Ausgabe 
28.12.1916 Erstes Blatt
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Dte russische Duma und Wilson- Rote.

Petersburg, 27. Dez. (WTB.) Meldung der Peters­burger Lelegraphen-Agentur. Der Dumapräsident Rodzi- a u k o erklärte in Bezug auf Wilsons Note, der Augen­blick sei noch nicht gekommen, in Verhandlungen zum Ab- schluß des Friedens einzutreten. Von einem solchen könne erst nach einer völligen Niederlage Deutschlands die Rede sein, wenn sich die Möglichkeit bietet, einen Frieden zu schließen, der die Welt gegen ein neues Blutvergießen für die Zukunft sichert. Der Duma-Abgeordnete Miljukoff sagte, unter den gegenwärtigen Bedingungen könne keine Rede von irgend einer Intervention oder Vermittelung sein. Vor­schläge an Rußland könnten zu keinem Resultat führen, da sie für beide Parteien unannehmbar seien. Der Abgeordnete Shingarefs sagte, die .Handelsinteressen Amerikas überwögen seine militärischen Ziele. Der Anschluß Amerikas an eine der kriegführenden Parteien sei wenig wahrscheinlich, da dies Verwicklungen zwischen Amerika und Japan herbei­führen könnte.

Kopenhagen, 26. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Blättermeldmig aus Petersburg geht die Reichsduma am 30. Dezember in die Weihnachts fetten. Die Sitzungen sollen am 22. Januar wieder ausgenommen werden.

Der sozialistische Nationalkongreß in Frankreich.

Paris, 26. Dezember (WTB. Nichtamtlich.) Die Agence Davas meldet: Zu der Atzung des sozialistischen Nationalkon-, greises waren, wie üblich, einige Führer der sozialistischen Par­teien des 2lnsl arides etngeladen. dlbgeordneter Mistral be­grüßte die Genossen Vandervelde, Henderson, Roberts imb Rubano- witsch, den Vertreter der Partei der revolutionären Sozialisten Rußlands. Ter englische Minister Henderson und das Unterhansmitglied Roberts hielten Reden in englischer Sprache an die Versammlung, die verdolmetscht wurden und in denen sie erklärten, daß der Krieg bis zur Sicherung ei netz! dauernden Friedens weitergeführt werden müsse. Vandervelde überbrachte dem Kongreß den Gruß der belgischen Sozialistenpartei. sowv-A der Sozialisten, die Zuflucht auf französischem Boden suchen mußten, wie derjenigen, die in dem besetzten Belgien geblieben feien. Der Redner erklärte, man müsse den Kamps fortsetzen, bis zur Befreiung Belgiens, Serbiens und der französischen Provinzen und bis man einen endgültigen Frieden ohne erzwungene Annexionen haben könnte, der den kleine n Staaten die Freiheit gebe, über ihr Schicksal zu entscheiden, !ernen Frieden, der die Niederlage des Cäsarentums bringe und die Wiederherstellung der Arbeiter-Internationale ermögliche.

Nach diesen von häufigem Beifall ausgenommenen Reden ging der Kongreß zur Erörterung der finanziellen Berichte über.

Paris, 26. Dez. (WTB.) Meldung der Agence Havas.) Der sozialistische Kongreß erörterte vormittags die Teilnahme der Mitglieder der sozialistischen Gruppe an den parlamentarischen Arbeiten. Verschiedene Abgeordnete setzten ihre persönliche Stellung zum Parlament auseinander. Der Abgeordnete Compere Morel kritisierte die Teilnahme von Sozialisten an der Regierung, sprach sich jedoch für die Beibehaltung vvn Albert Thomas in dem gegenwärtigen Ministerium aus, denn sein Rücktritt würde einen ungünsti­gen Eindruck auf die öffentliche Meinung machen. Der R^>ner fügte hinzu, in einem Augenblick, wo sich die diplo­matischen Noten mehren, ist es von Wichtigkeit, daß Frank­reich nicht entmutigt wird. Die Stimme der Geschütze darf nicht schweigen, oder man darf nicht glauben, daß sie nachlaßt.

Die Regierung beschloß. Io f fre in Anerkennung seiner hervorragenden Dienste die Würde eines Marschalls von Frankreich zu verleihen.

Die Kritik an der Kriegführung in Frankreich.

