Ausgabe 
20.10.1916 Erstes Blatt
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kLHt, bitfe sie SJRtteiüittncn borü'&fr machen werten, sobald sie es für wÄrschcuswert halten.

Jöarb Robert Oecil erwiderte ans die Frage, ob nach dem Garantie vertrag Englands, Frankreichs und Rußlands vom Jahre 1863 Griechenland einen monarchischen, unabhängigen und konstitutionellen Staat bilde, der Vertrag enthalte keine Definition der konstitutionellen Rtzg»erirng. Die Garantiemächte würden jeden­falls ihre Ve rtrags verWichtimym erfBlen.

M»f die Frage, welche Schritte die Regierung tun würde, uw den BorjrMgm der Pariser Wirt schaftskon fe- re«H Wirksamen gu verleihen, erwiderte Asguith, die Regierung sei deswegen mit der fürnzöisschen und russischen Re­gierung in Verbindung getreten, aber er könne im Augenblick nichts darüber nrÄteilÄn.

London, 18. Okt. (WDB>.) Das Unterhaus uahnr nach weiterer AuMwache mit 303 gegen 106 Stimmen eine von Raw- linson eingebvachte Entschließung an, welche die BesprechMg der Gegensätze in der inneren Politik in dieser ernsten Zeit mißbilligt.

Grey über eine englisch-amerikanische Auseinandersetzung.

London, 18. Okt. (WTB.) In der Sitzung des Ober­hauses vom 17. Oktober teilte Grey nrit, daß die amerikanische Regierung im Septenckrer 1914 gegen das PatrouMeven von britischen Kreuzern an der amerikanischen Küste Vorstellungen erhdb. Me amerikanischen Behörden fingen draht­lose Meldungen des englischen SchiffesSuffolk" nach Newyork auf, in denen um Vorrat Und Zeitungen gebeten wurde. Me ame­rikanische Regierung ließ darauf den englischen Botschafter wissen, daß man dies im Wi^erholungsfalle so auffassen müßte, daß das amerikanische Gebiet als Basis für Proviant und Informationen benutzt lwürde, um aus den Zeitungen die Schiffsbewegungen kennen zu lernen. Der Versuch wurde von englischer Seite nicht wiederholt. Ferner ließ die amerikanische Regierung die englische Regierung benachrichtigen, daß die Anwesenheit von britischen Kriegsschiffen in der Nähe von Mwyork die amerikanische Regierung znüuge, eine sehr energische Haltung einzunehmen, da die öffentliche Mei­nung sehr empört sei, urrd daß ein Wiederholungsfall als unfreund­licher Akt aufgefaßt werden könnte, der die amerikanische Regierung zum Handeln nötigen würde. Grey sagte weiter, er wisse nicht, ob amerikanische Kriegsschiffe das Operieren eines Unterseebootes er­leichtert hätten, indem sie aus dem Wege gingen. Me Zeitungen Hütten so berichket, aber wir die amerikanischen Behörden köniftm

die Tatsachen feststellm. _

Newyork, 18. Okt. (MTV. Nichtamtlich.) Funkspruch von dem Vertreter des WTB. Depeschen aus Washington betonen: Die Prüfung derMote der Alliierten über die Z e n s u r d e r P o ft- sachen, die gestern bekannt gegeben wurde, bringt die Meinung zirm Ausdruck, daß die Note nicht den Ansprüchen der amerikani­schen Note vom 24. Mai genügen tue und Unstimmigkeiten zwi­schen dm Alliierten und den Bereinigten Staaten in einer nicht befriedigenderen Weise als vorher zurücklasse. Eine Depesche des Hearstsrhen Nachrickteridienstes aus Washington besagt, die Ant­wort auf den amerikanischen Einspruch habe einige amtliche Kreise veranlaßt, zu erklären, das einzige Hilfsntittel seien jetzt Maß­nahmen durch den Kongreß. Bei einer Besprechung bet Note der Alliierten smicht ein Leitartikel derNewyorl World von anmaßender Unverschämtheit und von Aus­flüchten. und fragt, was getan werden könne, um dem schweren britischen Temperament ein gewisses Verständnis einzuhämmern für die Dummheit wie auch Gesetz­losigkeit seiner Handlungsweise, die geradezu geeignet seien, ein Höchstmaß von Verärgerurig unter den neutralen Staaten her­vorzurufen, dem ein Mißverständnis in den militärischen Ergeb­nissen gegenüberstehe. Vielleicht würde eine Besprechung des Präsi­denten'mit Mitgliedern des Kongresses einen geeigneten Ausweg

