prtaj Heinrich md die Engländer.
Anton Fendrich, der bekannte KtiegsschriftstÄler, !>at vor einiger Zeit, auf Umladung des Mmiralstabs, einen Besuch bei unserer „fönriimnenbtn und fliegenden Wehrmacht' gemacht. Seine Erlebnisse i>at Fendrich in ernenn Bändchen „An 3$orb" nisdergelegt, das soeben bei der Frankhschen Verlags- Handlung in Stuttgart pn Preis von Mk. 1.— gehest« und M'k. 1.60 gebunden erschienen ist. Fendrich mar bet seitreM Besuch auch längere Zeit mit Prinz Heinrich, dem Bruder be§ deutschen Kaisers, zusammen, und zwar auf der Fahrt von Berlin nach Will>clmshaven. Darüber schreibt Fendrich in denr Büchlein:
Gleich nach der Abfahrt ließ, mich der Admiral stabschef zu sich bitten. Der Prinz Heinrich von Preußen, der Großadmiral und Generalinspekteur der Marine, möchte mich gerne kennen lernen, sagte der Adiniral. Fünf Minuten darauf führte mich ein Ordon- nanz in den Salonwagen, wo in einem großen, viereckigem Raum die hohe Reckengeftalt des Prinzen dem Admiral gegenüber saß. Der Prinz Heinrich ist der Seefahrer in der deutschen Kaiserfamilie, und sein hart ausgemeißelter Kopf^ erzählt von langem., herbem Seemannsleben. Er stand auf, begrüßte mich mit schlichter Natürlichkeit und bat mich nach einigen freundlichen Worten über meine Bücher. Platz zu nehmen. Zwischen dem Bruder des Kaisers, der beim Volk immer als ein Verweser der deistschen Flotte gegolten hat, und dem Chef des ?ldmiralstabs war ich nun wirklich mit allem, was mir auf der Seele brannte, vor die redjte Schmiede gekommen. Sie wollen also unsere Schiffe sehen?" fragte der Prinz freundlick und nahin sich eine Zigarette. Der Admiralstabschef fuhr fröhlich blinzelnd mit einem kleinen Flankenangriff auf mich dazwischen: „Herr Fendrich l)at in Berlin die Befürchtung ausgesprochen, er werde bei uns vielleicht nicht so viel erleben, wie artz der Ost- und Westfront. Ich habe ihu schon getröstet, der Schützengraben an der Wnlerkanl sei nicht so erlejbnisarm, wie das im Land vielleicht der: Anschein habe." „Ja, sehen Sie," begann der Prinz, „das ist ja mrn einmal so hier oben. Kein Mensch weiß, rvas bei der Marine gearbeitet wird. "Ittemand ahnt, was die Technik alles zu leisten hat, um überall nachMbinrmen. Und sie leistet es. Es ist ganz großartig. Aber alles das geht in der Stille vor sich. Wir sind immer bereit: aber sie kommen ja nicht?" „Sie!" — Das Wort bedurfte keiner Erläuterung. Im dem Seemannsgesicht des Prinzen, in das der Sturm und unsere Zeit große Runen geschrieben Ixiben, flammte es auf, und der Großadmiral sagte einfach, würdig und fest: „Dieses Volk hat den Ktieg mit uns angefangen aus G c s ch ä f t s n e i d!" Das klang wie ein Bekenntnis und wie eine Erkenntnis. Ich schwieg. Ter Bruder des Kaisers blieb gleichfalls sttrinm. Auch der Admiral stabschef unterbrach die beredte Stille nicht In des Prinzen Kopf, darin sich das Denken alter Für st engescklech irr paart mit dem neuen Geist der die Elemente überwindenden Technik — les ist entern Sozialdemokraten, der die Wesenszüge in den .Köpfen echter Vokksführer liebt und schon ost g-nug lobte, vielleicht muh erlaubt, einen Blick für die Sprache der Züge bei Männern aus alten Herrscherstrmilien zu haben!) — ruhten ein paar große