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12.1.1916 Zweites Blatt
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$ifri}etitl mit RusNEhme des bann tags.

D^e ^ietzttier fm OMmki werden dem »Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, daS XicisMdt Mr de» Krth Gietzen" zweimal wöchentlich. Die ..LaNdonUfchäftlichen Sett- fra-c»" erscheinen monatttch zmeimat.

chd. Jahrgang

General-Anzeiger für Gberheften

Mittwoch, \ 2 . Januar 1(9*6

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

SchnMeitung, Geschäftsstelle.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u.Verlag:^^ö1, Schrift» leitung: ^E112. Adreffe für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

war der preußische Landtag bringt.

O Berlin, 11. Jan.

Am Donnerstag wird die treue Kriegstagung des preußi­sch?! Landtags, deren Dauer auf vier bis fünf Wochen ge­schätzt ttftrd, mit einer Thronrede eröffnet, von der manche eineNeuorientierung der inneren Politik" erhoffen, andere befürchten. Es wird angenommen, daß die Thronrede über die Aufzählung der in dieser Tagung in Angriff zu nehmenden Vorlagen hinaus auch manche twr Aufgaben streifen wird, die nach dem Kriege auf dem Gebrete der inneren preußischen Politik zur Lösung zu stellen fern werden. Ob hierbei auch die heißumstrittene und heikele Frage der wiederholt versprochenen Wahlrechtsreform an­geschnitten werden wird, wie manche behaupten, bleibt ab­zuwarten. Zweifellos- ist jedenfalls, daß diese wichtigste preußische Reformfrage in der laufenden Tagung zur Er­örterung gebracht werden wird, wenn nicht von seiten der Regierung, so aus dem Hause heraus. Besonders die Sozial­demokrat« hat bereits angekündigt, daß sie einen Vorstoß gegen das Dreiklass-enwahlrecht unternehmen wird, wobei sie das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden will. Denn angesichts der scharfen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei, angesichts der drohenden Spaltung ist es begreiflich, daß man nach einem taktischen Mittel sucht, .um die feindlichen Brüder wieder auf dem Wege einer gemeinsamen Aktion zu einiget:.

Das Herrenhaus wird am Donnerstag nachmittag zunächst eine kurze Sitzimg abhalten, um einen neuen Prä­sidenten und einen zweiten Vizepräsidenten zu wählen, da derfrühere Präsident v. Wedel und der zweite Vizepräsident Frhr. v. Landsberg-Steinfurth im vorigen Jahre verstorben sind. Für den Posten des Präsidenten wird in erster Reihe Graf v. Arnim-Boitzenburg, in zweiter Reihe der frühere Führer der Konservativen im Reichstag, Frhr. v. Richt­hofen, genannt. Am Freitag wird das Herrenhaus noch eine geschäftliche Sitzung abhalten, um die eingegangenen Regierungsvorlagen dem Ausschüsse zu überweisen, und sich dann bis Ende Februar Verlagen.

Das Abgeordnetenhaus dagegen wird sich gleich initten in die Arbeit" stürzen. In der Donnerstagnachmit- tag-Srtzung wiro der Finanzminister Dr. L e n tz e den Etat für das vom 1. April dieses bis zum 30. März nächsten wahres rerchende Rechnungsjahr vorlegen Uiid begründen, ^bei er vor allem die bereits angekündigten neuen Steuern in Gestalt der Erhöhung der Steuerzuschläge dem Hause und denLeidtragenden", iiämlich den Steuerzahlern, mund­gerecht zu machen hat. Der durch Zuschläge zur Einkom- nren- und Vermögenssteuer zu deckende Bedarf beläuft sich auf rund 100 Millionen Mark. Sie sollen bereits vom f*** 1 12/6 erhoben und nach dem Plaiie der Regierung alsbald auf ern weiteres Rechnungsjahr ausgedehnt werden Daß. erne Steuervermehrung in Gestalt von Zuschlägen zu bestehenden Steuern an sich eine sehr mechanische und alles eher als einwandssreie Lösung des Steuerproblems beden­kt, wird von keiner Seite, auch nicht voii der Regierung geleugnet Aber die Finanzverwaltung ist der Meinung, daß mes Uebel rn Kauf genommen werden muß, da in der jetzi­gen Krregszert an eine organische Lösung der Stenerfraae nicht zn denken sei. Auch ist eine Aenderung des Z u schläg­st) stems geplant, um einige am schwersten empfundene Här­ten zu beseitigen. Im übrigen wird gegen die Auffassung daß dre neuen Steuerzuschläge auf einen Wunsch der Par­ieren zurückzuführen sind, von parlamentarischer Seite Ein­spruch erhoben mit dem Hinweis darauf, daß es umgekehrt me Regierung war, die in Besprechungen mit den Partei­führern von vornherein Vorschlag, den Mehrbedarf durch Steuerzuschlage auszubringen und die organische Neuord- mmg der Besteuerung bis nad) dem Kriege zu verschieben