ergeben.

Sine neue englische Anleihe in Amerika.

Newyork, 19. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Funkspruch von dem Vertreter des! WTB. Es wird 'gemeldet, daß England wegen einer neuen Anleihe von 250 Millionen Dollars verhandelt. Tie Bedingungen der Anleihe sollen dieselben sein, wie bei der 250 MiUionen-Anleihe, die im August hier ausgenommen wor­den ist.

Die französische HanbelSftatistik.

Bern, 19. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Nach der amt­lichen französischen Handels st ati st rk wurden im Sep- temfcer Waren im Mrte vvn 1687 Millionen Franken ein­geführt, während die Ausfuhr rund 408 Millionen erreichte. Me Einfuhr sank im Vergleich zum Vormonat um 385 Mil­lionen Franken. Dagegen ist die französische Handelsunter­bilanz für das laufende Jahr, die Ende August 9045 Millio­nen betrug, mit September auf 10324 Millionen gestiegen.

Bulgarien- Vertretung in der Schweiz.

Sofia, 19. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Bickgarischen Telegraphen-Agentur. In dem Wunsche, ihre Beziehungen zu der Schweizer Eidgenossenschaft günstig zu gestalten, hat die bulgarische Regierung beschlossen, den Minister in Wien Andre T o sch eff, der auch bei der Schweizer Regierung beglaubigt ist, von dem letzteren Posten abzubernfen und als bevollmächtigten Minister in zeitlichem Aufträge den früheren Minister in Bukarest Tadeff nach Bern zu senden, der nächsten Sonntag ab­reist, um seinen Posten anzutreten. Toscheff behält seinen Posten in Wien bei.

Aus Griechenland.

Amsterdam, 19. Okt. (WTB.) Der Athener Korrespondent derTimes" meldet, daß der britische Gesandte gestern eine lange Unterredimg mit dem König hatte. Der Unterredung! wird große Bedeutung bei gemessen, da man glaubt, daß sie sich auf Idie Zurückziehung der griechischm Truppen aus Larissa b^og.

Der Seekrieg.

U-BootSerfolge im Mittelmeer.

Berlin, 19. Okt. (WDB. Amtlich.) Von unseren Unterseebooten wurden im Mittelmeer versenkt: Am 4. Oktober der leere englische Truppentransportdampfer Franconia" (18150 Br.-R.-T.), am 11. Oktober der be­waffnete englische TruppentransportdampferCroßhill" (5002 Br.-R.-T.), mit Pferden und serbischen Begleitmann­schaften, am 12. Oktober der bewaffnete englische tiefbela­dene TruppentransportdampferSebek" (4600 Br.-R.-T.). Croßhill" undSebek" befanden sich auf dem Wege nach Saloniki.

Am 16. Oktober hat eines unserer Unterseeboote Fabrik- und Bahnanlagen bei Catanzaro (Calabrien) mit Er­folg beschossen.

Kr i stiansan d, 19. Okt. (WTB.) Der in Bergen be­heimatete DampferS t e n", mit einer Ladung Nickelerz von Skien nach Gcimsby unterwegs, wurde am Menstag vormittag von einem deutschen Unterseeboot versenkt. Die aus 16 Mann bestehende Besatzung wurde von einem schwe­dischen Dampfer abends in Kristi-ansand gelandet.

