Ausgabe 
29.7.1916 Drittes Blatt
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Landkreis Gießen.

** Große n-Buseck, 31. Juli. Die Sammlung zugunsten der VolkSsvende für die deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen ergab hier die stattliche Summe von 662 Mark und wurde von den Hilfsschwestern und Helferinnen des hiesigen Aliee-Frauen- Bereius erhoben und dem Geschäitsführer der Gietzener Haupt- sarnmelstelle zugeführt.

ga Grünberg, 31. Juli. Mit der Hessischen Tavierkeits- medaille wurde Wehrmann Georg Leister im Landw.-Jnf.-Rgt. Nr. 83 ausgezeichnet.

e. S t e i n b a ch , 31. Jüli. Der als vermißt gemeldete Mus­ketier Jakob Haas VIII. von hier besuchet sich laut Karte des­selben vom 12. ds. Mts. in russischer Gefangenschaft imd zwar im Waldai-Bezirk Nowgorod. Es ergeht ihm! wohl. Mitgefangene ans hiesiger Gegend sind Büttner und Rosenbaum von Gießen. Landstnrmmann Karl Schäfer aus Mach ist in ein anderes Lager gekommen.

Kreis Alsfeld.

oz. Alsfeld, 31. Juli. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhielt nach zweijähriger Pflichterfüllung im Felde der Gefreite Werner Opel, Feld-Artillerie-Rgt. Nr. 25.

02 . R e i b e r t e n r o d. 31. Juli. Die H a u s f a m m l u n g stir die Kriegsgefangenen ergab in hiesiger Gemeinde den Betrag von 16 Mk. 50 Psg.

Kreis Lauterbach.

la. Lauterbach, 31. Juli. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhielt: Heinrich Schößler, Sandlofs, Musketier im akr. Jnf.° Negt. Nr. 116. Tie Hessische Tapferkeits medaille er­hielten: Artillerie-Gefreiter Konrad Kircher, Angersbach: Ge­freiter Karl Hält, Landenhausen, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse; Gefreiter Johauues Kühl, Laudeuhauseu; Obermatrose Friedrich Hinkel. Schlitz.

la. Altenschlirf, 31. Juli. Aus hiesiger Gemeinde sind bis jetzt fürs Vaterland gefallen: Georg S e e r t, Johannes Döll, Otto Johs. Boß, Otto Stock, Georg Hübner, Georg Ruppcl, Otto Rodemer, seinen Wunden erlegen Heinrich Schaub, vermißt Georg Rodemer. Das Eiserne Kreuz erhielten: Emil Jost, Johannes Velde, August H i t g e r: die Hessische Tapserkeitsmedaille: Heinrich Schmttdt, Karl N i e - poth, Adolf S e ib e r t.

ä. Gunzenau, 30. Juli. Am letzten Freitag verunglückte hier der 2anSrc>trt Str 0 tt schwer, indem ihin ein hoch beladener Heuwagen gegen die Brust rannte. Sein Zustand ist Bedeicken erregend. Da der Sobn des Verunglückten, dem daS Gut gehört, im Felde steht, so mußte der alte Alaun selbst mit Hand anlenen.

la. Nie der-Moos, 31. Juli. In unserer Gemeinde sind bis jetzt gefallen: Gustav Bär, Christian Da hm er und Konrad Schmelz. Im Lazarett ist infolge Krankheit Heinrich S ch a a f gestorben. Verwundet wurden August Flach, Richard D e u ch c r t, Paul Heitzenröder 2., Heinrich D i e tz , Heinrich Schmelz, Heinrich Heitzenröder, Heinrich Rück, Andreas Ru v, Karl Schättel, Georg Seipel.

