Ausgabe 
19.10.1916 Zweites Blatt
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 246 Zweites Blatt M. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Beilagen:Sleheuer Zamilienblatte^ und Xreisblatt fttr den «reis Sieben".

Postscheckkonto: Zrankfurt am Main Nr. 11686. Vankverkehr: Sewerbebank Sieben.

General-Anzeiger für Gberheßen

Donnerstag, 19. (Moder

Zwillingsrunddruck und Verlag: Brühl'scheUniverfiNi'le-Bllch-u.Steiudruckerei.

R. Lange, Gießerr.

Zchristleitung. Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulstcaße?. (.Geschäftsstelle u.Verlag: bl,

Schriftleitung: e^gs» 112.

Anschrift für Trahtuachrichten:2lnzeigerGieften.

llriegsbriese von der rumänischen Krönt.

Von Unserem Aum südöstlichen Kriegsschauplatz entsandten Sonder­berichterstatter.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Aus den Kämpfen um Kronstadt.

I.

Kronstadt, den 13. Oktober. Wir sind in Kronstadt. Schon seit vorgestern abeist). Wunder­bare Herbstsonne spielt umj)ie spät sommerlich bunten Hänge der Berge, an deren Fuß die Stadt gebettet ist. Der Schlachtenlärm.' ist verklungen. Statt von seinem Krachen und Tosen ist die Luft erfüllt von den reinen Akkorden der allen, tteuen, deutschen Glök> ken der schönen Stadt. Das Läuten gilt den ihren Wunden erle­genen deutsclMi Offizieren, die man zu Grabe trägt.

Den Hauptabschnitten der Schlacht habe ich als Augenzeuge beigewohnt. Wie überhaupt die Kriegsbdrichterstattung sich wäh­rend dieses Feldzuges in und um Siebenbürgen über Mangel an Gelegenheit, Eindrücke zu sammeln, wahrhaftig nicht beklagen kann. Woran es allenfalls fehlt, ist lediglich die Zeit, sie gewissen^ hast und ihrem inneren Wert gemäß zu bearbeiten. Doch> das ist eine Begleiterscheinung dieser schnellen Folge von Siegen, die man gut und gern in den Kauf nehmen kann.

Was wir in den letzten Tagen erlebt haben, wirkt jetzt nach­ttäglich in der Tat fast wie ttn Traum. Wie war es doch?_

Noch steht alles in Hermannstadt, wo wir unser Quartier haben, unter dem Eindruck der Befreiung der Stadt und der Katastrophe am Rvten-Trirm-Paß. Man interessiert sich für den Umfang der Beute, für die Zahl der Gefangenen!, dtte nachttäglich aus den Bergen eingebvacht werden. Was den Fortgang des Feldzuges anlangt, so weis; man auch in unserem Pressequartier nicht viel mehr, als daß nunmehr auch Kronstadt gesäubert werden soll, munnt aber alt, daß, bis es so weit sein Ivrrd, sich immevhiw Zeit bieten wird, dem für Leute deutschen Stammes ja ungeheueü interessanten /Hermannstad-t selbst und seiner Umgebung ein Weniges gerecht zu werden, jawohl! Noch sind die letzten Ereignisse kaum' halbwegs ihrer geschichtlichen Bedeutung angemessen geschildert worben, so heißt es:Meine Herren, Fogaras ist besetzt, die Ru­mänen sind bei Sarkany geschlagen und auf den Geisterwald ge­worfen; ob sie Neigung haben werden» sich mit dem Gebirge im Rücken nochmals zu schlagen, wissen wir nicht! Wenn Sie wollen, so fahren Sie hinüber und sehen Sie sich die Geschichte an. Viel Zeit werden Sie dazu schwerlich brauchen, lassen Sie demgemäß Ihr Gepäck ruhig hier. Sie können abends bequem wieder hier seur!"