Kopenhagen, 19. Okt. (WTB.) Die schwedische Bark ,^retha" aus Stockholm, mit Grubenholz von Goeteborg nach Sunderland, wurde mittags in der Nähe von Hirtshals von einem deutschen U-Boot in Brand gesteckt. Die Be­satzung von 18 Mann erhielt 10 Minuten Zeit zum Ver­lassen des Schiffs. Sie wurde von einem norwegischen Post- dampser ausgenommen und abends in Frederikshavn ge­landet.

Kopenhagen, 19. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Ter dänische DampferProgreso", mit einer Holz­ladung von Haparanda nach Bordeaux, ist von einem deut­schen Kriegsschiff aufgebracht und nach Swine­münde zur Untersuchung geführt worden. Unter der Be­satzung waren zwei Finnen.

Aus dem Reiche.

Der Hauplausschutz des Reichstags und die Ernährungs­fragen.

Berlin. 19. Oktober. (WTB.) Der Hauptausschuß des Reichstages begann heute die Beratung der Ernäh- rungsfragen. Das Zentrum beantragte die Vorlegung einer Stftistik über die Zahl der beim Kriegsernährungsamt und den Kriegsgesellschasten beschäftigten Personen, sowie über ihr Gehalt und ihre Konfession. Ter Antrag wurde gegen die Stimmen der Fortschrittler piid Sozialdemokraten angenommen. Präsident v. Da­to cki erklärte in längerer Rede, bei Festsetzung der Höchstpreise sei Vorsicht am Platze, da UnangebrackM Höchstpreise die Ware ver­drängten. Ueber Art urrd Bestrafung des Wuchers schwebten Er­wägungen. Tie gesamte landwirtschaftliche Erzeugung sei wunder­barerweise sehr hoch geblieben, trotzdem es an Arbeitskräften, Pfer­den usw. Mangle. Eine Erhöhung der Hüchstpveffe könne nicht bewilligt werden. Tie Getreide versorgun g verdiene alles Lob. Die Fleischrationierung ser jetzt durchgeführt: noch größere Schwierigkeiten ständen der Rationierung von Butter und Milä) entgegen. Auf Rückschläge müsse man sich gefaßt machen. Ein alle Nahrungsmittel 'umfassender Wirt schaftsplan sei bereits aus­gearbeitet Und werde baldigst vvrgelegt. Bor zu großem Opti­mismus hinsichtlich der Kömevernte müsse gewarnt werden. Tie lokalen Schwierigkeiten in der Kvrtoffelversorgung feien letzt im allgemeinen überwunden. Tier Kartoffelpreis sei angesichts des Ernteergebnisses sehr wohl An verantworten.

Aus eine Anfrage, wobei gefordert wurde, daß die Bewohner der besetzten Gebiete mcht besser gestellt fein dürfen als die im Jn- lande, legte General v. Oven die ErirährUngs Verhältnisse in den besetzten Gebieten Nordfrankreichs dar Und betonte, daß die Ver­pflegung dort rationiert und die Sätze nicht höher seien als bei uns. Ern Zentrumsredner wandte sich gegen die Zentrali­sierung aller Kriegs gesell schäften in Berlin. Die Sachverständig kert sei doch noch lange iricht in Berlin zentralisiert. Der parlamen­tarische Beirat müsse in allen grundsätzlichen Fragen gehört werden. Eitr f o r t s ch r i t t l i ch e r Redner verlangte, Imän solle endlich von dein Fanatismus der Zahlen abgehen und den Viehbestand nach den vorhandenen Futtermitteln einrichten. Der Rinderbestand fei jetzt höher als im Jahre 1912. Der Präsident des Kriegser- nährungsamtes v. Batocki wies darauf hin, daß eine Ver­legung des Sitzes der .Kriegsgesellschaften aus'Berlin schon deshalb nicht ratsam sei, weil sie mft den: Kriegsministerium epg zusammen- arb eiten müssen. Bei einer Verlegung des Sitzes in die Provinz würden die Klagen über «ungenügendes Zusammenarbeiten zu­nehmen. Es sei zu hoffen, daß die Rindviehbestände aus Grund der guten Futtermittclerute gut durchgehalten werden könnten: auch die vorhandenen Schreine könnten sehr woM fett gemacht werden. Ein nationalliberaler Redner bemängelte, daß die Kleinbauern in dem Kriegsernährungsamt nicht genügend ver­treten seien.