la. Nösberts, 31. Juli. Vier Kriegsopfer hat unsere Ge­meinde zu beklagen. Die Namen sind: Reservist Karl Schmitt, Landsturmrekrut Ernst N e u p c r 1, Land sturm r e krnt Konrad R n h l, Ersatzreservist Heinrich Rai'..Das Eiserne Kreuz erhielten: Kriegsfreiwilliger Gefr. Karl Essel: die Hessische Tapserkeits- medaille Wehrmann Heinrich Dahme r._

la. Stein furt, 31. Juli. Aus unserer Gemeinde sielen bis­her: Emil Döll, Wilhelm H offmann und Karl Schmelz, letzterer war Inhaber der Hessischen Tapserkeitsmedaille. Ehren­zeichen wurden verliehen an: Heinrich Se sichert (Eisernes Kreuz zweiter Klasse und Hessische Tapserkeitsmedaille), Heinrich M c n<i rt (Sanitätskrenz), August G e rli ch (Eisernes Kweuz zweiter Klasse).

la. Stockhausen, 31. Juli. Bis jetzt sind 11 Soldaten ans unserer Gemeinde aus dem Felde brr (Ihre gefallen. Vermißt! 5 Mann, gefallen in Frankreich 10 Mann, in Rußland 1 Mann. Mit dem Eisernen Kreuz zweiter .Klasse ausgezeichnet wurden Unteroffizier Wilhelm Schviinpf, Unteroffizier I. S ch r i m v s, Gefr. Heinrich Eichjenauer, Gefr. Konr. O e st r c i ch , Gefr. W. Schmelz 1. Die Hessische Tapserkeitsmedaille erhiett Gefr. Johs Müller.

la. U.n ter-Wegfu rt h, 31. Juli. Gefr. Adam P f l a n z 1 der sich in Gefangenschaft befindet, wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet.

la. Weiidmoos, 31. Juli. Unsere lleinc Gemeinde hat bis jetzt folgende Kriegsopfer zu beklagen: Reservist Otto S ch m/e l z, Weh^ranu Gefr. Heinrich Müller: letzterer war mit dem Eiser­nen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet.

ö. Moos er-Grund, 30. Juli. Das unbeständige Wetter erschwert unseren Landwirten die Heuernte außerordentlich. Noch ist etwa ein Drittel der Ernte einzubringen. Wenn auch die Menge überwältigt, so hat doch die Güte teilweise durch zu langes Lagern und zu spätes Schneiden gelitten. Die Getreide­felder unseres immerhin rauhen rmd weniger fruchtbaren Vogelsberges können sich heuer mit manchem Felde der fruchtbaren Ebene messen. Männer von 4050 Jahren erinnern sich nicht, hier jemals solches Korn gesehen zu haben.

Kreis Schotten.

ga. L a u b a ch , 31. Juli. Der noch nicht 18 Jahre alte Kriegs­freiwillige Kanonier Phil. Schaffner, Sohn des Gendarmerie- Wachtmeiflers Schaffner, der seit Dezember v. Js. rnr Westen vor dem Feinde steht, wurde am 21. Juli mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.

Kreis Friedberg.

d 2 . Bad-Nauheim, 31. Juli. Der Leutnant der Res. Heinr. Ludwig, der bereits die Hessische Tapferkeitsdenkmünze erhalten hat, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

bz. Butzbach, 31. Juli. Dem Gefreiten Krämer (Sohn von Kaufmann Isidor Krämer), bei einer schweren Feldhaubitzen- Batterie im Westen, wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen.

Fc. Butzbach, 31.Juli. Nach dem Schulärztlichen Jahresbericht für den Bezirk Butzbach für 1915/16 bettug die Gesamtzahl der Schulkinder ans 18 zu dem Bezirk gehörenden Orten 2376. Die .Kinder wurden einzeln durchmustert, eingehend ärztlich untersucht 306 Sch:,lausänger. Unter schulärztlicher Kon­trolle standen 982 Kinder, gleich 41 Prozent. Es bedeutet dies eine Steigerung um 6 Prozent gegen das Vorjahr. An Störungen des normalen Atmungsvorganges litten 196 Kinder, gleich 8,2 Prozent, die übrigen '.Krankheiten zeig­ten einen ^mgeren Prozentsatz. Im übrigen war der Gesundheitszutzand der Kinder als gut zu bezeichnen und nahezu dem des Vorjahres gleich. Nur die Zabl der alsBlutarm und Blaß" bezeichneten Kinder ist in diesem Jahre faß doppelt so groß als im Vorjahre, nämlich 5,4 Prozent'gegen 2,9 Prozent. In dem hiesigen vorwiegend ländlichen Bezirk ist eine eigentliche Unter­ernährung der Kinder als Folge der durch die Kriegsverhältnissb und den Mangel an mancl-en Nahrungsmitteln bedingten Ernäh­rungsänderung nicht wahrzunehmen. Dagegen dürfte die Zunahme der Blutarmen wohl auf das Konto der .Kriegsernährung zu setzen sein, zumal sie vorwiegend Orte mit nicht rein Landwirtschaft be­treibender Bevölkerung betrifft.