graue StaUaugen, die in der Bergangent hart Bilder zu suchen schienen. Darm kam es bestimmt und trocken. etwa so, wie man eine physikalische Beobachtung von sich gibt, aus dem Munde des Großadmirals: „Ich habe nrit ihnen jahrelang gelebt und gearbeitet, Tennis gespielt und gesegelt, aber alles bet ihnen, sogar beim Spiel und Sport, ist nur die Sucht, mit allen möglichen Kniffen obcndraui zu kommen. Naive Frettde am Spiel kennen sie nicht: nur Selbstsucht und brutalen Egoismus!" „Und )ver nicht auch so handelt, den halten sie für dumm" — bemerkte ick dae zwischen. Der Prinz antwortete nickst, schien aber nicht anderer Ansicht zu sein. Demi er schloß das Gespräch über „sie" mit den sWorten: „Nur eins wird sie zur Vernunft bringen, brutale
.Krast!" „Man darf doch hoffen, daß es bald soweit kommt?" fragte ich. „Sie kommen in eine interessante Zeit!" gab diesmal der Admiralstabschef bedeututtgsvoll zur Antwort. Prinz Heinrich nickte dazu und spann den Faden weiter: „Das Wunderbare dabei ist, wie famos sich alle unsere Leute bis zum Heizer in dieser ständigen Bereitschaft halten, bei der es nie zu einem rechten Ausbruch kommt." „Es scheint älsoj." l^merkte tch, „daß die Boltfparrnung in der deutschen Mrrrrnr tgtrößer ist, als das Lchcht. das sie verbreitet."
„Ja, das ist ganz der richtige Ausdruck," gab der Prinz zurück, ..wenigstens wie die Dinge vorerst liegen." Der Zug rollte zwischen Marsch und Moor dahin. Der Abend sank langsam über dte Hecke. Der Prinz sprach über die Pläne in der Ostsee, über alles, was er mit dem Admiral stabschef zusamment auf der gemeinsamen Pl anke schon erlebt hatte, und Wilhelmshaven kam näher. Ich nahm Abschied. „Sie werden vieles und Gewaltiges fehen,^ das ganz m der Äille geworden ist, und auf das wir stolz sein können!" sagte der Prinz, als er mir.die Hand gab. Tjer Eindruck, iw dem Großadmiral, eine gerade Seemann snatu.r und einen gütigen, einfachen Menschen kennen gelernt zu haben, hat mich seit der Unterredung nicht ntzchr verlasfm. _
A«s Stadt unfc Land.
Gießen, 29. August 1916.
** Reichsfleischkarte und Selbstversorger. Der Berbranchsregelnng mußten auch die Selbstversorger unterstellt werden. Als Selbstversorger gilt, wer durch Hmisschlachtung oder Ausübung der Jagd Fleisch und Fleischwaren zum Verbrauch im eigenen .Haushalte gewinnt. Diese Personen gänzlich von der Ver- bvmtchsregÄnng freizulassen. ,war aus Gründen der Gerechtigkeit ünmöglich. Andererseits wäre es unbillig und unklug gewesen, sie allzusehr zu beschränken. Eine gewisse Entschädigung für die Arbeit und Mühe der Mästung, für den Verlust beim 'Einschlachten und das nrit der Tierhaltung verbundene Risiko muß ihnen zugestanden werden, da andernfalls vor all ent die Schweinentästung, die ja ganz überwiegend in der .Hand des kleinen Mannes liegt, '.msehlbac stark zurückgegangen »väre, und auch die Neigung, das Wild abzuschießen, geringer geworden wäre. Das iraifete man unbedingt verhindern Deshalb wird dem Selbstversorger das Schlachtgewicht des hausgeschlachketen Tieres mtr zu einem Teile, zu Vs, beim ersten Schwein, das eine Familie für sich schlacktet, mtr zur .Hälfte angerechnet. Man darf hoffen, daß hierin ein kräftiger Anreiz zur vermehrten Schweinehaltung liegt.
