Ausgabe 
16.6.1917 Zweites Blatt
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Nr. |39

M. Jahrgang

Erscheint täglich ruh Aufnahme des Sonntag-.

El erlagen:sirhener §amlNenb!ätter" und Urrisblatt für den Kreis Gießen".

PoftjHtSlonI-: Zrankfurt am Main Nr. U636. Sankvertehr: öcwer&ebcmJ Gießen.

Samstag, J 6 . Inn! \%Z

ZwillingSrundoruck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch-u.St'indruckerei.

R. Lange, Gießern

Schriftleitung, GeschästssteKe und Deutetet:

Schulstraße?. Geschäftsstellen. Verlag: 1,

Schriftleitung: 112.

Anschrift fär TrahtnachrlchtcnrAnzeigerÄishen.

Aus dem öfirrreichifchen Abgeorduetenhaus.

Wien, 13. Juni. WTB. Nichbcunllich.) Abgeordneteuhalls, Fortsetzung und Schluß Der Finanz minister konstatiert im weiteren. Verlauf scücer Rede das sehr garstige Ergebrfts der s. KriegSiruleihe. (Lebhafter Beifall :md Händeklatschen.) Wir w-rden in alirn sechs Kriegsanleihen toeit mehr als 20 Milliarden aufgebracÄ imben. Der Minister wünscht einen sollen, lov- möglich die ffüheren übersteigeiche:: Erfolg in dieser lÄnegsau- leche, w«erl dies :ms die Möglichkeit gewähre, die)tenbmt? nicht nvehr in Anspruch zu nehmen. Darlehen bei der Notenbank nach dem Kriege z:rr Fortführung des Staatshaushaltes müßten nter aller: Umstärckcn ausgeschlossen bleiben. Der Minister wandte !ich weiter gegen die Exzesse der Eff?ktenspekulatcoa i, denen gegen- itber leider die Finanzverwattung keine geeigneten Mittel lstcke. Er erwartet von der für die Kriegsanleihe eingeleiteten Propaganda den besten Erfolg, wobei er bmnerÄ, daß diese Kriegsanleihe unter einem ganz besonderen (Stern steht, trifft doch die Anspanmuch der wirtsckstiftlichei: und finanziellen Kräfte bei der Subskription zusammen mit dein heldenmütigen. Ri.n>gen an der Jsonzo-Front. Leblktftcr Beifall.) Unsere Armee schütze dort Triest, das Handels- cmpvrftrm, daS dem Lande geraubt werden solle. Damit verteidige die Armee nicht -nur -das Vaterland, sondert: auch die wirtschaftliche Zukunft. Dieser Zusammenhang sollte jede::, m erster Linie den Be­sitzende::, ^bewegen, das letzte Scherflein beizutragen, um dieses histor ische Ringen auch finanziell >zu sichern. Der Minister erbat schließlich dringliche Erl-edigrmg der .Kriegsgewinnsteuer in dieser Sesfton. Er schloß mit dem Wort: Niemand ist ntehr darauf an- geimesen, daß das .Haus 'die ihm von der Verfassung zugewiesene Arbeit verrichtet, als der Finanzminister. Die imgeheuren Aus­gaben. die zu löfeit sind, könnte auch der sachkundigste Fiuanz- -nftftfter unmöglich auf feine Schultern nehmen. Helfen Sie uns oei der Wiedeüherstellun-g des Haushalts, arbeiten Sie mit uns, das ist die soechnsucht der Regierung. (Lebhafter Beifall, Hände--' klfttschcn)

