leitung zum Briefſchreiben. 8. 1 rtl.
Eine weibliche Feder faͤllt im„Literariſchen Con⸗ verſations⸗Blatt“ uͤber das vorſtehende Werkchen fol⸗
gendes Urtheil:„Nicht ohne eine gewiſſe Bangigkeit
eroͤffnete ich das Buch, doch was ich befuͤrchtete, traf
ich nicht an. Die Verfaſſerin verſteht ſich trefflich
auf das Eigenthuͤmliche des weiblichen Briefſtyls; ſie
vergeudet nicht den Vorzug einer ſchlichten Naturlich⸗ keit, um die den briefſtellenden Frauen ſo entbehrliche
Muſterhaftigkeit zu erreichen. Saͤmmtliche Briefe, die
zuſammen eine Art von Roman bilden, ſind echt weib⸗ lich, ohne Anmaßung und Geziertheit, weder uͤberla⸗
den, noch kuͤmmerlich im Ausdrucke, nicht geſchwaͤtzig,
noch verworren und dunkel.— Die Briefe ſollen zu Muſtern dienen fuͤr Frauen von ſanftem Gefuͤhle, rich⸗ tig ausgebildetem Verſtande und einer geſunden Urthei⸗ lungskraft. Die Mehrzahl des weiblichen Geſchlechts, und gewiß ein recht achtbarer Theil deſſelben, kann ſich ſolche zum Muſter einer natuͤrlichen Schreibart erwaͤhlen, und aus ihrem Inhalte Troſt und Beleh⸗
rung ziehen. Ueber die meiſten Gefuͤhle und Ideen,
die das Weib haben kann, uͤber viele Zuſtaͤnde, in die es ſich verſetzt ſieht, Verhaͤltniſſe und Stellung zur Welt, welche Frauen treffen koͤnnen, wird in den Brie⸗ fen mit Innigkeit, Wahrheit und Einſicht geſprochen. Eine Fortſetzung dieſes Briefſtellers, in deniſelben Geiſte belehrend, ohne Schulweisheit und Kathedermiene, un⸗ terrichtend und unterhaltend, iſt gewiß eine von den Gebildeten(nicht Ueber⸗ und Verbildeten) meiner Mitſchweſtern ſehnlich begehrte Gabe.”“
Auguſt Ruͤcker.
Brieſſteller fuͤr Frauen. Eine Sammlung von Mu⸗ ſterbriefen von Amalie v. Seldt. Mit einer An⸗