jedenfalls sind lebhafte Erörterungen über diese Frage zu erwarten, die sich freilich aus naheliegenden Gründen in der Hauptsache nicht im Plenum, oder wie man jetzt sagt, rn der Vollversammlung, sondern im Haushaltsausschuß absprelen werden, an den der Etat, der Staatshaushalt, schon am Samstag überwiesen werden dürste.

Außer dem Staatshaushalt wird dem Landtag auch eine neue K r i e g s k r ed i t f o r d e r u n g zugehen, da der mt Vorjahre bewilligte Kredit von U/ 2 Milliarden bereits

mxf 400 Millionen Mark aufgebraucht ist und bis zum 1. April ziemlich ganz ansgebrancht sein dürfte. Von wei­teren Vorlagen ist neben dem Fischereigesetz, das dem Land­tag von neuem zugehen soll, vor allem die Eisenbahn- an lei h e vo r la g e zu nennen, die erhebliche Forderungen enthalten dürfte, zur Erneuerung des durch den Krieg stark abgenützten Wagenparks der Eisenbahnen.

Wir betonten schon, daß der Hauptteil der Parlamente rischen Erörterungen in den erweiterten Haushalts­ausschuß verleat werden wird. Die Gründe hierfür liegen cncs der Hand, denn bei diesen Debatten über die Kriegs- fürsorge im weitesten Sinne müssen notwendigerweise Drnge berührt werden, bei denen das Interesse der Lan­desverteidigung in Frage kommt. Im übrigen ist nicht daran zu zwerfeln, daß dies Interesse, das heißt der Wille, durchzuhalten bis zum endgültigen Siege, den Leitstern der Verhandlungen bilden, daß der Wille, einen siegreicheii Frieden zu erzwingen, das Festhalten am Burgfrieden dik­tieren wird. Wie die Hoffnung unserer Gegner, uns mili­tärisch niederznringen oder uns durch die silbernen Kugeln zu schlagen oder uns auszuhungern, als endgültig ge- scheitert gelten darf, so werden auch die vielleicht durch die Quertreibereien einiger sozialdemokratischer Fanatiker genährten Spekulationen zu Schanden werden an der festen Entschlossenheit des einigen deutschen Volkes, an unserem unerschütterlichen Willen zum Sieg.

Die zehn leichtesten Zrieüensbedingungen für Deutschland.

Aus Rotterdam wird gemeldet: In derFort nightly Review" wendet sich ein Mr. F G. Aflalo gegen den Aufsatz einer anderen unbekannten Größe, die es gewagt hatte, für leichtere Friedensbedingungen für das zerschmetterte (!!) Deutschland einzutreten. Mr. Aflalo, der in seinem Privatleben ein großer Reisender vor dem Herrn ist und auch Einmal etwas über Seefische geschrieben hat, ist über die mitleidvolle Gesinuung des ersten Artikelschreibers in heiligen Zorn geraten. Wohl­wollen ser eine schöne Tugend, meint er, aber verkehrt angewandt, sei es schlimmer als Grausamkeit. Ein Arzt darf nicht immer mit Sammethändeu crnfassen, wenn er eine Operation verrichten will und die Bundesgenossen würden eine schwere Operation ausführen müssen, soll Europa wieder gesund werden. Cs sei ein Jammer, daß solche Aufsätze, wie die seines Gegners, überhaupt er­schienen, da sie beim Feiude einen verkehrten Eindruck über die Meinungen bes englischen Volkes und seiner Bun­desgenossen hervorrufeu Wenn eine Volksabstimmung ab­gehalten würde, so dürfe man behaupten, daß die fol­genden zehn Punkte die leichtesten Friedens­bedingnngen sein würden:

. 1 Augenblickliche Verzichtleistnng des deutschen Kaisers auf

den Dhron und Verbannung von ihm und seinen Söhnen

2. Die Räumung Frankreichs, mit Einschluß von Elsaß-Loth- rmgen, wecker von Trient, Belgien, Serbien und Polen

3. Die deutsckM Flotte wird auf hoher See iu den Grund ge­bohrt oder von den Bundesgenossen beschlagnahmt.

4. Alle überseeischen Besitzungen Deutschlands werden beschlag­nahmt.

5. Die Person oder die Personen, hie für den Tod der Miß Capell oder für das Torpedieren derLusitania" und derAncona" verantwortlich sind, werden öffentlich gehängt.

6. Eme Kriegsentschädigung von 80 Milliarden Mark, wovon

die eine Hälfte zur Wiederherstellung Belgiens und Serbiens be­stimmt wird und die andere Hälfte unter den Bundesgenossen ver­teilt werden soll.

7 Dauernde industrielle und kaufmännische Ausschließung der Deutichen von den Märkten und Städten der Bundesgenossen.

8. Eine internationale Polizeiaufsicht auf den Meeren durch die verbündeten Flotten und eine dauernde Aufsicht über den deut- sch>m Handel als Gewährleistung für die Zahlung der Kriegsent­schädigung und für ein gutes Betragen in der Zukunft.

2- Tie Türkei hört auf, ein europäischer Staat zu sein.

. 10- Bulgarien wird nach Anweisung der Bundesgenossen unter

den Balkan stauten verteilt. '

_ Viele Leser, meint der Verfasser zum Schlüsse, werden diese Friedensbedirigunb-en noch viel zu gnädig finden, aber das Weihnachtssest müsse sie etwas sriedlicher gestimmt haben. Mit den obigen Bedingungen könne man sich zu­frieden geben. Man beachte, daß dieFortnightly Review" nicht das erste beste Käseblättchen ist, sondern in den ge­bildeten Ständen Englands sehr verbreitet und gern ge­lesen wird. Daß ein solches Blatt glaubt, seinen Lesern eine derartige Kost vorsetzen zu können, beweist den heutigen pathologischen Zustand der gebildeten undregierenden" Schicht Englands.

Aus der Werkstatt des Krieges.

Ein Gang durch die deutsche Kriegscrusstellung.

% Von Afred Bratt.

^ Berlin, den 10. Januar.

Das Zeitalter der Technik, des Maschinen bauenden und Geistes, hat dem Weltkrieg seinen besonde- ren, ine kühnsten Dräume Phantast ebegabter Zukunftsschildecer über- raMnden Charakter gegeben. Einen phantastisch lehrreichen Ein- bckck rn oreje 'moderne Werkstatt des Krieges gewähren die im neuen <zahre rn Deutschland beginnendenK r i e g s a u s st e l - langen , die zu wohltätigem Zweck 'für die Vereine vom Roten .ftteuz) den wertesten Kreisen des Publikums das ungeheure, kompli- ^erte, mrendlrch verwickelte Netz technischer Kampfmittel an vom Krregsscharwlatz stammenden Originalen vor Augen führen sollen, ^re erste dieser Ausstellungen in den Ausstellnngsliaslen des Berlmer Zoo läßt mit Staunen und Bewunderung die groß- ^?^rger und handwerklicher Faktoren ermessen, die menschliche Fähigkeit zu schaffen vermochte. Die langgestreckte Halle, rn der Geichutze aller Arten, vom kleinsten Maschinengewehr bis t> U1 L. l 2 3 4 5 6 0 cn Kampfsahrzeuge, der Erde und der

Luft, Vnterdrgungs- rmd Angrifssmittel aller Größen und Formen rn geordneter Sammlung ausgestellt sind, ist so ein gewaltiges Laboratorrum des Weltkrieges geworden, ein stummes Zeugnis menschlicher Kraft- und Willensäußerung. Zugleich aber auch eine phantastische Schau der Gegensätze und Leidenschaften unserer Zeit, der blutigen Energien der Geschichte unserer Tage