. Nebenbei: die Vorgänge auch hier wollen unter dem Gesichts- \vvrtiA des großen welthistorischen Erlebens gesehen sein. Sie sind wttt mehr, als etwa allein eine Episode des großen Krieges au? ernem Nebenkriegsschauplatz. Ein schleich ettdes Uebel, das schon fett geraumer Zeit besteht, ist, nun die Ordnung des alten Europa in diesem Krieg aus Rand und Band gegangen ist, über Nacht brennend geworden. Es besteht die Gefahr, einer Rumänisierung namhafter Bezirke des deutscher Kultur angegliederten und noch obendrein vielfach blutsverwandten Ungarischst Ostens. Sie ist ganz und gar nicht als nebensächlich einzuschätzen, stellt vielmehr eine FortsetzutV der Krisen dar, die von den Tagen der ältest Kaiser her aus der Südostecke des Reiches in mannigfacher Fvrrst heraufgezogen sind und Aufmerksamkeit und Abwehr erheischt haben. Mit den anbrandenden Wogen des Slaventums ist die rumänische Gefahr keineswegs ein und dasselbe.

Bon Hermannstadt bis Fogaras sind es auf der Landstraße rund 70 Kilometer. Es war am Freitag der vergangenen Woche abends, als uns die oben wiedergegebene Eröffnung gemacÄ wurde mit dem Hrnzufügen, daß wir den General, der die Operationen bei Sarkany geleitet hatte, und seinen Stab in Fogaras selbst noch vorftnden würden. Wir wachten uns am Sonnabend in aller Herr­gottsfrühe dorthin auf. Was uns bevorstmid, sollte ein lustiges Wettrennen werden, ein Wettrennen zwischen uns und der den Fecnd öor sich hertteibenden Truppe. Als wir in Fogaras einttafest, waren Mannschaften des Telegraphenbataillons gerade beim Auf­rollen der letzten Feldfernsprechleitungen.Der Stab? Ist längst fort!,Fahren Sie nach Sarkany." Das war nicht schlimm. Die 12 Kilometer bis dorthin waren noch bequem zu schaffen. Aber in

Sarkany war der Stab auch bereits nicht mehr. Ebenso wenig in Osinka, 6 Kilometer weiter südlich. Nur einige Herren waren in Erwartung weiterer Befehle noch dort; die Truppen vor uns waren im Gefecht, !und der General selbst auf seinem Gefechts stand, den er bei Vledeny gewählt hatte. Vledeny? Hurra! Das war ja bereits mitten im Geisterwald. Wieder 15 Kilometer weiter. Uebrigens war dieser Wald mit seinen anmutigen, schöngeformten Bergen und seinen vor wie stach ausgezeichneten Straßen keines­wegs so gespenstisch, wie sein Nanre hatte vermuten lassen. Ge!- spenstisch sahen nur die Sachsendörfer aus in ihrer Verlassenheit, durch die wir kamen. Ueberall hatten die Bewohner noch vor Ein­treffen des nun endlich wieder verjagten Feindes sich seinerzeit! in Sicherheit gebracht. In Vledeny, vor einem abseits gelegenen! Landhaus auf einer Höhe, fanden wir endlich die Flage und die Autos des Generals. Kaum aber hatten wir angehalten, als Plötz­lich Bewegung unter die Fahrer und Ordoitnanzen auf dem Hügel kam.Halten Sie sich nicht erst auf; es geht gleich weiter nach Zeiden!" rief man uns lustig zu. Die Kurbel wurde abermals an­geworfen. Mühe genug h"tte es gekostet, nrit unserem Auto die« siegreiche Truppe auf ihrem Vormarsch einzuholen. Rund um den 1200 Metett hohen Zttdener Berg, die Wetterwarte des Landes, ging cs herum. Wenn sein Gipfel sich in Wolken hüllt, so bedeutet das nichts Gutes. Diesmal zeichnete sie sich rein und klar vom, Nachmittagshimmel ab. In der Tat, es war ein schöner Tag in jeder Beziehung! Abermals 12 Kilometer; dann war Zeiden er­reicht. Unmittelbar nach uns traf das Generalkommando ein, und wir konnten Seiner Exzellenz unsere Glückwünsche zu dem glän­zenden Verlauf des Tages, der sein Hauptquartier in der Lustliniq allein rund 40 Kilometer vorwärts geführt hatte, aussprechen. Alles strahlte. Nicht ohne Grund! Der Geisterwald, dessen Durch­querung man sich keineswegs so glatt gedacht hatte, war über-t wunden. Vom Rathaus von Zeiden bis zum Franz Josef-Platz in Kronstadt waren es in der Luftlinie keine zwei deutschen Meilen mehr! Wer weiß, ob wir nicht noch abends dort einzogen! Die Spitzen der von Norden her vordringenden Truppen waren, wie es hieß, bereits in einer der allerdings weit vorgestteckten Vorstädte.