Rotterdam, 27. Dez (WTB. Nichtamtlich.) Der Nieuwe Rotterdcrmsche Courantt meldet aus Paris: Im Petit Parisien" beklagt Tardieu die gegenwärtige Me­thode des Zusammenwirkens der Alliierten, die 'er als kindisch bezeichnet. Er trittfür den Vorschlag Hennessys ein, einen Generalstab der Alliierten einzusetzen.

Artillerie die von ltntS östlich der Dörfer Atpnica Tolrm und Swistelnicki besetzten Hohen. An der Grenze der Moldau gewan­nen die rumänischen Truppen im Tale des Kasrnflusses eine der gestern verlorenen Höhen in glänzendem Angriff zurück.

Kaukasussro nt: Es ist nichts von Bedeutung zu melden.

Rumänische Front: Der Feind machte in der Nähe der Quelle des Suschitz-Flnsses in der Gegend von Dragoslawle er­bitterte 'Angriffe, wurde aber durch Gegenangriffe der Rumänen abgenneien, die drei Maschinengewehre erbeuteten. An der Quelle des Rynimie-Flusses drängte der Feind unsere vorgeschobenen Abteilungen zurück, die sich auf die Hauptstellung zurückzogen. Im Tale des Kilnau-Flusses westlich von Rimnieul Sarat wurden alle Angriffe des Feindes durch unser Feuer zurück gewiesen. Im Laufe des'ganzen Tages machte der Feind mit beträchtlichen Kräf­ten eine Reihe von Angriffen, an der Front FUipestiLichcotianka, die unter schweren Verlusten für ihn znrückgeschlagen wurden. Be­sonders erbittert wurde bei Filipestr gekämpft. Da dieser Ort von der feindlichen Artillerie in Brand geschossen worden nxrr, wurde er von uns aufgegeben. In der Dobrudscha Feueraustausch auf beiden Seiten.

Trepow im Hauptquartier.

Amsterdam, 27. Dez. (WTB.) Nach einem hiesigen Blatte meldet die LondonerTimes" ans Petersburg, daß Premierminister Trepow in das kaiserliche Haupt­quartier reiste, und daß man in parlamentarischen Krei­sen die Reise mit wichtigen Aendernngen im Kabinett in Verbindung bringt.

Ein Gefecht in Aegypten.

Lori dorr, 27. Dez. (WTB.) Amtlich ivevd-en über das Ge­fecht bei Maghdabek in Aegypten vom 23. Dezember weitere Einzelheiten nritgeteilt, die tvahrscheinlich die Endziffern darstellen. Insgesamt wurderr 1350 Gefangene gemacht, darunter 15 Offi­ziere. Erbeutet wurden 4 Gebirgs- und 3 Krupp-O^eschütze, eine große Zahl Gewehre, 100 000 Patronen, einige Geschützmunitiöü, eine Anzahl von Pferden, Kamelen, Telephoumaterial, Aus- rüstungsgegenstände. Die ganze in den Kampf verwickelte Streit­macht belief sich auf 1000 bis 2000 Mann, so daß die ganze Streit­macht so gut wie vernichtet wurde. Weiter südlich rückte eine unserer fliegenden Abteilungen durch den Milta-Paß, wobei ein Verteidi­gungswerk des Feindes am Ostende des Passes zerstört nnd seine Lager bei Sudr-el-Heitan nnd sechs Meilen weiter vorwärts bei Nekhl in Brand gesteckt wurderr.

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Der italienische Eisenbahnverkehr.

Bern, 27. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Nach Mitteilung! des italierrischen Verkehrsministeriums werden zur Kohlenersparnis eine große Anzahl weiterer Personenzüge, auch solche nach dein Auslande, fortfallen. Tie italienischen Bahnen wer­den dann täglich nnr noch 120 000 Kilometer fahren, während sie vor 'dem Ausbrnch des Krieges ans 206 000 Kilometer täglich kamen.

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Die Krörruttgsseierlichkeiten in Budapest.

Wien, 27. Dez. (WTB.) Der Kaiser und die Kai­serin sind heute früh mit großem Gefolge zu den Krö­nungsfeierlichkeiten nach Budapest abgereist.