oa. Vilbel, 31. Juli. Dem Vizewachtmeister W. Fritze! von hier, im Feldartillerie-Regt. 104, wurde die Hessische Tapfer- keits medaille verliehen.

Starkenburg und Rheinhessen.

= Neu-Isenburg, 30. Juli. Mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse wurde Leutnant T a 11 n e n b e r g von hier ausgezeichnet. . 4

= Mainz, 30. Jirli. Von den aus dem hiesigen Mtertumsnnrseum gestohlenen 22 wertvollen Por­zellan f i auren wurden bisher 13 Figuren durch die Kriminalpolizei in Wiesbaden, Frankfurt, Offenüach und Würzbirrg ermittelt und beschlagnahmt.

Kreis Wetzlar.

ra. Wetzlar, 31. Juli. Unsere Stadtverordneten beschlossen u. a. den Preis für einen Kubikmeter Gas während der Kriegszeit von 17 ans 18 Pfennig zu erhöhen. Bei 2luto- mabengas bücht es bei dem' seitherigen Satz von 17 P-fg. Man rechnet bei dieser Erhöhung um 1 Psg. mit einer Mehreimuchme von 15 000 Mürrk pro Jahr. ,

ra. Kinzenbach, 31. Juli. Tie Bahn Verwaltung erntete im vorigen Jahr auf einer umgepflügten Rasenfläche von 90 Ar über 400 Zentner Kartoffeln. Nunmehr sind über 200 Ar urbar gemacht und mit Kartoffeln bestellt, die aus allen Parzellen vortrefflich stehen.

Hessen-Nassau.

' Frankfurt a. M., 30. Juli. Das Amtsgericht verur­teilte die Metzger Rudolph, Kalbächergasse 8, und Earle, Kal- bächergasse5, zu 150 bezw. 100 Mk. GÄdstrafe, weil sie die Ab­gabe von Fleisch an Nichtkunden verweigert haben. Wegen' Brotverkaufs ohne Brotkarten wurde der Kaufmann Karl Früh­ling, Niedenau 48, zu 800 Mk. Geldstrafe verurteilt. 500 Mk. Geldstrafe erhielt der Geschäftsführer Karl Sonneborn, Brüder Grimmstr. 37, wegen Ueberschreitung der Höchstpreise für Schweine.

= Frankfurt a. M., 30. Jchi. Wegen Einsturzgefahr mußten die etwa 300 Jahre alten Häuser, Metzgergasse 7 und 9, von bcu Bewohnern geräumt werden. Durch die Balken, die die Häuser^ stützen und an den gegenüberliegenden Häusern befestigt sind, ist der Durchgang durch die Gasse gesperrt.