Keine Ausstellung kann im lundgreiftichen Sinne internatio­naler sein, als diese Schau in den Zetten der sttengsten Abschlicßung der Grenzen, der 'gewaltsamsten Unterbrechung der gegenseitigen Handelsbeziehungen. Aber was den Reichtum und die besondere Eigenart dieser Ausstellung bildet, wurde auch weder srenndsckiaft- lich gesandt 'noch mit Geld getauft. Die hnndertartigen Werkzeuge und Gegenstände, dre den Kamps unseres Jal-rhunderts illustrieren, Uno Be icke stücke von den Schlachten, in blutiger Gefahr rn Miseren Besitz gemacht. Darum (spricht die Menge des starren Kriegsgeräts Berichte der Kühirlseit und des Erfolges, die beredter sind, als alle mündlichen oder schriftlick^en Schilderungen. Ter Krieg selbst wurde sozusagen in seinem technischen Extrakt eingefangen, um gemustert numeriert und mit einem Katalog versehen der Erkenntnis der -Lahermgeblicbenen vorgef>hrt zu lverdeu. Kein Museum könnte nad) kühleren rein sachlich ordmmgsgemäßereii Standpunkteri zu sammengest^lt sein, als die Scksau dieser Dinge, die in Sckpnutz irnd -ooschädigung imd Unberührtheit den dämonischen, nur imvollstandig sasstichen Hauch des lebeirdigen, blutgetränkten Kampfes verbreiten.

Tel Geschützpark in der Mitte der Halle läßt uns an die rauchutzerwoltteu Stellungen im Westen und Osten denken, die seit emeinyalo Jahren von dem Donner aus solchen eisernen Mündern j

tmderhallen. Die kleinen 'Maschinengewehre, die wie metallene Spmnen zwischen ilxren großen Brüdern uml>erzukriechen scheineil, gemahnen an die Reihen anstürmender Feinde, die von ihnen niedergemäht werden. Minenwerfer und Signalanlageii verlebeii- digen, was wir voii Durchbruchs versuchen und Gegenang-läffen vernommen haben. Ja,, selbst die gewöhiilichen Schlitten und ffchien russischen Bauern wagen, deren merkivürdig volkstümliche F-ornien an altvaterische Tage und Sitten bcrtfen lassen, führen uns Szenen aus dem Kriegsgebiet vor.

Am phantastischsten, aewalttgsten und erschütterndsten aber wrrtt die Abteilung der Kriegsflugzeuge. Englische, französische und russische Flugzeuge meist sranzösischer Konstruktion drecken schweigend ihre ans Stahldrahr gez-vgeneii Bvgelsckpvin- gcn aus, die hoch über den Schützengräben von Feind und Freund me Luft durcheilten. Sie sind unantastbare Zeugen der Kämsüe, deren Drecken und Entwickelungen sie beobachtet und tätig mit­erlebt haben. Noch scheinen die Flügel der Kriegsvögel zu zittern von Bewegung und dem Rausch der Kriegsatnrosphäre; cs ist, als seren sie mit eigener Kraft direkt aus dem Kampfgebiet zu uns 'herubergeflogen und als könnten sie sich jeden Augenblick wieder erljebcn, um ut Kampf und Gefahr zn enteilen. Aber ihre Motore die modernen Herzen dieser allermvdernsten Tiere sckstagen nicht mehr, und ihre mit den französischen oder englischen Farben bemalten Tragflächen bewegerr sich nicht iir der Gefangeiischaft Sre smd hnuntergeholt aus luftigen Höhen in fernen Gebieten, ^^^^Ittwssen mit schlanken, sinnreich gebarcken Abivehrkanoiren od? Apparaten, dre ihnen wie Brüder gleicheir und ihnen dennoch Femd sind, rm Schmuck der deutscksen Farben. Und wie ihr Anblick, so bewegt auch der schlichte Bericht über das Schicksal, das sie in diesen Saal gebracht hat. unseren Süm. Da liegt das Mittel stuck emes englischen Kampfflugzeuges: die Sckpvingeu fehlen, ebenso der Unterbau mit Rädern imd Steiierimg. Zerschossen und amputiert liegt dieser 'Ueberrest des einst stolzeii Kainpfvogets vor unsren Augen, und in dcni Bericht heißt es: Doppeldecker, gebaut m den Königlich, englischen Flugzeugwerken. Wurde nördlich des Flugplatzes Rouph zur Laiidung gezwungen, loobei er sich über­schlug. Beide Insassen wurden tot vorgcfunden. An dem Flugzeug wurderi 192 Treffer gezählt.

