnen) wurde in Brand geschossen und ist dann zwischen Moon und der N^stmrin'el Schitdau gesunken.

Land- und Marineflieger hielten die Führung über den Verbleib der feindlichen Kräfte gut unterrichtet: mit Bom- bemvürsen und Ma'chinengewehrfener g-iffen sie aus Land und See den Feind loftmals mit erkannter Wirkmig an.

An der russis!l>-rnmänischen Larldfrvnt und auf dem

Mazedonischen Kriegsschauplatz keine besonderen Ereignisse.

Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.

«

Der Abendbericht.

Berlin, ly. Okt., abends. (WTB. Amtlich.)

Im südlichen Teil der flandrischen Front und südöstlich von So isso ns trotz sckstcchten Wetters starker Feuerkampf.

Vom Ostm bisher nichts Neues.

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Berlin, ly. Ott. (WTB. Amtlich.) Nach Nieder- kämpfnug der Batterien auf Werder und Moon am l8.Oltob>er durch Linienschiffe und Kreuzer der Flotte tvurde im weiteren zielbewußren Zusammenarbeiten mit dem Herr die Insel Moon genommen. Teile unserer leichten Seestreitkräfte untersttitzten dabei den Uebergang über den kleinen Sund im Norden. Bei den Llänlpfen im Atoon-Sund frn eines unserer Linienschiffe das russische Linienschiff ..Slawa" durch Treffer unter der Wasserlinie so schwer beschädigt, daß es auf flachem Wasser nordwestlich der Insel Schildau auf Gnind gesetzt wurde. Gleichzeitig wurde ein russischer Tvrpedobootszerstörer versenkt.

Der Rest der fei redlichen Flotte befindet sich im weiteren Rückzug nach! Nordcrr.

Der El)ef des Admiralstabs der Marine.

Ein Torpedoangrifs auf Dünkirchen.

Berlin, 19. Okt. (Amtlich.) Teile Unserer Torpedo- streitkrafte Hubert in der dkacht vom 18. zenn 19. Oktober Dünkirchen a n g e g r i f f t n und 250 Sprenggranaten auf nahe Entfernung gegen die Hafenanlagen der Festung gefeuert. Das Feuer wuroe von Landbatterien und den auf der Reede liegenden feindlichen Strcitkräften. die von uns ebenftrlls mit sichtbarem Erfolge bekävrpft wurden envidcrt. Ein ^nglisch-cr Ätonitor murdetdurch drei Torpedotreffcr urrd zatstreichx Artillerietreffer schwer beschädigt. Die eigener Voode sind vollzählig und unbeschädigt eingclaufen.

Der Cl)ef des Admiralstabs der Marine.

* * *

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien. 19. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird

verlautbart:

Oestlicher Kriegsschauplatz und Albanien.

Bei den österreichisch-ungarischen Streitkräften nichts Neues.

Italienischer Kriegsschauplatz.

An der Tiwler und Kärntner Front kam es vorgestern und gestern an zahlreichen Stellen zu örtlichen Kämpfen. Unsere Truppen bracksteu 300 Gefangene und Kriegsgerät ein.

Am Jsonzo gewöhnliche Artillerietätigkeit.

Der Chef des Generalstabes.

Die Lage ln Kurland.

Die Räumung Petersburgs.

Petersburg, 19.Okt. (Reuter.) Angesichts der neuen Lage ergreift die Regierung MaßnakMen zu völli­ger Räumung der Haupt st ad t.

Die Räumung von Reval.

Petersburg , 18. Okt. (WTB Nichtamtlich) Meldung der Petersburger Telegraphenaanrttlr. Nach derNvwoje Wremja" vom 16. Oktober Hai die Räumung Revals anläßlich der durch die deutsche Landung für die Stadt ge- schasferren bedrohlichen Lage begournu. Der größte Teil der Eimvohuer verläßt die Stadt und begibt sich nach den nrnereu Provmzeu Rußlands.

Ein Ausftandsverfuch in Odessa.

Bern, 19. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) DerTemp^ meldet aus Odessa: Eine Gruppe Offiziere, an deren Spitze Leutnant Gnssaroff stand, ist verhaftet worden. Sie wallten sich des Generalstabs des Mrtttärdistrikts und des Telegraphen bernäckstigen.

Ein Beschluß des Arbeiter- und SoldatcnrateS.

Petersburg, 18. Okt. (WTB. Nichtainttich) Ter Hauptvollzngsansschitß des Arbeiter- und Soldatenrates nahm einen Beschluß an, der betont, daß Epidernie, Ulwrdnnng Mid Unruhe, die in letzter Zeit fast das gmrze Land ergriffen haben, den Staat unrettbar zur Anarchie und Auflösung treiben. Der Beschluß erllärt lveiter, daß die revolutionären Arbeiter, Bauern und Sol­daten die große Gefahr dieser Pogrome für die Sache der Freiheit einsehen und alle Airstreng^lngen daraus richten müßten, sie zu beküinpfen. Der Beschluß fordert den Ar­beiter- und Soldatenrat der einzetiren Bezirke auf, ohne Gnade und selbst unter Zuhilfenahme der Armee, alle Ver« suche, Un.ru hen anzustiften, zu unterdrücken, und empfiehlt hierzu besondere Aussck)üsse zu bilden.

Unruhen in Bcssarabien.

Amsterdam, 19. Okt. (WTB) Nach einem hiesigen Blatte rneldet dieTimes" mis Odessa über die Unruhen in Bessarabierc: Die Unruhen übertrugen sich von dem Land auf die Städte, namentlich auf Tirasbol. Hier wurde eine Niederlage von Spirituosen in Brand gesteckt. Die Flammen ergriffen die benachbarten Häuser. Es kam zu Zulcumnenstüßen Lwiichear Mfrnhvern und Truppen. Unter