Ar. 16
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166. Jahrgang
Donnerstag, 20. Januar 1916
General-Anzeiger für Oberheffen
B.LfonanH Ptilag X, Briurw.,, m» Sl«ü,teä<«i H. s. ri „, ttas , „S >nltoai s^.
BezugSprei monatl. 85 M., viertel- iährl. Mk. 2.50: durch ' Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Is.: durch diePost Mk.2.30 viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., answ. 20 Pf. — Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goeh; für Stadt und Land, Vermischtes und Gerichtssaal: Fr.R.Zenz; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich m Gießen.
Kaiser Wilhelm und Zar zerdinand m Nisch.
(DTB.) Trotzes Hauptquartier, 19'.Januar. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
An der Y serfront ftietz eine kleine deutsche Abteilung in den feindlichen Graben vor und erbeutete ein Maschinen- gewchr.
Lebhafte beiderseitige Sprengtätigkeit auf der Front westlich von L i l l e bis südlich der S o m m e.
Nachts warfen feindlicheFliegerVombenaus Metz. Bisher ist nur Sachschaden gemeldet. Ein feindliches Flugzeug stürzte gegen Morgen südwestlich von Thiaucourt ab; von den Insassen, ist einer tot.
OestlicherKriegsschauplatz.
An der Front nichts Neues.
Deutsche Flugzeuggeschwader griffen feindliche Magazin-Orte und den Flughafen von T a r n o p o l an.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Die Lage ist unverändert.
Oberste Heeresleitung.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Bei der Besetzung von V i r p a z a r haben unsere Truppen — wie nachträglich gemeldet wird — zwanzig Stahlkanonen erbeutet.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Unser Kaiser weilt zurzeit mit dem Zaren Ferdinand von Bulgarien in Nisch, der zweiten Hauptstadt Serbiens, ber berüchtigten Stätte, wo die Mordpläiie von Sarajewo geschmiedet wurden. Wie haben sich die Zeiten geändert! Aus dem bedrängten und bedrohten Habsburger Staat ist ein stolzer Sieger geworden, aus dem großen Zarenreiche ein inachittofer Znschaner der Nervordnnna im Orient, <rn der Rußland keinen Anteil nehmen kann. Zn der Tat, die große orwnlnlische Frage, die seit vielen Jahren die Geister beschäftigte, aber nicht gelöst werden konnte, weil die beteiligten großen Mächte sich eifersüchtig gegenüberstanden, wird im deuffch-Vfterreichischen Existenzkämpfe jetzt auch gelöst. Wie großzügig die türkische Staatskunst gehandelt hat, als sie mrt uns in den Krieg eintrat g-egen die Bedrücker, wirä> ttrtntcr Hatet. Deutschland sollte umzingelt und nieder- gSvorsen, Oesterreich - Ungarn zerschlagen und zerstückelt we^en Kann man sich ein deutlicheres Zeichen für den Willen der Weltgeschichte, für die kommende Machtverteilung denken als diese ungestörte Freilegung der großen Straße durch die Mittelstaalen nach dem fernen Osten? Schon ist me orientalische Frage nicht mehr vorwiegend eine Sache Rußlands, sondern — E n g l a n d s! Die „Daily Mail" ver- ^Etett uns gerade heute sehr offenherzige Bekenntnisse, indem sre erklärt, das britische Reich habe jetzt nicht auf fremde §ti|e und Verfechtung ferner Interessen zu rechnen, sondern nrüffe den Kampf selbst führen. Das Blatt spricht von dem furchtbaren Unglück' von Tarrnenberg und verweist auf das geschlagene Riißland. Darin liegt auch das Eingeständnis, daß England nicht mehr als oberster Richter über die Geschrcke der Völker auftreten kann, sondern daß es lediglich um seine eigene Haut handeln darf. Heute wird der NE Völkerbund, an dessen Spitze das deutsche Reich treten darf, schon vor dem Friedensschluß in Nisch besiegelt! Mr Bulgarien bedeuten die Tage von Nisch einen ganz be- sonderen Triumph. Es hat sich nach den Enttäuschungen des uchten Balkankrieges mit unserer Hilfe wieder kraftvoll erhoben und ist zur ersten Vormacht des Balkans geworden. Wrr glauben nicht, daß Zar Ferdinand um seine Macht- stettung noch einmal in absehbarer Zeit mit den übrigen Balkanstaaten zu kämpfen haben wird. W^der Rumänien, wo die Frredensverhandlungen mit Montenegro großen Eindruck gemacht haben, noch Griechenland werden sich mit dem Gedanken tragen, für die geschlagene Enteilte die Waffen m «Men. Griechenland hat in den letzten Tageir sowohl durch Skuludis, seinen leitenden Minister, als auch durch Konrb Konstantin, der einen Vertreter des Berliner „Lokal- AiiMgers" empstnß, erklärt, daß es n e u t r a l bleiben werde, welchen Verlauf die Dinge auch nehmen würden. Vielleicht ist letzt iii Nisch das entscheidende Wort darüber gefallen wie d« letzte englisch-französische Trntzecke in Saloniki be' seittgt werden soll.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 19. Januar 1916.