Ringsum wälzte sich der Heerwurm heran. Von Fogaras aus waren die Straßen mit deutschen und ungarischen Marschkolonnen mit Infanterie, Artillerie und Train, die vorwärts strebten, an ge­füllt gewesen. Den Train der Ungarn geleiteten vielfach Bosniaken. Ein besonders interessantes Bild waren auch ihre Gebirgsbatteriest mit vorcmmarschiereuden Mannschaften und einem gewaltigen Troß von Tragtieren zu zwei und zwei einhettrottenden/ Pferden und Mauleseln, auf denen die zerlegbaren Geschütze, die Munition und der sonstige Bedarf der Truppe verstaut sind. All­mählich hatte dann der Train begonnen, abseits vom Wege auf­zufahren und das weitere abzuwarten. In der Nähe von Zeiden schwenkten auch die Batterien, an denen wir vorüberkamen, immer mehr seitwärts ab und nahmen, ohne abzuschirren, im Gelände Aufstellung. Alles war in gespanntester Erwartung, dazu in ge­hobenster Siegesstimmung. Wann ging es hinein nach Kronstadt? Noch heute? Oder erst morgen, so daß man vor der Stadt biwa­kieren müßte? Ein richtiges Gefecht würde ja wohl nicht mehr zu­stande kommen. Soweit heute vor Kronstadt noch gekämpft worden war, schien ja Feierabend zu sein. Am Feind, unmittelbar vor uns, war weithin alles still. Im Norden und Süden hotte man fernes, anscheinend nicht besonders lebhaftes Geschützfeuer.

Unvergeßlich war unsere Einfahrt in Zeiden, oder Feketehalon, wie-es heute amtlich heißt, es ist ein großes, reiches Sachsendorf, und war im Gegensatz zu denen, durch die wir bisher gefahrep waren, so schnell nach Kttegsausbruch von den Rumänen besetzt worden, daß die Mehrzahl seiner Bauern gezwungen ge­wesen war, ttotz ihrer Abneigung an Ott und Stelle auszuharren. Das hatte sein Gutes gehabt; denn die Rumänen hatten der wa- lachischen Bevölkerung, die als Minderheit in allen solchen säch­sischen Siedlungen vorhanden ist, wenigstens nicht gestattet, das Heim auch solcher, die da geblieben waren, zu plündern; nur, was in den BelMisungen der Flüchtlinge zurückgeblieben war, wurde ihrer Willkür preisgegeben. Dafür hatte, wer nicht mehr fottge- kommen war, unter der demütigertden, willkürlichen Behandlung, den Ansprüchen und auch ausgesprochen räubettschen Gelüsten der Truppe selbst schwer leiden müssen. Die Männer, namentlich die Heranwachsenden jungen Leute, waren in ständiger Gefahr, verschleppt zu werden, und mußten sich versteckt Hallen; und nach 7 Uhr abends durfte sich mit Llusnähme der Walachen überhaupt

niemand wehr aus der Sttaße zeigen. Das ivar dann die Zeit, wo die ungarischen Vertreter des Rumänenstammes auf Raub ausgingen; und zähneknirschetid mußten die braven Sachsen es sich dann durch die Spalten ihrer geschlossenen Fensterläden hin­durch ansehen, wie die Habe ihrer abwesenden Nachbarn, Freunds und Verwandten von dem Gesindel fortgetragen, das Vieh, dessen Versorgung ihnen anvettraut war, iit den fremden Stall getrieben wurde. Doch das war nun alles glücklich vorüber, ungarisches Militär war wieder da, und mit ihm tvaren die deutschen Befreier gekommen.