--- Bad-Homburg v. d. H., 30. Juli. Gestern mittag kurz nach 11 Uhr trug sich hier eine folgenschwere Straßenbahn- k a t a st r 0 p h e zu. In der oberen Lopisenstraße geriet ein Motor­wagen der Frankfurter Linie, dessen Führer abseits getreten war, in Bewegung und sauste mit stets wachsender Geschwindigkeit den steilen Schulberg hinab. Am GasthauseZur Stadt Kassel" über­rannte er ein Gonzenheimer Milchsuhrwerk. Die Milchfrau wurde vom Bock geschleudert und schwer verletzt. Das Pferd wurde etwa 40 Meter weit mitgeschleift und dann zur Seite gerissen. Dann raste der Wagen weiter über die neue Brücke bis vor das Gasthaus Zur Neuen Brücke", wo ihm ein von der Saalbnrg kommender Wagen begegnete. Beide Motorwagen sichren irrit furchtbarem Krach gegeneinander und schoben sich buchstäblich ineinander, so daß sie in wenigen Augenblicken ein unbeschreiblick>es Chaos bil­deten. Ter Führer Stöckel des Saalburgwagens und der Sckxffs- ner Georg 5) a r t u n g erlitten schwere äußere und innere Verletzungen, daß sie kaum mit dem Lcchen davonkommen dürften. Von den etwa 2 0 Fahrgästen, meistens verwundeten Feldgrauen, erlitten fast alle mehr oder minder schwere Ver­letzungen. Besonders schwere Brust- und Bauchguetschungen trug der Sanitätssoldat Hennenberger davon. Auch wurde ihm durch die Glassplitter das Gesicht erheblich zerschnitten. Eine Frau, die Zeuge des Zusammenstoßes war, erlitt einen Nervenchock. Im Vorort Kirdorf geriet vorgestern abend beim Spielen der 31/2 jährige Sohn der Kriegerwitwe Tenfeld in eine Duirg- grube. Da der Unfall unbemerkt blieb, ertrank das Kind. Die Leiche wurde erst nach langem Suchen gesunden.

= Höchst a. M., 29. Juli. Unter dem Vorsitz des Ober­bürgermeisters Dr. Jancke fand im Landratsamt eine Versamm­lung von Landwirten und Dreschmaschinenbesitzern statt, die sich mit der Dreschlohnsrage beschäftigte. Wie schon mitgeteilt, hatten sich die Landwirte geweigert, die von den Maschinenbesitzern! geforderten Dreschlohnerhöhungen zu zahlen. In der Versammlung kam folgende Einigung, die für die Landwirtschaft gerade jetzt von großer Wichtigkeit ist, zustande: Der Dreschlohn beträgt bei 14 Ar­beit err: stündlich 12 Mk. Das Bindegarn liefern die Landwirte. Be­züglich der Sonntagskost der Dreschmaschincnarbeiter bleibt es beim bisherigen Gebrauch. In den Gemeinden, wo die Trcschmafchinen- besitzer die Sonntagskost ftßr die Arbeiter bisher stellten, über­nehmen jetzt die Landwirte die Verköstigung gegen eine Vergütung von 1,50 Mk. für den Tag und Kops, die von den Maschinen- be sitze rnzu erstatten ist. Vorst elende Einigung hat Gültigkeit für das Main gebiet, soweit sich der Bereich der Vereinigten Landwirte vor: Frankfurt und Umgebung erstreckt. Für die Provinz O b e r h^e s s e n erfolgt noch eine besondere Regelung.

ke. Fulda, 31. Juli. Aul eigeilartige Weise tand der 26jäh° rige Invalide S ch m i 11 seinen Tod. Ter jlmge Mann war mit dem Packen seines Koffers beschäftigt. Hierbei wurde er von einem Krampfanfall betroffen und geriet mit dem Kopf in den Koffer. Der Deckel schlug zu und der Lilflose fai,d den Erstickungstod.

X. Kassel, 30. Juli. Der hiesige Regierungspräsident hat ungeordnet, daß angesichts der Belebung, welche die-ein-i s i e d e l u n g s t ä t i g k c i l namentlich auch infolge der Be­wegung für Kriegerheimstätren voraussichtlich nach dem Ziriege erfahren wird, den Kleinhäusern hinsichtlich der Bauordnungen Erleichterungen durch Gewährung von Dispensen und Ausnahmen m bestimmten Fällen zuteil werden sollen, soweit es unbeschadet der Standfestigkeit und Feuersicherhut zulässig erscheint.