BundesratÄbeschlüsse.

Berlin, 19. Okt. (W.B. Apftlich.) Der Bundesrat stimmte in seiner heutigen /Sitzung dein Entwurf eines Gesetzes über Festsetzung von Kursen der zum Börsenhandel zngelaffenen Wertpapiere zu. Dem Bundesrat soll die Befugnis übertragen werden, für die Veranlagung der Besitz st euer und^ dev Kriegs st euer die Kurst der zum Börsenhandel zugelassenen Wertpapiere auf den 31. Dezember 1916 sestzusetzen. Weiter soll der Reichskanzler ermächtigt werden, die vorläufig festgesetzten Kurse bekannt zu machen. Weicht die endgültige Festsetzung durch den Dundesrat von der vorläufigen Festsetzung ab, so ist diese Ab­weichung bis spätestens 15. Januar 1917 bekannt zu machen.

Berlin, 19. Okt. (W.B.) In der Heutigen Sitzung des Bundesrats gelangten zUr Annahme: 1. Der Entwurf eines Ge- sttzung von Kursen der AuM> Börsenhandel zngelaffenen Wert­papiere: 2. eine Vorlage betreffend den Entwirrt von Grundsätzen zur Auslegung des Warmumsatzstempelgesttzes: 3. eine Vorlage betreffend Aenderung der Verordnung über Käse vom 13. Januar 1916; 4. eine Vorlage betreffend Aenderung der Verordnung über untaugliches Schuhwerk vom! Zi. Juni 1916.

Aus Hessen.

Darmstadt. 19. Okt Der Erweiterte Erste Aus­schuß (Ktiegsarisschuß) der Zweiten Kam!Mer ist gestern wieder zur Abhaltung einiger gemeinschaftlicher Sitzungen mit der Regierung zusammengetreteir, die durch die Herren Minister des Innern v. HoMbergk, Finanz minister Tr. Becker, Mi­nisterialrat Schlicphake, Geh. Landes ökonomievat Müller, Oberregierungsrat Dr. Wagner und Finanzrat Emmerling vertreten waren. Man beschäftigte sich zunächst mit den von dev Meiden Kammer an den Ausschuß Uurückverwie jenen Anträgen der sAbgg. Adelung (Soz.) und CalMan (natl.), die einen staat­lichen Zuschuß 'Mr JnvalidensMngehörigenvente, bezw. zu deni Aäehrleistmigen der Gemeinden zur Ktiegsinva'tiden-UnterstützuNg verlangen. Me beiden Anträge wurden von den Anttagstellerw nochmals eingehend erörtert Md begründet. Finanzminister ,Tr. Becker legte dagegen die Bedenken der Regierung gegen die An­träge dar und lehnte eine wahllose Unterstützung aller an den Mehrleistungen beteiligten Gemeinden ab. Auch str die ftnanzielbe Tragweite der beiden Anträge vor deNt Kriegsende gar nicht zu übersehm. Er stellte den Llutmgstellern anheim, die Anträge dahin abzuändern, das^ nur weniger leistungsfähige Gemeinden für emat staatlichen Zuschuß in Betracht koMmen sollten: vielleicht str'dann ein Weg M finden, auf welchent die Großh. Regierung der Frage näher treten könne. Me Antragsteller erklärten sich zur Abände­rung ihrm Anträge bereit

