Jahrgang 
Abhandlungen ... auf das Jahr 1755
Seite
38
Einzelbild herunterladen

38 Von der Bewegung des Waſſers

nicht ſenkrecht hernieder laſſen. Daß ſich dieſes ſo verhalte, hat der Graf LMarſigli ſelbſt in der Enge bey Conſtanti- nopel, wo das ſchwarze Meer ſeinen Auslauf hat, genau Geobachtet. Als er die Tiefe mitten in dem Strome meſſen wollte, iſt die Schnur mit daran hängendem Lothe anfangs dem obern Strome ewas nach Süden gefolget, als man aber mehr niederließ, hat er bemerkfet, daß ſich der Schnure unkerſter Theil gewandt, und von Süden nach Norden ge- zogen hat.- Er berichtet(A. Erad. Tom. 1. Supplem. p. 207.) die türkiſchen Fiſcher hätten ihn verſichert, dieſes ge- ſchähe zu allen Jahrszeiten. Graf TMiarſigli hat ſelbigen Tag geſunden, daß die eigene Schwere des obern Waſſers ſich zu der Schwere desjenigen, das man aus der Tiefe hob, wie 62:72 verhielte,

6. 22. Aehnliche Bemerkungen hat man in Dereſund angeſtellet,(Phil, Tranf. Abridgd. Tom. 2. p. 288.) die engliſchen Seeleute ſind daſelbſt auf einem Boote mitten in den ſtärkſten Strom gefähren, und haben gefunden, daß das Boot dem Strome gefolget iſt: als ſie aber einen Ei- mer mit einer Stückfugel darinnen in einem Boote nieder- ließen, blieb das Boot erſtlich in ſeiner Fahrt dem Strome nach ſtehen, und fieng nachgehends an, dem Strome gänz»- lich entgegen zu gehen, als man den Eimer noch mehr nie» derließ, Sie fanden, daß der obere Strom nicht tiefer, als 4 bis 5 Fammar war, je tiefer man aber den Eimer niederließ, deſto ſtärker hat der untere Strom gegen den obern gezogen. Solche doppelte und wider einander gehen- de Ströme ſoll man auch im Canale zwiſchen Frankreich und England bemerket haben.

S. 23. Dieſe angeführten Gründe und Verſuche ma- Hen es ungezweifelt, daß ſich wirklich doppelte Ströme fin- den, die untereinander, einander entgegen gehen. Man muß alſo natürliche Urſachen von ihnen angeben, welche dieſe Wirkungen hervor bringen können, und das iſt iso meine Abſicht.

QS. 24.