H. B. Lesestoff fürunsereFeldgrauen. Der Hess. Volks schriftenverein ist seit Beginn des Krieges bemüht, unsere Truppen im Schützengraben und Lazarett nrit guten Büchern zu versorgen. Seit der vor einiger Zeit erfolgten Entlassung seines Schriftführers vom Heeresdienste hat er diese Tätigkeit wesentlich erweitert. In den letzten drei Wochen gingen allein über 1200 Bücher Pakete hinaus, nach West und Ost und Nord und Süd, um etwas Sonnenschein in das an Entbehrungen und herbem Schmerz so reiche Leben der Feldsoldaten zu bringest. Biele Pakete enthielten Heintatliteratur, darunter das vom Verein herausgegebene treffliche Merkchen des in weitesten Kreisen bekannten Schriftstellers G. Lang: „Ms dem Volksleben in Hessen vor 100 Jahren." Diese Gaben werden mit herzlicher Freude begrüßt und die Buchet' machen dann im ganzen Kainevadenkreiso die Runde. Eine sehr große Anzahl von Briefen bestätigt dies und den Hunger der Feldgrauen nach guten Büchern immer wieder aufs neue. 11m aber den immer zahlreicher an uns fangenden Wünschen auch weiterhin in vollem Umfang entsprechen zu können, brauchen wir größere Mittel. Wir bitten deshalb herzlichst um die Unterstützung aller Kreise, denen die Versorgung unserer Truppen mit guten Büchern am Herren liegt. Wir machen bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam, daß bei dem Schriftführer des Hess. V o l ks schri f t e n ve r e i n s, Lehrer Hassinger in Darmstadt, S tiftstra ße 43, Geld- oder Büchergaben jederzeit gerne entgegengenommen werden.
** Eisenbahner und Kleintierzucht. Der Eisen- bahnminister beauftragte die Eisend ahndirektionen mit der weit- lgevendsten Förderung der Kleintierzucht durch! die Eisenbahw- bedrensteten. Ten Züchtern soll während des Krieges zur Errichtung von Klenttierftällen Abfallholz unentgeltlich verabfogt werden. Wo die WohnungsverhÄtniffe den Züchtern die Errichtung^ von Ställen nicht ermöglichen, sollen in Werkstättenanlagen, an Stellwerks- und Ausenthalt^gebäuden unter besonderer verwaltungs- seitiger Fördermrg, Ställe gebaut werden. Voraussetzung für die Genehmigung ist, daß die Eisenbahubeantten Mitglieder der allgemeinen MeinckterMuhwereM find.
** B«ut SvStgemüs^l Me gegaoOccO» w&rtfpite SÖ&»
deutung unserer Gemüsekultur erfordert, daß der «»bat nach Kräften aus^nützt werde und auch nickt kurze Zeitrchrme hindurch, bvachliege. Nachdem die Kriegswirtschaft durch den Bau des Früh- gemüses wesentlich uttterstützt wurde, sei darum letzt die Aufmerksamkeit auf den Anbau der Spätgemüse gelenkt. Wie die Deutfche^ Landwirtschaftliche Presse betont, ist hierbei besonders arrf aat\ gute Weckselwirtfchaft zu achten, d. h. es soll noch Mögllä^eck vermieden werden, dieselbe Kultur zwei- oder mehrmals Antereiu- .ander auf derselben Fläche zu betreiben. So empfiehlt es sich z. B„ wo Erbsen und Bohnen abgeerntet wurden, Grünkohl zu pflanzen oder auch Oberkohlrabi, wobei eine besondere Düngung des Bodens sich erübrigt. Der Umstand, daß die Zeit für die Aussaat bereits vorüber ist, erscheint nicht hinderlich, da die Pflanzen in den Gärtnereien gekauft werden können. Kleine und schwache Grünkohlpflanzen sollen dichter gepflanzt werden, da Me nicht so üppige Entwickelung geringere Abstände erfordert. Auch Kohlrüben können unter günstigen Bedingungen gesetzt werden. Selbst jetzt noch liefern sie eine verhältnismäßig gute Ernte für deck Hausgebrauch, wodurch vielfach die Väarktware ersetzt werden kann. Auf allen geschützt liegenden Bodenarten ist die gegenwärtige Zeit zum Pflanzen von Schlotten günstig. Schließlich ist auch jetzt noch für die Aussaaat verschiedener Gemüse Zeit. So wird vor allem der Spinat noch im September für den Herbstbedarf ausgesät. Desgleichen auch Wtnterrettiche und Radieschen.