Mne ebenso lebhafte, wie inteveffante Erörterung knüpfte sich an den dringlichen Antrag Dr. Schmidt, die Ausfuhr von! Milch betreffend. Der Ärrtrag verlangt, daß die Ausfuhr von Milch insoweit eingeschränkt witd, als diese Milch zur Beseitigung der schweren Milckiinot in den Städten und einzelnen Orten Hessens notwendig ist. In seiner BegründMg des Antrags wies der Antragsteller auf die in den hessischen Städten bestehende Milchnot hin, die deshalb erneu geradezu bedenklichen Grad erreicht l>abe, weil selbst für tue VolllnilckMezugsberechtigten (Kin­der, Kranke, stillende Mütter) die erforderlichen Milchqucrntitäten nicht vorhanden seien, während große Milchmengeu hessischer Milchproduzenten in die außerhessischen Städte an der Peripherie Hessens gingen. Der Antragsteller verlangt, daß die hessische Re­gierung Sorge trage, daß die hessischen Vollmilch-Bezugsberechtig­ten infolge der Milchansfichr nicht schlechter beliandelt würden, als die gleiche Art der nichthessischen Milchverbraucher. Me Regierung erkannte die sachliche Berechtigung urrd Bedeutung des Antrags an. Sie nües darauf hin, daß n-uh den Anordnungen der Reichsfett- stelle grundsätzlich die M ilcklieserungsbeZiehungen nach dem Stand vom 1. August 1916 aufrecht zu erhallen seien. Für die außerhalb des Landes gehende Milch werde von der Reickisstttstelle Ersatz durch Zuteilung von Butter geleistet. Die Regierung verwies weiter lauf die bevorstehende Neuorganisation der.Milchver- sorgnng, durch welche in allernächster Zeit eine zuftiedenstellende Regelung der Frage erwartet Werdm könne. In Fällen besonderer und dringender Not sei Großh. Regierung bereit, sofort Abhllfe zu schassen. Auch Wies sie bei Beantivortung einer informalorisckwn Anfrage des Mg. Breidenbach ans die Tatsack)e hin, daß sich der Mllchbezug der Stadt Frankfurt während des Krieges zuungunsten des Guoßherzogtums gegen­über der Zeit vor dem Kriege stark verschoben habe. Tie Negierung werde scharf darüber wachen, daß die Ausfuhr von Vollmilch in den durch die Produktion bedingten Grenzen bleibe und daß vor allem dem notwendigen Bedarf der VollmUch-Bezugsberechtigten hessischer Städte un.d Orte Rechnung getragen werde. Auch die

von der Stadt Frankfurt in letzter Zeit beliebte Einstellung väit Pen sions kühen" bei hessischen Brehhaltern habe ihre Be­denken, und es sei Vorkehrung, zu treffen, daß durch diese Ein­richtung die hessisck^n Interessen nicht zu Schaden kommen. Ter Antragsteller, sowie die Redner sämtlicher Fraktionen erklärten ihre ZnstiinMnng zu den Darlegungen der Regierungsvertretcr. Der Antrag wurde einstimmig angenommen und darnach die Wei­terberatung auf Donnerstag vertagt.

Die Goldankausstelle

ist morgen von sy bis s2V- Uhr geöffnet!

Aus Stadt und Land.

Gießen, 20. Oktober 1916.

Im dritten Kriegsjahr.

Me Vortragsveveinigung Kaufmännischer Verein und Orts» generbeverein erössnete gestern abend in der neuen Aula der Unr- versität die Ktiegsvortragsreihe dieses Winters. Als erster Redner sprach Geh. Kirchenrat Prof. D. M. Eck vor dichtbesetztem Hause über das ThemaIm dritten Kriegsja hr". Seine Aus­führungen, die, wie er selbst 'zu Anfang betonte, nichts Neues bringen konnten, wurden gleichwohl Mit großer Spannung und lebhaftem Beifall ausgenommen. Ter Redner führte etwa sollen­des aus:

Heute denken wir vom Kriege anders, als vor ztoei Jahren. T'amols dachten wir nur an ern Einziges: Das Vaterland ru Gefahr. Damals fragten wir nicht nach Miseren Feinden, wir gingen mit, schickten Söhn; und Männer in das große Unbekannte. Wir wußten, es wird Blut 'kosten, wird ein schwerer Kampf tverden, denn der Feinde sind viele, starke -rmd große. Wir durften nicht fragen, es galt Deutschland. Kein Mut mrsever Söhne war uns zu teuer. Keine Not durfte uns schrecken. Es ist nud soll auch heute nicht anders sein. Wir wissen, daß wir mit Hermat und He^ und Vaterland .und Reich und Kaiser eng verbunden sind. Kein Zaudern und Zagm gibt es, wo es das Vaterland gilt. Da­mals gab es niemand, der vom Kriege etwas Wirkliches tvußte, auch von den früheren Kriegen her nichts. Bon allen Einzelheit^, die der Gmeralstab vorgesehen hatte, von unserer Flotte, unseren Unterseebooten, unseren Fliegern und Zeppelinen wußten wer rroch nichts, Md dies warm doch nur Einzelheiten. Das schlecht­hin Neue ist der Stellungskrieg auf einer Front von 2000 Mlometem undd «er Aushungerungskrieg gegen ein Volk von 120 Millionen. Die Weltgeschichte wiederholt sich nie. Mir sollm von aller Vergangenheit groß deirkm, besonders von deir Helden und Schöpfern deutscher Vergangenheit. Handeln müssen wir selbst.

Auf 2000 Kilometer ist Stellungskrieg. Alle Kriege der Vergangenheit häbm ein anderes Aussel)m gehabt. Es gab längere Ktioge, aber es gab arrch Pausen mrd es gab Winterquckctwre. Wir l-aben die Winterschlacht in den Masuren erlebt, die Winter­schlacht in der Champagne, die Schlacht in den Karpathen und den Vormarsch in Kurland. Jeder Rückgedanke von drer Kriegsjahren an frühere Kriege bringt uns keinen Trost, gegenüber der Furcht­barkeit des Stellungskamipfes. Und omnoch> hat der Stellungs­kampf uns >elloas geschenkt. Unsere Heimat ist geschützt und belvehrr Wir konntm dreimal die Ernte hereinbringen und alle Schreck- ,wisst des Krieges sind von unserm Vaterlande ferngehalten worden Dank gebührt den Helden des Stellungskrieges. Das ist das Große in deutscher Geschichte, das Lcrrrd, das gewühnt war, dm Krieg immer wieder auf seiner eigenm /Schmolle ansgesochten zu sehen, I>at seine Grenzen vom Feinde freigehalten. Tie Danerschlacht qtt der SoMme Währt nun über 3 ] / 2 Monate, die gleichen Anstürme dauern an der Ostfront fort. Schwer ist, was wir erlebm. Ein einziges Mal im letztm Kriogsjahr habm wir am 4. Januar einen Tagesbericht erlebt, «der meldm konnte: Auf allen Frontm nichts Neues.

Das andere Neue ist der Aushüngerungskrieg Eng- lands. England sperrt uns die Meere mit der bewußtm Msicht, das Volk durch Hunger niederzuzwingen. Das kann nur des frommen Englands Absicht und Wille sein. Ein Volk von 120 Millionen sind wir mit unserem Bundesbruder Oesterreich-Ungarn. 303 Millionen stehen gegen uns: mft Englands Kolonien 817 Millionen. Eine 67fache Uebermacht. Mr haben aber den Kreis an zwei Stellen durchbrochen. Unsere Linie zu durchbrechm ist ihnen nicht geglückt. Unsere Balkanzüge fahren nach Kon- stantinopel. Mackmsm und Falkenhayn bringen alle Versuche unserer F-einde, diese Linie zu stören, zum schieitern. Balkan, Bul-- garim, Türkei, das sind Daten, die man dm Angriffen auf unsere Diplomatie mtgegmhaltm soll. Durchgestoßen sind an einer anderm Stelle unsere U-Boote. England hat seine Blockade nicht wuftecht zu erhallen vermocht. Das ist der Triumph unserer U-Boote. Die Fl vtte ist der eigmste 6>edanke des Kaisers. Dankbar müssm wir dem Großadmiral von Tirpitz sein, der sie in die Tat umgesetzt hat. Ter Gedanke ist des Kaisers und das 'wollen wir ihm niemals vergessen.