Rach dem Fiuarrzminifter Uftes der deutsch-nationale Abgeord- TLöfae Packer die Angriffe auf das» deutsche Kolk zurück. Er erklärte: Der Deutsch-Böhme fichlt sich eins mit Oesterreich in diesem Kampfe. Mit der Verwirklichung der uatronaleir Autonomie :nöge dort angesangsr: werde;!, wo ihre sofortige Durchführung iwt-i n»ertestg nnd auch nwglich ist, nämlich in Böhmen. Heraus mit der mrtwnalen Abgrenzmrg, mit der Errichtung von Kreisvertretungen, mit der Selbstverw-aLtmrg von Deutsch-Böhmelr! In den: alten bo1^n.ischen Landtag mit der kirchlichen Herrschaft kriegen Sie die Deutschen von Deutsch-Böhmen, nicht hinein. (Lebhafter Beifall, .Händeklatschen.) Der kroatiscl-e Abgeordnete Laginja erklärte: Die Südslaven wollen die nationale Einigung zwischen den kroa­tischen Ländern. Wenn der Kroate heute unter Boroewic seine! twtftmaten Grenzen am Jsonzv intiiit seinen ftvveurschur :md serbi­schen Brüdern so l-eroffch schützt, tut er dies aus der Uederzeugmrg efties edft treuen Voltes heraus, das sich dchfen belvußt isth daß/ seine Vorfahren den Habsburger«: treue ErgAeecheit sclüvvrcu. Der ^lbgeochnete Neunteufel besprach die aus Grund des Krieges gemachte:: Erfahrungen und die VerhälQnsse tu Galizien. WÄheend seiner Rede, als der Redner auf die Unzulänglichkeit der galizifchen Ortsbehörde hinwies und bemerkte, man kömre, wenn der Feind vor den Toren steht, nicht l<N!ge parlamentteren, ertönte von der Rechten der Zwischenruf: Dafür hängt man die Leute. Der Abgeordnete Heine ruft: Es sind viel zu wenig aufgehängt nwÄen! (Stürmische, anhaltende Eutrüstungs- undt andere Zwischenrufe. Der Präsident ruft den Abgeordneten Heine zur Olduumg.) Abgeordmster Neunten fel erörtert Mei­ster die griechische Frage; er spricht dem kraftvollen Herrscher Griechenlands, König Konstantin, utoter lebhaftem Beifall uftd Händeklatschen des Hauses seine Sympathie aus und erklärt: .Dieses Schicksal haben die Völker zu beherzigen, die sich von. der Entente befreien lassen wollen. Anich WÜson, der sich zum Wort­führer der Selbstbestimmung der Völker auswirft, hat kein Wort gesuNden, Mn diesem unglückliche:: Volke zu Helfern Die Freund- ichast mit der Entente hat bereits mehr als acht Königen die Krone gekostet, vielleicht kommt noch die eine oder die andere in diesem Kriege zu Schäden. (Lebhafter Beifall.)

Am Schluffe der Sitzung er Hirte der Abgeordnete Stoelz e im fstamen des deutschen National Verbandes, das; er die Lleußerung des Abgeordneten Heine bedauere, er erklärte cheichzeittg auf Er- mächtlgmrg des Abgeottmeten Heim, daß dieser kein Mitglied des -Hauses und keine Nation beleidigen wollte. (Lebhafter Beifall.) Die nächste Sitzung findet morgen statt.

Ans OefßeZr.

Beiatungen des erweiterten Finanzausschusses.

Darmstadt. 14. Juni. Der Erweiterte Finanz­ausschuß der Zweite:: Kammer trat ijeute vormittag wieder zur Erledigung eurer Reiche vor: Beratnngsgegenständen gemein­sam mit der Regierung zusammen, die durch die Herren ^taats- mmister Dr. v. E w a l d, Minister des Innern v. Homberg k, Ministerialräte Schliephake und Dr. Wagner, Geh. OÜr- ntedizinalrat Dr. Lorenz, Geh. Landesokononnerat Müller