Außerordentlich, vielartig ist die technische Gestaltmig iind Berwendimg der niodernen Kriegverkehrsmittel. Die Leistungen der Eisenbahnen, die die moderne Strategie inttgeschaffeii und ausführbar gc'machst haben, 'iverden durch das neueste Verkehrs­mittel aus sestl'M Boden, den Kraftivagen, iu großzügigster Weise ergänzt und in Einzelheiten sogar übertrvffen. Die Kolonnen- wagen Munftions- Md Proviantfahrzeuge, Panzerwagen und Ordonnanz-Rennautomobile sind die verbindenden und ver­mittelnden Sendboten im heMigen beiveglichen .Kriegsgcwirr

Gcivehre aller Konstruktwneu, Uniformen der verbündeten niid gegnerischen Truppen, Kriegsaraphik, .Kriegsliterattrr und Kriegs- Photographie ergänzeir diese Schau, die mit Beihilfe des Kriegs-

Bilder au§ Saloniki.

Die folgende Schilderung des Lebens in Saloniki findet sich imGaulois":Das erste, lass man gegenwärtig in Saloniki lernt, ist die Uebersekung des RufesÄchtung!"' in die ver- ichiedensten Sprack-rn. In dem wirren Verkehr, ber sich besonders in der Gegend des Hafens zufamTnendrängt, in dem Durchein- ander von Soldaten, Beamten, Händlern, Lastttägern und Volk. Attention"Bros",Testour",Varda", ,Hey-Oop" so tonen die Rufe von allen Seiten. Französisch, Griechisch, Spanisch m einer merkwürdigen Salonikiec Anssprache, Englisch in allen Dialekten von dem Dialekt der Westküste Irlands bis zu dem der Ojtkuste von Yorkihire alles ruft, tönt und wirbelt durcheinander, und für einen Sprachunkiindigen ist es schwer, un- angermipelt vorwärts zu kommen. Schwere Lastautos mit den französischen oder englischen Abzeichen donnern über das un­ebene Pflaster. Griechische Soldaten retten aus ihren kleinen Pfer­den m langer Reihe aus der Stadt. Motorräder rattern, fauchend und schwankend über die hockrigen Steine. Reiterei der Alliietten klappert durch eine Hauptsttasie, Karren aller A?ten und Größen poltern umher. Sttaßenhchrdler halten Hühr^er und Früchte feil. Pattouillen, deren Gemisch von Uniformen der verschiedensten Truppengattungen ihnen ein merkwürdig zusammengewürfeltes Anchehen verleiht, marschieren zu ihren Posten. Tie Straßen dieser biinten Levante-Stadt spiegeln ein Weltbild von Beweg­lichkeit, Völkergemisch, Gesichtern und Geräuschen. Es ist, lverh Gott, schwer möglich, heute ruhig in Saloniki spazieren zn gehen. Saloniki gleicht den orientalischen .Häfen des Mittelmeeres, be- onders m dem Unterschied^des Bildes, das von ferne vom Meere aus gesehen eine Stadt von eigenarttger uiid historischer Schönheit zu offenbaren scheint, in der Nähe sich aber als ein wimmeliides, mcht sehr reinlickses Gemenge von Sttaßen und Häusern zeigt. Die Seeleute, die die Stadt von Bord ihrer Kreuzer mt leise schaukelnden Golf dtrrch den lichtglänzenden Morgennebel bettachten, beneiden die Soldaten, die in dieser scknm- mernden Stadt leben dürfen. Die Soldaten hingegen, die sich in den schmutzreichen, von wenig erfreulichen Gerüchen erfüllten sttaßen auf hügeligem Grunde bewegen nrüssen, wünschen sich an die stelle der Seeleute auf reinlichem Verdeck, umgeben von den blaugrauen Fluten der See. Jedenfalls ist Saloniki malerisch und

