Schädlichkeit des'Mergels.
Augzug eines Schreibens an den Profeſſor Karſten zu Roſtoc> vom Herrn Bollbrügge auf kleinen Niendorſſ.
Es it ein in Mecklenburg. ſehr gewöhnlicher Aus- druck, wenn man einen Menſchen bezeichnen will, der ſehr mager und fraftlos iſt, zu ſagen: er ſiehet ſo ausgemergelt aus, er ſcheint ſehr ausge- mergelt zu ſeyn. Sprichwörter ſind nun zwar nicht immer Wahrheiten, aber ſehr häufig liegt bey ihnen eine Urſache zum Grunde, wodurch ſie ent- ſianden ſind, und oft enthalten ſie ſcheinbare, oft wirkliche Wahrheiren- I< muß geſtehen, obiges Sprichwort gab mir oft Gelegenheit zum Nachden- fen; da es hier ſo. ſehr gebräuchlich iſt, ſchien es mir ſehr wahrſcheinlich, daß in Mecklenburg in alten Zeiten gemergelt ſey, und nicht mit Glück in ſeinen Folgen; es machte mich alſo in Anwendung des Mergelns ſehr de3tſam. Einſichtsvolle Män- ner, welche ſchon früherhi:? Verſuche angeiellt hat- ten, geſtanden auch ein, daß der Mergel allein ohne Stalldung/ und. öfterer a8gewandt, dem Boden ſeine Kraft entziehe, da er nur Reizmittel ſey, und alſo, wenn er die Kräfte, welche in! Acker verbor- gen, alle aufgeweckt, und zur beſſern Producirung der Früchte hergegeben, ſolcher num ausgezehrt worden, und keine mehr beſike. Erfahrung ſagte, daß Halmfrüchte dann nicht mehr auf vieſem Acker gediehen, ſondern gänzlich verſagten, daß aber Erbſen, Wicken und Klee noch vorzüglich wüchſen, Um nun dieſem Nachtheile zu begegnen, müſſe man ſogleich Scalldung mit Mergel verbinden; dieſer gäbe dem Acker die nöthige Feuchtigkeit wieder, weiche demſelben durch die im Mergel enthaltenen Kalftheile entzogen wären; theile ihm neue Frucht- theile mir, welche durch den Mergel beſſer mit dem