vertreten war. In Betreff,des Antrags v. Brentano über den Fremdenverkehr in Hessen gab die Regierung eine Antwort, in dm sie die in forschen erfolgte Regelung der Frage durch das Reich näher darlegte, durchi welche auch der Antrag überholt sei. Die Reigeluug geht bekanntlick), dahin, daß bei abgemeldeten Frem­den deren Bedarf zwischen den einzelnen Bundesstaaten verrechnet wird. Der Aussclmß' lhilt mit dieser Antwort den Antrag für erledigt. Eine längere Aussprache rief die Frage der Kohleu- versvrguug in Hess«: hervor, bei welcher der Antrag des Abg. Singer über Kohlenversorgung und die dringlichen An­fragen des Mg. Eißncrt über Kohlemwt, sowie der Abgg. Adelung mrd Dr. Schmitt über Kohlmversorgung zur Be­ratung ftaudeu. Die Regierung machte Mitteilung über den augenblicklichen Stand der Kohlen Versorgung und erklärte, daß sie unablässig bestrebt sei, dem zutage getretene Kohlenmangel zu steuern. In Hessen liegt die Organisation in beit Händen der Han­delskammern in Verbindung mit den Städten.. Die weitere Aus­sprache über diese Frage ergab, daß Regierung und Ausschuß darin einig sind, daß der vielfach vorhandenen Kohlennot nur durch Vermehrung der KohlenindustricarLeiter und stärker^ För­derung aus der: reichen: Köhlen Vorräten des Reiches gesteuert werde,: kann. Der Antrag Singer und die beiden Anfragen wurden schließlich für erledigt erllärt. Zu dem Antrag Wol f-S'adeekeu, betr. den Leu.teiwangel in der Lan.dwirtschast, gab die Regierung die Erklärung ab, daß sie beim Generalkommando des 18. Armee­korps alles tun werde, um die Freimachung von Arbeitskräfte:^ in möglichst hohem Maße zu erwirken und daß sie damit am 'besten dem Antrag Rechnung zu tragen glaube. In Verbindung hiermit tvuvde auch die Anfrage des Abg. Dorsch, fretr. die Weg­nahme von Kriegsgefangenen aus der Landwirtschaft, beraten. Der Fragesteller und verschiedene Ausschußmitglieder trugen Eiu- zelfälle über die plötzliche Wegnäftne Kriegsgefangener vor, durch toelche dargetan werde, daß diese Wegnahme nickst immer ge­rechtfertigt 'erscheine. Die Regierung erklärte, daß sie nur au der Hand genau festgestellter Fälle prüfen könne, inwieweit die Beschwerden gerechtfertigt seien. Der Antrag und die Anftage wurden darnach für erledigt erklärt. Weiter kam noch zur Be­ratung eine Anfrage des Abg. Dr. Schmitt über die Liefen rung von Vollmilch. Der Antragsteller führte namentlich an, daß z. B. der altbewährte Mllchlieferant des Aiainzer Kranken­hauses, der die Milch bisher zur vollen Zufriedenheit geliefert hatte, fetzt den Mainzern entzogen wurde und Mannheim zu­geteilt worden sei. An seine Stelle seien acht bis zelm.Einzel- itefeEatttert gesetzt tvordcn. Die Regierung erklärte, mit dem Kom­munalverband in Nerbirrdung treten zu wollen, um zu versuchen, ob nicht in Rdainz das ftühere Verhältnis der Milchversorgung .wieder hevgestellt werden könne. Die Beratungen des Ausschusses metben morgen früh 9 Uhr fortgesetzt.

Aus StK-t und Land.

Gießen, 15. Juni 1917.

** Ver billig ung des Postscheckverkehrs. Die Stamurernlage, über die der Postschck'runde nicht verfügen darf, so lange sein Konto besteht, ist, wie wir bereits mitgetertt haben, von 50 Mk .ans 25 Mk. herabgesetzt und dadurch namentlich den kleineren GewerbetreibArden, Handwerkern Lmd Landwirten, die Beteiligung am Pchtschukvertehr sehr erleichterL worden. In nächster Zeit weiden durck- die BriefträgerMerkblätter über den Postscheckverkehr rrel'st ^lntrag auf Eröffnung eines Postscheckkon­tos" verteilt werden.. Es bietet sich hiecdurvch für alle, die dem Postscheckverkehr rioch fenr fftehen, eine bequeme Gelegenheit, sich ein Postscheckkonto eröffnen zu lassen.