, an wildern. Die Vergiiügungen, deren man in Saloniki terlhafttg werden kann, beschränken sich^auf ein Kaffeehaus, das mehr Gäste als Sitzgelegenheiten hat: drei Kinematogravhen- theater, die Aberü> für Abend dieselben uralten, verblaßten Films abrollen, ein Theater, dessen Leistungeti nicht gerade künstlerisch zir nennen sind und schließlich ein sogen.Gesundheitsbad", dessen Dlgltzer infolge des reichen Zuspruches der Offiziere großarttge Ecsawste macht. Vor den Kaffeehäusern, an den Straßenecken, auf den Plätzen, überall haben sich jugendliche Stiefelputzer mtt ihren klemm Kästchen und Bürsten aufgestellt. Diese Putzer, die man Lustros" nennt, sind wahre Künstler in ihrein Fach, und es ist schwer, sich ihren laut gellenden Aufforderungen zu ent­ziehen. Doch Stadt und Unigehrmg werden vor allem von den Unifornien beherrscht, die in ihrer V.ielfülttgkett das seltsame Durcheinander noch mehr zu ve rwirren scheinen ..."

Ministeriums und unfteiwilliger Unterstützung unserer Feinde ein wcuseum geworden ist, das die Werkstatt des'Weltkrieges in ihrer atemraubenden Tatsächlichkeit zeigt.

, Es ist das Arsenal des Kampfes, das wir sehen, die Fabrik des Kruges Ein Gesamtbild der Welt, in der unsere Soldaten zäl und unbezwinglich ausharren als die Pioniere des Riesenavparatest den zu bedienen die Geschicke unserer Zeit zur Ehrenpflicht gemachl haben.

-S-.d epprlin-AlarM. Die Zeppelingefahr hat die Not­wendigkeit herbeigesührt, womöglich automatisch die Annäherung von Luftschiflen und auch Flugzeugen auzeiqen zu lassen, und die französische, englische und amerikanische Erfindungskraft be- faßt sich daher intensiv mit diesem neuen Probleme.' Wie ein Bericht desPromttlieuß" mitteilt, ist man einerseits bemüht, dre automatische Wislösung von Warmiiigsflgnalen zu bewirken andererseits mck Hüfe entwickelterer Einnchtungcri dann Richtung imd Entfernmig des Fahrzeuges znm Zwecke wirksamer Bekamp,una sestzustellm, auch wenn es nicht sichtbar ist. Das Prinzip der Einuchtnngen besteht in der Benutzimg der Lufterschütternngerr durch die Explosionen der Motore. Man läßt sie aus mikrophon- ähnliche Apparaturen einwirken, wodurch Schwankungen in elek­trischen Strömen ansgelöst lverdeu. die ihrerseits Alarmvorrick- ttingen betätigen, Licht- und Klanganlagen: oder man bemißt die mechanische Ueberttagung des Lautes durch große Schalltrichter aus das Ohr, iim durch Drehung des Trichters die Richtung fest­zustellen,. aus der die stärkste Erregung kommt, in der also der Störenfried sich besinnet. Zur Erhöhung der Empfindlichkeit wer­den rnehrerc derartige Trichter gleichzeitig benutzt, deren Wirkung addiert wird Die Trichter sind alle gkeicklgerichtet und i» gleicher Weise zur Ab'.uchung des Himmels zn drehen Um schließlich die Entfernung festzustelleri, bedarf es neuer Methoden der Eiit- fernungsmessmig oder Anpassung der für die Messung durch '^-icht entwickelteil Instrumente zur Messung durch Klang. Bei- Viel sw eise stellt man an mehreren (drei, vier) Stellcgi des Erd­bodens mit mehreren Trichtereinrichttln-reil die Richttmg des Fahr­zeuges für jede Stelle fest mrd kwrechnet danii aus allen Zusam­men den Ort iind danrit die Eritferiinng. Das Problem ist, ivie man ohne weiteres erkennt, nicht einfach, dar Unsicherheit in der Feststellung der >Aangrichtnng an sich schon gesellt sich die. Brechung des Klanges durch die Wolken, durch Luftströnmngen usm zu, und wekm maii dazu die schnelle Beweglichkeit des Fahr­zeuges berücksichtigt, so schettit cs recht ivenig aussichtsreich, der­artige Llpparaturen zur lmrksamererl Beküurpsring benutzen \n konneii wenigstens was die Feststellung der Entferiinng an­langt. Zur ^stgvinnnug der hsichtung sckwinen sie säwn elxr brauch­bar und auch zu antomatischeir Alarniemriäitungeir.