(SjalcüD-agen fuhren der Großwesir und die Palastwürden- träger zur Pforte, von der spalierbildenden Menge mit Ehrerbietung und lebhaften Sympathiekundgebungen begrüßt, da Talaat Pascha die größte Volkstümlichkeit genießt. Der Verlesung des kaiserlick)en Handschreibens wohnte im SitzungSsaale außer den Mitgliedern des neuen Kabinetts eine große Anzahl hoher Würdenträger bei. Das neue Kabinett wird von der ganzen Bevölkerung, namentlich den gebildeten Kreisen, die den Fortschritt und die Modernisierung der Türkei wünschen, mit überaus lebhafter Befriedigung aufgenonnnen.
Secfrieg.
Reue Tauchbooterfolge.
Berlin, 6. F-ebr. (WTB.) Eines unserer zurückkehrew- den Unterseeboote hat außer zwei bereits durch die Presse als versenkt begannt gewordenen englischen Dampfern von zusammen 7500 Tonnen noch, weiterhin versenkt: Den 'Lalienischen Dampfer „Bisag na" (2252 Tonnen), den portugiesischen Segler „Minho" (500 Tonnen) und einen armierten Frachtdampfer (3500 Tonnen) im Atlantischen Ozean, ferner in einem Nachtangriff in den englischen Gewässern zwei unbekannte Frachtdamp- fer von etwa 2000 beziehungsweise 4000 Tonnen. Außerdem wurde ein Geschütz erbeutet urrd drei Gefangene gemacht.
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Rotterd am, 6. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der Rot- lerdamsche Lloyd erhielt von dein Dampfer „Samarinda" die drahtlose Nachricht, daß er 170 Mann von verschiedenen versenkten Schissen ant Bord hat. Der Dampfer läuft Vigo an, um die Schiffbrüchigen an Land z/u fetzen.
Rotterdam, 6. Febr. (WTB.) Die „Times" meldet den englischen Dampfer „Math er an" (7654 Tonnen) als verloren.
Kristiania, 6. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einem Telegramm an das Ministerium des Aeußern ist der Bergener Dampfer „Odin", von Parry nach Lissabon unterwegs, am 2. Februar 4 Uhr 20 Seemeilen nordwestlich von Quessant ohne Warnung versenkt worden. Ein Maschinist und ein Heizer, beide aus Bergen, wurden getötet.
Kristiania, 6. Febr. (WTB.) Die norwegischen Dampfer „Athene" und „Ull" von Harwik nach Hüll, mit Magneteisen, waren im Oktober 1916 versenkt worden. Der Minister des Aeußern hatte deshalb Verwahrung in Berlin eingelegt. Die deutsche Regierung hat nunmehr ihr Bedauern über den Vorfall ausgesprochen und Schadenersatz angeboten.
London, 6. Febr. (WTB. Ittchtamtlich.) Lloyds meldet : Der englische Segler „B e l f o r d" (190 Tonnen) und der englische Danrpser „W arley Pickerin g" (4196 Tonnen) sind versenkt worden. — Die norwegische Bark „Taman^ (453 Tonnen) soll versenkt worden sein.
London, 6. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Das Reuter- sche Bureau meldet, daß der englische Dampfer „Flori- dian" (6930 Tonnen) versenkt wurde. Die Besatzung von 16 Mann ist gerettet.
London, 6. Febr. (WTB.) Lloyds meldet, daß die russische Bark „Garnehill" wahrscheinlich versenkt wvrden ist.
London, 6. Febr. (WTB.) Lloyds melden: Der englische Dampfer „Hurstwood" (1229 Tonnen) ist versenkt worden. Drei Mann der Besatzung wurden getötet, zwei verwundet, die Ueberlebenden gelandet.
vie Abhängigkeit Rußlands von England.