** Der Feuerversicherungsverband hessischer Lehrer wird in diesem Jahre gemäß einem Beschlüsse des Vor­standes und Airffichtsrates mit Zustinimung des Kaiserlichen Auf- sichtsamts in Berlin keine .Hauptversammlung abhalten. Der Verband zah'lle am 31. Dezember 1916 insgesamt 2130 Mit­glieder mit einem Versicherungskapital von 13 144 222 Mk. gegen 2128 Mitglieder mit einer Versickierungssunftue von 12912 748 Mark im Vorjahre. Da nur 4 kleinere Brandschäden eine Gesamt­ausgabe von 118,50 Mk. verursachten, so komrte das abgelauferre Gesch äfts fahr mit einem Reingewinn, von 9771,39 Mk. abschlteßen, welcher Betrag jedoch ditrch einen Knrsverlust von 5342 Mk. rechnerisch ungünstig beeinflußt wird. Der Reservefonds lat sich um 4592,45 Mk. ans 67 374,19 Mk. erhöht. An die Lehrerfürsorge­kasse des hessischen Landes-Lehrerveveins konnte der Betrag von 8000 Mk. abgeführt tverden, und auch die Ludwig- und Mice- stiftung sowie das Lehrerheim im' Vogelsberg erhielleir Beihilfen. Da der Feuerversicherrmgsverband als eine Einrichtung des hessi­schen Landes-Lehwrvereins gelten will, so gehört kmistighin der Obnrann dieses Vereins dem Auffichtsrat des Verbandes als stän­diges Mitglied an ein Sckwitt tveiter zu dem erstreberwwerten! Ziele, alle Eiuzelorganisatwnen innerhalb der hessischen Lehrer­schäft einheitlich zusamwenzufassen.

** Beseitigung her Pfennigrechnung bei Telegrammen. Während des Krieges tvird bekanntlich ein Wortzuschlag im Betrage von 2 Pf., mindestens 10 Pf., von ieöem Telegramm erhoben. Vom 1. Juli qb wird diese Reichsabgabe

auf die dem Gesamtbeträge der Abgabe zunäck'.stlieg ucke, durch 5 teilbare Zahl nach oben oder unten abgeru:tdet. Die (Tele- gvamm.gebühren werden also wieder inrimden" Beträgen, er- lyobca.

** Keine Buttersendung ins Feld. Bei der Dost werden immer noch, trotz der heißen Witterung, Buttert aketcherr ins Feld ausgeliefert, die, wenn der Inhalt erkannt wiro, sofort zurückgewiesen werden. Es ist unverständlich, daß die Absender nicht selbst einsehen, daß solche Sendungen unbedingt verdorben sind, bis sie in die Hände des Empfängers kommen. Alle Wftrnungen der Postverwaltung und der Zeitungen, solche Seitdunge. während der Sommermonate zu unterlassen, bleiben unberücksichtigt. Ganz abgesehen davon, daß dem Empfänger mit solcher verdorbenen Ware, wenn sie wirklich ankoimnt, nicht gediett ist, gehen doch auf diese Weise eine große Menge wertvoller Nahrungsnnllel verloren, was unbedingt zu vernrtellen «ist.

LanOkrtis Gicßen.

-m. Birklar, 14.Juni. Schon sell einigen Jahren, würbet im Garten eines hiesigen Landtoirts die zur Bleitee ausgelegtenl Wäschestücke während der Pracht von boÄvilliger Hand teilweise zerschnitten, ohne daß man bisher eine Spur von dem Täter entdecken konnte. Als mm vor einige.: Tagen auch auf dem Hoftrnt der von einer sonderbaren Zerstörungswut befallene Täter sich wie­der bemerkbar machte, entschloß man sich, abwechselnd zu wachen, was von einigen Hosbedien steten und einem Landsturm manu aus- geführt wurde. Die Wache war Von Erfolg, denn wählend der Nacht stieg ein Mann plötzlich über die Umzäunung in den Garten und direkt auf die Wäschestücke zu, um sein Zerstörungswerk Mcsznüben. Er wurde natürlich vorher abgefaßt, und in ihm. ein 18 jährigcw .Bursche von hier erkannt. Ool er nun der wirkliche Täter ist. und- was ihn zu der eigenartigen Tat veranlaßt hat, mmß die Unter­suchung ergeben.

^ Rabertshausen, 15. Juni. Unser ftüherer Lehrer T. Berg, aus dem nahen Traishorlosf gebürtig, wurde mit der Hessisck>en Tapserkeitsmedaille ausgezeichnet. Gleichzeitig wurde er zum Unteroffizier befördert. Schon vor längerer Zeit erhielt er das Eiserne Krmcz wegen, besonderer Tapferkeit vor dem Feinde, indem er aus der seircklichen Stellung einen englischen Offizier holte. Gleichzeitig erhielt er danrals einen achttägigen Heimats­urlaub.

Kreis Büdingen.