Russischer Kriegsschauplatz.
Der gestrige Tag verlief ruhig. Heute in den frühesten Morgenstunden entbrannte an der Grenze östlich von C z e r - nowitz bei Toporoutz und Bojan eine neue Schlacht. Der Feind setzte abermals zahlreiche Kolonnen an und führte an einzelnen Stellen vier Angriffe nacheinander. Er wurde jedoch überall von den tapferen Verteidiaern zurückgeworfen.
Sonst keine besonderen Ereignisse.
JtalienischerKriegssch au platz.
Angriffe schwächerer Abteilungen bei Lusern und nördlich des Tolmeiner Brückenkopfes wurden abgewiesen.
Der Kaiser in Nisch.
...Nisch, 18. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Pünktlich 12 Uhr Eags sind rn dem festlich geschmückten Nisch Kaiser <8 r l h e lm und Zar Ferdinand von Bulgarien zu- -ammengetrofsen. Bulgarische Truppen stellten aus dem Bahnsteig dre Ehrenkompagnie. Nach herzlicher Begrüßung begaben sich dre beiden Herrscher in Automobilen zur Zita oeUe,, wo Ire gemeinschaftlich die Parade der dort ausgestellten bulgarischen, mazedonischen und deutschen Trnp- Pen abnahmen. Der Kaiser überreichte dem Zaren den Ä? l c ö ™ a r f G * * f* a &: der Zar ernannte den Kaiser zum Ohes des zwölften bulgarischen Infanterie-Regiments. Jtt Begleitung des Kaisers befanden sich General v. Falken- hayn, Generalfeldmarschall v. Mackensen, die Gene- raladiutcmten v. Plessen, v. Lyncker und v. Ehelins, Ad mrral v. Müller und Oberhofmarschall v. Reischach. Anßer- waren General v. Seekt und Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg anwesend. Zar Ferdinand war vom Kron- prrnzen Borrs, dem Prinzen Kyrill, dem Generaladjutan- en Markoff den Generälen Bojadjieff, Todoroff und Tan- trloss, dem Generalgouvernenr Kutineszeff, dem Minister- prasrdenten Radoslawow und dem Gesandten Tschapraschi- roff begleitet. Der Eindruck der Feierlichkeiten wurde durch oa^'trahlende Sorrnenwetter des südlichen Winters ver-
Nichtamtlich.) Meldung der Bul- garrschen Telegraphew-Agentur. Bei der zu Ehren Kaiser Wilhelm^ in N 11ch veranstalteten Parade über die vereinigten gruppen zeigte der Kaiser ganz besonderes Jrrteresse für dre maze- dlbtcrlungen, die größtenteils mrs ehemaligen Parteigängern gebildet such. Der Kaiser unterhielt sich mit jedem Offizrer und redem So-ldaten und fragte sie, ob sie zufrieden seien dar, ihr Land bef reft sei. Im Anschluß an die Pa/ade überreichte bereits gerneldet) Kömg Ferdinand den Feldmar-
TaÄ^t lagte, er sei begeistert von der
Tapferkeit der kulgarhchen Armee und ihrer glänzenden Teil ^me an dem, gemeinsame Werke. Er bitte den König? den Marschallstab als ern Zercheir von Dankbarkeit der deutschen Armee an- ^nig antwortete <mf bulgarisch er sti £5* ^ des heldenhaften, ruhmbedeck-
ten deutschen Heeres kämpfen zu sehen. Er sei überzeugt, daß ihr Zusammenwirken es den beiden Ländern ermöglichen werde das
fab a mü^lTt£$m K ^ 8taSt Wtel ' ^ l#erte bm Schals
eine Veröffentlichung de» montenegrinischen Generalkonsulats in Paris.