Adolf Zimmermann, Kriegsberichterstatter.

bericht über die Lage des Arbeitsmarktes im September ,9,6.

Erstattet vom Mitteldeutschen Arbtttsnachwttsverband.

Frankfutt a. M., im Oktober 1916.

Zufolge der umfangreichen Einberufungen zum Heeresdienste verschärfte sich weiter der Mangel an Facharbeitern insbesondere im Bau- und Holzgewerbe, im Metallgewerbe mrd im Hotel­gewerbe. Auch in der Berufsgrstppe der ungelernten machte der Arbeitermangel sich stärker fühlbar. Der Monat September wirkte wie stets belebend auf den landwirtschaftlichen Arbeitsmarkt. Die verlangten Arbeitskräfte, insbesondere für Kartoffelernte, für die Dreschmaschine konnten wenigstens zum Tell beschafft werden. Auch der Nachfrage nach Schweizern und Gättnern konnte ziemlich entsprochen werden. In der Metallindustrie machte sich überall der Arbeitermangel immer mehr fühlbar. Im Holzgewerbe war wieder starke Nachftage nach Schreinern auf bessere Möbel nach Zeichnung, sowie nach Bau-, Möbel- und Kundschaftsarbeitern. Für Bausch reiner-Anschläger war gar kein Bedarf. Große Nachftage herrschte im Baugewerbe nach Maurern, ZimUierleutcn, Weiß­bindern, sie konnten aber ttotz aller Bemühungen nicht annähernd beschafft werden. Im Tapeziergewerbe war die Lage des Arbeits- Marktes für die jetzige Zeit zufriedenstellend. Alle Bewerber konnten untergebracht werden. Dagegen war die Nachfrage nach Sattlergehilfen sehr gering. Im Dachdecker-, Küfer-, Wagner- und Glasergewerbe fehlte es an brauchbaren Arbeitskräften. Ter Holz­arbeiterverband in Kassel teilt mit, daß im Berichtsmonat die Nachftage.nach/Arbeitskräften dreintal so groß war als das Angebot. Auch der Verband der Zimmerer in Frankfurt am Main konnte die Nachfrage nach Zimmerleuten nicht befriedigen. Die .Zivil­schneiderei war mäßig beschäftigt, ebenso ging die Uniformschneiderei gegenüber den !Vorinonaten weniger flott, was wohl auf den Mangel an Matettal zurückzuführen ist. Viele Arbeiter wurden mit Repara- turarbttten von Militärbekleidungsstücken beschäftigt. Auch die Damenkonfektion ging schlecht. Im Metzgergewerbe war die Nach­frage nach Arbeitskräften nach wie vor sehr gering; das Angebot hat sich gegen den Vormonat etwas gehoben. Im .Bäckergewerbe fehlte es an Gehilfen. Im Buchdruckergcwerbe hat sich der Geschäfts­gang etwas gebessert, so daß die Nachfrage nach Arbeits ft ästen stärker wurde. Es konnte ihr über nur teilweise entsprochen werden. Ungelernte Arbttter wurden wieder viel verlangt, der Bedatt konnte nicht gedeckt werden. Dasselbe war btt den Jugendlichen zu beobachten. Auch im Gastwittschaftsgewerbe inachte sich der Ge­hilfenmangel erheblich fühlbar. Außer ganz jungen Leuten und solchen, welche stets ohne dauernde Stellung sind, war sehr wenig männliches Personal vorhanden, es war aber auch wenig Nachfrage. Tie Zahl der stellensuchenden Köche nahm im Betrrebsmonat etwas zu. Vottviegend waren es jüngere Köche utid ältere Küchenchefs aus den Badeplätzen, während es an militärfteien Köchen numgefte. Ter in Wiesbaden mit dem Beginn der Herbstkur zu erwarttnde Aufschwung setzte im allgemttnen nicht ttn. Für AusWspettonal war eine leichte Besserung zu bemerken. In den Tienstbotenabttt- lungen der Arbtttsämter war der Verkehr wie im Vormonat mäßig. Der Tienstbotenmangel dauette an, so daß für Wasche und Putz- ftauen genügend Beschäftigung vorhanden war. Gute Arbttts- gelegenhttt bot sich Frauen btt Post und Eisenbahn. Für gewerbliche Arbeiterinnen war durch die vielseitige BeschäftigungsMöglichkeit in den Fabriken die Lage des ArbtttsMarktes im Bettchtsmftnat weiter günstig. In den Abteilungen für kaufmännische imb tttchrische Angestellte der Arbtttsämter war wie im Bormbnat das Angebot, besonders iveiblicher Berufe, erheblich. Tie Nachftage erreichte kaum den dtttten Dell der Stellengesuche.