Fe. Büdingen, 14.Juni. Viele Landwirte im otesse-itigon Kreffe versuchen sich der Ablieferung ihrer Ernteerzeugnisse dadurch zu entziehen, das;« sie die Erntesläche viel zu gering angeben, Sse sollten sich klarmaehen, wie verwerflich es ist. das Ergebnis dev E r n L e f l ä ch e n e r h e bu n g zu fälschen, da dieses^ die Grundlage für die Neurationieriing der Lebens- und Futtermittel ^ bildet. Außerdem aber dient die Eruteslächenerhebmrg zum Nachweis^daß das dem Landwirt belassene Saatgut auch tatsächlich zur Saat vcrwcwdet worden ist. Irr allmr Fällen, wo die Anbaufläche nicht dem belassenen Saatgut errtspricht, ist die verbotene Verwmdung des Saatgutes bewiesen. Die betreffenden Landwirte sollen daher zur Rechenschaft gezogen werden.

# Borsdorf, 14. Juni. Für die Hind enbn r gspende ginge:: hier, durch die Jungfrauen gesamnrelt, ein: 231 Eier, 33 Pfund Dörrobst, 23 Pfund Hülsenfrüchte,. 28 Pfund Graupen, 45 Pfund Hoüig urrd Gelee, 12 Pfuird Meerettich, 2 Pfund Sveck, 2 Pfund Mehl, IV 2 Pftnrd Butter, 1 Pfund Handkäse, 2 Pfund Zivtebeln, 5,50 Mk. in bar und von den Schulenden: gesamrnelt: ein Faß Sauerkraut von 230 Pftuck (netto). Die U -Boot- Spende ergab hier den Betrag von 115,30 Mark.

# Kohden, 14. Juni. Gefreiter Otto 11 bl in einem Feld- artillerie-Regffnent erhielt das Eiserne ^Kreuz, bereits früher die Hessische Tapserkeitsmedaille.

P Nidda, 14. Juni. Am heutigen Samstag, 16 .ds. MtS., hält der Generalsekretär vom Präsidium der Kriegerkameradschaft Hassia", Hauptmann a. D. Waldecker, im Gasthause .,Zum Gambrinus" einen Vortrag übtrWas ich an der Front hifr". DasKaiserorchefter" hat seine Mtwirkung zur Verschönerung des Abends zu gesagt.^ Das Eiserne Kireuz erhielt der Schütze Hernrich Reuning in einem Infanterie-Regiment.

Kreis Alsfetb.

Fc. Von der -Obm, 14.Juni. Mit der Heuernte ist hier überall begonnen Ihr Ertrag ist zufriedeirstellend. Die Kar­toffeln haben sich schnell entwickelt und werden bereits gehaacft.

Kreis Wetzlar.

Fc. Wetzlar, 14. Juni. Bei einem Gewitter schlug der tu das Hans des Arbeiters Klauß m Aßlar und zerstörte die elek­trische Leitung. Eft: Brand wurde rechtzeitig gelöscht.

Müllers che Badeanstalt. Wasserwärme der Lahn am 16. Juni: 20° Reamnur.

Airchlir^e Aachrichter«

Kirchbcrg. Sonntag, 17. Juni, vorm. 10; 11: Christmck. f. d. weibl. Jugend. Lollar. Sonntag, 17. Juni, nachm. Iss. Mainzlar. Mittwoch, 20. Juni, abds. 91 / 2 : Käiegsbetstunde.

Dekm: Gußmcmm

rind WUssnfchaft.