V« 1 »' Zan. (WTB Nichtamtlich^) TaS noitteitt« ^ ^ ^ ^t veröffentlicht folz«ü>e N°w:
ilnnJSSvIrf ^ unglücklich« »iontcuegro sich ins
u n»erme t MKr)e schicken mußte, nachdem cs unter ganj besonders
übm'leocn^ gegen einen zohlemnäßig weit
bewaffneten Fernd kämpfte. Wenn der jWniq die n< ^ a j* n ’ so muß man sicher mrnehmen, daß
q}? ^hre letzte Mun ltivn versthoß, sogar die
imb J? Urbe ?uuroglich, da der Feind an den Grenzen stand ^bitterten Feindseligkeit seitens Albanrens ^ Meer gab. StafewÄ ^Enen entkommen konnte, so hatten doch dre scbwackien e rschöp ften montcnegrinffchen
Man^rb Gebiet Zuflucht zn suchen.
^„Bedingungen, unter denen die Feindseligkeiten mm- dch ^ Schlußworte zu Men bekvm-
darüber stanrmen übrigens von fachlicher ^ogar die unglücttrchen Besiegten mit Schimpf
Montm^ro Ruf des tapferen^S!
Montenegro, noch der erhabenen Seldenrolle, die es zu seiner
& £ P SÄ f0i l Ite ' Abbruch tint''ramtewK» ttS artend ^ aTt CTfte Stelle weit.
ÄÄÄta fCmC F-reund.
Griechenlands Haltung.
Athen. 19. Jan. (WDB. Nichtamtlich.) Im Laufe ein«
^es Reu Irschen Bu^ ILr Skuludis seine Ueberraschung
rüalisb ^ l bn die Gitentemächte anscheinend be-
- f hhl vntfy&a 1 Kabinetts hegten und die sich rn Beschränkungen der Ernfu^ von Lebensmitteln und Kohle
mb ausdrücklich die Versicherung, Segenwart.ge Politik Griechenlands vollständig aufrichtig ü?? 6^^ seiner neuttalen .Haltung gegenüber beiden Gruppen der Kriegführenden vereinbar sei. Er sei überzeugt dast dies bestePolttikMdas Land >. Er EärNLLÄnL werter neutral blerben und ferne Armee für die schließliche Li- gurdrerung rntakt erhalten werde.
Die griechischen Truppen von der bulgarischen Grenze zurückgezogen.
London 19. Jan. (WTB. NichtanrtlichZ Das Bureau Reuter Tneldet ans Athen: Es wird angekündigt, daß das
28. griechische Inf an te?ie-Reg imen t wege^i der
schwierigen Versorgung von der bul g a ri sch en Gre nze 'rU^ckgezogen werden nmß, wo nur ein Bataillon leibt Eine Kommiffion von hohen Beamten des Verkehrs- mirnsterrums rerst nach Mazedonien, um die Möglichkeit der Versorgung der griechischen Truppen mit Lebensmitteln F? rmtersnchen, welche sich an Orterr befinden, mit welchen
SÄÄ5Ä
Aus Italien.
R otn ,19. Jair. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der ^Ager^ia Stefanr". Bei Besprechung der Uebergäbe
C w L^°;^t.,Gi°rw°lo fatalta- Das l5r- etgroä hat tnw berechtigte und schmerzliche Ueber- raschuAg hervorgerußen. Denn die Annahme, daß solches gescheh en ^ k önne, hat in zu starkem Widerspruch mit den Ueberl«ferung«r Mmttenegros gestanden. Das Matt er- Sd-ran, daß Montenegro Skntari ohne Widerstand LÄA Oesterreich-Ungarn m Besitz genommen hat, dessen Konsul sogar den montenegrinischen Truppen mit einem Ekomnmngrnß «itgegengrng irnd in Slntart verblieb, »Ä . Dttttelpnnkt osterrerchisch-nngarischer Umtriebe in Wanren wurde Der schnelle Fall des Lovcen überraschte besonders rm Zusammenhang mit der Uebcri,ahme der Regierung rn Cetinje durch Muschkowrtsch, dessen Hinneigung
bereits ein Einverständnis »wischen Wien'imd'Eetinje besteht, daß der Lovcen an Oesterreich-
anf der Grundlage _ ^ VVUC4l uu ^nerrercn-
Ungarn und Skutam an Montenegro falle. Vielleicht hofft ^n"tEgro> daß der Vlerverband nach dem Siege die vollendete Tatsache anerkenn«, aber man dürfe nicht Mi- nehmen, daß dieser bei der Schlußregeluna den Preis llir den MonteneMo ihn im bedenklichsten Slugenblicke' des Kampfes rm Stach lreß, wurde belassen können. —
Die „Jdea Nazionale^ alaubt gleichfalls an ein Ein- verstandnts zwrschen Oesterreich-Ungarn und Monte- negro über den Lovcen und Skutari und hebt hervor, daß der Vrerverband ern solches hätte verhindern müssen soaar diirch dm Festna hme der führenden militärischen und polt tischen Perjonlichkerten Montenegros.