** Keine Seife zu Scheuerz wecken. Die Ausflch- rungsbestffmmmpen zur Verordnung über den Verkehr mit Seife verbieten ausdrücklich die Verwendung von Seife, ivre überhaupt von fetthaltigen Waschmitteln, zu Putz- und Scheuerzwecken. Demnach wird man sich für die Zwecke der häuslichen Reinigung mit anderen Mitteln (Sand usw.) bchÄfen müssen.
** Haferrationen. Mit Bekanntmpchunp vvmW. Augrcst 1916 sind die Hafer mengen^ die die Trerhcckter in der Zeit vom 1. September bis 30. November 1916 aus ihren Vorräten verWt- tern dürfen, wie folgt bestimmt worden: a) Halter von Einhufern: 4 Zentner für jeden Einhufer. b) Halter von Zuchtbullen: 2,25 Zentner an jeden Zuchtbullen, für den die Genehmigung der zuftckn- ingen Behörde zur Hcfferfütterung erteilt wird, c) Unternehmer landwirtscbaftlichm Betriebe, die Arbcitsochfen halten: 2,25 Zentner für jeden Arbeitsocksen. Die durchschnittliche Tagesration beträgt somit für den vorbezeichneten Zeitraum: 4F Pfund für Ein- lyrfer, 2,5 Pfund für Zuchtbullen und Arbeitsochsen. Die Haferernte verspricht eilt günstiges Ergebnis. Es konnten daher den Tierhaltern größere Mengen. als im Vorjahr zur Berffttterungl ftei gegeben werden. Da indessen das Gesamtergebnis sich zurzeit noch nicht ganz übersehen läßt, mußte die Freigabe zunächst aus die Zett bis Ende November beschräntt werden. Für die Zeit der Ernte und Herbstbestellung ist damit eine ausreichende Fütterung der Arbeitstiere ermöglicht. Dem Interesse der Viehnackitzucht ist füechnung getragen, indem für den gleichst Zeitraum auch an die Zuchtbullen erhöhte HafermMyen verfüttert werden können. Bis Ende November wird sich übersehen lassen, ob die Festsetzung der Tiervationen in gleicher Höhe auch ßür spätere Zeit möglich ist, oder ob während der Winternwnate aus geringere Rationen Mrück- gvgangen werden muß.
**Dow ReichS-KurSbuch erscheint Arffang Oktober eine neue Ausgabe zum Preise von 2 Mk. 50 Psg. Bestellungen nehmen sämtliche Postanstalten und Buchhandlungen entgegen. Der Postbezug für mehrere aufeinander folgende Ausgaben ist zurzeit aufgehoben.
** Da» KreiSblatt der heutigen Nummer enthält eine Bekanntmachung, betr. Liquidation britischer Unternehmungen, die Ausführungsbestincmungen III der Reichk-Sackstelle, eine Bekanntmachung, betr. Regelung der Beschaffung, des Absatzes und der Preise von lebendem Vieh.
Heffen-Raffau.
hl. Marburg. 29. August. Dem Leutnant d. Res. Wilh. Mohr. Kompagniefühver in einem Reserve-Jlchaatterre-Regiment, Sohn des Schveinenmeisters Heinrich Möhr, hier, wurde das Eiserne Kvs^ 1. Klaffe verliehen. — Von wolkenbrncharttg'em Regen ist das Gewitter, welches sich gestern abend gegen 7 Uhr hier ellttiD, boBeiLt gewesen.


