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1.2.1917 Erstes Blatt
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amtlich in Gießen.

Ser imeingeschräiitte ll-vsoikrieg ab f. Kdruar wirksam!

MTB.) Großes Hauptquartier. 31. Januar. (Amtlich.)

W e st sicher Kriegsschauplatz.

Starker Frost und Schneefälle schränkten Die Gefechts­tätigkeit ein.

Au der lothringischen Grenze bei Leintrey war von inittag an der Artilleriekampf stark. Abends griffen Die Fran­zosen einen Teil unserer Stellung an: sie wurden abgewiesen.

O e st l i che r Kriegsschauplatz.

Front des G e u e r a l f e l d m a r s ch a l t s Prinzen Leopold von Bayern.

Auf Dem Ostufer Der A a stürmten unsere Truppen eine russische Waldstellung und wiesen in ihr mehrere starke Gegenangriffe zurück. ! 4 Offiziere u n d über 900 M a n n wurden gefangen, l 5 Maschinengewehre er­beutet.

Front des Generalobersten Erzherzog Josef.

Nach heftigem Feuer griffen Die Nüssen mehrmals die Stellungen südlich der Valeputnastrahe an. Zwei starke An­griffe scheiterten. Beim dritten Ansturm gelang es einer russischen Abteilung, in einen Stützpunkt einzudringen.

Heeresgruppe des G e n c r a l f e l d m a r s ch a l l s von M a ck e n s e n.

Nahe der Donau gingen starke feindliche Aufklärungs­abteilungen vor. sie wurden von den osmanifchen Posten zu­rückgetrieben.

Mazedonische Front.

Deutsche Erkunder brachten von einer Streife im Eerna- bogen mehrere Italiener gefangen ein.

Der Erste Generalguartiermeiiter L u d e n D o r f f.

*

Der Abendbericht.

Berlin. 31. Jan., abends. (WTB. Amtlich.)

Bei Kälte und Schneefall an allen Fronten nur geringe Gefcchtstätigkeit.

Heute ist der erste Februar, und heute bereits machen unsere U-Boote in uneingeschränkten Angriffen gegen die Gegner Front! Eine Ueberraschung. die schnell und gründlich alle Zweifel und Zwiespältigkeiten, die sich im deutschen Volke drohend bemerkbar machten, beseitigt. Die Aera des Berständigungsgkaubens, die unsere leitenden Stoatsinäniwr vorsichtig abwägend die Pulse des Auslandes fühlen ließ, ist vorüber: Volk und Regierung fühlen jetzt die diotwendiqkcit und Sicherheit, eine Rettung bringende Ope­ration vorzunehmen. Eins drängt sich bei der Würdigung des neuen Ereignisses vor allem andern auf: Die deutschen «Herzen sind wieder geeinigt, der entschiedenste, folgen­schwerste Entschluß, der von einem großen Teil des Volkes, von wohl erfahrenen und sachkundigen Männern seit langer Zeit drängend und dringend gefordert worden war, ist endlich gefaßt, und diejenigen. Die bisher, einer solchen Agitation widerstrebend, einen un­sicheren oder gegenteiligen Standpunkt vertraten, reihen sich heute in eine einzige Front ein. Bedenklichkeiten und Lau­heiten schwinden: es ist wieder frische, reine Luft im deut­schen Hanse, und Vertrauen, Zuversicht und gehobener Sisgeswille werden sie neu erwärmen. Wenn wir auch »angesichts der ernfteit, folgenschweren Entscheidung unserer Regierung nicht jauchzen und etwa sagen mögen, daß es wieder eine Lust sei, zu leben, so leben doch die alten, fortreißenden Mahnungen, die in der deutschen Geschichte den Lebenssaft zum Wachstum und zu Siegen bildeten, in den Geistern wieder aus:Gott will es!" so'klingt es wie der Wahlspruch der .Kreuzfahrer zu uns herauf, und das spätere Dichterwort der FreiheitskriegeEs ist ein Kreuz- zng, ist ein h-eil'ger Krieg" erschüttert uns alle, die wär an der Verantwortung der Regierung vor Gott und Menschen teilnehmen und die sittliche Reinheit unserer Krisgsunternehmungen nicht beflecken, aber auch nicht an­tasten lassen wollen. Der freie Geist eigenen Verantwor­tungsgefühls hat jene unrichtige Einschätzung der psychologi­schen Wirkung unserer früheren Tonart, von der noch gestern hier die Rede war, endgültig abgelöst. Die amtliche Note, die nach Amerika abgegangen ist, läßt keine Abschwächung un­seres unerschütterlichen Entschlüsse-.zu, und wir harren nun­mehr mit der Kaltblütigkeit und Vorbereitung des Kraft- bewnMen und seiner Sache Sicheren der Antwort, die uns von Wilson oder anderen Neutralen kommen mag. Was unsere feinde tun und sagen werden, wissen !vir. Sie werden die bisherigen Schmähungen der deutschen Hand­lungen kaum noch überbieten können und wir werden nicht rnehr allzu viel Worte über ihre ausgemachte Lügentaktik zu verschwenden haben. Mt sicheren Strichen sind in der amtlichen Note die Absicht und Wirkung des neuen deut­