Berlin, 6. Febr. (WTB. j Unter dem Titel „Ein Dokument" schreibt die „Nordd. Mlaem. Ztg.": '
Die Presse der feindlichen Länder erregte sich über die in der deutschen Note vom 31. Januar 1917 eirthaltene Charakterisierung der Entente als „der von England geführten Mächtegruppe^ und protestierte gegen die Unterstellung, als befänden sich die Verbündeten Englands von diesem irgeno- loie in Abhängigkeit. Wer sich der Fülle der Tatsachen nicbt absichtlich verschließt, weiß, wie die Dinge liegen, und findet gewiß die Wendung in der deutschen Note sehr schonend.
Dem protestfreudigen Teil der feindlichen Presse wollen wir heute mit einem Beispiel dienen in Gestalt eines tu lmferem Besitz befindlichen Schreibens des früheren Vize- köni-ys von Indien, des jetzigen Unterstaats sekretärs tm englischen Amt des Aeußern, Lord Hardinge, an den englischen Botschafter in Petersburg, George Buchanan, vom 21. Juli 1916, das ein Schlaglicht auf die Bemühungen Englands wirft, die Entschließung seiner Bundesgenossen in Angelegenheiten zu beeinflussen, bei denen ein souveräner Staat fremde Einmischung nicht zu dulden pflegt. Wrr ersehen aus dem Schreiben, daß der englische Botschafter in Petersburg wegen des Rücktritts des damalige^ Ministers der auswärtigen Angelegenheiten Sasonow bei dem Aaren Schritte getan hat, um die Demission, die England unerwünscht schien, zu verhindern oder rückgängig zu machen. Auch gewisse finanzielle Nrnde beleuchtet das Schreiben! Es lautet in wortgetreuer Uebersetzung:
Brittstempel, Foreign Office. Privat. Auswärtiges Amt 21. Juli 1916.
Mein lieber George!
Ihr privates Telegramm von heute morgen, das den Rücktritt Sasovows meldet, ist mt)(^iebe^ betrübend Es ist sehr mißlich, daß in diesem Augenblick ein Wechsel in Betracht gezogen wird, besonders während die Verhandlungen wegen des Eintritts Rumäniens im Fortschreiten sind und wahrscheinlich befriedigend ausgehen werden. Es ist erstaunlich, eine wie schlechte Rolle die russischen Reaktionären immer spielen. Ich bin froh, daß Sie 5>hr Telegramm an den Zaren sandten, und hoffe, es möge ferne Wirkung habm. Beneckendorff scheint jetzt sehr niedergedrückt M fern, lwegen der Sch wieri gleiten, die er in seinen frnan- Stelle n Arrangem ents mit Mac Kenna ersähtt. Eine wirkliche Crux ist das Geld, das er von uns zu bekommen wünscht, um den Rubelkurs zu halten. Kenna, wie alle Finanzleute, ist engherzig und pedantisch und behauptet, der Rubelkurs sei keine den' Krieg berühret:de Frage. Seine Ansicht ist falsch. Es ist möglich, daß wir intervenieren nlüssen, um ihn zu überzeugen, sofern kein Ueber- einkommen erzielt wird. Die Verhandlungen mit Rumänien scheinen befriedigend fortzuschrttten, aber ich werde von ihrem Erfolg mcht eher übe^eugt sein, als bis ich Rumäniens Kneqs- erklärung sehe: denn Brafianu ist der ausweichendste Mensch und ist es immer gewesen; sogar jetzt versucht er, sich he rauszu winden nnt der Behauptung, unsere Offensive in Saloniki sei nicht alles, was er wünsche, doch muß er einsehen, daß Rumänien nicht die enormen Länder st ücke, nach denen es strebt, bekommen wird, sofern es nicht etwas dafür tut. Ich hoffe noch, daß alles gut gehen »mrd innerhalb der nächsten Tage. In Flandern geht alles gut. W« haben eine Menge Menschen und Munition und nach allen Berichten erleiden die Deutschen sehr starke Verluste. Unterdessen scheinen die >russischen Befehlshaber ihren siegreichen Vormarsch fort- zusetzew Ich hoffe nur, daß sie nicht in der nächsten Zeit mit Mu- Itttum knapp werden,
Stets Ihr (gez.) Hardmge, Of. p.