X V 0 in M a i n , 30. Juli. Bei dem Versuch, einen beim Kahissahren curf dem Main in der Nähe von Schweinsurt ins Wasser gestürzten und mit dem Tode ringenden 18jährigen jungen Manll zu reiten, ertrank der 45 Jahre alte Landsturmmann M e r k l e in. Der junge Mann konnte gerettet werden.

Die Goldankausftelle

ist morgen von 3 bis 5 Uhr geöffnet!

vermischter.

X BadBrückenau, 30. Juli. Durch eiu Großfeuer, das im Kamin des Braueveigebäudes ausbrach, ist die Bierbrauerei Jansen chtal vrrrnchtet warben. Bon den ausgestapelten Malz- und Gerstenvorräten konnten nur geringe Meugerr gerettet werden. Der Schaden, der allein an den Malz- und Gerstenvorraten durch den Brand verursacht worden ist, beläuft sich aus über 70 000 Mark. Bei den Löschungsarbeiten erlitt ein Feuerwehnnann, der Land- wirt Martftr von Schroda, lebensgefährlick>e Verletzungen.

* Ehrlicher Kriegsgewinn. Bon eineni, der es durch seine Ehrlichkeft weitgebracht hat, erzäUt der neueste Band der ,,Bibliothek der Unterhalttmg und des Wissens" ülnion deutsche Verlagsgesellschast, Stuttgart). Auf seinen jährlichen Mufterungs- reisen kam Friedrich der Gtoße zu dein Amtmann Hahn nach Schlesien. Der König blieb bei seinem Beamten drei Tage und befahl, ehe er abreistc, man möge dem Amtmann alles bezahlen, was verzehrt worden war. Man sagte dem König, daß der lvohl- habende Amtmann es sich zur Ehre rechne, den Landesherrn bewirtet zu haben: er würde kein Geld nehnren. Ehe Friedrich ab­reiste, verlangte er den Beamten noch einmal zu sehen und sagte noch am Wagenschlag:Ich danke Ihm für Seine Gastlichkeit. Ich will Ihm nichts anbicten: man sagt mir, Er nähinc nichts, weil Er reich sei. Ist bas wahr?" ,J!a Eure Majestät."Wie ist er §n Seinem Geld gekommen?" fragte Friedrich und sah den Amtmann scharf an.Majestät, ich habe imuun- um einen Groschen teurer eingekaust und alles um fünf Groschen billiger abgegeben als die andern."Mache Er keine unzieinlichen Scherze: ich habe nicht Zeit mit Ihm zu spaßeri und verlange eure ehrliche Antwort, aber keine Narreirpossen zu hören."Majestät, ich sage die lautere Wahr­heit. Wenn das Getteide wohlseil war, bezahlte ich den Scheffel mit einem Groschen über dem Preis. Wenn es mehr galt, verlangte ich für das antgespeichertc Korn meist fünf Grchchen wemger, als man sonst in schlechten Zeften dafür verlan,fte. So habe ich mir mein Geld ehrlich erworben. In meinem Bezirk wird das jeder bezeugen." D«er König sagte gütig:Er ist ein bmver Mann. Ich will Ihn. in den Adel stand erheben." Hahn bat den König, es nicht zu tun: seine guten Worte seien ihm Dank genug. Friedrich blieb abeU dabei.

Un»verfit8ts»Nachr1«hte«.

hl. Marb urg, '31. Juli. Zu DSkanm si'tr das mit dnn 15. Ottober beginnende neue, akademische Anttsjahr lmirden geivählt: In der Theologsschen Fakultät Prof. Heitmüller. in dep Jpristsscben Fäkultät Pwf. Wolfs, in der Medizinischen Fakultät Geh.-Rat Tue zeck, m der Philosophischen Fakultät Geh.-Rat Hansel.