schen Seekrieges niedergelegt. Wir hoffen, den Krieg, der auch über die Neutralen Leid auf Leid bringt, ab zu kür­zen, rm Interesse der gesamten Menschheit und im Sinne eurer höheren Menschlichkeit, als sie in unfruchtbaren Worten liegt. Das Recht der todesmutigen Abwehr liegt offen vor aller Welt, nachdem die Feinde ihre Hohnvolten und geradezu gotteslästernden Ziele enthüllt haben. Wir Mell Amerika durch die Zusicherung einer bestimmten Möglichkeit, den Passagierdampferdienst mit England auf­recht zu erhalten, Gelegenheit, auf dem Boden einer ehr- lrchen Neutralität zu bleiben oder vielmehr dahin zurück­zukehren.

rc Untersuchung der Frage, ob der gestern gefaßte

Entschluß unserer Reichsregierung nicht besser schon früher gefallen wäre, kann billig unterbleiben. Wir haben nach wie vor die Mittel sticht, dies im einzelnen zu prüfen. Der Reichskanzler hat in seiner Rede an die versammelten Parla­mentarier kundgetan, jetzt erst sei die Zeit reif geworden, den uneingeschränkten U-Bootkrieg in Wirksamkeit treten zu lassen, und wir wollen das Recht dieser Ueberzeugung heute nicht anfassen.Die Hauptsache ist, daß jetzt alles nach ernem geschlossenen Willen dcks gesamten Volkes und seiner Negierung seinen Laus nimmt. So wollen wir das freudige Vertrauen erneuert:, in das wir mit unserem Kaiser im ^zahre 1914 in den Krieg eingetrelen sind, das Vertrauen, das durch die vorliegenden amtlichen Veröffentlichungen die kräftigste Nahrung erhält. Denn es steht in der Kanzlerrede der bedeutsame Satz:A d m i r a l s st n b und Hochsee­flotte sind der festen Ueberzeugung, einer lleber- zeugung, die in den Erfahrungen des U-Boot? kreuzerkrieges ihre praktische Stütze findet, daß Eng­land durch die Waffe zum Frieden gebracht werdeil wird." Unsere Verbündeten stimmen unseren Absichten zu. Vor allem aber ivird auch eines noch die Herzen heute freudig erheben. Hindenbnrg übernimmt für unsere Fronten zu Lande die Gewähr, daß allen etwaigen Folgen der neuen. Seekriegsührniig ruhig und sicher entgegen geblickt werden kann. Auch er hat den schärfsten U-Bootkrieg nicht nur be­fürwortet, sondern gefordert! So werden wir nach des Kanzlers Wort zwar noch eine sehr ernste Zeit vor uns haben, aber sie wird, so hoffen wir zu Gott, bald zun: siegreichen Ende führen!

* * *

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 31. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 31. Januar 1917.

O e ft l i ch e r Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls vonMackenfen.

Die osmanifchen Truppen wiesen zunächst der Sereth- Mündung starke russische Erkundungstruppen ab. *

Heeresfront des Generalober st en Erzherzog Josef.

Im Mestecanesci-Abschnitt nahmen die Russen ihre An­griffe wieder auf. Zwei ihrer Anstürme wurden restlos ab­gewiesen. Bei einem dritten ging ein Stützpunkt südlich der Valeputna-Straße verloren.

HeeresfrontdesGencralfeld marschalls

Prinzen Leopold von Bayern.

Südlich des Pripjet keine besonderen Ereignisse.

Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalftaüs v. Hofer. Feldmarfchalleutnant.

Line deutsche Note an Amerika.