Aus dem letzten Wsatz des SchveibenS sieht man, wie groß die Hoffnungen gewesen sind, die England auf die Offensive cm der Somme und auf die Brussilo w-sche Offensive in: vorigen Jahre vergeblich gesetzt hatte. Die Stelle im Schreiben: ^Rumänien muß einsehen, daß es nicht die enormen Länderstücke, nach denen es strebt, bekommen wird, „wenn es nicht etwas dafür tut", vergleiche man mit der Erklärung des englischen Premierministers im Unterhaus an: 11. Oftober 1916: „Belgien, Serbien und jetzt Rumänien, dessen König und Volk, nicht achtend der tausend Lockitn- gen zu einer kleinlichen und selbstsüchtigen Neutralität sich unserer Sache anschloß, vergießt sein Blut für die Sache der bedrohten Unabhängigkeit der kleinen Nationalitäten."
lu$ dem Reiche.
Tagung des Deutschen Museums in München.
München, 6. Febr. (WTB.) In Anwesenheit seines allerhöchsten Schirmherrn, König Ludwig, hielt heute des Deutsche Museum unter Teilnahme einer großen Anzahl hervorragendster Persönlichkeiten aus allen Testen des Reiches seine alljährliche Ausschußsiyung im Festsaale des Akademie der Wissenschaften ab, nachdem gestern eine Sitzung des Vorstands- ratss vorausgegangen war. Ter Vorsitzende des Vvrstandsrates, Geheimrat Tr. Duisburg -Oevettusen, berichtete über die Veränderungen im Vorstondsrat und im Ausschuß, soiveit über die Beschlüsse der gestrigen Tagung. Ministerialdirektor Tr. L e w a ld - Berlin gab namens deS neu in das Ehrenpräsidium eintretenden Staatssekretärs des Innern Staatsminister Dr. Helfferich, dessen lebhaftem Bedauern Ausdruck, durch die Ereignisse der letzten Tage am persönlichen Erscheinen verhindert zu sein. Reichsrat Dr. Oskar v. Miller erstattete den Jahresbericht. Geheimrat Dr. v. Linde verkündete die Ernennung des Grafen Zeppelin zum ersten Ehrenmitglied des Deutschen Museums. König Ludwig überreischte dem Geehrten persönlich die Urkunde unter Hinweis auf die großen Verdienste des Grafen, die in aller Munde seien. Das Deutsche Museum ehre sich selbst, indem es üm ehre. Graf Zeppelin dankte in bewegten Worten. Im weiteren Verlaufe der Sitzung dankte der neue Vorsitzende des Vorstandsrates, Exzellenz Dr. v. Harnack, für die auf ihn gefall me Wahl mit geistvollen Motten über die Beziehirngen zwischen der geschichtlichen Wissenschaft lmb dem Deutschen Museum sowie Über oas Verhältnis zwischen diesem undi der Kaiser Wilhelm-Gesellsch-aft.
Die Mitglieder besichtigten heute nachmittag den Museums- neubau auf der Kohleninsel, wobei sie unter Führung des Reichsrates Oskar von Miller die einzelnen Abteilungen des weitverzweigten Gebäudes in Augenschein nahmen. Der König nahm an der Besichtigung teil. Die königliche Gastfreundschaft öffnete abends die Residenz fftr die Testnehmer an der Tagung. Im Hofballsaal des Königlichen Schlosses hielt Geheiinrat v. Harnack einen Vortrag über die Gesetze der weltgeschichtlichen Forschung, dem außer König Ludwig die Staatsmrnister, das diplomatische Korps, hervorragende Vertteter der staatlichen und städtischen Behörden und an 500 Personen aus den Kreisen der technischen Wissenschaft und Kunst beiwohnten.