Aus dem Lager der Weimarer Goetbefeinde.

Wllhelm Bodo, der mit unermüdlichem und glücklichem Eif bestrebt ist, Goethes Gestalt und Welt dom philologischen Stau beftttt, frischlebendig zur Anschauung zu bttugen, fügt der stai lichen Reihe seiner Gottheschriften in dem soeben btt E. * Mittler L Sohn in Berlin ettcheinenden BucheDer wttmattsc Museichof" ein neues Glied an. Darm schildert er, wie in de geistig lange rückständigen Weimar sich nach und nach ein neue reiches Theater-, Musik- und Kunstleben entfaltete. Freilich, d Prozeß der Entwickelung der unscheinbaren alten Puppe zu neuen schönen Schmetterling ging keineswegs leicht mrd schmerzt vor sich, und besonders, als sttt 1775 mit dem jungen Gotthe e machtlos Element der Gärung in die kleine weimarische Hof- m Gesellschaftswelt ttngetreten war, hat es bekanntlich an Gegnv des neuen Geistes, der jetzt in Wttmar an die Tagesordnung kcu keineswegs gefehlt. Zu ihnen zählte der hochbegabte Siegmm v. Loeckendorff, der aus Karl Augusts Einladung etwa 6 od 7 Wochen nach Goethes Ankunft in Wttmar ttntraf. Er w, ^ w ^ s. f a ^ e 'E, hatte 12 Jahre lang im österreichisch und sardmrschien Heere Kriegsdienste getan und hatte sich ttne wtt mw viefterttge Bildung ungeeignet. Mit dem Mllitätteben m stabte er eine Hofstellung an, und als er sich im Svmm 1 itü rn seiner ft anrychen Heimat dem damaligen wttmattschen Er' 9e ^Sf er diesem so .gut, daß Karl August ih "lsb-ckd die chm'sten Borschläze und Hoffnungen machte Seckc> dottf dachte sich als ferne Aufgabe am weimattschen Hose so ettva ime die cfent« Erektion der Künste, eine Stellung, die eine Manne von Gerst und Weltbrldung wohl behagen konnte. W er aber jetzt ankam, da stand Goethe neben dem jungen Fürstel Seckendottl. schätzte diesen Dichter; er hatte sogar dessen Werth ünd Götz in semen Uttaubszttten ins Französische übersetzt - aber jedermann an den gehöttgen Platz! Der fränkische Edelman^ der in ein schönes, vornehmes Hofleben hatte eintteten wollen sar m Weimar ein wildes, lautes Turchttnauder vor, das ihn um empfindlicher berühtte, weil er selbst ttne Künsllernatur wa Er sah große Geldausgaben und viele Veranstaltungen, aber ktti Ordnung und Ruhe im ganzen. Dazu stintmte die Verschwcndm und das Jubeln um den Fürsten herum gar schlech zu der Arnv jn Lttadt und Land. Was waren das doch in bitter Stadt für eleni Wohnungsverhältnisse, mit denen selbst der Zahlungsfähige vcdmt "rußte! winkeligen Gassen waren selten in einem Zustand W man fte mit L>chchen und Strümpfen passieren konnte; ur SH Winter ungewöhnliche Kälte brachte, sah man sehr deullic daß viele Einwohner das Nötigste, Wärme und Nahrung, en behtten. Und Seckendorfs selbst bekam ja die allgenreine Ur L?be zu fühlen. Seinem Bruder schrieb <n -Wan tjat mehr als zehnmal den Plan geändert, ich bin bald d< w . Zweite, bald der dtttte Kammerherr; nichts wii ertts^eden, man könnte bälder die Staaten des Meguls eft