Berlin, 31. Jan. (WTB. Amtlich.) Der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ist heute die folgende Note übermittelt worden:

Berlin, den 31. Januar 1617. Euere Exzellenz haben die Güte gehabt, mir unter dem 22. d. Mts. von der Botschaft Mitteilung zu machen, die der Herr Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika am gleichen Tage ag den amerikanischen Senat gerichtet hat. Tie Kaiserliche Regieruttg bat von dem In­halt der Botschaft mit der ernsten Aufmerksamkeit Kenntnis ge­nommen, die den von hohem Verantwortlichkeitsgefühl getragenen Darlegungen des Herrn Präsidenten zukomntt. Es gereicht mir zu großer Genugtuung, festzustellen, daß die Richtlinien dieser bedeutsamen Kundgebung in weitem Umfang mit den Grundsätzen und Wünschen übereinstimmen, zu denen sich Deutschland be­kennt. Hierzu gehört an erster Stelle das Recht der Selbstbestim­mung und die Gleichberechtigung aller Nationen. In Anerkennung dieses Prinzips würde Deutschland es aufrichtig begrüßen, wenn Völker wie Irland und Indien, die sich der Segnungen staallich-er Unabhängigkeit nicht erfreuen, nunmehr ihre Freiheit erlangten. Bündnisse, die die Völker in den Wettbewerb um die Macht Hin­eintreiben und sie in ein Netz eigennütziger Intrigen verstricken, lehnt auch das deutsche Volk ab. Dagegen ist seine freudige Mit­arbeit allen Bemühungen gesichert, die auf die Verhütung künf­tiger Kriege abzielen.

Tie Freiheit der Meere als Vorbedingung für den freien Biostand und den friedlichen Verkehr der Völker hat ebenso wie die offene Tür für den Handel aller Nationen stets zu den leitenden Grundsätzen der deutschen Politik gehört. Um so tiefer beklagt es

Pjf kaiserliche Regierung, daß das friede ns feindliche Verhalten 1 'ir ?^ ncT Es der Welt unmöglich macht, schon jetzt die Ver- wlrkllchung dieser -erhabenen Ziele in Angriff zu nehmen.

, aentschland und seine Verbündeten waren bereit, alsbald in ^riedensverhandlungen einzutreten und hatten als Grundlage die ! 7 £, crini{ * Daseins, der Ehre und der Entwicklungsfreiheit ihrer Volker berechnet. Ihre Pläne waren, wie sie in der' Note vom -i' TEzember 1916 ausdrücklich betonten, nicht auf die Zer­schmetterung oder Vernichtung der Gegner gerichtet ürtb nach wrer "Überzeugung mit den Rechten der anderen Nationen wohl verembar. Was insbesondere Belgien anlangt, das den Gegenstand warmherziger Sympathie:: in den Vereinigten Staaten bildet, so hatte der Reichskanzler wenige Wochen zuvor erklärt, daß eine Einverleibung Belgiens niemals in Deutschlands Absichten ge- legen l)ab:. Deutschland wollte in dem mit Belgien zu schließen­den Frieden lediglich Vorsorge dafür treffen, daß dieses Land mcr dem die Kaiserliche Regierung in. guten nachbarlichen Ver- haltnmen zu leben wünscht, von dem Gegner nicht zu feindlichen! Au,chlagen ausgenutzt werden kann. Solche Vorsorge ist umso drin­gender geboten, als die feindlichen Machthaber in wiederholten Reden und Artikeln seit dem Abschluß der Pariser Wirtschasw- Lomcrenz unverhüllt dre Absicht ausgesprochen haben, Deutschland nach Wiederherstellung des Friedens nicht als gleichberechtigt an- zuerlennen, vielmehr systematisch weiter zu bekämpfen.

An der Eroberungssucht der Gegner, die den Frieden diktieren wollen, ist der Friedensversuch der vier Verbündeten gescheitert Unter dem Aushängeschild des Nationalitätenprinzips haben sie als Kriegsziel enthüllt Deutschland, Oesterreich-Ungarn, die Türkei und Bulgarien zu zerstückeln und zu entehren. Dem Versöhnungs- Versuch stellen sie ihren Vernichtungswillen entgegen. Sie wollen den Kampf bis anfs äußerste.

So ist eine neue Sachlage entstanden, die auch Deutschland zu neuen Entschlüssen zwingt. Seit 2y 2 Jahren mißbraucht Eng­land seine Flottenmacht zu dem frevelhaften Versuch, Deutschland durch Hunger zur Unterwerfung zu zwingen. In brutaler Miß­achtung des Völkerrechts unterbindet die von England gefühttst Machtgruppe nicht nur den legitimen Handel ihrer Gegner, durch rücksichtslosen Druck nötigt sie auch die neutralen Staaten^ jedett ihr nicht genehmen Handelsverkehr aufzugeben oder den Handel nach ihren willkirrlichen Vorschriften einzuschränken. Das amerika­nische Voll kennt die Bemühungen, die unternommen worden! sind, um England und seine Bundesgenossen zur Rückkehr zum Völkerrecht und zur Achtung vor dem Gesetz der Freiheit der Meere m bewegen. Die englische Regierung verharrt bei ihrem Aus­hungerungskrieg, der zwar die Wehrkraft des Gegners nicht trifft aber Frauen und Kinder, Kranke und Greise zwingt, um ihres! Vaterlandes willen schmerzliche, die Volkskraft gefährdende Ent­behrungen zu erdulden. So häuft britische Herrschaft kalten Her­zens die Leiden der Welt, unbekümmert um jck»es Gebot dev Menschlichkeit, unbekümmert um die Rechte der Neutralen, un­bekümmert selbst um die stumme Friedenssehnsncht bei den Völ­kern der eigenen Bundesgenossen. Jeder Tag, den das furchtbare Ringen andauert, bringt neue Verwüstungen, neue Not und neuen Tod, jeder Dag, um den der Krieg abgekürzt wird, erhält auf beiden Seiten Tausenden tapferer Krieger das Leben und ist eine Wohltat für die vereinigte Menschheit.