Staatssekretär Dr. Helfferich, dessen Anwesenheit bei der Tagung erwartet wurde, hat an König Ludwig folgendes Telegramm gerichtet: Euere Königliche Majestät bitte ich, meine ehrfurchtsvolle Entschuldigung etrtgegennehmen zu wollen, daß ich, durch dringende Geschäfte in Berlin festgelxstten, meine Absicht, an der unter Euerer Majestät tagenden Sitzung des Deutschen Museums testzunehmen, im letzten Augenblick aufgab. Es wäre mir. als dem jüngsten Ehrenpräsidenten, ein Bedürfnis gewesen, persönlich in der Versammlung meine Freude darüber auszudrücken, in den .Kreis des unter Euerer Majestät besonderem Schutz stehenden Deutschen Museums ausgenommen zu sein, und damit in die geistige Gemeinschaft der hervorragenden Männer aus Naturwiffenschaft und Technik ttnzutreten, deren Gedankenarbeit und Tatkraft die Grundlagen unserer wittschaftlichen Kraft geschaffen hat, und jetzt in diesen schwersten aller Kttege uns hstft, komme, was wolle, Stand zu halten und den Sieg zu erringen.
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Dresden, 6. Febr. (WTB.) Heute vormittag wurde im neuen Rathause in einer von dem vorbereitenden Anschuß einberufenen Versammlung unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Blüher der Elbe — Oder — Donauverein gegründet. Anwesend waren zahlreiche Interessenten aus Deutschland und Oesterreich und Vertreter der Behörden und des deutsch-österreichisch-ungarischen Wirt- chaftsverbandes. Es wurde ein Ausschuß gewählt, der so- ort nach der Vereinsgründung seine erste Beratung abhielt.
Die Krlfls in der Sozialdemokratie.
Wie erinnerlich, hat der sozialdemokratische Parteiausschuß vor kurzem erklärt, daß die sozialdemokratische Opposition nicht mehr zur Pattei gehöre, und daß es Pflicht der einzelnen Organisationen ei, daraus die notwendigen Folgen zu ziehen. In Groß-Berlin! hat man jetzt dieser Aufforderung entsprechend gehandelt. Das Bild, das sich dadurch ergeben hat, ist allerdings recht eigenartig. In Groß-Berlin stehen nämlich die sozialdemokratischen Pattet- organtsationcn auf dem Standpunkt der Oppositon. Die Anforderung des Parteiausschusses w!ar also für sie in den Wind gesprochen. Dagegen hat für die Anhängerschaft des Pattei- Vorstandes der frühere langjährige Vorsitzende der sozialdemokratischen Organisation Groß-Berlins, Herr Eugen Ernst, die Parole des Parteiausschusses ausgenommen. Der zwischen ihm und dem Partei Vorstand geführte Brieftvechsel wird im „Vorwärts" veröffentlicht. Herr Ernst ist sich darnach mit dem Patteivorstand darüber klar, daß die sozialdemokratischen Parteiorganisationen von Groß-Berlin zur sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft gehören und sich damit von der Pattei losgesagt haben. Die Anhängerschaft des Partei Vorstandes, d. h. der Fraktionsmehrheit, soll ich deshalb in Groß-Berlin neu organisieren. Diese Arbeit ist Herrn Enge:: Ernst überttagen lootten. Die Parteiovposition nimmt diesen Schritt mit großem Glttckumtt auf. Die „Leipziger Volkszeitung" ist davon überzeugt, daß sich in Groß-Berlin nicht viel ändern wird. Wenn sich die Anhängerschaft des Patteivorstandes in Groß-Berlin eine Sonderorganisation schaffe, Jo werde sich dadurch lediglich Herausstellen, wie schwach sie sei. Im Übttgen werde die Opposition sich nun um so enger zu- ammenschließen, um (Me Rechte der sozialdemokratischen Pattei gegen den Rumpspartei Vorstand zu wahren.