D a^ u: st a dt, 14. .Juni. Die H e s s i s ch e K unstaus- Heilung Darmst adt 1917 ist heute mittag im städtischen ^lnsstellnngsgebläude aus der Mathitjdenhöhe (Künstlerkolonie) er­öffnet worden. Dem Ernst der Zeit entsprechend war von einer besonderen Eröffnuupsseier Abstand genommen nwrden. Es hatte sich neben den ausstellenden Künstlern nur ein kleiner^ Kreis von g-laden«: Gästen eingefunden, an ivelche Oberbürgermeister Mül­ler als Vorsitzercker der Geschäststeituing rmd NamÄrs der Freien Vereinigung Darmstädter ^ckünstler" eine kurze Ansprache hielt. Ec hieß die Erschienenen herzlich wällkonrmen und ft'chrte ans, daß die Eröffnung diesmal in einfackter Weise erfolge. Lhuch der Großherzog als Protektor der Ausstellung, der früher nie einer Ausstellung Eröffnung fernMeb. l-abe diesmal in Rüch'icht aus die ernste Zeitlage von einer Teilnahme an der Eröfftrung abge- seher:. Der hohe »Protektor habe aber dem Zustandekommen der Ausstellung jeine vollste Aufmerksamkeit gewidmet und auch eine namhafte Summe dafür zirr Verfügtmg gestellt. Wenn hier und da «gesagt ^verde, eine KunstmlLstelllmg passe mckft in der gegenwär- tigen Kriegszeit, so Jet das vollständig irrig; dem: es handle sich ic nicht etwa um eine Lnstbarreit. sondern nM eine sehr ernste, wichtige Sache, um ein Kultt'.rwerk zm Förderung der Kämst und gtetchzeittg ,e: es eine soziale Tat, dirrch welche d:e Unterslützung Meter Künstler bennrkt jverde, die durch den Krieg in Not oder Be­drängnis geraten feien. Von diesen Gesichtspunkten geleitet, wur- ben.,Flch :n arwern Rutscher: Kunstzentrai:. wie Berlin, München, Diffsetdorf v : . a. O. Kunst au sstellrrngen vercufftattet. Dankbar an- erkannt nrüsse werden, daß sich wie irr anderen Bmidesstaaten, auch d:e hesfpche Regiev:m g die Förderung der Ausstellung sehr an­gelegen sein ließ und auch mit der ZeickMmg einer größeren Garantie summe das Werk «unterstützte. Der Redner erklärte weiter, daß er dem Großherzoge schon bei einer Vo-rbesichtignng der Aus­stellung den Dank der Künstlersck-aft ausgefprocheti habe und er be- vutze jetzt die Gelegenheit, auch der Großherzoglichen ^iegrernng, dm Kreisverwaltungen und der: Bertretlmgen der ffftif größten Städte »es Landes zu ixcnken die das Unteruehnven durch Zu­schüsse und durch dankenÄvarte Mitarbeit zu förderu bestrebt waren. So sei durch das ei «mittige Jlffchnmenwarte: der Ausstellung der

Charakter einer wahren Landesäus stellnng gegeben worden, in der nach den bewährten Grrmdsätzen der Darrnstäoter Kunst keine Sonderrrchttmg ausgeschlossen tm:rde gemäß dem Grundsatz: Freie Bahr: dem Tüchtigen. So sei auch zu hoffen, daß die Ausstellung ihre kulturelle iu:d soziale Aufgabe erfüllen werde. (Lebh. Beifall.) Der Ansprache schloß sich ein Rund gang durch die Ausstel­lung an.

Der heutige Stand der Kohlenforschung. Jin Verhältnis zu der ungehcrrren Bsdeutmrg urrd vielseitigen Ver­wendung der Kohle im modenren Wirffchaftsleberr ist die Kenntnis über die chemische Nattkr der Kohle iwch ziemlich gering. Wesent- lichs Fortschrttte auf diesent Gebiete Imrrder: eigentlich erst in den letzten Jahren gemacht, «und der lMtige Stand der Kohlmforschung, wie ihn L. P. Otto imPrometbeus" schildert, beruht zum größten Teil auf den Forschmrgsergebrtissen jüngeren nick jüngsten Datums. Danack) geht der llrsprwrg der Kohle ohire Zweifel auf die Äln- häufting großer Menge:: von abgestorbenen Pslarrzeu aus ftüheren Jahrtausende:: zurück, welche i'.n Laufe der Zeit den Prozeß der Veiüorfnng durchmachteu. Dabei wurde::, höchstwahrscheinlich durch Einwirken von Bakterien, Kohlerffärrre, Wasser und der niedrigsten Kohlenwasserstoff Methan ans den: Urstoff abgespalterr. Die ver- torften Massen wurden durch Verschüttung von der Luft abgeschnit- ten, !ünd da sie gleichzeitig einem starken Druck ausgesetzt ivaren, koimte die sogenannteJnkohlimg" unter günstigen Verhältnissen vor sich gehen, tvobe: wahrscheinlich zuerst imsere Braunkohle ent­stand. Die Frage, ob die Braunkohle sich erst später ft: Steinkohle UmwatckÄte oder ob die beiden Kohlenarl>e:: zu gleichier Zeit neben­einander entsteüiden, ist auch jetzt noch nicht einseittg beantwortet. UM Stefti- und Braunkohle:: voneftiander zu unterscheiden, ist ge­wöhnlich keine besondere llntersnckiung notwendig. Es gibt aber für Asusnahmefälle ein sicheres llntersucknmgsMittel. Brcuuckohte wird nämlich in heißer Kalilauge gelbbraun, «nährend Steinkohle sich bei diesem Verfahre:: nicht färbt. Statt der Kalilauge kann man zur lttttersuchung auch Salpetersäure verUAmden, «oelche eben­falls auf die Steinkohle feinen nennenswerten Einftuß hat, die Braunkohlen hingegen rot färbt. Hinsichtlick) der Zusammensetzung der Kohle konnte man durch Aitalhse feststellei:, aus welche:: Ele­mente:: sie besteht. Es sind dies: KoUeirsdoff, Wasserstoff, Sauer­