Budapest, 27. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der'König und die Königin haben heute unter dem Jubel der Bevölkerung und unter dem Donner der Salutschüsse ihren Einzug in die Hauptstadt gehalten. Die Einzugsstraßc vom Bahnhof bis zur Burg war reich geschmückt. An verschiedenen Stellen waren mächtige Triumphbogen errichtet. Eine aus zahlreichen Mitgliedern des Abgeordnetenhauses und des Magnatenhauses bestehende Abordnung begab sich unter Führung des Kardinal-Fürstprimas Chernoch zum König, um ihm im Namen des Reichstages das K r ö n u n q s d i p'l o m zu über­reichen, in welchem der König durch seine Unterschrift erklärt, die Verfassung getreu beobachten zu wollen. Der Kardinal hielt eine Ansprache, in der er bat, das Krönungsdiplom zu unterfertigen und zu gestatten, daß auch die .Königin gekrönt werde. Der König er­klärte, er werde seinen Entschluß bezüglich des Krönungsdiploms morgen kundgeben und gab! seine Zustimmung zur Krönung der Königin. Die Abordnung begab sich hierauf zur Königin, die erklärte, daß sie mit Freuden die Bitte des Reichstages erfülle, sich nach altem Brauch und Herkommen als Königin krönen zu lassen.

Erfolgreiche Luftkämpfe.

Berlin, 27. Dez. (WTB. Nichtamtlich/' Am 26. Dezember schosse^ brnsere Flieger neun feindliche Flug­zeuge ab. Hiervon sind sechs hinter imseren Linien abgestürzt, oder zur Landung gezwungen worden, ein weiteres liegt zer­trümmert etwa 50 Meter vor unserer vordersten Linie. Ter Ab­sturz und die Zertrümmerung der restlichen zwei hinter den feind­lichen Linien konnte einwandfrei durch Beobachtung auch von der Erde aus sestgestellt werden. Eine ganze Reihe weiterer Abschüsse Üt noch gemeldet. Sie sind in dieser Aufstellung noch nicht berück­sichtig weil nähere Einzelheiten noch ausstehen. Wir verloren zwei Flugzeugs, eins im Lustkampf, eins durch tödlichen Absturz. Die Hauptkampffätigkeit der Flieger spielte sich in der Somme- gegend ab. Die Leistung der deutschen Flieger ist um so bemerkens­werter, als die Witterung durchaus ungünstig war. An der ganzen Westfront herrschte Regen und Schneegestöber.

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Der ruffifch-rumänifche Rückzug.

Kopenhagen, 27. Dez (WTB. Nichtamtlich.) £ einem halbamtlichen Petersburger Telegramm heißt es üb die Auffassung russischer Militärkreffe bezüglich d russrsch-rumänischen Rückzuges: Die russis, rumänischen Truppen ziehen sich nach Norden zurück ui ließen rn der Dobrudscha nur noch Nachhuttruppen zurü Das Hauptziel besteht darin, einen vorzeitigen Zusamme stoß mit dem Feinde zu vermeiden, da der Plan des russisc rumänffchen Oberkommandos darin besteht, die Streitkrä intakt zu halten, damtt die Operationen unter günstig Bedingungen wieder aufgenonrmen werden können.

Der bulgarische Bericht.

Sofia, 27. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Bericht des Genera stades vom 27. Dezember.

Mazedonische Front: In einigen Abschnitten d

Front starkes Attülettefeuer. Im Vardar-Tal mtb in bet Ebe- von L-erres wirkungslose Tätigkeit der 'feindliche Attillerie ^ Nn m änische Front: In der Dobritdscha beschossen sein lrche Momtove Jsoccea, Tuloea und Mahmudia. Die vierte Dibisö ^Preslaw) hat nach äußerst hartnäckigem und erbittertem Kamt den Höhenkamm von T a i l o r evobert und in Verfolgung des si zurückziehenden Feindes den Ausgang aus den Wäldern südli von Lukawitza gewonnen. Im Verlause der letzten Kämpfe h diese tapfere Division 1250 russische Gefangene gemacht und vi Maschmengewehve sowie über 2500 Gewehre erbeutet.

Der türkische Bericht.

K-onstantinopel, 27. Dez. (WTB.) Amtlicher Heere bericht vom 26. Dezember.

Kaukasusfront: Auf den, linken Flügel führten wir e solgreub einen Ueberraschun gsangttff gegen die feindlichen Vv posttnlmien aus und erbeuteten dabei Munition, Graben kamt Werkzeuge, Ansrüstungsgegenstände und anderes .Kriegsmateric Uniere Truppen kehrten befehlsgemäß in ihre Gräben zurück, nac dem fte außer dem feindlichen Lager die Stellungen zerstött m rngesteckt hatten.

An den anderen Fronten kein wichtiges Ereignis.

