Jahrgang 
2 (1824)
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den meiſten oͤffentlichen Verpachtungen die Pacht⸗ liebhaber nicht ſelten mit Verleugnung aller geſun⸗ den Vernunft haͤufig aus Eigenſinn ſich einander die Pachtſumme in die Hoͤhe treiben, ſo kann man auch erwarten, daß ſolche Paͤchter, welche theils auf jene Weiſe, theils durch unrichtige Anſichten verleitet, zu hoch pachteten, jedes Mittel anwenden werden, ihr Vermoͤgen zu retten, wozu am Ende die Pflicht der Selbſterhaltung auch den redlichen Mann zwingen wird. Dadurch koͤnnen aber, ſtatt des ſcheinbaren Vortheils einer großen Einnahme, dem Verpaͤchter nahmhafte Nachtheile erwachſen.

Wer mit ſeinen Anſpruͤchen das Gebiet des Rechts und der Billigkeit uͤberſchreitet, wird ſich in der Regel in ſeinen Erwartungen getaͤuſcht ſehen. Von der Wahrheit dieſes Satzes werden ſich ohne Zweifel alle Verpaͤchter uͤberzeugen, welche uͤber⸗ ſpannte Forderungen an ihre Paͤchter machten.

Indem ich nun die vorſtehenden Vorſchlaͤge und Bemerkungen der Pruͤfung einſichtsvoller Maͤnner uͤbergebe, kann ich den Wunſch nicht unterdruͤcken, daß ſie dazu beitragen moͤgen, dem gegenwaͤrtig ſo hart gedruͤckten Stande der Paͤchter einige Erleich⸗ terung zu verſchaffen, und manchen Verpaͤchtern, durch die Beleuchtung ihres damit verbundenen eigenen Vortheils, billigere Geſinnungen gegen ihre Paͤchter einzufloͤßen.

Oberhagen im November 1824.

E. Becker.

Roſtock, gedruckt in der Adlerſchen Officin.