Man sieht, daß es mit der Klärung, die der „Dottvätts" in Groß-Berlin herbeigeführt sieht, eine eigene Sache ist. Die Oppo- ition bettachtet sich keineswegs als den verlorenen Sohn der Pattei, ändern als den einzig wahren Vertteter der sozialdemokratischen! Grundsätze. Darüber kann man noch lange schreiben, ehe eine Klärung hcrbeigeführt wird. Von einer ganz anderen Seite fasset die Politiker der „Sozialistischen Monatshefte" und der „Glocke" das Problem an. Sie fordern neben der äußeren Trennung vor allem eine innere Neuschöpfung ber Partei, eine Wandlung also, die von selbst einen sickeren Trennungsstttch zwischen der sozialdemokratischen Opposition, d. h. dem alten Patteiklüngel, und ber neuen Partei zieht. So sagt Lentsch in der „Glocke": „Die steigende Macht der Arbeiterklasse im nationalen Ramen und die damit erst endgültig vor sich gehende nationale Orientierung der zukünftigen Arbeiterpolitik, die soziale Zermürbüng der kapitalistischen Gesellschaft mit ihrer Vernichtung der Mittelschichten und deren Abfließen in das Proletattat, das damit intellektuell eine erhebliche Veränderung, und zwar ebenfalls in nationaler Richtung. erleben wird — das alles sind Fragen, die an die deutsche Sozialdemokratie heran- tteten und deren Erötteruwg si-e sich nicht länger entziehen kann. Erst durch Erledigung dieser Probleme Witt die Opposition innerlich, d. h. positiv überwunden." Dieselbe Forderung erhebt Abgeordneter Max Cohen in den „Sozialistischen Monatsheften". Er ordert von der sozialdemokratischen Partei in Zukunft eine nnö- Lassende und ausbauende Gegenwartspolitik, die sich von der Albl- lehnung der Wehrforderungen und der grundsätzlich« Ablehnung
de. Gesamtüudgew lossagt. Er fordert von ihr in der äußeren! Politit eine Unterstützung machtpolitischer Forderungen und positive Kolonialpolitik. In diesem Sinne sagt er zum Schluß: „jetzt keine Halbheit. Der Spaltung der Pattei muß ihre wirkliche Politisierung folgen. Die deutsck)e Sozialdemokratie muß Trägerin des 'staats- gedankens werden." Hier scheint uns in der Tat der Kern der sozialdemokratischen Patteikttsis zu liegen. Durch die Gründung von Sorrderorga nisationen trifft man ihn nicht.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 7. Februar 1917.
Gedenket der hungernden Vögel!
Aufklärungsarbeit.
Selbst die beste Organisation der Erzeugung und Verteilung der Nahrungsmittel würde nichts nützen, wenn mcht ein jeder, aber auch jeder, sich freiwillig für sein Dell in den Dienst oer großen Sache stellt urrd sich selbst mit dem Maß an Nahrung, das ihm unter dem Zwange kriegettscher Notwendigkeit zugemessen wird, begnügt. Keine Verordnung kann so streng gefaßt sein oder so scharf auf ihre richtige Ausführung hin überwacht werden, daß sie nicht doch häufig, oft unbemerkt für die Gesamtheit, aber zu ihrem größten Schaden, umgangen wird. Keine noch so hohe Sttafe schützt gegen solche Fehltritte, wenn nicht in allen Kreisen der Bevölkerung guter freier Wille in Befolgung der Vorschriften Hand in Hand geht mll gutwilliger Einschränkung und Beschränkung auf das zum Lebensunterhalt gerade noch durchaus Nötige.