Der russische Bericht.

Westfront. Der Feino belegte die Gegenden der Dorf Pen,an uno Mauajow sowie den Gakalwca-Wald nachdrückli mit Attitiettefeuer. Südlich von Brzezany beschießt die feindlic!

Der Seefrieg.

Ein U-Bootsheld.

Berlin, 27. Dez. (WTB.) Wie wir hören, verlieh der Kaiser dem Kapitänleutnant Max Balentiner, Kommaw- dant eines U-Bootes, in Anerkennung seiner hervorragenden Erfolge im U-Bootskrieg, den Orden Ponr le merite.

Berlin, 27. Dez. (Priv.-Tel.) Der mit dem Orden Ponr le m6rite" ausgezeichnete Kapitänleutnant Valen­tin er hat mit seinem Unterseeboot nicht weniger als 122 Schiffe mit insgesamt etwa 282000 Bruttoregistertonnen zum Sinken gebracht. Darunter bestndet sich ein fran­zösisches Kanonenboot, ein Truppenttansportdampfer, ein Kriogsmaterialtransportdanipser, ein französisches Untersee­boottransportschiff und 14 beladene Kohlendampfer. Valen- üner hatte dabei auch zahlreiche Gefechte mit bewaffneten eindlichen Schiffen zu bestehen und eroberte Lwei Geschütze, die er mit heimführte. Er war es auch, der rm Hafen von Funch a l seinerzeit die SchiffeSurprise",Cenbourough" undDacia" zur Versenkung brachte. Nachdem er damals die feindlichen Schiffe bereits mit Erfolg angegriffen und beschossen hatte, rückte er auf etwa 4000 Meter an die Stadt heran und nahm auch die .Hafenanlagen erfolgreich unter Feuer.

Berlin, 28. Dez. Laut BerlinerLokalanz." wird aus Bordeaux gemeldet, daß 20 französische Handels­chiffe Bewaffnung gegen Unterseeboote er­halten werden.

Hamburg, 27. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der nor­wegische DampferAamet" (1362 Br.-R.-T.), der eine Ladung Kunstdünger von Norwegen nach England bringen ollte, ist als Prise nach Hamburg eingebracht worden.

Bern, 27. Dez. (WTB.) Nach demTemps" wurde der italienische DampferEManuele Accame" (3442 Tonnen) von einem U-Doot versenkt. Die Besatzung wurde in Marseille gelandet.

B e r n, 27. Dez. ^WTB.) Der italienische DampferA n - gelo Parodi" (3825 Br.-R.-T.) ist von einem U-Boot versenkt worden.

Am dem Reiche.

Berlin, 27. Dez. (WTB.) Die für die p r e u ß i sche n Beamten erfolgte Erhöhung der einmaligen Kriegs­teuerungszulagen zu. Anfang Januar 1917 und Er­höhung der laufenden Kriegsbeihilfen zu Februar 1917 wurde durch einen Erlaß des Reichskanzlers auch für die Reichsbeamten angeoronet.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 28. Dezen,ber 1916. \ Fleischerzeugung. /

Bum Präsidenten des Kttegsernährungsamts von Batocki.

Während im feindlichen Auslande weite Ackersttecken 1916 unbestellt ,n Stoppeln und Unkraut lagen, war in Deutschland trotz Knappheit <m menschlicher und tierischer Arbeitskraft auch

im dritten Kttegsjahrr alles nutzbare Land fast restlos vestettr.

Nicht minder bewundernswert ist es, daß die deutsche Landnütt- schaft trotz fehlerwer Arbeitskräfte, trotz des Ausbleibens der ge­waltigen Futtrmitteleinsnhr der Friedenszeit, trotz der ungewöhn­lich schlechten Heu- und Sttohernte 1915 unseren Mnder- und Schafbestand der Zahl nach mir wenig verringert durch den sck)wercn vorigen Winter durchgehalten und auch den Sckstoeinebestand, der im Fricheu auf Auslandsfutter ganz besonders angewiesen war, nach zeitweiligen Rückschlägen wieder auf eine überrasck)end hohe Zahl gebracht hat, während im feindlichen Ausland die Vieh­bestände durch den Krieg dezimiert sind.