Besprechungen in Rom.
-.Bern, 19. Jan (MDB. Mchtanitlich.) Der Mailänder „Secolo meldet aus Rom: Der Ministervräsident baltc
im p° Iaä * 0 . 58ta f d ) i . fast gleichzeitig mit dem Minister des Acußern, S o n n i n o , nnt dem Kneqsimnistcr Z „ - V e l l i und dem Kolomalminister Martini längere Bes v r e - chungen über die diplomatische und militärische Lage und über die Situation des Ministeriums gegenüber den neuen Kritiken der Resonnsozialistcn, der radikalen Nationalist^ und interventronistMer Komrtees, in deren Sinne sich auch einige Zl^ter geäußert haben. Spater begab sich Salandra in die Vula Ada zum Konrg.
Eine Zusammenkunft in London.
London, 19. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die Times" mclliet aus Paris: Tie Minister der Al liier ten'Len heute m London Mfamnven.
Rumänische Aeußerungen zur Unterwerfung Montenegros.
. Tbükarest, 19. Jmi. (WTB. Nichwmtlich.1 Z,rr Waflen. Itteckung Montenegros schreibt die InrhnW' L
Vs: König Nikiw'«. Lß"e7 für ihn iM^sein^L klug sei, vor Oesterreich-Ungarn zn kapitulieren und den Frie^n ^lleN' nachdem er vorher ein österreichalNqari^-freundliches Kabinett gebildet l-atte. Drese Gebärde des als getoieater bekannten Nikita sach mehr als die schönsten dtcfcn Nrkita glaubt ernsach nicht mehr an den Sieg des Vrerverband^ ^ jmlt retten, was noch zn retten ist. Nikrta alairbt -wü?? ^ E an dre Wiederherstellung der russischen Armee und nickt an kunftrge Siege M-'ankreichs, nichts an Erfolge des Vierverbande^ auf dem Balkan, nrcht an erne russische Unternehmung gegen Bul-
Arm7e a!rf G^d dÄ
KL sffiüft’ 4 ' *— » ÄÄra*BS
rz, n ^ n ^ e n c c Rouinaine" schreibt'
Sonderfrrede nrrt Montenegro ist eine der merkwiH^
°d-n des großen, Dramas: das ErgÄM is^S d^^ m ee ^ 0 de ß frei wird. Angesichts dieser Aussicht dränaen dre englische und dre französische Presse Italien ^
Dative zu ergreifen, denn ein neu* &fotg De t
wurde besten Vorherrschaft an der Adria festlege7 Die Ko7-
tulatron lenes Volkes, dessen weiterer Kampf eine Övseruna be-.
.^Interessen, die nicht die monün^L« ftnd ist eine Ironie dar Geschichte, daß zu derselben wo, dieses Ergeh ms mrgateilt twlird, die „Agenzia St^faw"^ Frredensgeruchte mit der Hinzufüaung leugnet
der tatMe Mittelpunkt des Mslaventums^^ auf dwr Bolk^^
Alb?ni??' lüne Operationsbasis qeqwt
^kvämdet oder mindestens neutral iet ttn- Aktion arlßerordentlich erleichtert werde, für die' Vers, brndim^slinie ern unschrätzbarer Vorteil. ^
Aehnlvch äußett sich „S t e a g n l", während die r u s s e n ^ freundliche Presse schweigt. „Epoea" und
ME^egvos^^ mt nniml Nachricht von der Ergebung
Eine Kritik der „Daily Mail".
London, 18. Jan. (WTB. Nichtamtlich) Der Petersburger Korrespondent der „Daily M a i ™ ber au^ Enaland
S^ U l a - efC ^rr ^ rei6t in s^uem Blatte: Der große Trrtum- den wrr alle begangen haben, ist, daß »vir uns zu sehr darauk Lassen haben was andere für uns tun würden Im An! fang des Krieges ließ sich das entschuldigen aber iekt sollten : beser unterrichtet sttn. Wir Müssen nns^7an Var ein bafi S' un^r Kneg rst. Kein anderes Volk kann ihn'zu Ä