Bei^de Durchbrüche habm uns nicht zum Frieden geführt, denn unsere Feinde sind z äh. Frankreich führt einm 300jährigeu (Kampf um die Rhein grenze. Rußland hat das Kriegs ziel Kon­stantinopel seit 150 Jahren. Sein Krieg Mit Japan war un­populär. Sein Krieg mit Deutschland ist populär, da wir ihm ge­meinsam mft Oesterreich dm Weg nach Konstantinopel versperren. Rußland war bis zur Wolga deutsches Ansiedlungsgelüet und der Dmtsche ist dem Russm verhaßt, seit das Deutsche Reich austrstand Und er in ihm dm Bertveter einer feiTldluhm Macht fühlt. Teü zäheste Gegner ist England, das seit Cromwell keinen Nebm- buhler zur See neben sich aufkoinmeil ließ. Mr rnüssm kämpfen, müssm uns sammeln und auf die Zähne beißm. Das Gottesschicksal dieses Weltkrieges müssen wir durchkämpftn. Tie Zuversicht, mft der wir dem Schwersten mtgvgentreten, ist das D e u t s ch e R e i ch, das StaatSbewußtsein in der deutschen Seele, die Zuscrmmmsaffung der Ktaft aus der Zersplitternng. Gibt es jemand, der dem Dmt- schm Reiche, das in der Mitte von ,Feinden um dm Frredenj kämpft, die Waffen ans der Hand ringm möchte? Gott der Herr hat uns das Deutsche Reich gemacht. Niemand sonst hat einen Großen Kiurfttrstm, einm Stein, einm Bismarck erschasfm, da­mit es sich aus der Nacht der Völker emporringm solle nach Gottes Mille. Tie deutsche Vergangenheit ist es, an die wir dmken muffen. wenn wir zaghaft lverden wollen. Haben diese M'ämwr umsoni. gelebt Und das Reich geschaffen? Zwei Dinge hat der Deutsche ge lemt: Arbeit und P fl icht. Arbeiten haben wir gelernt m der ganzm -Welt. Wo der Pflichtgcdankc in die Seele des Volkes eingetragen wird, da stehen wir fest. Der Gott der Weltgeschichte ftihrt Mser Reich fort und führt uns durch zuw Siege.

** W-ftrnung vor Hausierern. In letzter Zeit gelang es der hiesigen Polizei, einiger Hausierer haoMst zu werden, die, trotzdem sie gut hören und sprechen konnten, als Taubstumme ihr Gewerbe in den umliegenden Ort­schaften von Gießen ausübteir. Als Ausweis, daß sie auch wirklich mit einem solchen Leiden behaftet seren, siihrten sie behördlich beglaubigte Schreiben mit sich, die selvstver- ständlich gefälscht waren und ihnen abaenommen wurden. Aus den gefälschten Schreiben ging hervor, auf welche Weise sie Sprache und Gehör verloren, wieviel Kinder sie, die in WirMchkeit ledig waren, zu ernähren hätten Das Publikum wird hiermit vor derartigen Hausierern gewarnt und ihm anempfohlen, in VvrkommendenMllen sofort die Polizei zu benachrichtigen, damit diesen Per­sonen das an sich schon verwerfliche und betrügerische Handwerk gelegt werden kann. N . .

' ** Verkehr mit Süßstoff (Saccharin). Dinmigen, welche

sich zum Bezug von Süßstofs (Saccharin) gemeldet l-aben, können^