Aber so erfreulich diese Tatsache an sich ist, so darf die zurzeit darin für die menschliche Er­nährung liegende Gefahr bei falschem Vorgehen der Landwirte doch nicht unterschätzt werden. Die schlechte Kartoffelernte macht cs nötig, alle verfügbaren ge­sunden Kartoffeln der menschlichen Ernährung znznführen. Sie zwingt auch dazu, einen großen Teil der zur Viehsütterung be­stimmt gewesenen Kohlrüben dieser zu entziehen und sie nötigt end­lich anstelle der fottsallenden Kartvffelbrotstreckung mrd zur Her­stellung ücPi 'Graupen, Grieß, Haferflocken unsere Gctteideerntei' rn stark vennehrtem Umfange in Anspruch zu nehmen. Spar­same Einteilung und Verwertung unserer ge­samten Körnerernte nach dem hierfür ausgestellten Plan gewährleistet mtt völliger Sicherheit ein Durchhal­te n bis zur neuen Ernte, aber nur danrö,wenn der Vorrat- der planmäßig bis zur neuen Ernte reichen muß, nicht durch^ Ver­letzung der EiTtteilnngsvoffchriften seitens der Verbraucher oder der Landwitte vorzeitig aufgebrancht wird. Jeder Ver­braucher, der sich zu Unreckst Waren verschafft imd verzehtt, welche für die allgemeine Verteilung bestimmt sind, gefährdet an ) einem Teil das Durchhalten und vergeht sich dadurch schwer gegen das allgemeine Wohl. Nicht minder schwer vergeht sich aber der Landwirt, der, um mehr Rinder oder Schweine aufzu- ziehen und fett zu machen, Feldsrüchte als Futter ver­wendet, die als Nahrungsmittel für die Allge­mein h e i t b e st i m m t sind. Niemand darf denken: Auf meine kleine Ueberttetung kommt es nicht an. Wenn von unseren Mil­lionen laridwittschaftlicher Bettiebe auch nur ein Teil die Ein- terlungsvorschriften verletzt, so kann das ganze Gebäude der 'Volks­ernährung dadurch schwer gefährdet werden. Jeder einzelne Landwirt wird ffich, wenn er Verständnis und Pflichtgefühl gegen das Vaterland besitzt, klar Wachen, daß jeder Scheffel gesunder Kartoffeln, den er widerrechtlich seinen Schweinen gibt, jede Hand voll Körner, die er nach den Vorschriften für Ernährungszwecke abliefern sollte, aber itatt dessen verfüttert, einen lleinen Stein bedeutet, den er aus dem großen Gebäude des Volksernährungsplanes bis zur neuen Ernte herausreißt. Nicht nur,wer Brotgetreide verfüttett, veriündigt sich am Vaterlande", wie es sett zwei Jahren in den Blättern steht, sondern heute gilt: wergesundc Kartoffeln oder Getreide oder Hülsenfrüchte oder sonstige Erzeugnisse irgend welcher Art, die er nach den Bestimmungen abzuliefern hat, verfüttert, ver­sündigt s i ch a m Vaterland. Die dadurch vermehtte Liefe­rung von Fleisch und _ anderen tierischen Erzeugnissen büdet keinen Ausgleich für den Sck-aden, der unlerer Volkser- nährimg durch solche Ueberttetungen zugefügt wird. Darum gilt cs, die Gewissen zu schärfen, sonst wäre alle Mühe der veranttvort- lichen Stetten, brrrch ttchtigc Mnteilung der Vorräte die Volks­ernährung zu sicherir, schließlich vergebens.

Die Redensatt, daß mandas arme Vieh nicht hungern lassen könne," hat keine Berechttgung. Schlachtvieh, auch noch nicht vollreifes, wird heute für das Heer und die Bevölkerung reichlich gebraucht nnd die Ankaufsstellen 'im ganzen Reich sind ange­wiesen, auch schlachtundeifes Vieh und Schweine jeder Att zu angemessenen Preisen jedem Landwitt schleunigst abzunehmen, der erllätt, nicht mehr Futter genug zu haben, um sie ohne Ueber­ttetung der Vorschttften mit Erfolg weiter halten zu können. Um möglichst viel Müch und Magermilch für den menschlichen (verruß zu erhalten, soll auch die schnelle Ablieferung nicht zur Aufzucht bestimmter Kälber und Ferkel, am besten schon gleich nach dem Absetzen von der Dtntter, den Landwirten durch die Abnahmestellen erleichtett werden. Die Reichsfleisch- stielle in Berlin l>at die besondere Aufgabe, dafür zu sorgen, daß das überall geschieht, nnd etwa bestehenden öttlichen Miß­ständen abzuhelfen. Die Entschuldigung, daß die Vettetzimg von Berfütternngsverboten unvermeidlich sei, um das Vieh nicht hun­gern oder cm Gewicht abnehmen zu lassen, ist also heutzutage unter keinen Umständen stichhalttg. Wer unter solchem Vorwände Nah­rungsmittel versüttett, die der menschlichen Ernährung abge- liesett werden sollen, weil sie für diese unbedingt notwendig sind, der versündigt sich, vielleicht oft, ohne es sich selbst recht llar zu machen, schwer am Baterlande und gefährdet an seinem Teil unser Durchhalten im Kttege. Jeder hat im Gegenteil die Pflicht, der be- stimmungswidttgen Versütternng von Nahrungsmitteln, und wo er davon erfähtt, entgegenzutteten.

