Nr. 60
Der Siebener Anzeiger
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Erstes Blatt
(66. Jahrgang
Samstag, ((. März (9(6
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Der Kamps um Verdun.
(WTB.) Großes Hauptquartier. 10. März. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Auf dem westlichen Maasufer wurden bei der Säuberung des Rabenwaldes und der feindlichen Gräben bei Bethincourt sechs Offiziere, sechshunderteinundachtzig Mann gefangen, sowie elf Geschütze eingebracht.
Der A b l a i n - W a l d und der Bergrücken westlich von Douaumont wurden in zähem Ringen der Gegner entrissen. In der Woevre schoben wir unsere Linie durch die Waldstücke südöstlich von Damloup vor. Gegen unsere neue Front westlich und südlich des Dorfes sowie bei der F e st e V aux führten die Franzosen größere Gegenstöße. In ihrem Verlauf gelangesdem Feinde, in der Panzerfe st e selbst wieder Fuß zu fassen. Im übrigen wurden die Angreifer unter starken Verlusten abgewiesen.
*
Unsere Kampfflieger schossen zwei englische Flugzeuge ab. einen Doppeldecker bei Wytschaete (südlich von Ypern) und einen Doppeldecker nordöstlich von La Bassee. Der Insasse des ersteren ist tot.
Im Monat Februar war die Angriffstätig- keitunsererFliegerverbände.die Zahl ihrer weitreichenden Erknndungs- und Gefchwaderflüge hinter der feindlichen Front erheblich größer als je zuvor. Die folgende Zusammenstellung beweist nicht nur aufs neue unsere Ueber- legenheit, sondern widerlegt auch die von gegnerischer Seite beliebte Behauptung, unsere Lustkampfverluste seien nur deshalb so gering, weil sich unsere Flugzeuge nicht über die feindlichen Linien wagten.
Der deutsche Verlust an der Westfront im Februar beträgt:
Im Lustkampf. —
durch Abschuß von der Erde . . . . — vennißt. . . . . 6
im ganzen 6
Die Franzosen gnd Engländer haben verloren:
Im Luftkampf.13
durch Abschuß von der Erde .... 5
durch unfreiwillige Landung innerhalb unserer Linien . . . .2
im ganzen 20
Hierbei ist zu berücksichtigen, daß wir grundsätzlich nur die in unsere Hand gefallenen oder brennend abgestürzten, nicht die zahlreichen sonst hinter den feindlichen Linien ab- geschossenen Flugzeuge des Gegners zählen.
Oestlicher und Balkan-Kriegsschauplatz.
Keine wesentlichen Ereignisse.
Oberste Heeresleitung.
Nach dem vorliegenden Heeresbericht haben unsere Truppen. nördlich von Verdun beträchtliche neue Fortschritte gemacht. Daß die Franzosen in der Panzerfeste Vaux vorübergehend wieder Fuß fassen konnten, darf uns, die wir die näheren Einzelheiten nicht kennen, keinesfalls in Bestürzung oder Sorge versetzen. Sie haben offenbar alles drangesetzt, um sich rühmen zu können, der deutsche Tagesbericht, der die Erstürmung von Vaux erwähnte, habe vorzeitig gejnbelt. In dem französischen Bericht war der erfolgreiche Angriff unserer Posenschen Regimenter auf die Feste Vaux gänzlich verschwiegen worden. Die Kampfe sind noch nicht beendigt, und es ist noch nicht sicher, ob die französische Kraftauswendung beim Wiederansturm aus Vaux dauernd nützlich oder verschwenderisch war. Jedenfalls hckben wir im übrigen auf der ganzen Nord front von Verdun und auch in der Woevre-Ebene unsere Frontlinien verbessert. Die Vorbedingungen für neue deutsche Angriffe sind gesichert. Der Rabenwald ist gesäubert worden, und unsere Truppen sind bis in die feindlichen Gräben bei Bethincourt eingedrungen. Was das aus sich hat, sagt uns die große Kriegsbeute: beinahe 700 Gefangene, 11 Geschütze! Auch westlich von Douaumont sind strategische Vorteile erzielt worden. Schwerlich werden die Franzosen unter diesen Umständen die Feste Vaux lange behalten können. Es gibt Stimmen, die ihnen schon jetzt nicht nur die Räumung einzelner Nordpositionen von Verdun anraten, sondern die sogar empfehlen, die Maasfestung nicht 511 lange festzuhalten. Solche Kritiker haben sich in Pariser Blättern vernehmen lassen. Die Lage ist ähnlich wie vor dem Fall der Narew- und Weichselfestungen. Auch damals wurden die Verteidiger, nicht zuletzt von englischer Seite, , immer wieder gewarnt, aussichtslosen Widerstand zu lange sortzusetzen Frankreich gegenüber sind die Engländer in ihrer Kritik etwas zurückhaltender. Es wird dem Jnselreiche schwerer und schwerer, die objektive Kaltblütigkeit zu bewahren. Es gibt wohl auch eine innere Spannung .der Geister in Frankreich und England, und man würde in Paris wohl zornig anfbransen, wenn die Verbündeten übe'' dem Kanal dem .General Petain allzusehr ins Hanüwerh