In einem Briefe eratarirft Seckendorfs ein sehr trübes Bil von den Zuständen m Wttmar.Das Ganze teilt sich! jetzt t

zwei Horden, von denen jene des Herzogs die geräuschbolle, die andere die ruhige ist. In der ersten rennt, jagt, schrttt, hetztptttscht und galoppiett man; seltsamerwttse hält man sich dabei für geisttttch, well nämlich schöne Gttster dazu gehören. Die zweite langwttlt sich mttstens; sie sieht ihre Pläne durchkreuzt von der anderen Gruppe, und die Vergnügen, die man.sucht, entsliehen!

gewöhnlich in dem Augenblicke, wo sie beginnen sollen.

Man tanzt viel, man ermüdtt nicht, Konrödie zu spielen; aber ick» wttß nicht, welches Hindernis sich der Fröhlichkttt entgegenstellt. Serenissimus überläßt sich fortwährend den geräuschvollsten Zer­streuungen und kommt nicht heraus aus dent Kvttse der Personen, die seine Augen bezaubett haben. Alle Tage werden durch neue, ungewöhnliche Vergnügungen ausgezttchnet, ohne daß man fragt, was darüber geredtt wird. Denn nach dem leider zu getreulich befolgten Systeme sttner Ratgeber gibt es keine Konvenienz in der Welt und soll es kttne geben." Man fühlt in jeder Zelle, daß die Kritik des Bttcfschrttbers sich auf den ^,Mann hinter der Szene", auf Goethe ttchtet. Seckendorff war es kttneswegs allein, der an diesem jungsürstlichen Sturm- und Drangtteiben Anstoß nahm. Auch Gras Putbus, den die Herzogin Amalie sich zuw Hofmarschall berufen hatte und der kein Spielverderber war, dachte ähnlich rmd Graf Görtz, der Hofmarschall der jungen Herz-ogin, der Goethe schon bttm ettten Bttuche der wttmattschen Herrschaften \m Hause am Hirschgraben kennen gelernt hatte, war so ttej ver­letzt, daß er schon ans Kofferpacken dachte. In ditter Stimmung hatte nran freilich für Hofvrdnung, und Hofäntter gar kttnen Sinn. Mern bischen Hofmanieren und Hofmanns-Jdeen sind heut eontrarando", so bemerkt Seckendorff bitter; die Tafel könne ja eur dicker Gastwitt ebensognt bedienen lassen, wie ein Ritter des Falkenordens oder ein .Hofmattchall, Und er täte besser, sttne Manieren gegen eine Hetzptttsche, hohe Skittel, ttnen großen Sabel und ernen Hut mit Rcihettedern auf polnische Att ttn- zutLuschen. Man sieht hieraus, wie war die Bemerftmg der Frau von Lotein war, die Zimmettwann meldtte:Goethe wird hier geliebt und gehaßt", und sie selbst fühlte sich ja durch das neue Treiben auch zeitweise so verstimmt, daß sie in den Klageruf aus- brach;All unser Mück ist von uns gewinn."

Die Korngold-Oper'n in Frankfurt. Aus Frankfurt a. M. schreibt man uns; Es war ttn Abend mit allen Merkmalen des großen Theaterer^guisses, an dem das' Opernhaus dir beären Opern des jugendlichen Erich Wolf gang Korngold; ,F8iv1anta" undDer Ring des Poly- k r a t e s für unsere Stadt zum' etttenmal Und zuglttck) zum ersten- ma. nach der Münchener Uraufführung zur Wrü>ergab>e gefangen ftetz. Das erfte Werk der Text des Einakters stammt von Hans Müller ist eine großaugelegte dramiattsche Arbttt, die die lLtivrmung in Venedig des 15. Jahrhundetts sestzUhalten wttß. Tie machtvolle Musik hat Partien von hinveitzender Kraft, die keM vergessen lassen, daß gttsgentlrch die Klarheit der Ltmen- pührung unter der Wersch,rewKichni Fülle der MvLe fettet.