stoff, sSchroefel Imrd Stickstoff 'in gerftcgen ZYäengen. sowie mftreralische Asche. Wie diese Baumaterialieit der Kohle jedoch miteinander ver­knüpft sind, konnte bisher mich auf keine«:: Forfchungswege völlig festgestellt Iverden. Der größte Forffchritt in dieser Hinsicht «vurde in letzter Zeit in dem erst kurz vor Kriegsausbruch eingüveihten In­stitut für Kohlensorschamg ft: Mülheim erzielt. Den Forschern Prof. Dr. Franz Fischer nnd Glnnd ist es gelungen, durch ver- vollkommnete Arbeitsmechvden die exttähierbaren Bestandteile der Kohlen in größeren dlftenge«: als früher zu gewinnen. Be: den Nntersuchuugeu der Steinkohle erhittt Mai: durch BenMlcxtrakkwn 6 J /s Prozerrt e^ttrahierbaae Bestandteile. NackK>em das Benzol durch Erhitämg der geino-nnenen Lösm:g vertrieben war, blieb eine dickflüssige, nach Petroleum riechmcke Masse Mrück. Dirrch Be­handlung derselben mit Petroläther schied sich der größere Teil als festm-, brauner, kakaofarbeiwr Körper aus, zurück blieb ein dickflüssiges, goldrotes Oel. Bei diesem Extraktwusprozeß wurde beobachtet, daß die Steinkohle «oesentlich an Glai:z rmd innerer Festigkeit verlor, was sich bei der Exttaktion mit schroefliger Säure «roch deutlicher zeigte. Die schtveftige Säure wirkt aber sozrffageU wählerischer, da sie nur geivisse Stoffe aus der Kohle zieht, haupffächlich die 'Oele. Die Kvhle quirlt durch die Einwirkung der schwelligen Sänn' auf, rmd nach dem Verdunsten der letzteren zerfällt sie selbst bei vvnichttger Berührung z:: Staub. Dies lwweist, daß die fette::, dickflüssiges Oele sehr ivesentlich zun: Zusammerchäng der Steinkohlen beitragen. Durch ein neues Verfahren der. Desttllatiou bei niedriger Tempera­tur, das denselben Forschen: z:: danken ist, tvurde bewiesen, daß bei dem Verfahren statt des geroöhnlichen Teers Tieften:ver«ttrr- teer gewonirer: wird, der für die Erzeugnisse der Pettoffchmindnsteie überaus wichtig fft. Ein tveiteros' Ergebnis gipfelt darin, daß die Steftikohle durch Einwirkung von Wasserstoff in eine Art Roh Petroleum riberfi'chrt werden kann. ffZßlck die llTrtersmpnng dett Braunkolilaic wurde durch die neuere Forsckwng sehr gefördmt. Man ist demncck) in letzter Zeit auf dem Gebiete der Kvhle::fvrsckm:g cm bedeutetckes _ Stück vorwärts gekommen, :vas nickst nur von rein tvissenfckaftlichcn Stemdpunkt, solMru auch hbrsiastlich der prak­tischen BerweiLm^r von Kahle rock KohLenpcvLmLten nicht gMucffam gewürdigt tvcrden kann.