pfuschen wollten. Immerhin, was die „Times" dieser Tage über die Lage bei Verdun schrieb, klingt wenig ermutigend für weiteren Widerstand. Wer der militärische Mitarbeiter dieses Blattes, der auch ans die stärksten Festungswerke nicht viel gibt, hat vielleicht recht. Der neutrale Beurteiler im Berner „Bund" kommt aus Grund der neuesten deutschen Fortschritte zu dem Ergebnis, daß die französische Heeresleitung am besten daran täte, eine neue Front hinter Verdun zu bilden:
Im Nordwestsektor hat der Angriff die Franzosen aus das Rabenholz zurückgeworfen, das sie nach ihrer Meldung zum Teil wieder genommen haben, im großen ganzen aber handelt cs sich auch hier um einen unaufhaltsamen und nur zeitweilig absetzen- den Angriff, der jetzt mit vorgenommenem Unten Flügel au der Maas auf zehn Kilometer an die Feste hexangekommen ist und erst aus der Linie Charny-Bourrns nachhaltigem Widersta. > begegnen wird, sofern nur <md]\ hier schon die Wirkung der schubsten Kaliber und Flankeuseuer — die deutsche Artillerie kreuzt bereits ihr Feuer über der Maas — die Franzosen zum Rückzug zwingen.^
Es ist also die von Norden nach Süden gerichtete Aufrollung der eisernen Maasstellung trotz verzweifelten Widerstandes noch nicht ausgehalten worden und Verdun als Position nicht nur gelähmt, sondern bereits als stark entwertet zu' betrachten. Die Opfer, die die französische Verteidigung noch bringt, sind nur dann zu rechtfertigen, wenn die dadurch gewonnene Zeit benutzt wird, die Räumung der Position und die Abflachung der Wink e l- st e l l u n g durch Einrichtung und Beziehung einer südwestlich streichenden Linie durchzuführen oder operativ gegenzuwirlen. Daß es den Franzosen glücken könnte, die Lage weit genüg wieder herzustellen, um Verdun wieder zu einem Lebenspunkt ihrer Front zu machen, Halter: wir heute schon für sehr unwahrscheinlich. Es loird unmöglich, wenn sich die Franzosen auch ferner auf die passive Verteidigung beschränken müssen.
* * "
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 10.März. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird vcrlautbart: 10. März 1916.
Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
I t a l i e n i s ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.
An der küstenländischen Front unterhielt die italienische Artillerie stellenweise ein mäßiges Feuer, das nur vordem Tolmeiner Brückenkopf lebhafter wurde. An der Kärntner und Tiroler Front ist die Gefechtstätigkeit nach wie vor gering.
Durch eine Untersuchung wurde festgestellt, daß die Italiener diesmal im Rombon-Gebiet Gasbomben verwendeten.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höf er, Feldmarschalleutnant.
Die Kämpfe um Verdun.
Bern, 10. März. (WTB.) Zur Beruhigung des Publikums oerbrcitct die Agence Ha Vas angebliche Aussagen deutscher Gefangener aus der Schlacht von Verdun, die die fürchterliche Wirkung der französischen Artillerie, die Mutlosigkeit in den deutschen Reihen und das völlige Scheitern des Angriffsplanes her vor heben.
Ganz anders nimmt sich der Leitartikel Her v es in der „Victoire" an, der eine ganze Reihe besorgter Fragen an die Regierung richtet. Herve fragt: „Sind genügend tiefe Stacheldrähte gezogen? Liegen die Reserven gegen das feindliche Feuer gedeckt? Hat man Woniere für die letzten Befestigungen zur Hand? Sind genug Lebensmittel aufgestapelt. falls das Sperrfeuer das Heranbringen neuer hindert? Werden überall Generalstabsoffiziere am Platze sein? Ist reichlich Geschütz- und Geschoßmaterial zur Stelle? Begreifen unsere Führer die außerodentliche Wichtigkeit eines französischen Sieges bei Verdun?" .Herve befürchtet die Bedrohung der Eisenbahn Verdun — Paris und erkennt das erfolgreiche Vorgehen der Deutschen an. indem er unter anderem schreibt: „Man muß dem deutschen Generalstab zugeben, daß er die Dinge immer groß anlegt und Sinn für das Gewaltige hat. Die einzige Gefahr für uns ist gegenwärtig, daß wir die Stärke des Gegners unterschätzen."
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Der französische Bericht.
Paris, 9. März. (Zf.) Amtliche Mitteilung vom 9. MärH.