Jedenfalls verdient das Werk die glänzende .Aufführung, die ihm hier unter Dr. Rottenbergs musikalischer und Krähmers szenischer Leitung zutell wird, in vollem Maße. Herr vom Scheidt als Simone Trovai, Frau Gentner-Fischer als Vwlanta, Herr Hutt als Alfonso und Herr Wirl als Giovanni Dracca erwiesen aufs neue ihr Können. Voll Liebreiz und fttschier Anmut ist die (htttere, desgleichen einaktige, fttt itach dem gleich­namigen Lustspiel des Herrn Teweles beaibeitete Oper ,Der Ring des Polyftates". Auch in ihr ttgnet der Musik ein starkes Maß uttprünglicher Lebendigkeit und blldhafter Plastik Eine mustergültige Datttellung mit Herrn Wirl als Hofkapttlmttster und Frau Boennecken als Laura sichette auch diesem Werke vor ausverkauftem Hause ttnen unbestttttenen Erfolg. Der junge Ettch Wolfgang Korngold tvar anwesend Und ward nach jeder Oper stürmisch gefeiert.

Geheimnisse des literarischen Nachlasses von Oscar Wilde. Eine lleine Anzeige in derTimes" hat M einer Neuerlichen Erötterung der Geheimnisse gesühtt, die ttnen Tell des literarischen Nachlasses von Oscar Wilde unrhüllen. Tie merkwürdige Anzttge lautet:Oscar Wilde! Es wftd um Auskunft gebeten über .Manusftipttelle der OttgiNalniederschttft von Oscar Wildes MärcheirTer Fischer und sttne Seele". Dittes Märchen gehött zu der auch in deutscher Uebeftetzwig bekannten SammlungDas Granatapfelhaus", tmd es wurde in englischer Sprache zum erffcett Male im Jahre 1891 durch den Verlag Osgood and McJlvarne veröffentlicht. Vier Jahre später, als Oscar WÄe 1895 verhaftet wurde, drang die Polizei in sein Haus, tessen Inhalt ohne wettere Rücksicht sofort versteift wurde. Hierbtt unterlief aber ttn geheimnisvoller Diebstahl von Wilde-Manuskrip­ten, der bis heute Noch nicht aufgellärt werden konnte. Der Ordner des literarischen Nachlasses Oscar Wildes, Robert Roß, stellte nämlich fest, daß, als er Mr Sicherung der urtveröfferttlrchte,i Manuskripte Oscar Wlldes in das Haus' ellte und dott vor den Polizisten anlangte, eine Menge Wllde-Bttef« und Manuskripte darunter drtt nnveröffenüichte Theaterstücke, auf rätselhafte Wttse verschiwunden waren. Ter Dieb konnte niemals entdeckt werden, und nur eines der KoiNödiennmnnskripte wurde zwtt Jahre fpEtter in einem Antiquattat einer Londoner Vorstadt mifgeftaiden. Auch andere Leute, die bei der Vetttttgerung im Hause Oscar Wüde^ anwttsnd waven, stellten fest, daß die Behörden so rücksiMslos vorgingen, daß Mmruskripte und Dritte in den oberet Räumen un­geordnet umherlagen, so daß sie leicht durch Unberufene entwendet werden koniiten. Auf diese Wttse müssen kost-ave Manuskripte von Oscar Wilde vorhanden sttn, deren Inhalt und Auf«ichvltsort der Oeffentttchrttt völlig unbekmmt sürd. Die Anzeige, die zu dieser FeftsteKung Anlaß gab, stammt von ttnttn! Londviier Ver­leger. Dftser hatte vor vielen Jahren in ttneM kleinen Laden das Manuskript des MärchensDer Fischer und sttne Seele" gekauft. Als er es wieder ttnmal hervottucheir ,troffte, fand er daß ttn Tttl des M«mskttpts auf rätselhafte Weise lterschwunden war.