Die Kaiserliche Regierung »oürde es vor ihrem eigenen Ge­wissen, vor dem deutschen Volke und vor der Geschichte nicht ver­antworten können, wenn sie irgend ein Mittel unversucht lreße« das Ende des Krieges zu beschleunigen. Mit dem Herrn Präsi­denten der Vereinigten Staaten hatte sie gehofft, dieses Ziel durch Verhandlungen zu erreichen. Nachdem der Versuch von dem Gegner mit verschärfter Kanrpfansage beantwortet worden ist, wird die Kaiserliche Regierung, wenn sie in höherem Siirne der Mensch­lichkeit dienen Und sich an den eigenen Volksgenossen nicht tuew sündigen will, den ihr von neuem aufgezwungenen Kampf ums Dasein :runmehr unter vollem Einsatz aller Waffen fortführen^ Sie mini daher auch die Beschränkungen fallen lassen, die sie sich bisher in der Verwendung ihrer Kriegsmittel zur See auf- erlegt hat.

Im Vertrauen darauf, daß das amerikanische Volk und seine Regierung sich den Gründen dieses Entschlusses und seiner Not­wendigkeit rächt verschließen Jpeiben, hofft die Kaiserliche Regier rurrg, daß die Vereinigten Staaten die neue Sachlage von dest hohen Warte der Unparteilichkeit würdigen und auch an ihrenr Teil daran mithelfen werden, weiteres Elend und vernieidbcrrc Opfer an Menschenleben zu verhüten.

Jrrdem ich^wegen der Einzelheiten der geplanten Kriegsmaß- nahmen zur See auf die anliegende Denkschrift bezugnehmeü darf, darf ich gleichzeitig der Erwartung Ausdruck geben, daß die amerikanisäzc Regierung amerikanische Schiffe vor den: Einlaufen in die in der Lbnlage beschriebenen Sperrgebiete und ihre Staats­angehörigen davor^ warnen wird, den mit Häfen der Sperrgebiets verkehrenden Schiffen Passagiere oder Waren anzuvertrauen.

Ich benutze diesen Anlaß, um Euerer Exzellenz den Ausdruck nieiner ausgezeichnetsten .Hochachtturg zu erneuern.

Z i m rn e r m a n n , Staatssekretär des Aeußern.

Die deutschen Sperrgebiete.

Tie in der Note erwähnte Denkschrift lautet wie fdlgt: Vom 1. Februar 1917 ab wird in den nachstehend bezeickneten Sperr­gebieten um Großbritannien, Frankreich und Italien herum und im östlichen Mittelmeer jedem. Seeverkehr ohne werteres mit allen Waffen entgegengetreten. Deutsche Sperrgebiete sind:

A) im Norden ein Gebiet um England uird Frankreich, das begrenzt wird durch eine Lime von 20 Seemeilen Abstand längs der holländischen Küste bis Ter schell ing-Feuerschiff, den Längengrad von Terschelling-Feuerschiff bis lldsire (Insel an der Westküste Norwegens. T. R.), efaie Linie von dort über den Punkt 62 Grad Nord 0 Grad Länge nach 62 Grad Nord, 5 Grad westlich, weiter zir einenr Punkte drei Seemeilen südlich der Südspitze der Färöer, von dort über den Punk!t> -63 Grad Nord, 10 Grad West nach 61Grad^ Nord 15 Grad West, dann 57 Grad Nord, 20 Grad West bis 47 Grad Nord 20 Grud West, weiter nach 43 Grad Nord 15 Grad Wesft dann auf dem Breitengrad 43 Grad Nord cittlang bis 20 Seenceilen vor Kap Finisterre imd in 20 Seemeilen Mstand entlang der spanischen Nordküste bis zirr französischen Grenze.