Leider sind sich jedoch manche Kreise der Bevölkerung, sowohl auf dem Lande wie in der Stadt, noch mcht des großen Ernstes der Erna hrungs frage voll bewußt. Dem Landvolk fehlt noch vielfach das Verständnis dafür, daß die Städter und gar die Großstädter darben könnten. Sie sehen, wie die Aufkäufer und Händler oder auch einzelne Städter höhe und höchste Preise für ihre Waren zahlen uttd ^blicken darum noch in dem Städter schlechthin den zahlkräftigery Käufer, der hohe Gehälter und Kttegslöhne bezieht und sich darum alles leisten könne. Sie wissen aber nicht, daß die Zahl der wirklich Reichen nur gering ist, daß die große Mehrheit in den Städten und Großstädten sich in hatter Arbeit ihren Lohn verdienen muß, der bei den hohen Lebensmittelpreisen kaum zu des Leibes Nahrung undt Notdurft hinreickt. Sie wissen nicht, daß Frauen, deren Männer im Felde stehen, rn Muniüonssabttken, Bekleidungsänttern usw. arbellent und alle für ihr Tell an dem Siege des Vaterlandes mithelfen. Alle diese Männer, Frauen und Kinder in den Städten müssen aber Brot haben, und das kann nur das Land hergebien. Andrerseits gibt eZ aber auch noch in den Städten Leute, denen es auf das Geld nicht ankommt, die sich ttotz der sttengsten Rationierung auf alle mögliche Weise ein Mehr vor den übttgen verschaffen können.
Allen diesen Leuten muß immer und immer wieder vor Augen gefühtt werden, wie es mit imseren Vorräten beschaffen ist, daß nnv eine sttikte Erntellung und Vertttlung uns siegreich durch den Ktteg bringen kann, daß jedes Mehr, das sie verzehren, ttn Wtttiger für eine arme Arbeiter- oder Kätnerfamilie bedeutet. Je mehr durch Aufklärungsarbeit dem Einzelnen klar wird, warnm dieses oder jenes Nahrungsinittel fehlt oder knapp zngemessen wird, wie das Volk sich zugunsten des Heeres einschränken muß und welche Hemmungen in den durch die Kttegführung nötigen Anordnungen insbesondere im Transportwesen bestehen, desto williger wird sich jeder Einzelne den erlassenen Vorschriften anpassen. (
"Wltfa als bisher sollen künftig in wichttgen Gebieten der Volks- ernährung die tatsächlichen Verhältnisse, auf denen die Arwrdnungen! beruben, nach Möglichkeit öffenllich mitgetellt wetten.
Wo daher in Zukunft örtliche Aufklärungsarbeit vorgenommen werden soll, da setze man sich zunächst mit dem Nachrichtendienst des Kttegsernährungsamls in Verbindung und laffe sich autoritative! Unterlagen für etwaige Vorttäge, Aufrufe usw. geben. Das Kttegs- errrährungsamt wird von sich aus dafür sorgen, daß solches Material vorrättg und stets auf dem Laufetwen gehalten bleibt und dien für! die Volksaufklärung beauftragten Stellen, Männer und Frauen, anj die Hand gegeben werben kann. >
Der Anfang damit ist gemacht. Einen warm empfundenen Aufruf „An Deutschlands Landftauen" hat der Präsident des Kriegs- ernährungsamts an deutsche Landfrauen, Landlehrer mrd üandz- geistliche vetteilen lassen. Zur Aufklärung der ländlichen Bevölkerung ist ferner das Vottragsbüchlttn „Die Lebensmittelvefforgung" bestimmt. In ihm werden Einzeldarstellungen über die hauptsächlichsten Nahrungsmittel gegeben. Besonders wird auf den Stand der Vorräte, auf die unbedingte No'twendigkeit uw> Möglichkeit dep Einschränkung hin gewiesen. Auch dieses Heft wttd sämtlichen Lehrern und Geistlichen, ferner den Landwirtschaftskammern und auf ihren Wunsch den Vorsitzenden der landwittschaftlichen Vereine zngestellt, damft auf Grund der dann gegebenen Ausführungen bei Veranstaltungen auf dem platten Lande, Vereins- und genossew« schaftliche Sitzungen, Gemttndeabende, ferner in Schulen und bei religiösen Zusammenkünften dieses Gebiet beleuchtet wttd. Mitte Februar wird sodann noch ttn Buch „Die ErnährungSwittschaft im dritten KttegSjahtt^ erscheinen, das glttchfalls in erster Linie Aus- klärungszwecken dienen soll. Auch mit der städtischen Gttstlichkttt und Lehrettchaft ist Fühlung genommen worden, um sie tn den Dienst der Aufklärung zu stellen. \
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* Auszeichnungen. Da» Eiserne Kreuz I. Klasse erhielt am 37. Jan. Dietrich v. Knobelsdorfs. Leutnant und Bataillons-Adjutant im Jnf.-Rgt. Grobherzog von Sachsen, welcher Ostern 1914 das hiesige Realgymnasium mit dem Zeugnis der Reife verlaßen Hatte, um sich der Offizierslauibahn zu widmen, und fett Kriegsbeginn im Felde steht. — Dem Pionier Georg Arnold aus Gießen wurde am 37. Jan. die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. — Dem Kanonier Max Pohl wurde in den Kämpfen vor Derdun das Eiserne Kreuz 3. Klasse verliehen.