3 Uhr nachmittags: In den Argon neu setzte unsere Artillerie ihr Feuer auf die Verbindungsstraßen des Feindes sort> besonders in den Ostargonnen in der Gegend von Montfaucon-, Nantittois. W e st l i ch der Maas versuchte der Feind wiederholt im Laufe der Nacht seine Mißerfolge von gestern (damit ist die Eroberung der Maasschleife von Forges gemeint!) wieder gart- zumachen. Zwei Angriffsversuche, 'denen eine intensive Artillerievorbereitung vorausging, ans die Ortschaft Bethincourt wurden durch unser Sperrfeuer aufgehalten, das den Feind verhinderte, aus dem Bois de Eorbeaux-herauszntreten. Die erneuerten. Anstrengungen des Feindes konnten uns aus dem wiedereroberten weiten Geländeraum, den wir verstärken, nicht vertreiben. Oe st-, l i ch der Maas setzte sich der Kampf mit Erbitterirng fort. Gestern gegen Ende des Abends und im Laufe d-er Wadyt richteten die; Deutschen in der Gegend zwischen Douaumont lutb der Ortschaft Vaux mehrere Angriffe mit mächtigen Kräften aut unsere Stellungen. Trotz der Intensität des Artilleriefeuers und der Heftigkeit der Sturmangriffe.konnte der Feind unsere Linien nicht zum Weichen bringen. Er wurde vollkommen zurückgeschlagcn. Einige Teile deutscher Infanterie, welche einen Augenblick in die Ortschaft Vaux emgedrungen waren, wurden daraus sogleich durch einen Gegenangriff mit dem Bajonett verjagt. In der Woevre beiderseitiges Bombardement mit Unterbrechungen ohne Jnsanterie- aktion. In Lothringen gestattete uns ein Handstreich westlich des Pricsterwaldes, etwa 20 Gefangene zu machen.
Abends 11 Uhr: In Belgien Tätigkeit unserer Artillerie auf die feindlichen Stellungen südlich von Lombartzyde. In der Champagne bombardierten wir westlich von Navarin, östlich der Butte du Mesnil und in der Gegend von Massiges die Verteidigungsanlagen des Feindes. Westlich der Maas fuhren unsere Truppen fort, im Lause des Tageö Fortschritte zu machen im Bois des Corbeaux, den wir fast'in seiner Gesamtheit besetzt halten. Oöstlich der Maas richteten die Deutschen mehrere Angriffe gegen unsere Front von Douaumont bis Vaux. Ami Ausgange des Dorfes Douaumont brach ihr Angriff in unserem Artillerie-lund Jnfanteriefeuer zusammen. Ihr wütenden Anstürme gegen das Dorf'Vaux wurden ebenfalls mit schweren Verlusten für sie zurückgeschlagen. Schließlich warfen die Deutschen gegen „unsere Schützengräben, welche sich am Fuß der Abhänge des Bergrückens hinziehen, welcher das Fort von Vaux überragt", heftige Angriffe in Massensormation, die durch unser Sperrfeuer mit schweren Verlusten für sie zurückgeworfen wurden. Tie Tätig-, keit der Artillerie westlich ltnb östlich der Maas war auf beidÄ Seiten sehr heftig. In der Woevre Bombardement mit Unterbrechungen. Im Ober-Elsaß 'nahmen wir nach einem Handgrana- tenkampf ein Grabenstück.in der Gegend zwischen den beiden Laraflüssen östlich von Sept.
Die Verluste der Franzosen.
27« Millionen!
Wien, 9. Marz. (Zf.) Ern Berichterstatter dev „Neuen Freien Presse" meldet ans Amsterdam: Im Palais Bourbon hat Kriegsminister Galliens in einer vertraulichen Sitzung der Armeekommission folgende Angaben über die französischen Verluste bis 1. Mürz 1916 gemacht:
. 80 0 0 00 Tote,
140 0 000 Verwundete (worunter 400000 Schwerv erwund cte),
300 000 Vermißte, worunter vor allem Gefangene zu verstehen sind. Die Franzosen verloren also 2500 000 Mjann, während die Engländer bloß 600 000 Mann ani Toten, Verwundeten und Gefangenen eingebüßt haben. Die Mitteilungen des Kriegsministers sollen einen niederschmetternden Eindruck gemacht haben.
Das englische Heer.
London, Kl. März. (WTB. Nichtamtlich'.) Der Voranschlag für die Armee sieht einen Personalbestand von vier Millionen Mann vor.
Churchill.
London, 10. März. (WTB.) Ter parlamentarische Korrespondent des „Daily Telegraph" berichtet, daß C h u r ch i l l noch schwankt, ob er nach der Front zurückkehren sott. Gestern hielt er bei einem Frühstück der liberalen Kriegs ko mmission eine Rede, in der er seine Beschuldigungen gegen die Admirali- t ä t wiederholte. Lord Fisher wohnte dem gestrigen Kriegsrate deshalb bei, »veil er ein Gutachten über den Fortgang des Baues von Kriegsschiffen abgeben wollte, nicht, um strategische Fragen zu besprechen.