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** Amtliche Personalnachrichtein. Der Großherzog hat am 23.Dezember den Privatdozenten Tr. Karl Uller inj Gießen Amn außerordenüichen Pwseffor bei der Philosophischen Fakultät der Landesuniversrtat Gießen ernannt. Der Großherzvg hat am 23. Dezember den Regierungsbaumeister August Lorenz aus Bockenheim bei Frankfurt a. M. #imt Kulturrngeuieur mit Wirkung vom 1. Januar 1917 an ernanM.

L. U. Von der Landesuniversität. Der Ordi­narius in der medizinischen Fakultät der Landesuniversität Prof. Dr. Trendelenburg, hat einen Ruf an die Uni­versität Tübingen erhalten. Der Großherzog hat den Pri­vatdozenten Dr. Karl Uller zum außeretatsmäßigen außer­ordentlichen Professor bei der philosophischen Fakultät un­serer Landesuniversität ernannt.

L. U. Die Landesuniversität hat zum Weih­nachtsfest eine dankenswerte Schenkung zugunsten der Uni­versitätsbibliothek erhalten. Herr Geh. Kommerzienrat Dr. Adolf C l e m m iu Mannheim hat seinen früheren Sttstungen zum Gedächtnis seines früher in Gießen wirkenden Bruders Prof. Dr. Wilhelm Clemm (gest. 1883) die Summe von 2000 Mk. hinzugefügt. Dem Wunsche des Stifters enb- sprechend wird aus diesem Bettag ein neuer Katalog der ge­samten mit der Universitäts-Bibliothek verbundenen Clemm- schen Bibliothek aufgestellt und in Druck gegeben werden.

** Wagen Anforderung für Militärgut und Privatgut. Um zu verineiden, daß mä,* Verladung eines Wagens Mit Militärgut oder Privatgut für die Militärverwaltung, der über die Werterleittmgsstelle ins Feld oder in das besetzte Gebiet geleitet lverden soll- der Ablauf dadurch aufgehülten wird, daß die Begleitpapiere MM der Frachtbttefprüsungsstelle noch nicht vorgeprüft sind, irrüffen bei derartigen Wagen die Versender mit der Wagenau sorderungj bei der Linienkommaichantur gleichzeitibg die Vorprüfung der Begleitpapiere durch die Fvachtbttesprüftmgsstelle vornehmen lassen. Tie Prüfung der Begleitpapiere muß unter allen Umständen vor der Beladung des Wagens erfolgt sein. Bei Sendungen mit Militärgrit oder Privatgut für die Militärverwalttmq nachi Otten! innerhalb der Heimat ist mir die Wagenanforderung bei der LiTneükommandantur erforderlich. Für den Bezirk der Eisen­bahn-Direktion Mainz besteht die militärische Frcnhltbriefprüfungs- stelle in Main-, Münsterplatz 4, II, Fernsprecher: Militäraml Mainz, Telegrammadresse: Milfraprü.

** Aus dem Stadttheaterbureau. Es sei besonders! hingewiesen auf die Freitag-Aufführung der drei liebenswürdigen neuen Einakter von Ludwig ThomaDie kleinen Verwand­ten",Dichters E hüe n t a g", ,,B ra u t s ch a tf", da es die letzte Aufführung der prächtigen Stücke ist. Der Einakterzyllus macht gegenwärtig die Runde über die größeren Theater Deutsch' lands, nachdem imsere Bühne eine der allerersten getvesen ivar, dis denr Dichter zum Wotte verholten hatte. Am Süvestei Llbend findet keine Vorstellung statt, wohl aber am 31. Dezember, nach,