--- F r a n k f u r t a. M., 30. Juli Der Ordinarius für indo­germanische Philologie an der hiesigen Universität, Professor Dr. Eduard Hermann, hat einen Ruf an die Universität (Böttingen erhalten und angenommen. Er beginnt dort seine Lehttätipkeit am 1. April 1917. Aus dem Felde der Ehre an der Somme siel Privatdozent Dr. WilhelmlO h r von der hiesigen philosophischen Fakultät. Ter erst im 38. Lebeirsjahr stehende Gelehrte war ge­borener Wiener, sttidierte in Leipzig, Halle und Berlin. 1904 habilitierte cr sich als Privatdozent für mittlere und neuere Ge­schichte in Tübingen. Von 1907 1914 war er Leiter des Naiional

Vereins. Bei der Gründung der hiesigen Universität habilitierte er sich wieder als Privatdozent für GeschichtsPhilosophie. Tr. Ohr bat eine Anzahl wertvoller Schriften lzerausgegeben, z. B.: Die Kaiserkrönung Karts' des Großen: Der karolingische Gottesdienst in Theorie und Praxis: Zur Eriwuerung des deutschen Studenttil- tums: Hat Deutschland eine liberale Zukunft: Politik und Moral, in politischen Kreisen ist'Ohr durch seine liberalen Kurse, in denen er Redner und Politiker wrssenschasrlich und polftisch schulte, rühm­lich bekannt. Akit ihm sank eine hervorragende Zierde der Uni­versität und ein Polftiker vornehmster Art ins frühe Grab.

Frankfurt a. M., 30. Juli. Als Privatdozent für ortho­pädische Chirurgie am Friedrichsheim /chirurgisch-orthopädische Uni­versitätsklinik habilitierte sich am Samstag Tr. Simon mit einer Antrittsvorlesung überOrthopädische .Kribgschirnrgie"., An einer preußischen Universität ist diese Habilitation für Ortho­pädie der erste Fall. An der medizinischen Fakultät habilitterte sich als Privatdozent Dr. Edgar Goldschmid für pathologische Anatomie und allgemeine Pathologie mit einer am Samstag ge­haltenen Antrittsvorlesung überDie Entwicklung der pathologisch­anatomischen Abbildung".

Monatl. Ueberfichl der Todesfälle in der Stadt Sietzen.

Monat Juni 1916.

Einwohnerzahl: angenommen zn 33 100 (inkl. 1600 Mcurn Militär. SterblichkeitLziffer: 20,30°/^.

Nach Abzug von 35 Ortsfremden: 7,61 °/ 00 .

ES starben an

Zus.

Er-

wachsene

Kinder

im 1. Leben», vom 2 US jahr re. »ab,

Angeborener Lebensschwäche

1 (i)

1(1)

Altersschwäche

5(4)

5(4)

Folgen der Geburt

1(1)

KD

Diphtherie

2(1)

2(1)

Kenchhuüen

1

1

Lungentuberkulose

5(3)

4(3)

1

Tuberkulose anderer Organe 5 (3)

3(1)

2(2)

Lnngenentzündckng Krankheilen der Kreislauf-

2 (1)

1 (1)

1

organe

7(5)

7(5)

Gehirnschlag anderen Krankheiten des

1

1

Nervensystems anderen 5traickheiten der Ver^

4(3)

3(2)

1 n>

dauungSvrgave

2

2

Blinddarmemzündung

2 (2)

2 (2)

Krarckheiten der Harnorgane

5 (3)

5(3)

Krebs

6.3)

6(3)

Vermrglückung

3(?)

2 (1)

1 (i)

anderen benannten Ursachen

4(3)

2 (2)

1

Mi)

Summa:

56 (35)

44 (28)

4(1)

8 (6)

Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krmlkheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Veröffentlichung des Großh. Kreisgesundheitsamts Gießen Dr. W a l g e r, Med.-Rat.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetreraussichten in Hessen am Dienstag, den 1. August 1916 - Ziemlich heiler und trocken, warm.

Müller'sche Badeanstalt.

Wasserwärme der Lahn am 31. Juli: 20* R.

Letzte Nachrichten.

Die deutsche Artitterie so stark wie zuvor.