** Aus dem Militärwochenblatt. Befördert zu Leutnants der Reserve: die Vizefeldwebel N e b h u t mrd Fay (Gießen).
** Vom Wetter. Nach den bisher bei der Wetterdienststelle eingegangenen Meldungen ist der Hochdruck auf dem Festlande sehr stark gesttegen, so daß wir einstweilen weiterhin mit heiterem Wetter zu rechnen haben und bca» läufig noch kein Umschlag zu erwarten ist.
** Der hundertjährige Kalender. Die jetzige Froste Periode ftndet im hundettjahttgen Kalender eine merfto'flrtvige Parallele. So heißt es über den Januar 1917: Vom 2. bis 4. trüb und mittelmäßig kalt, 6. Schnee und Regen, 7. Schnee, 9. trüb, 11. Schnee, 13. trüb tmd Wiitd, 14. Schnee, 16. trüb, windig und mittelmäßig kalt, 21. attmmige Kälte, 22. und 23. Mnd und Schnee, 24. und 25. Heu, sehr kalt, 26. unerhörte Kälte. 29. und 30. Schnee und windig, 31. grimmige Kälte. Wie man sieht, traf diese Wettervorhersage für den Januar ungefähr zu. Um so mehr darf daher es auch interessieren, was wir nach dem „Hundettjähä- gen" vom Februar zu erwarten haben. Es ist wenig erfteulich, wie nachfolgende Angaben bestättgen: vom 3. bis 5. sehr kalt, 7. recht kalt, 8. kälter als jemals, in allett Kellern gefttett es, ebenso auch am 9. und 10., welche Tage alle anderen an Kälte noch übertreffen, 11. ettvas milder, aber immer noch grinimige Kälte, 13. und 14. starker Sturmwind mit Schnee, dabtt sehr kalt, 15. tttlb, 16. ziemlich starker Schneefall, 18. trüb, wenig Schnee, des Nachts aber kalt, 19. trüb, 20. warm und schön, vom 21. bis 27. Regen, nwbtt der grvßmächtige Schneefall abnimmt. Es ist als sehr wahr- schttnlich anzunehrnen, daß der .Hundertjährige, wie so oft, in sttnen willkürlichen Lürgaben irtt.
** Gegen Einfrieren der Haüs Wasserleitung e tt empfiehlt daS Städtische Wasserwerk im Anzeigenteil unseres Blattes sachgemäße Vorkehrungen, auf die wir an diestt? Stelle besonders hmwttsen.
** Gaskoks wird bis auf weiteres nur jeden Montag, Dienstag, Donnerstag und SamStag von 2—5 Uhr nachmittags abgegeben.
** Jungwehr. Die Hebungen fallen, solange die Schulferien dauern, aus. Die Jungnratrnschaften tverden ersucht, Kochkessel, Spaten usw. bei Jungmamr GHreS,