Amsterdam, 31. Juli. DerDaily Mail"-Korresvondent im brittschen Hauptguartter berichtet über die So w meschlacht von der feindlichen Arttllerie, dieheute noch so stark sei wie zuvor" J,r seinem Bericht vom Donnerstag hob er hervor, daß die dentt'che Arttllerie zu gleicher Zeit drei verschiedene Sperrfeuer fallen ließ, während an gewissen anderen Stellen das Sperrfeuer verdoppelt wurde.Daily Mail" sagt hierzu: Die brittsche Artillerie hat epo das Schlachtfeld nicht mehr nach eigenem Belieben in der Hand. Sie beftndet sich auf gleicher Basis mit dem Feinde.

Die Wirkung des deutschen Luftangriffes auf Oeftl.

London, 31. Juli. Bei dem deusschen Fliegerangriff auf die Insel -O e sel im Rigaischen Meerbusen am 25. Juli sind fast alle von England dorthin gelieferten Flugzeuge verbräunt. Zwei eng­lische und ein russischer Flieger loircbcn getötet und neun schwer verletzt.

Die Lage im Südosten.

Berlin, 31. Juli. Der Bericht erstattet' desBerliner Lokalanzeigers", Kirchlehner, berickstet aus dem Kriegspresse- quartier unterm 30. Juli: Die vom Kommarrdo des Kriegspresse- qnartters zur Llrmee Böhm Gnnoli entsandten Berichterstatter wurden durch den Armee-Generalstabschef Generalmajor Dr. Bar- dolff dem Führer der ruhmreichen Zenttumsarmee Bölyn Ermvli vor gestellt. Ter Generalstabschef bemerkte, es sei bedauerlich, daß in Zeiten kriegerffcher Hoch, pan nung zuweilen den Aeußerungeu. unverantwortlicher Personen mehr Glauben beigemessen werde, als sie verdienten. Es sei dem Stabe der Armee nicht unbekannt, daß auch über Lemberg allerlei Gerüchte tveft rückwärts im Hinter- lande erzählt wvrden seien. Es sei auch gegen die Grundsätze, die in der Armee Böhm Ermoli herrschen, datz wirkliche Gcsabrep nick»t verschwiegen würden. Man gehe ly er von dem Güxmken aus, dem schwergeprüften Volk in Galizien dürfen unter keinen Umständen neue unbegründete Sorgen mssgebürdet werden. Erforderten es milftärffche Rücksichten, würde man lieber um 14 Tage früher als l k Stunde zu spät die Gefahr ankündigen. Die Evakuierung von Brvdy habe bewiesen, daß das Armeekommando gebührend Rücksicht Mif das Wohl der Bevölkerung zu icehmen nnsse. Dies sei auch von der Presse gewürdigt worden. Die Presse könne ein übriges tun, wenn sie in sarlilicher und ruhiger Weise die öffentliche Meinung in solchim Zeiten stütze. Nachdem der Gerreralltabsick^ef noch einige Bemei- kungen über das Schicksal der galizischen .Hauptstadt gemacht hatte, äu^rte er sich nvck) über die russische Offensive im allgemeinen. Er versicherte, die Verluste der Russen seien ungeheuer, und nicht unerschöpflich seien die Hilfsquellen der Russen. Dürfte er uns Einsicht in das ihm sur Verfügung stehende Nachricirtenmaterial gewähren, in die erngettwssenen Meldun.gen jeder Art und die protokollierten Olussagen russisckwr Gefangener, so würden auch >wir die N<cherzeugung erlangen, daßc dcw bisherige O^ang der Ossimsive den Russen bis aus die Knochen gehe. Umsomehr sei es rwtnwndia, .mft restlosem Vertrauen, nttt dem ?lufgebot vollen- Kraft irno denc Willen durcilzirhalten, über den Berg zu konmren. ?ivch könne die mne Eder arrden' Verschiebung räumlichen Besitz­standes eintreten, sie werde al>er siir den Ausgang belangte sein. Ob rechts, ob links auch ein Sttick Boden sreigegebcn nn'rtH', es müsse ittemvnd deswegen den Kops sirtken lassen. Dies sei die Ansicht des Stabes, sei die Ansicht der Truppen und möge . 1 ,^ der Glaube des Bottes sein.